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Göttinger Organspende-Skandal: Frei­ge­spro­chener Arzt for­dert 1,2 Mil­lionen Euro

09.08.2019

Im Göttinger Organspende-Skandal hat ein Arzt Patienten durch falsche Angaben auf der Warteliste nach vorne gebracht. Weil er dabei aber keinen Tötungsvorsatz gehabt hatte, wurde er freigesprochen. Jetzt fordert der Mann Schadensersatz.

Gut vier Jahre nach seinem Freispruch im Prozess um den Göttinger Transplantationsskandal hat der Arzt seine Schadenersatzforderung in Millionenhöhe vor Gericht verteidigt. Wegen der Untersuchungshaft habe er eine gut dotierte Stelle in Jordanien mit einem Monatsgehalt von 50.000 US-Dollar nicht antreten können, sagte der Chirurg am Freitag vor dem Landgericht (LG) Braunschweig.

In dem Zivilverfahren verlangt der frühere Leiter der Transplantationschirurgie an der Göttinger Universitätsklinik gut 1,2 Millionen Euro vom Land Niedersachsen. Das LG Göttingen hatte den Mediziner 2015 vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen.

Die Richter bescheinigten zwar eine verwerfliche Manipulation medizinischer Daten, die eine schnellere Zuteilung von Organen für seine Patienten bewirkt habe. Wegen der damaligen Rechtslage sah das Gericht aber keine Strafbarkeit.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte sich dieser Auffassung angeschlossen und die Revision der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Der Arzt habe es nicht für möglich gehalten und auch nicht billigend in Kauf genommen, dass auf der Warteliste aufgrund der unrichtigen Meldungen "überholte" Kranke vor einer rettenden Transplantation versterben – also nicht mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt.

Zum Auftakt des Zivilprozesses wollte der Richter von dem Mediziner vor allem wissen, warum es keinen schriftlichen Vertrag mit der Klinik in Jordanien gebe. Die Vereinbarung mit dem Fixgehalt sei mündlich per Handschlag getroffen worden, antwortete der Kläger. Von Januar 2013 an saß er etwa elf Monate in Untersuchungshaft.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

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Göttinger Organspende-Skandal: Freigesprochener Arzt fordert 1,2 Millionen Euro . In: Legal Tribune Online, 09.08.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/36979/ (abgerufen am: 11.12.2019 )

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