LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Kanzleigründung: Namedropping in eigener Sache

cdü / LTO-Redaktion

18.06.2010

Wer sich als Einzelanwalt oder mit wenigen Kollegen niederlassen will, muss einiges dafür tun, um Mandanten zu gewinnen, da er nicht auf das Kontakt- und Mandantennetz einer lange gewachsenen oder großen Kanzlei zurückgreifen kann. Der eigene Name kann dabei der Schlüssel zum Erfolg sein - wenn er entsprechend vermarktet wird.

Zweites Staatsexamen in der Tasche, als Anwalt zugelassen, die neuen Büroräume bezogen. Aber was nun? Sich hinzusetzen und auf Mandanten zu warten, ist sicher nicht der richtige Weg."Willst Du gelten, mach Dich selten" mag erfolgversprechend auf dem Datingmarkt sein, auf dem Anwaltsmarkt ist es die falsche Strategie. Hier gilt es, Präsenz zu zeigen und den Bekanntheitsgrad des eigenen Namens zu steigern.

"Rechtsanwälte, die ihre neu gegründete Kanzlei auf dem Markt etablieren wollen, sollten so schnell wie möglich Kontakte aufbauen, etwa durch die Organisation und den Besuch von Veranstaltungen, durch Vorträge oder Veröffentlichungen", empfiehlt Rechtsanwalt Dr. Dirk Classen von der Kanzlei Classen & Fuhrmanns in Köln.

Große Seminaranbieter oder die regionalen Industrie- und Handelskammern suchen oft nach Referenten zu verschiedenen Praxisthemen. Dies sind Gelegenheiten, potentielle Mandanten direkt zu erreichen, ihnen die eigene Fachkompetenz zu beweisen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Wer bereits während des Studiums an der Uni gearbeitet hat, findet mit Sicherheit Gelegenheiten, über sein Fachgebiet zu schreiben oder kann sogar schon Publikationen vorweisen. Eine andere Möglichkeit ist, in Verbandszeitschriften der Zielgruppe Beiträge zu veröffentlichen, um potentielle Mandanten direkt anzusprechen. Auch Online-Magazine und Fachverlage suchen häufig juristische Autoren.

Veröffentlichungen sind ein Spiegel des eigenen Wissensspektrums und eine Empfehlung in eigener Sache. So ist es üblich, die Kanzleiwebseite dazu zu nutzen, auf die eigenen Publikationen aufmerksam zu machen. Auf diese Weise erhalten Mandanten bereits beim ersten Kontakt einen guten Überblick über die Fachkompetenz des Anwalts.

Die Webseite der Kanzlei ist gleichzeitig auch ihr virtuelles Aushängeschild. Die Mehrheit der Mandanten sucht einen Rechtsanwalt mittlerweile über das Internet. Eine professionell gemachte Homepage vermittelt den ersten Eindruck von Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkten. Kanzleihomepages gibt es teilweise schon zu recht erschwinglichen Preisen ab ca. 215 Euro für die Erstellung und 35 Euro pro Monat für das Hosting zum Beispiel von LexisNexis oder Soldan. Wer mehr will als eine Baukastenlösung, muss natürlich tiefer in die Tasche greifen. Am besten, man setzt von Anfang an auf ein individuelles Design, das abgestimmt ist auf den gesamten Außenauftritt der Kanzlei.

Die Trefferquote im Internet kann vorteilhaft gelenkt werden. Zahlreiche Anwälte haben bereits in ihre Webseite ein Blog integriert. Dort veröffentlichen sie regelmäßig fundierte Beiträge zu ihrem Fachgebiet. Wer über einen längeren Zeitraum am Ball bleibt, kann mit einem thematisch klar ausgerichteten Blog bei Google auf die vordersten Seiten landen.

Ebenfalls vorteilhaft ist, wenn der eigene Name in möglichst vielen Verzeichnissen auftaucht. Hierzu bieten sich neben den bekannten Netzwerken wie Xing oder Facebook in erster Linie spezielle Anwaltsseiten, zum Beispiel  www.anwalt.de oder  www.anwalt-suchservice.de. Doch auch dort tummeln sich bereits viele Kollegen. Wie also aus der Masse herausstechen? Dazu bieten diese Seiten einige Möglichkeiten. Wer einen höheren Preis zahlt, wird vom Anbieter in den Suchergebnissen höher gelistet. Man kann dort auch Rechtstipps für die Leser der Seiten veröffentlichen und so ohne zusätzliche Kosten auf die eigene Profilseite aufmerksam machen.

Herrscht in der Kanzlei gerade Flaute, können Anwälte die Zeit nutzen und auf Beratungsseiten wie www.frag-einen-anwalt.de oder www.answer24.de als Experten auftreten. Das von den Ratsuchenden gezahlte Honorar rechtfertigt den Aufwand zwar in den seltensten Fällen, aber das Ziel ist auch nicht, direkte Einnahmen zu erzielen, sondern Mandate zu generieren.

Dem Neu-Kanzleinhaber steht also ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten zur Verfügung, den eigenen Namen bekannt zu machen. Die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Mandanten war nie größer. Welcher Mittel man sich schließlich bedient, hängt in erster Linie davon ab, wen man erreichen will: die betrogene Ehefrau mit den Willen zur Scheidung oder den kleinen Mittelständler mit ständigem Beratungsbedarf. Der eigene Name muss dort zu finden sein, wo die potentiellen Mandanten sind.

Zitiervorschlag

cdü / LTO-Redaktion, Kanzleigründung: Namedropping in eigener Sache . In: Legal Tribune Online, 18.06.2010 , https://www.lto.de/persistent/a_id/763/ (abgerufen am: 29.10.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag