Neues Arbeitszeitmodell: 35-Stunden-Woche bei McDer­mott

17.03.2017

Anwälte bei McDermott Will & Emery können künftig zwischen zwei Arbeitszeitmodellen wählen. Neu ist die Möglichkeit, nur noch 35 Stunden pro Woche zu arbeiten. Dafür gibt es allerdings auch deutlich weniger Geld.

 

Neben dem klassischen Modell mit einer Vertrauensarbeitszeit führt McDermott Will & Emery ein alternatives Beschäftigungsmodell ein. Es beinhaltet eine fest vereinbarte Wochenarbeitszeit zwischen 35 und 38,5 Stunden. Diese verringerte Arbeitszeit geht allerdings mit deutlichen Gehaltsabschlägen einher.

Bei den Beschäftigten in diesem Modell liegen die Einstiegsgehälter nach Kanzleiangaben zwischen 68.000 und 75.000 Euro pro Jahr, je nach der vereinbarten Stundenzahl. Berufsanfänger im Modell der Vertrauensarbeitszeit erhalten, abhängig von ihrer Qualifikation, dagegen ein Einstiegsgehalt zwischen 115.000 und 125.000 Euro pro Jahr. Ab dem ersten Berufsjahr sind alle Anwälte, unabhängig vom Arbeitsmodell, in dem sie beschäftigt sind, bonusberechtigt.

"Mehr Anwälte, die kürzer arbeiten"

Kerngedanke des neuen Modells ist, dass jeweils mehrere Anwälte mit zeitlich versetztem Arbeitsbeginn und Arbeitsende in einem Team zusammen arbeiten. So will die Kanzlei eine "Rund um die Uhr"-Betreuung der Mandate ohne Überschreitung der fest vereinbarten Wochenarbeitszeit sicherstellen. "Mehr Anwälte, die kürzer arbeiten, statt weniger Anwälte mit längerer Arbeitszeit", fasst Volker Teigelkötter, Partner bei McDermott, den Grundgedanken zusammen.

Mit den Arbeitsmodellen entspreche man dem Wunsch vieler, vor allem junger Anwälte und Berufseinsteiger, sagt Teigelkötter weiter. Das neue Modell mit reduzierter Arbeitszeit eigne sich auch für Eltern, die nach Ablauf der Erziehungszeit mit reduzierter und planbarer Stundenzahl arbeiten möchten.

Das neue Modell wird zunächst am Düsseldorfer Standort der Kanzlei eingeführt und soll danach an den anderen Standorten ausgerollt werden.

Beteiligte Kanzleien

Quelle: ah/LTO-Redaktion mit Material von McDermott Will & Emery

Zitiervorschlag

Neues Arbeitszeitmodell: 35-Stunden-Woche bei McDermott. In: Legal Tribune Online, 17.03.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22409/ (abgerufen am: 22.08.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 17.03.2017 16:32, Toubib

    Daumen hoch! Nach schmerzhaften Überprüfungen durch die Behörden ist das Thema Arbeitszeit-Compliance auch bei den "Großen" angekommen. Jetzt müsste nur noch eine Kultur entstehen, dass die "Wenigarbeiter" nicht als Weicheier abgestempelt werden.

    Fraglich ist auch, ob nun ein Schichtsystem wie in Krankenhäusern kommt. Die Nachtschicht kann dann ja immer mit den Kollegen in den USA telefonieren.

    Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen die Kanzlei mit dem Modell machen wird.

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  • 17.03.2017 16:58, Hyperion

    Tolle Idee, endlich einmal eine Großkanzlei, die sich das traut!

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  • 18.03.2017 01:28, N1

    Aber echt - würde ich sofort machen. Statt 11h Facetime absitzen - aber da muss erst eine US-Bude kommen, weil die deutschen Kanzleien ihren Hintern nicht hoch bekommen. Da kommen dann Sprüche wie "Anwalt ist man ganz oder gar nicht", aber dann wird sich im Partnerstuhlkreis über die Nachwuchsprobleme gewundert.

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  • 18.03.2017 04:09, Wert

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  • 19.03.2017 16:43, Michael

    Klingt grundsätzlich ja gut...

    ABER: auch ich war mal GK-Associate und erinnern mich mit Schaudern wie das bei Teilzeit-Modellen etwa von alleinerziehenden Müttern lief. Also 50 % vereinbart und dann kamen so Sprüche vom Partner "du weißt schon, das muss bis Morgen fertig werden..." Und was macht dann die brave Mutti, die Angst um ihren Job hat? Richtig: Nachbarin anrufen, ob die das Kind aus der KITA abholen und die nächsten Stunden bespaßen kann und weiterarbeiten. So ähnlich liefs auch bei WissMits, die nach dem 2ten Examen mit einer Teilzeitstelle ihre Diss. schreiben wollten.. Und aus 50 % Vertrauensarbeitszeit werden dann schnell mal 80 % Arbeit bei 50 % Gehalt.

    Das McDermott-Modell klingt in der Theorie schön. Es wird aber nur rund laufen, wenn man auch - und daran glaube ich ja nicht - Stechuhren einführt und damit ein "fair pay" möglich macht. Ohne das würde ich mich nie im Leben auf dieses Modell einlassen.

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  • 20.03.2017 08:59, AS

    Interessante Marktentwicklung. Da zeitlich versetzte Arbeitszeiten geplant sind, dürfte spannend werden, ob sich auch Interessenten für die "Spätschicht" finden. Aber vielleicht denkt man auch an ein Wechselschichtmodell, sodass jeder Vertrauensarbeitszeit-Anwalt mal Früh- und Spätschicht hat. Das ist dann eben so wie in der Fabrik oder im Krankenhaus. Stechuhren wären dabei natürliche eine logische Konsequenz. Die gibt es in Behörden ja auch.
    Ob das Ganze noch dem herkömmlichen Berufsbild entspräche? Keine Ahnung. Bitte bleiben Sie an diesem interessanten Thema dran.

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  • 20.03.2017 10:32, TD

    Endlich traut sich jemand! Daumen hoch!
    Das Modell finde ich spitze, es ist mehr als überfällig. Es bleibt zu hoffen, dass es auch gelebt und anerkannt wird. Wieso soll das, was in anderen Bereichen schon lange üblich ist (Ärzte), nicht auch in Kanzleien funktionieren? Einen Versuch ist es allemal wert. Es bleibt zu hoffen, dass viele Großkanzleien nachziehen.
    Wenn es McDermott Ernst meint, wird das zu einer Menge (!) Bewerbungen guter Juristen führen, die Wert auf Work-Life-Balance legen. Bravo!

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  • 20.03.2017 12:20, dreisatz

    Es lebe der Dreisatz....
    38,5h = 75k€
    und
    X h = 125k€

    was ist X?

    38,5/75*125= 64,16h

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  • 23.03.2017 09:59, Wallenstein1

    BRAVO an Mcdermott und hoffentlich folgen andere! Die Kanzleien brauchen sich nicht wundern, dass die Leute weglaufen und nur noch mit 120k gelockt werden können. Das System funktioniert nicht mehr lange und das ist auch gut so! Leider gibt es noch zu viele Trottel, die (a) kein Leben haben außerhalb der Kanzlei (gerne sind das Partner um die 45 ohne Familie oder jedenfalls mit einer Pseudo-Familie) oder (b) völlig Weltfremde, die glauben, dass sie mit 8,2 im Examen glücklich sein müssen, überhaupt einen Job zu haben und deswegen gerne 60h arbeiten...

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