Hamburger Senat folgt Vorschlag nicht: Kein Bun­des­ver­di­enst­k­reuz für Ger­hard Strate

10.01.2018

Gerhard Strate bekommt kein Bundesverdienstkreuz, laut einem Medienbericht hat der Hamburger Senat den Vorschlag abgelehnt. Der renommierte Strafverteidiger nimmt es gelassen: Sein Ehren-Schleusenanwärter bedeute ihm mehr.  

Der Hamburger Anwalt Gerhard Strate ist einer der bekanntesten und angesehensten Strafverteidiger Deutschlands. Für Aufsehen weit über Justizkreise hinaus sorgte er in jüngster Zeit mit dem pro bono übernommen Fall des ehemaligen Psychiatrie-Patienten Gustl Mollath, der seine Ex-Frau misshandelt haben soll. Strate erreichte im Wiederaufnahmeverfahren, dass Mollath in allen Punkten der Anklage freigesprochen und ihm ein Anspruch auf Entschädigung für seine unrechtmäßige Unterbringung in der Psychiatrie zugestanden wurde.

Der 67-Jährige Strate wurde bereits mehrfach für sein jahrzehntelanges Wirken und ehrenamtliches Engagement im juristischen Bereich ausgezeichnet, unter anderem im Jahr 2003 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Rostock. 2014 wurde er zum "Ehren-Schleusenwärter Hamburgs" ernannt. Diese Auszeichnung erhalten herausragende Persönlichkeiten, die durch besondere Leistungen im weitesten Sinne die "Schleusen" für die Hansestadt Hamburg öffnen.

Hamburger Senat verweigert Verdienstorden

Ein Bundesverdienstkreuz dagegen soll Strate überraschenderweise nicht bekommen, berichtete die Welt. Laut dem Zeitungsbericht war Strate für den Verdienstorden vorgeschlagen worden. Der zuständige Hamburger Senat habe die Anregung jedoch abgelehnt.

Grundsätzlich kann jeder anregen, dass der Verdienstorden des Bundes an einen anderen vergeben wird; sich selbst vorschlagen kann man dagegen nicht. Die "Ordensanregung" muss an die Staats- oder Senatskanzlei des Bundeslandes gerichtet werden, in dem der Auszuzeichnende wohnt. Dort werden die Vorschläge geprüft und dem Bundespräsidenten vorgelegt. Das Staatsoberhaupt entscheidet auf Grundlage dieser Prüfungsergebnisse und Anträge; Ordensverleihungen werden nur im Konsens mit den Senats- oder Staatskanzleien vorgenommen.

Laut dem Bericht der Welt hat der Hamburger Senat entschieden, dass Gerhard Strate für eine Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nicht in Frage kommt. Gründe für die Ablehnung wurden nicht bekannt. Offiziell habe der Senat mit Verweis darauf, dass Ordensangelegenheiten vertraulich seien, nicht einmal bestätigt, dass es die Anregung überhaupt gegeben hat, schreibt die Welt.

Strate: "Ehren-Schleusenwärter ist wertvoller"

Denkbar ist, dass der Senat die Kriterien nicht erfüllt sah. In der Handreichung zur Ordensanregung, die vom Bundespräsidialamt veröffentlicht wurde, heißt es beispielsweise "die reine Erfüllung von Berufspflichten bzw. die tadelsfreie Erfüllung von Dienstpflichten von Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten allein genügen nicht für eine Verleihung". Die ehrenamtliche Tätigkeit müsse "mit großem persönlichem Einsatz unter Zurückstellung eigener Interessen längere Zeit ausgeübt worden sein".

Strate selbst nimmt die Ablehnung gelassen. Er sagte gegenüber der Welt: "Der Ehren-Schleusenwärter ist für mich viel wertvoller." Tatsächlich ist der Jurist als Ehren-Schleusenwärter in exklusiver Gesellschaft: Seit 1981 wurde die Auszeichnung 33 Mal verliehen, etwa an Alfred Darboven, Heidi Kabel, Mitglieder der Familie Otto und an den Schriftsteller Siegfried Lenz. Das Bundesverdienstkreuz dagegen wurde im Zeitraum zwischen 1951 und Januar 2017 rund 255.500 Mal vergeben.

ah/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Hamburger Senat folgt Vorschlag nicht: Kein Bundesverdienstkreuz für Gerhard Strate . In: Legal Tribune Online, 10.01.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26371/ (abgerufen am: 22.01.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 10.01.2018 14:57, HG. Bothur

    Außerdem sollte ein Hamburger auch keine Orden annehmen ... es gehört sich einfach nicht - siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Hanseat#Auszeichnungen :-D

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  • 10.01.2018 16:41, RF

    Ein Anwalt sollte solche korrumpierenden Auszeichnungen immer ablehnen. Wer gerade im Bereich der Strafverteidigung seine Arbeit richtig machen will, kann nicht den Behördenstaat zum Freund haben.

    Da fragt man sich, wie sich eine obrigkeitliche Gestrigkeit wie der "Justizrat"-Titel für Anwälte in Rheinland-Pfalz und im Saarland so lange halten konnten. Fast wie im königlichen bayerischen Amtsgericht: "Ökonomierat Josef Fäustl, Guts- und Brauereibesitzer dahier".

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  • 10.01.2018 19:41, Reibert

    Spricht für Strate, dass ihm der Schleusenwärter mehr wert ist..

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  • 11.01.2018 08:49, Machts Sinn

    Kein Bundesverdienstkreuz für Gerhard Strate hat auch viel Gutes. Diese Entscheidung des Hamburger Senats lässt dem bekanntesten Strafverteidiger Deutschlands die ihm eigene Freiheit, sich weiterhin unvoreingenommen und vor allem unbeeinflusst mit den Schwächen des Deutschen Rechts- und Medienstaates auseinanderzusetzen

    https://www.cicero.de/kultur/dieter-wedel-metoo-vergewaltigung-gerhard-strate
    https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/wedel-affaere-medienschelte-von-juristen-9511298.html

    und beispw. aufzugreifen, was die Medien seit Jahren verweigern. Die Rede ist von der „illegalen BSG-Krankengeld-Falle“ und vom „SGB I und X-widrigen Selbstvollzug fiktiven Krankengeld-Parallel-Rechts“ im Zusammenhang mit § 339 StGB.

    Dem ehemaligen Vorsitzenden Richter am BGH, Thomas Fischer, passt das Thema nicht zur Hutschnur und Giovanni Di Lorenzo verharrt in Schweigen, obwohl ihm der Stoff zu Füßen liegt:

    http://community.zeit.de/user/machtssinn

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  • 11.01.2018 11:17, Fragezeichen

    Schleusenwärter oder Schleusenanwärter?

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  • 11.01.2018 17:08, EinSemesterJura

    Dafür finden sich auf der Liste der vom hamburger Senat verliehenen Ehrenprofessuren einige Peinlichkeiten. Allen voran diejenigen, die sich daraufhin als Prof. (ohne h. c.!) ausgeben. Das muss auch ein Grund dafür sein, dass sich echte Professoren mit Habilitation zunehmend als Univ.-Prof. bezeichnen. Herr Strate nimmt's mit Humor. Das ist gut.

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  • 11.01.2018 19:36, Philipp

    Bundesverdienstkreuze bekommen in Deutschland nur Menschen, die einen Karnevalsverein 5 Jahre unfallfrei führen können. Diejenigen, die das BVK wirklich verdient hätten wie z.B. die ehrenamtlichen Helfer, die die Invasion der Flüchtlingsmassen seit 2 Jahren managen, bekommen nicht einmal einen warmen Händedruck. Ohne BVK kann man auch ein guter Mensch sein.

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