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Schneebedeckte Hundehaufen auf gekauftem Grundstück: Kein Scha­dens­er­satz für Besei­ti­gung unent­deckten Kots

20.01.2017

Auch wenn der Hundekot wegen Schnees zunächst nicht sichtbar war, könne Schadensersatz für dessen Beseitigung vom erworbenen Grundstück erst verlangt werden, wenn der Hundebesitzer zuvor dazu aufgefordert worden ist, so das AG München.

Das Amtsgericht (AG) München hat eine Schadensersatzklage eines Grundstückkäufers wegen der Beseitigung von Hundekot gegen den Verkäufer abgelehnt. Das geht aus einem jetzt bekannt gewordenen Urteil hervor (Urt. v. 13.04.2016, Az. 171 C 15877/15).

Der klagende Grundstückskäufer erwarb im Winter vom Verkäufer eine Eigentumswohnung mit Garten. Nach notariell beurkundetem Vertrag sollte das Objekt "wie genau besichtigt" verkauft werden. Erst mehrere Monate nach der Übergabe stellte der Käufer dann eine Verunreinigung des Gartens durch mehrere Hundehaufen fest. Aufgrund des schneebedeckten Gartens habe er die Verunreinigungen erst nach Einsetzen des Tauwetters entdeckt. Er vermutete, dass die Fäkalien vom Hund des Verkäufers stammten.

Der Verkäufer behauptete hingegen, dass die vorgefundenen Hundehaufen nicht von seinem Hund gemacht worden seien. Er habe zwar sein Tier gelegentlich das "große Geschäft" im Garten verrichten lassen; die so entstandenen Haufen habe er aber regelmäßig entfernt.

AG: "Zugesehen, wie der Kot […] in das Erdreich eingesickert ist"

Für die Reinigung des Gartens verlangte der Käufer vor Gericht 3.500 Euro von dem Hundebesitzer. Durch das Einsickern des Kots von 19 Haufen in das Erdreich sei eine Kontaminierung des Oberbodens eingetreten. Der Kot von "fleischlastigen Fressern" wie Hunden sei zudem besonders gefährlich wegen der Existenz von äußerst widerstandsfähigen Krankheitserregern und Parasiten.

Das AG München wie die Klage ab. Die Existenz einer Vielzahl von Hundehaufen begründe zwar einen Sachmangel. Allerdings hätte der Käufer den Verkäufer zunächst zum Entfernen der Haufen auffordern und eine entsprechende Nachfrist setzen müssen, so das Gericht.

Außerdem ging das Gericht davon aus, dass der Käufer die Kontamination des Bodens maßgeblich selbst verursacht habe, indem er den Kot zu spät beseitigt habe: "Vielmehr hat der Käufer quasi zugesehen, wie der Kot nach und nach in das Erdreich eingesickert ist, und damit auch der Entstehung des Folgeschadens verursacht", so die zuständige Richterin.

mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Schneebedeckte Hundehaufen auf gekauftem Grundstück: Kein Schadensersatz für Beseitigung unentdeckten Kots . In: Legal Tribune Online, 20.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21841/ (abgerufen am: 18.11.2019 )

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Kommentare
  • 20.01.2017 13:51, Marius

    Hätte man nicht als Anwalt des Klägers eher argumentieren sollen, dass der Verkäufer die Haufen arglistig verschwieg, um ohne Nachfristerfordernis über culpa in contrahendo Schadensersatz neben der Leistung zu erstreiten? Es besteht doch bei offenbar die Umwelt schädigenden Haufen ganz gewiss eine Aufklärungspflicht des Verkäufers ;)

    • 20.01.2017 20:46, Patrick

      Über cic würde er nur das negative Interesse ersetzt bekommen. Hier geht es, sofern ich den Sachverhalt richtig interpretiere aber um das positive. Außerdem ist der Arglistnachweis immer so eine Sache.

    • 21.01.2017 10:10, @Patrick

      Nun, könnte man nicht sagen, er stünde ohne die verletzte Aufklärungspflicht so, dass er einige tausend Euro weniger gezahlt hätte?

  • 20.01.2017 14:25, Rudi Assauer

    Ich hab es schon immer gesagt:
    "Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt."

  • 20.01.2017 15:31, Jemand_NRW

    Schon erstaunlich, über was für eine (Hunde-)Kacke man vor Gericht ziehen kann. :-)

    Allerdings überrascht es mich, dass ins Erdreich eingesicktere Tierfäkalien einen Mangel des Grundstücks darstellen sollen?! ...man sollte meinen, das gehöre zu den natürlichsten Dingen der Welt?!?

    • 20.01.2017 18:05, Lionel Hutz

      Halte ich auch für fragwürdig. Hundekot sollte wesentlich weniger gefährlich sein, als alles was Wildtiere vom Igel bis zum Fuchs über Grundstücke tragen. Die Tiere werden kontrolliert ernährt, wenn nicht der billigste Schrott an Futter gekauft wird häufig in Lebensmittelqualität. Sie sind gegen alles mögliche geimpft, werden bei Infektionskrankheiten tierärztlich behandelt und meist regelmäßig entwurmt. Alles was frei in der Natur rumläuft, ist da wesentlich gefährlicher, Fleisch- oder Pflanzenfresser.

  • 20.01.2017 21:57, Heiner

    Ist doch guter PflanzenDünger. Einfach untergraben.