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Buchführung in der Kanzlei: Der Schlüssel zum Erfolg

von Constanze Elter

30.08.2016

Die Buchhaltung: eine ungeliebte Tätigkeit für viele Rechtsanwälte. Aber für Freiberufler wie sie ist es wichtig zu verstehen, was hinter den Zahlen steckt. Und nicht immer muss die Buchhaltung komplett an den Experten ausgelagert werden.

Sich als Anwalt selbstständig zu machen, ist nicht ohne: Zum juristischen Know-how kommen das Kanzleimanagement, die Mandatsakquise, die Personalführung. Wer als Anwalt erfolgreich eine Kanzlei betreiben will, hat neben den normalen Akten viel zu tun, soll eine Kanzleistrategie entwickeln und sich ums Marketing kümmern. Bei der Dichte der selbstständigen Juristen gerade in den größeren Städten ist das nach Ansicht der Hamburger Kanzleiberaterin Jasmin Isphording auch notwendig: "Man kann nicht einfach eine Kanzlei aufmachen, ein Schild an die Tür hängen und hoffen, dass etwas passiert. Da stellt sich ganz schnell die Frage, ob sich das Unternehmen eigentlich rechnet."

Als Unternehmer sehen sich noch immer die wenigsten Anwälte in eigener Kanzlei. Dabei ist ohne unternehmerische Qualitäten das Scheitern der Selbstständigkeit programmiert. Eine kompetente und qualitativ hochwertige Rechtsberatung für Mandanten ist nur die halbe Miete. Den Überblick über die eigenen Zahlen zu behalten und diese – gegebenenfalls mithilfe des Fachmanns – zu interpretieren, ist mindestens genauso wichtig. Die Daten aus der Buchhaltung liefern ein genaues Abbild des Unternehmens. Wer sie versteht, weiß, ob er wirtschaftlich rentabel arbeitet – oder ob er nachjustieren muss.

Die Datenbasis: keine Kaffeesatzleserei

Zu Beginn der Selbstständigkeit muss man keine Kaffeesatzleserei betreiben, um eine solide Zahlenbasis zu erhalten. Die voraussichtlichen Ausgaben lassen sich genauso schätzen wie die Einnahmen, erklärt Jasmin Isphording: "Für die verschiedenen Rechtsgebiete lassen sich Erfahrungswerte ermitteln. Das durchschnittliche Vermögen in der Region gibt Hinweise darauf, wie viel ein Scheidungsmandat bringen könnte." Ähnliches gelte für Mietstreitigkeiten: Hier könne man den Mietspiegel zurate ziehen, um die durchschnittliche Miete zu ermitteln.

Auch später sind die Buchhaltungsdaten eine Fundgrube für das eigene Unternehmen. Um sie richtig lesen zu können, sollten Anwälte mit Gründungsplänen sich rechtzeitig damit beschäftigen. Der Berliner Jurist Klaus Olbing, Vorsitzender des Steuerrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins, ist überzeugt, dass Anwälte dafür sorgen müssen, dass die Buchhaltung vom ersten Tag läuft: "Darauf sollten sie sich optimal vorbereiten – zum Beispiel noch gegen Bezahlung bei der Bearbeitung von entsprechenden Fällen des bisherigen Arbeitgebers. Hervorragend sind auch Buchhaltungs- und Steuerkurse bei den betriebswirtschaftlichen Fakultäten."

Angefangen von Soll und Haben über Buchungsabläufe bis hin zum richtigen Kontenrahmen wirken manche Buchhaltungsprogramme auf den Neuling abschreckend. Wer aber bereit ist, sich bestimmte Buchführungskenntnisse anzueignen, kann nicht nur dem Steuerberater zuarbeiten: Er versteht auch die Prinzipien hinter den (Buchführungs-)Zahlen.

"Nur wer selbst buchen kann, kann Bilanzen lesen"

Das ist nicht nur für die eigene Buchhaltung hilfreich, wie der Berliner Jurist Olbing meint: "Die eigene Buchführungskompetenz ist unbezahlbar. In eigenen Angelegenheiten, aber auch in der Lösung fremder Fälle. So kann man Bilanzen nur lesen, wenn man selbst buchen kann."

Da Anwälte zu den Freiberuflern zählen, dürfen sie selbst unabhängig von der Höhe ihres Umsatzes oder Gewinns immer eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen. Im Prinzip eine einfache Angelegenheit, die die Kanzleiberaterin Isphording mit einer Haushaltskasse vergleicht: "Die Buchhaltung verliert ihren Schrecken, wenn man Schritt für Schritt vorgeht."

Wer fit in Sachen Buchführung ist, kann einen Teil der Arbeit selbst übernehmen. "Wenn man am Anfang noch viel Zeit hat, sollte man möglichst viel selbst machen", empfiehlt Olbing und rät zugleich, immer einen Steuerberater einzubinden: "Steuerrecht ist kompliziert und nur selten sachlogisch. Später kann man auf eigene Mitarbeiter und/oder den Steuerberater delegieren."

Zitiervorschlag

Constanze Elter, Buchführung in der Kanzlei: Der Schlüssel zum Erfolg . In: Legal Tribune Online, 30.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20419/ (abgerufen am: 16.09.2019 )

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Kommentare
  • 01.09.2016 12:04, Gunther Marko

    Ich führe meine Buchhaltung schon seit 1995 selbst. Einen Steuerberater habe ich dafür nur zu Beginn meiner anwaltlichen Tätigkeit einmal in Anspruch genommen. Es stimmt, dass man aus den ermittelten Zahlen so einiges "ablesen" kann. Diese Selbstkontrolle ist tatsächlich "unbezahlbar". Sie bringt einen beiläufig sogar oft auf "zündende" Ideen, die sehr nützlich für die Kanzleitätigkeit im Übrigen sind.

  • 23.04.2017 10:27, Correll/m

    Buchhaltung mit/und Kanzlei gehören zusammen

    • 23.04.2017 11:02, gm

      Stimmt, werte/-r "Correll/m" oder wer oder was auch immer Sie sein mögen.