Erstes Urteil nach Oktoberfest-Schlägerei: Sieben Monate Frei­heits­strafe für Ex-Lin­kla­ters Partner

von Tanja Podolski

12.07.2016

2/2: Einspruch hat alles verschlimmert

S. hatte zunächst einen Strafbefehl bekommen, der eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 200 Euro vorgesehen hatte. Im Geschäftsjahr 2014/2015 hatte der Profit pro Equity-Partner bei Linklaters laut Juve-Berichten im Schnitt bei 1,42 Millionen Pfund gelegen. S. legte beschränkten Einspruch gegen den Strafbefehl ein, ging also nicht gegen die Wertung als Körperverletzung nach § 223 Strafgesetzbuch (StGB) vor, sondern nur gegen das Strafmaß. Dieses ist nun erheblich höher ausgefallen. Sein früherer Partner E. trat in dem Verfahren als Nebenkläger auf.

Auf S. könnte noch weiteres zukommen: Bleibt es bei einer Verurteilung, wird sich das Anwaltsgericht mit dem Fall zu befassen haben. Dem steht nach § 114 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) ein breites Spektrum von Maßnahmen zur Verfügung. Es reicht von einer bloßen Verwarnung über eine Geldbuße (bis zu 25.000 Euro) bis hin zu einem Berufsverbot auf bestimmten Rechtsgebieten zwischen einem und fünf Jahren oder sogar zur Ausschließung aus der Anwaltschaft. Das allein dürfte für S.  ein Grund sein, in Berufung zu gehen.

Dass er dies tun wird, steht bereits fest. Die Körperverletzung nach § 223 StGB an sich wird dabei nicht in Frage gestellt, ihre Rechtfertigung aber durchaus. Die entscheidende Frage sei die nach der Erforderlichkeit einer Nothilfehandlung, heißt es von am Verfahren Beteiligten.

Fortsetzung folgt

S. hatte für seine Verteidigung den Münchner Anwalt Klaus Schickler von der Kanzlei Hieronimi & Schickler mandatiert, sein ehemaliger Partner E. vertraut auf die Anwälte Dr. Alexander Betz, Stephan Lucas und Dr. Alexander Stevens von der auf Sexualstrafrecht spezialisierten Münchner Kanzlei Lucas Stevens. 

Neben den strafrechtlichen Verfahren geht der ehemalige Partner E. auch gegen die Berichterstattung in der Bild am Sonntag sowie in deren Online-Ausgabe vor. Im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes hat das Gericht die Unterlassungsansprüche gegen die Medien bestätigt, nun streiten die Parteien in der Hauptsache zusätzlich über Schadensersatz, nach Insiderberichten liegt der Streitwert bei 1,4 Millionen Euro. In dem Verfahren vertritt ihn die Rechtsanwältin Jana Jangl aus der Kanzlei SKMM Schulze Küster Müller Mueller Jangl.

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Erstes Urteil nach Oktoberfest-Schlägerei: Sieben Monate Freiheitsstrafe für Ex-Linklaters Partner . In: Legal Tribune Online, 12.07.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19961/ (abgerufen am: 21.11.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.07.2016 13:55, Hubert

    Endlich mal ein Urteil in dieser Sache! Das wird bestimmt noch interessanter, denke ich. Denn nur so erfährt die Öffentlichkeit die Wahrheit.

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  • 12.07.2016 16:29, Laura D.

    Die Begründung für 7 Monate Freiheitsstrafe würde mich doch sehr interessieren. Das scheint gelinde gesagt doch ein klein wenig überzogen für die bekannten Fakten.

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    • 12.07.2016 19:14, FinalJustice

      Bayern.

    • 12.07.2016 22:07, Peter

      Die gute alte Wirkung der Presse sollte man dabei auch nicht unterschätzen...

    • 14.07.2016 18:22, Tom Hofmann / oÖ

      FortsetzuIn Bayern hat eine junge Frau die in Polizeigewahrsam gegen ihre Fixierung aufbegehrt. Die bayrische Polizisten haben ihr die Gesichtsknochen gebrochen. Freispruch.
      Ein dienstlicher Revolverschwinger hat einem jungen Mann mit ein paar Gramm Haschisch-in-den-Taschen von hinten per Kopfschuss erlegt. Freispruch
      Ein Einsatzkommando schlug eine ex-Polizisten Familie völlig unschuldig Krankenhausreif (Türe vermutlich verwechselt)
      In Rosenheim ist ein Student mit 12 Schüssen in den Rücken per Notwehr erlegt worden.
      In Dachau ist letzte Woche ein besorgter Deutscher zu viel Geld und Knast auf Bewährung verurteilt worden.

      Wann hört der Justizterror in Bayern endlich auf?
      Fortsetzung unendlich.

      Ich mein andernseits... wenn der Zuschlägt solls ihn ja auch wehtun

    • 14.07.2016 19:41, Hubert

      CSU raus aus Bayern!

      Laßt uns ab jetzt nächstes Mal Piraten oder Bayernpartei oder F.D.P. oder Grundrechtepartei wählen!

      Freiheit statt Polizeistaat!

      Art. 1 Bayerische Verfassung: Bayern ist ein Polizeistaat.

      Stoppt Söder! Hermann! Seehofer!

    • 19.12.2017 12:21, Hassprediger

      Na, er hatte wohl die deutsche Staatsbürgerschaft.. quasi die Falsche also.

  • 13.07.2016 19:43, H

    Wenn in dem Artikel schon das Berufsrecht angesprochen wird, dann sollte man auch eine realistische Darstellung wählen. Es klingt gerade so, als ob den Verureilten hier großer Ungemach ins Haus stünde. Das ist mitnichten so.

    1. bräuchte man überhaupt noch einen berufsrechtlichen Überhang. Sehr zweifelhaft!
    2. selbst wenn das Verhalten zusätzlich gemaßregelt würde, wäre keine empfindliche Strafe zu befürchten.

    Einfach mal die Kirche im Dorf lassen!

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  • 14.07.2016 15:23, McSchreck

    wenn der Einspruch auf die Rechtsfolge beschränkt wurde, ist auch die Frage von Notwehr und Nothilfe nicht mehr zu prüfen, sondern allein das Strafmaß. Dafür könnte aber eine Rolle spielen, ob der Angeklagte zu Unrecht eine Notwehrlage annahm. Insgesamt kommt mir die Zahl der Verhandlungstage und die (angebliche?) Beschränkung auf die Rechtsfolge widersprüchlich vor.

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  • 14.07.2016 17:54, K.U.P.

    Die arme Studentin. Ich würde meine Tochter nicht bei Linklaters arbeiten lassen.

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  • 14.07.2016 19:00, RudiRüssdel

    Also Freunde,

    sorry. Ich versteh´s nicht.
    Habt Ihr eigentlich schon mal in einer internationalen Großkanzklei gearbeitet? Wisst Ihr, was das ist? Ich für meinen Teil habe mir dass mehrere Jahre lang gegeben, ehe es schlicht nicht mehr zu ertragen war.
    Massive, sexuelle Übergriffe und Erpressungen von Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen gab es ständig. Mehr als einmal hatte ich ein heulendes Mädel im Büro, ohne irgendetwas tun zu können außer sie zu trösten. Gegenüber männlichen Mitarbeitern passiert konstellationsbezogen manchmal dasselbe. Wenn die Kanzleitür zu geht, bleibt die Ehe draussen, gewollt oder nicht. Hinzu kommt der systematische Aufbau von Netzwerken in Wirtschaft und Politik in einem Ausmaß, das einem das MfS wie ein Kindergarten vorkommt, unter Druck setzen von Richtern, elektronisches "Komplettabhören" von Mitarbeitern und Externen über Mobiltelefone, verdeckte, internationale Online Netzwerke wie Legalonramp (nach außen gar nicht als solches erkennbar, man wird per Mail mit einem Link eingeladen wenn einflussreich und interessant und fliegt auch ggf wieder raus.....)..........
    Die rechtlichen Spuren finden sich überall, etwa in den Sektorenausnahmen des europäischen Vergaberechts. Man kann an Steuermittel richtig gut verdienen, wenn man an der richtigen Stelle jemanden sitzen hat und den Ministerien mit Irrsinngehältern für Berufseinsteiger das Personal abzieht. Gesetzesentwürfe mit Großkanzleistempel. Verfassungen von GuS Staaten aus der Großkanzlei. Hervorragend. Moralische oder rechtliche Grenzen existieren nicht. Warum sich alle über den Bankensektor aufregen und diese Hydra bewusst übersehen ist mir unklar. Und es ist fast egal, bei welchem dieser Läden man einen Vertrag unterschreibt.
    Die Freigabe der Rechtsberatung für Kapitalgesellschaften und die nahezu Freigabe des Werbens für die Anwaltschaft war der härteste Tritt ins Gesicht der deutschen Verfassungswirklichkeit seit 1949.
    Diese Einheiten sind ein Fall für den Verfassungsschutz, wenn man mal die millionenschwere Werbepatina auf Mandantenkosten vom Mahagonitisch wischt.

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    • 15.07.2016 09:28, Anwalt

      Suits gucken ist nicht "in einer Großkanzlei arbeiten" :D
      Selten so einen Schmuh gehört.

    • 19.12.2017 08:29, DF

      So ist auch meine Erfahrung. Die Rechtswirklichkeit entsteht in den Wolkenkratzern.

  • 15.07.2016 05:51, Gutverdiener

    Hm, Tagessatz nur 200 Euro. Partner scheinen bei LL auch nicht mehr so viel zu verdienen.

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  • 15.07.2016 12:20, Rechtsanwalt Dr. Martin Riemer

    Ähm, also ... wenn ich das richtig verstehe, in Kurzform:
    Partner 1 geht mit Studentin zum Oktoberfest. Partner 2 fummelt sie an.
    Partner 1 regelt die Sache daraufhin nach "altem deutschen Recht" (klar: er war ihr "Patron"). Wo ist Partner 2 da Unrecht widerfahren, bei nur drei Faustschlägen, in einer Größenordnung, die 7 Monate Freiheisstrafe bedingt? (O.K.; der dritte war vielleicht zu 50% übersetzt: aber lag irgend jemand im Krankenhaus?). Es gibt Länder, in denen diese Großkanzleien ebenfalls vertreten sind, wo auf "Grapschen" Peitschenhiebe stehen; besser die "Kanzleikultur" regelt soetwas dann intern.
    - Ist ja grundsätzlich zwar schön, dass die Bayerische Justiz auch "einfache Körperverletzung" verfolgt: In Köln wäre so etwas schon von der StA eingestellt worden.
    Aber ... hatte Partner 2 da nicht ein paar "Ohrfeigen" verdient??
    - Ist wohl halt die "Teufelsmischung" gewesen: Testosteron, Alkohol, joviale Festzeltumgebung und ... "Stöckelwild".

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    • 02.07.2017 12:08, Frank

      wie kann Partner 1 hier eine Freiheitsstrafe bekommen?
      Fuer 3 schlagkraeftige Argumente
      und einen Widerspruch gegen die
      Hoehe des Strafe?
      Was hat der denn fuer Verteidiger?
      Der ist aufgestanden und hat im edlen Zweikampf eine Frau verteidigt.
      Gegen einen, der seinen Samenstau unter
      Ausnutzung seiner Position in der Firma
      loswerden wollte. Pfui!

  • 15.07.2016 17:05, Anwalt

    Dass hier ein Haufen Juristen kommentiert, ist schwer zu glauben. Da haut ohne jeden Zweifel und auch völlig unbestritten einer dem anderem ohne juristisch brauchbare Rechtfertigung oder Entschuldigung aufs Maul und wird dafür verurteilt (finde 7 Monate auch übertrieben). Ende aus.
    Was die vorgeworfene Vergewaltigung o.ä. angeht ist dagegen nicht mal das Hauptverfahren zugelassen, aber jeder hier weiß genau, was passiert ist. Unschuldsvermutung ist ein Fremdwort. Dass es laut Medienberichten "nur" um Belästigung geht und keiner bisher nur annähernd weiß, wie diese ausgesehen haben soll (lese bisher nur "Annäherungsversuche“), bleibt auch völlig außer Betracht. Und natürlich ist ein zurückliegendes Vergehen in unserem Rechtsstaat Grund genug für eine gerechtfertigte Selbstjustiz, oder?
    Erschreckend was hier teilweise kommentiert wird.

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    • 17.07.2016 01:18, Jemand_NRW

      wie wäre es denn mal mit Unschuldsvermutung zugunsten des Faustschlägers?
      Müssten Sie zu dessen nicht annehmen, dass die Vorwürfe gegen den Widersacher gerechtfertigt seien?

    • 18.07.2016 22:59, Reibert

      Eine Hauerei unter Betrunkenen. Sowas soll auf Schützenfesten bundesweit alle Tage vorkommen. Gerde jetzt im Sommer.
      Eigentlich sollte man von der StA SEHR viel mehr Augenmaß erwarten.

      Bemerkenswert ist bestenfalls der Beruf der beiden Beteiligten. Wobei auch prügelnde Juristen nicht so ungewöhnlich sein dürften, wie mancher denkt.

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