LG Duisburg verhandelt im September: Wei­tere Scha­dens­er­satz­klagen nach Love­pa­rade-Katastrophe

20.08.2016

Anfang September verhandelt das LG Duisburg vier weitere Klagen von Frauen, die durch die Loveparade-Katastrophe posttraumatische Belastungsstörungen erlitten haben. Bisher haben die Gerichte keinem Opfer Geld zugesprochen.

Sechs Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten beschäftigt sich die Justiz mit vier weiteren Schadensersatzklagen. Am 1. September werden die Fälle von vier Frauen verhandelt, teilte das Landgericht (LG) Duisburg am Freitag mit. Sie haben nach eigenen Angaben durch das Gedränge bei dem Technofestival posttraumatische Belastungsstörungen erlitten.

Dafür verlangen sie vom Veranstalter der Loveparade, der Stadt Duisburg und dem Land NRW Schmerzensgeld und Schadensersatz zwischen 34.000 und 73.000 Euro. Drei der Klägerinnen waren selbst im Gedränge. Eine vierte gibt an, sie sei zwar nicht bei der Loveparade gewesen, habe sich aber in Sichtweite des Festivalgeländes befunden und später von den Todesfällen erfahren - dadurch habe sie eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten.

Bislang hat sich das Duisburger Landgericht mit etwa 15 Schadenersatzklagen beschäftigt. Die Richter hätten den Opfern bislang in keinem Fall Schmerzensgeld oder Schadensersatz zugesprochen, sagte ein Sprecher.  Das LG hatte im vergangenen Jahr u.a. entschieden, dass einem Feuerwehrmann, der nach dem Einsatz am Unfallort psychische Erkrankungen erlitten hatte, keine Entschädigung zusteht. Etwa zehn weitere Fälle stehen noch zur Entscheidung an.

Bei dem Gedränge an einer Engstelle starben am 24. Juli 2010 21 Menschen, mindestens 652 wurden verletzt. Ob möglicherweise Verantwortliche strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, steht weiterhin nicht fest. Das LG Duisburg hatte die Anklage gegen zehn Mitarbeiter der Stadt und der Veranstalterin Lopavent nicht zugelassen, die sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft, die zwischenzeitlich ein weiteres Gutachten eingeholt hat, liegt derzeit beim Oberlandesgericht Düsseldorf. 

dpa/pl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LG Duisburg verhandelt im September: Weitere Schadensersatzklagen nach Loveparade-Katastrophe . In: Legal Tribune Online, 20.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20339/ (abgerufen am: 15.12.2018 )

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Kommentare
  • 20.08.2016 10:44, Blub

    Bei den drei Klägerinnen kann ich das verstehen, aber bei der Vierten, die noch nicht mal unmittelbar betroffen war?? Das hat doch kein Aussicht auf Erfolg, das muss doch der Rechtsbeistand dies klipp und klar sagen und ggf. das Mandat ablehnen. Diese Klägerin braucht sich später nicht über die Prozesskosten beschweren...

    Man stelle sich nur mal vor: Jeder, der einen tödlichen Verkehrsunfall gesehen hat, könnte Schmerzensgeld geltend machen.

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  • 20.08.2016 14:11, xy

    Das ist doch reine Geldschneiderei. All diesen angeblichen Opfern ist nicht an einer "Aufarbeitung der Ereignisse" gelegen, sondern nur am eigenen ganz persönlichen Reibach. Die Staatsanwaltschaft sollte den Deckel drauf machen. Und die Gerichte sollten diese Art von Leichenfledderei in keinem Fall unterstützen.

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    • 21.08.2016 08:20, Susi

      Wie soll die StA den Deckel drauf machen? Hierbei handelt es sich um einen Zivilrechtsstreit oder mißverstehe ich Sie falsch?

    • 09.11.2016 14:15, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      Aber aber, Herr Dr. Leitmeier, ich darf Sie doch ganz herzlich um etwas Mäßigung und um etwas Sachlichkeit bitten.

    • 14.11.2016 23:17, Luci Fer

      Na super!
      Es ist doch immer wieder erstaunlich, was Aussenstehende so alles über die Kläger zu wissen meinen.

      Es geht also nicht um die Aufarbeitung, sondern nur um den “persönlichen Reibach“?

      Ich gehe mal davon aus, dass Sie von sich auf andere schliessen - nur weil Sie selber sowas ausnutzen würden, dann muss es bei anderen auch so sein, oder wie?

      Auf jeden Fall sagt das mehr über Sie, als über die Zivilkläger aus!

      Ich biete Ihnen ernsthaft an, mal einen Tag mit mir zu verbringen, damit Sie sehen und erleben, welche Folgen die Katastrophe hinterlassen hat.
      Mal schauen, ob Sie hinterher immer noch so eine freche Klappe haben!

      Ich wundere mich immer wieder darüber, warum viele Aussenstehende von vornherein ausschliessen, dass das das Einfordern von Schadensersatz und Schmerzensgeld gerechtfertigt ist und statt dessen Lug und Betrug wittern.
      Das ist abstossend und respektlos.

      Wenn Leute einen Blechschaden am Auto o.ä. haben, zögert niemand sofort Schadensersatz zu fordern - aber sobald das eigene Leben und die Gesundheit geschädigt sind, wird die Nase gerümpft, wenn Forderungen gestellt werden.
      Das ist doch seltsam, oder?

      Und das mit der L.fledderei nehmen Sie bitte zurück!

      Denken Sie bitte daran, dass auch Sie oder Ihre Familie einmal von so etwas betroffen sein könnten.
      Da könnte ein klein wenig mehr Demut nicht schaden. :(

  • 22.08.2016 08:51, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

    M.E. ist der Zivilrechtsweg hier nicht zielführend. Die Stichworte lauten schlicht "Beibringungsgrundsatz" und "Beweislast", oder anders ausgedrückt: "Grundwissen Zivilprozessrecht". Es gibt einfach viel zu viele offensichtliche Schwachstellen im Klagevortrag. Sobald sich auch nur ein einziger der zahlreichen Einwände der Beklagtenseite nicht ausräumen lässt, ist der Klagevortrag im Zivilprozess gescheitert. Nein, es wäre stattdessen richtig gewesen, mit dem Zivilprozess noch abzuwarten und auf klarere Ergebnisse des "zweiten Gutachtens" von Prof. Jürgen Gerlach, das gerade auf der strafrechtlichen Schiene eingeholt wird, zu hoffen.

    Ich möchte hier sogar noch einen Schritt weiter gehen: M.E. müssen die Kläger hier demnächst sehr ernsthaft über Regressansprüche gegen ihre anwaltliche Vertretung nachdenken. Der Regress würde sich in diesem Fall gegenständlich auf die Erstattung sinnlos aufgewendeter Prozesskosten beziehen. Es ist nämlich ständige RSpr. des Anwaltshaftungssenats des BGH, dass das Führen eines von Anfang an aussichtslosen Zivilprozesses Schadensersatzansprüche des Mandanten gegen den prozessführenden Rechtsanwalt auslösen kann. Der Rechtsanwalt hätte nämlich m.E. in diesem Fall seinem Mandanten von dem Führen des Zivilprozesses explizit abraten müssen. Es ist zwar richtig, dass dem Rechtsanwalt eine Art "Beurteilungsspielraum" (Stichwort: "Maßgeblichkeit der Ex-ante-Betrachtung") eingeräumt wird. Hier dürften aber die Grenzen dieses Beurteilungsspielraums überschritten sein - zumal nach den durchwegs deutlich negativen Erfahrungen aus den vorangegangenen Zivilprozessen.

    Die Opfer und Hinterbliebenen des Unglücks bei der Loveparade müssen darauf hoffen, dass sich auf der Grundlage des "zweiten Gutachten" von Prof. Jürgen Gerlach klar umrissene Verantwortlichkeiten feststellen lassen, die eine nachgebesserte Anklageschrift ermöglichen. Der Zivilprozess war demgegenüber ganz einfach "voreilig".

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