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Nach dem Fahrradhelm-Urteil des OLG Schleswig: ADFC will Radfahrerin vor dem BGH unterstützen

04.07.2013

Haben Radfahrer bei einem Unfall eine Mitschuld, wenn sie keinen Helm tragen? Das OLG Schleswig bejahte diese Frage kürzlich. Der Fahrrad-Club ADFC weist aber darauf hin, dass es keine Helmpflicht gibt und wird die betroffene Radfahrerin vor dem BGH unterstützen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Mecklenburg-Vorpommern beharrt trotz eines Urteils des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts (OLG) auf der Freiwilligkeit des Helmtragens beim Fahrradfahren. Gesetzlich gibt es keine solche Pflicht. "Manche Radfahrer sind aber verunsichert", sagte Rechtsanwalt Markus Dollries, beim ADFC in Rostock für rechtliche Fragen zuständig. Sie hätten Angst vor einer zwangsläufigen Mitschuld auch im Falle eines unverschuldeten Unfalls. Möglicherweise werde auf Dauer die Nachfrage nach Helmen steigen.

Laut OLG hat ein Radfahrer, der keinen Kopfschutz trägt, bei einem Unfall eine Mitschuld, wenn ein Helm die Kopfverletzungen vermieden oder gemindert hätte. Der ADFC hat angekündigt, die in Schleswig-Holstein teilweise unterlegene Fahrradfahrerin bei der Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) zu unterstützen. Die Frau war wegen einer plötzlich geöffneten Autotür gestürzt und hatte sich schwere Kopfverletzungen zugezogen.

dpa/age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Nach dem Fahrradhelm-Urteil des OLG Schleswig: ADFC will Radfahrerin vor dem BGH unterstützen . In: Legal Tribune Online, 04.07.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9077/ (abgerufen am: 28.01.2021 )

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Kommentare
  • 04.07.2013 12:16, PM

    Ich denke, wenn dieses Urteil vor dem BGH bestand haben sollte, dann muss man ernsthaft auch über eine Mitschuld von Fußgängern diskutieren, welche keinen Helm tragen und über eine Mitschuld von Autofahrern, die keinen Nackenschutz tragen... Schluss mit Schmerzensgeld für HWS, wenn der Autofahrer sich nicht selbst schützt. Auch diese Handgelenkschützer, die man vom Inlinern kennt kosten jetzt echt nicht die Welt und wer sie nicht trägt, sei es als Fußgänger oder Radfahrer, muss sich die Frage nach der Mitschuld gefallen lassen. Letztendlich muss man fragen: War es nicht grob fahrlässig das Fahrrad zu nehmen, ja überhaupt das Haus zu verlassen. Hätte man die Besorgung nicht auch auf amazon oder ebay bestellen können? Hätte man seine Freunde nicht auch auf facebook treffen können? Sollte dieses Urteil Bestand haben oder vielleicht noch vom BGH bestätigt werden, werden hier, meiner Meinung nach, Tür und Tor nach Absurdistan geöffnet.

  • 04.07.2013 12:56, Mauermer

    Naja, wenn ein Fußgänger mit 30 km/h falsch herum in eine Einbahnstraße rennt, dann ist Schutzkleidung durchaus angebracht...

    Wer als Radfahrer den Sinn eines Helms nicht einsieht, der sollte tatsächlich eine Mitschuld an den Folgen übernehmen. Ich habe einen Tacho am Rad und kann daher selbst leicht beobachten, wie schnell ich tatsächlich unterwegs bin. Das ist auch schon mal schneller als 30 km/h. Wer mit dieser Geschwindigkeit auf einer Bordsteinkante aufschlägt, der braucht einen guten Helm. Der Rest des Körpers kann notfalls durch Ersatzteile wie künstliche Kniegelenke o.ä. ersetzt werden, der Helm dagegen schützt mein Ich. Da gibt es keine Ersatzteile...
    Schön finde ich immer, wenn Eltern ihre Kleinen zum Helmtragen zwingen, aber selbst mit einer coolen Baseballmütze auf dem Rad sitzen. Ein tolles Vorbild!
    Der ADFC täte besser daran, Werbung für das Helmtragen zu machen statt mit ärmlichen Argumenten die Verweigerer auch noch zu unterstützen. Das ist ja fast schon so wie früher mit der Anschnallpflicht, als sich einige besonders schlaue Zeitgenossen ein Stück Gurt schräg aufs Hemd genäht haben, damit es so aussah, als wären sie angeschnallt. Und dann das Argument brachten, es sei sicherer, bei einem Unfall aus dem Wagen geschleudert zu werden. Ich habe mal so einen gesehen, auf der Intensivstation, da wußte keiner, ob zuerst der Augenarzt die Sehkraft retten oder der Neurologe das Schädel-Hirn-Trauma behandeln sollte...
    So auch hier, der Kopf muss einfach geschützt werden.

    • 04.07.2013 13:59, PM

      unangepasste Geschwindigkeit? = Mitschuld!
      falsch herum in eine Einbahnstraße? = Mitschuld!
      Sicherheitsabstand zu parkenden Autos nicht eingehalten? = Mitschuld!
      Helm tragen? = Freiwillig. Daher keine Mitschuld!

      Helm für Kinder? Sollte man als Elternteil drauf achten. Wie auch Kinder auf dem Fußweg fahren dürfen. Kinder haben ein erhöhtes Schutzbedürfnis, weil sie oftmals nicht in der Lage sind Gefahrensituationen richtig einzuschätzen.
      Warum sollen deshalb die Eltern einen Helm tragen, wenn sie es nicht für notwendig halten. Da sehe ich keinen Zusammenhang. Es ist ja nicht so, dass Kinder alles dürfen, was Erwachsene dürfen.

      Ich werde auch weiterhin keinen Helm tragen, weil ich es nicht für erforderlich halte. Sollte es eine Helmpflicht geben, werde ich mir 10 Mal überlegen ob ich das Fahrrad nehme oder zum nächsten Briefkasten doch lieber kurz das Auto.

      Sollte ich mal Kinder haben, werde ich denen hingegen in jedem Fall vorschreiben einen Helm zu tragen. Auch ohne Helmpflicht.

  • 04.07.2013 14:07, AB

    Da Radfahrer sich ja anscheinend auch nicht um die StVO kümmern müssen, warum dann eine Helmpflicht einführen. Warum soll ich mich als Fußgänger schützen, wenn mich eine Radfahrerin über den Haufen fahren möchte? Besagte Radfahrerin fuhr auf der Straße und war der Meinung die "Rote" Ampel würde für sie nicht gelten. Dies ist leider kein Einzelfall. Abbiegen ohne ein deutliches ankündigen ist auch eine beliebte Straftat. Radfahrer dürfen doch alles oder?!

  • 04.07.2013 15:25, Frank Stein

    @AB:

    Struuunz, was erlaube sich....?

    Hallo AB. "Besagte Radfahrerin fuhr auf der Straße und war der Meinung....blablablabla".

    Und NEIN. Die Radfahrerin fuhr eben NICHT bei "rot" in die Kreuzung, sondern wurde - komplett UNSCHULDIG - vom Autofahrer umgenietet. Das Gericht hat auch in Sachen "Verschuldung" überhaupt keine Zweifel aufkommen lassen, dass einzig und allein der Autofahrer die Schuld am Unfall trägt.

    Das, was absurd ist, ist in diesem Fall die "Mitverschuldung" der Unfallfolgen in Höhe von 20%, weil die Radfahrerin keinen Helm trug. Ich plädiere auch für das Tragen von Radhelmen, aber in DIESEM Fall ist es doch einfach bescheuert, wenn ein Verkehrsteilnehmer (Autofahrer) offensichtlich und ohne Zweifel die ursächliche Schuld an dem Unfall trägt und man einem anderen Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld aufbürdet.
    Würde man das Urteil auf andere übertragen, dann müsste man tatsächlich von Fußgängern, die an Haltestellen auf ihren Bus warten, ebenfalls erwarten, dass sie Helme tragen. Immerhin könnte ja ein halb bekiffter Autofahrer, der sich im Ampelrennen versucht, in die Haltestelle donnern und dort Menschen verletzen oder töten. Und die, die dort wartend standen, hätte ohne Helm ebenfalls eine Mitschuld.
    Bescheuert.

    Also AB: auch, wenn Sie offensichtlich einen gewissen Groll gegen Radfahrer hegen: hier ist der Autofahrer eindeutig schuld gewesen.

  • 04.07.2013 15:27, Frank Stein

    @AB: AB: setzen, sechs. Wegen Unaufmerksamkeit.
    In diesem Fall hat sich die Radfahrerin 100% korrekt verhalten und wurde von einem Autofahrer umgenietet. Nix mit "Rote Ampel würde für sie nicht gelten".

    Ich empfehle Dieter Nuhr. Wenn man keinen Ahnung, einfach mal die Fresse halten.