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Femen-Protest im Kölner Dom: LG halbiert Strafe

02.06.2015

Die Berufung der ehemaligen Femen-Aktivistin gegen das Urteil des AG hatte am Dienstag Erfolg. Allerdings nur hinsichtlich der Höhe der Strafe. Die Studentin war Weihnachten 2013 praktisch nackt auf den Altar des Kölner Doms gesprungen.

Die wegen ihrer Protestaktion während der Weihnachtsmesse 2013 im Kölner Dom vom Amtsgericht (AG) Köln verurteilte Ex-Femen-Aktivistin hat einen Erfolg in der Berufungsverhandlung erringen können. Am Dienstag senkte das Landgericht (LG) Köln die Strafe der Studentin von 1.200 Euro auf 600 Euro.

Im vergangenen Dezember hatte die erste Instanz die 21-Jährige nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt und eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Euro verhängt. Sie habe den Gottesdienst in besonders grober und kaum zu überbietender Weise gestört, hieß es. Auch das LG sah eine Störung der Religionsausübung und keinen Grund für die Anwendung von Jugendstrafrecht, wie von der Verteidigung gefordert. Aufgrund der finanziellen Situation der Aktivistin halbierte das Gericht aber die Strafe.

Die junge Hamburgerin, die mittlerweile kein Femen-Mitglied mehr ist, hatte während des Gottesdienstes am Ersten Weihnachtstag 2013 im Beisein von Kardinal Joachim Meisner Parolen gerufen - nur mit etwas Kleidung um die Hüften und der Aufschrift "I am god" (Ich bin Gott) auf dem Oberkörper. Die Studentin der Zahnmedizin wollte damit nach eigenen Angaben gegen die Stellung der Frau in der katholischen Kirche und gegen Meisners Einstellung zur Abtreibung protestieren.

una/dpa/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Femen-Protest im Kölner Dom: LG halbiert Strafe . In: Legal Tribune Online, 02.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15730/ (abgerufen am: 15.10.2019 )

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Kommentare
  • 02.06.2015 18:35, RDA

    Halbnackt auf dem Altar herumzuhopsen scheint in diesem unseren Lande eindeutig ein schwereres Verbrechen zu sein, als sich in der Sakristei an Messdienern zu vergreifen. Aber man muss nicht alles verstehen in diesem Lande.

  • 02.06.2015 19:48, Antwort

    Ich glaube, sich an Kindern vergreifen hat damit gerade gar nichts zu tun und das Strafmaß ist auch nicht annähernd das gleiche. Aber wieso auch sachlich bleiben.

    • 02.06.2015 20:28, RDA

      Mir ging es um Straftaten in der Kirche, die in diesem unseren Lande unterschiedlich geahndet werden. Und da haben Sie sogar Recht: Wenn ein Pastor sich an Messdienern vergreift, muss sein Vorgesetzter das nicht der Polizei oder Staatsanwaltschaft melden, sondern kann das per kirchlichem Recht ahnden. Im CIC gilt eine Versetzung schon als Strafe und so wurde es jahrzehntelang auch gehandhabt. Steht so übrigens in einem sehr sachlichen LTO-Artikel.

    • 24.06.2015 15:31, Mike M.

      Eine Anzeigeplicht des Vorgesetzten gibt es doch nirgendwo (also jenseits von § 138 StGB, der jeden trifft). Oder klären Sie mich auf?

  • 01.11.2017 17:20, Martin1

    Ich finde die Relativierungen von RDA unangemessen und unangebracht!

    Wenn man etwas betrachten sollte, dann ist es die Zwei-Klassen-Justiz, die mittlerweile in Deutschland vorherrscht!
    Denn: 60 Tagessätze sind wenig.
    Wer eine jüdische Messe oder ein moslemisches Gebet gestört hätte, käme schlimmer weg.
    Aber mit den Christ(in)en, da kann man es ja machen. :-///