Elternzeit in der Kanzlei: Macht der Arbeit­geber das mit?

von Dr. Matthias Sandmaier

04.08.2017

Eltern haben zwar umfangreiche gesetzliche Ansprüche, was die Elternzeit angeht. Aber lässt sich das in der Praxis durchsetzen, etwa in der Großkanzlei? Mit frühzeitigen Absprachen ist vieles möglich, meint Matthias Sandmaier.

Elternzeit in mehreren Abschnitten, Wiedereinstieg in Teilzeit – Eltern haben inzwischen viele Möglichkeiten, die ersten Jahre mit Kind zu gestalten. Der Gesetzgeber hat den Eltern in den letzten Jahren immer mehr Flexibilität eingeräumt. Den Arbeitgeber stellt das vor nicht geringe personalplanerische Herausforderungen. Gerade in Großkanzleien galt es anfangs als suspekt, Elternzeit zu nehmen und insbesondere für Väter als Zeichen mangelnden Engagements. Inzwischen gilt aber zumindest die Inanspruchnahme der zwei sogenannten "Vätermonate" weitgehend als Standard. Was aber, wenn Eltern eine längere Auszeit oder auch einen stufenweisen Wiedereinstieg mit Teilzeittätigkeit planen? Lässt sich das in der Praxis sinnvoll handhaben?

Die Erfahrung zeigt: Wenn Elternzeit und Teilzeittätigkeiten während der Elternzeit streitig durchgesetzt werden müssen, wird die weitere Zusammenarbeit erheblich belastet. Ein solches Szenario sollte auch aus Sicht des Arbeitgebers möglichst vermieden werden, will man nicht Gefahr laufen, bewährte Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter aufgrund derartiger Unstimmigkeiten zu verlieren. Außerdem wird eine entsprechend negative Außenwirkung auf Bewerber in einem spürbar engen Arbeitsmarkt nicht förderlich sein, da gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für potentielle Interessenten einen immer größeren Stellenwert besitzt. Zugleich müssen Eltern jedoch auch auf die Interessen des Arbeitgebers Rücksicht nehmen, insbesondere, indem sie ihre Pläne rechtzeitig ankündigen.

Elternzeit in den ersten drei Jahren

Kurz zusammengefasst steht einem Arbeitnehmer nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) für jedes Kind bis zur Vollendung des dritten Lebensjahrs ein Anspruch auf Elternzeit zu, der einseitig ohne Zustimmung des Arbeitgebers beansprucht werden kann (§ 15 Abs. 2 S. 1 BEEG). Nimmt der Arbeitnehmer für ein Kind innerhalb der ersten drei Lebensjahre erstmals Elternzeit in Anspruch, muss er dabei verbindlich mitteilen, für welche Zeiträume innerhalb von zwei Jahren die Elternzeit in Anspruch genommen werden soll (§ 16 Abs. 1 S. 2 BEEG). Dies muss mit einer relativ kurzen Vorlauffrist von lediglich sieben Wochen geschehen, wobei der Arbeitnehmer regelmäßig den entsprechenden Antrag nicht deutlich früher stellen wird, da er erst acht Wochen vor Beginn der Elternzeit den besonderen Kündigungsschutz aus § 18 BEEG genießt. Für bis zum 30.06.2015 geborene Kinder kann ein Arbeitnehmer die Elternzeit in den ersten drei Lebensjahren ohne Zustimmung des Arbeitgebers in zwei Zeitabschnitte, für ab dem 01.07.2015 geborene Kinder sogar in drei Zeitabschnitte aufteilen. Eine Verteilung auf weitere Zeitabschnitte ist nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Elternzeit bei älteren Kindern

Zusätzlich wird dies für den Arbeitgeber dadurch verkompliziert, dass Teile des Elternzeitanspruchs durch den Arbeitnehmer auch auf spätere Zeiten zwischen Vollendung des dritten und achten Lebensjahres des Kindes übertragen werden können. Hinzu kommt, dass hier aufgrund von gesetzlichen Übergangsregelungen nach dem Geburtsdatum des jeweiligen Kindes differenziert werden muss: Für bis zum 30.06.2015 geborene Kinder besteht diese Übertragungsmöglichkeit für maximal zwölf Monate des Elternzeitanspruchs und auch nur mit Zustimmung des Arbeitgebers. Für ab dem 01.07.2015 geborene Kinder beträgt der mögliche Umfang der übertragbaren Elternzeitabschnitte insgesamt 24 Monate und eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht mehr erforderlich. In diesen Fällen der nach dem 01.07.2015 geborenen Kinder ist allerdings der zeitliche Vorlauf länger, da der Mitarbeiter seinen Elternzeitwunsch für den Zeitraum zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr spätestens 13 Wochen vor Beginn der Elternzeit schriftlich beanspruchen muss.

Diese im Jahr 2015 ergänzten weitergehenden Flexibilisierungen zugunsten der Arbeitnehmerseite führen naturgemäß zu größeren personalplanerischen Herausforderungen auf Arbeitgeberseite. Das gilt erst recht, wenn für mehrere Kinder mehrere Elternzeitansprüche bestehen.

Zitiervorschlag

Dr. Matthias Sandmaier, Elternzeit in der Kanzlei: Macht der Arbeitgeber das mit? . In: Legal Tribune Online, 04.08.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23811/ (abgerufen am: 11.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 04.08.2017 15:38, AC

    Vielen würde ja schon reichen, dass flexibler bzgl. Home Office gearbeitet werden kann. Gerade der juristische Bereich eignet sich dafür ja enorm. Man muss nicht jeden Tag vor Ort präsent sein. Präsenztermine im Büro kann man an vorher besprochenen Tagen in der Woche dort bündeln, die ganze Vor- und Nachbearbeitung kann bei den allermeisten Tätigkeitsfeldern aber ebenso zuhause stattfinden.

    Freilich müssen dann einige mehr Fragen geklärt werden, als bei anderen Branchen, vgl. die besonderen Obliegenheiten in der Datensicherheit. Aber das lässt sich alles technisch und organisatorisch lösen. Und solch eine Kanzlei/solch eine Rechtsabteilung hätte zufriedenere und loyalere Mitarbeiter, ohne nennenswerte Mehrkosten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 04.08.2017 17:05, Aber...

      ... Aber das wäre ja linksgrünversiffter Gender-Unsinn. Das kann doch niemand wollen. Was fällt diesen Menschen überhaupt ein, Kinder zu wollen? Ekelhaft. Die sollen lieber hart arbeiten. Das macht ja angeblich "frei".

      /sarcasm

  • 04.08.2017 23:21, Ich

    Elternzeit. Meine Güte, was für ein Gedöns! Gibts nur noch Weicheier auf dem Anwaltsmarkt? Ich würde als
    Mandant so einen Lutscher nicht beauftragen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.08.2017 00:06, BSB

      Ich als Mandant bevorzuge einfühlsame, weitsichtige und sozialkompetente Anwälte gegenüber ewiggestrigen Reaktionären, die sich aus Angst vor dem gesellschaftlichen Wandel und seinen Folgen für den Einzelnen hinter verstaubten Dogmen verstecken. Ein solcher Anwalt wird mich heute nicht zukunftsgewand mit dem nötigen Fingerspitzengefühl kompetent beraten.

    • 05.08.2017 07:10, MS

      Wie bitte BSB und Ich?
      können Sie auch erklären warum?

      Oder war das Ironie?

  • 05.08.2017 11:53, gm

    Ein "Rechtsanwalt" hat vor allen Dingen sein Berufsziel verfehlt, wenn er meint sich einem "Arbeitgeber" hingeben zu müssen oder gar zu wollen.
    Sofern er dies nicht allenfalls nur kurz einmal zum "Reinschnuppern" tut.

    Jegliche Wesungsgebundenheit, auch wenn diese von den angestellten oder Syndikus- "Kollegen" regelmässig geleugnet wird, steht dem Berufsbild natürlich diametral entgegen.

    Fazit:
    Diese Diskussion führt am eigentlichen Thema vollkommen vorbei.
    Nämlich dass es für einen selbständigen (echten) Rechtsanwalt tatsächlich ein Problem darstellt, eine Familie zu gründen.
    Sofern er dies in einer solchen Situation überhaupt noch wollen kann.

    Gunther Marko, Samstag, 5. August 2017
    www.ramarko.de

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.08.2017 13:07, KnödL

      LTO, ist die Werbung hier eigentlich erlaubt und geduldet?

      ich hätte da nämlich auch noch einige interressante Seiten!

    • 05.08.2017 17:51, Theopa

      @Knödl: Jedenfalls hat sie wohl keinen Wert. Ein Rechtsanwalt der auf solche Mittel zurückgreift zeigt lediglich einen erheblichen Mangel an Seriosität. Solche kläglichen Versuche der Außendarstellung sind schlicht traurig.

    • 05.08.2017 18:49, @Theopa

      Aber wir können immerhin beruhigt sein, dass "die Umstände" Herrn Marko wohl von der Familiengründung abhalten. Darwin freut das sicher.

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