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Zum versuchten Uber-Verbot: Bändigt die kalte Effektivität des deutschen Rechtssystems

von Jannis Werner, LL.M.

29.07.2014

Während Marc Zuckerberg sie angeblich in Facebook integrieren will, will die Stadt Hamburg die Fahrdienste-App Uber verbieten lassen. Der Vorgang ist symptomatisch für die strukturelle Innovationsskepsis in Deutschland, meint Jannis T. Werner. Dabei ist Recht doch nur geronnene Politik. Politik aber muss für Neues offen sein.

Nach WunderCar hat die Stadt Hamburg in der vergangenen Woche auch versucht, Uber den Betrieb zu verbieten. Das Eilverfahren läuft, die Verbotsverfügung gibt es noch, bloß Maßnahmen zur Vollziehung will die Verkehrsbehörde bis zum Abschluss des Eilverfahrens nicht einleiten.

Selbst wenn das Verwaltungsgericht den Betrieb untersagen sollte: Eine effektive Durchsetzung  gegen das US-amerikanische Unternehmen dürfte ungleich schwerer fallen als bei WunderCar - Plattformmodell, Firmensitz im Ausland und nicht zuletzt mehr als eine Milliarde US-Dollar frisches Kapital schaffen eine starke Position. Matriellrechtlich aber ist der Konflikt zwischen dem Geschäftsmodell der Privattaxis und dem geltenden deutschen Personenbeförderungsrecht eklatant. Angenommen also, Privattaxis wie UberPOP sind in Deutschland derzeit illegal. Ende der Diskussion?

Recht ist geronnene Politik

Man sollte nicht vergessen, dass Gesetze vor allem Ausdruck der politischen Entscheidungen der Vergangenheit sind. Recht ist geronnene Politik. Kaum eine Nation aber scheint den Sinn geltender Regularien im Alltag so wenig zu hinterfragen wie wir Deutschen, so wenig Bereitschaft zu haben, im Vertrauen auf die eigene Vernunft Regeln zu brechen.

Das Ausmaß, in dem gerade das hochbürokratische Verwaltungsrecht unsere Gesellschaft durchdringt, findet man außerhalb des deutschen Sprachraums so nicht. Man denke nur an unsere Rote-Ampel-Obsession. Im Rest der Welt stellt der Fußgänger oft und gerne die eigene Bewertung der Verkehrslage über die der Ampel. Wer in Deutschland bei Rot geht, wird damit nicht nur allein sein. Im Zweifel wird er von den brav Wartenden auch noch ein paar erzieherische Worte zu hören bekommen: "Sind Sie farbenblind?" Gemeint ist natürlich: "Sind Sie rechtsblind?"

Mal ganz rechtsblind betrachtet: Sind die von WunderCar und Uber vermittelten Fahrten denn tatsächlich schädlich für unser Gemeinwohl, tatsächlich gefährlich? Ist zur Mitnahme Anderer ein jährlicher TÜV notwendig, wenn doch oft schon die normale zweijährige Überprüfung übertrieben ist? Braucht jemand, der Andere fährt, wirklich ständige gesundheitliche Überprüfungen, als wäre er Pilot?

Und warum werden diese angeblich so essentiellen Dinge dann nicht jedem Autofahrer vorgeschrieben? Schließlich gefährdet man Personen außerhalb des Fahrzeuges doch kaum weniger als Mitfahrer.

In den Vereinigten Staaten: Idee vor Genehmigung

Die derzeitige Debatte wirft diese und weitere Fragen zum Sinn bestehender Gesetze auf. Kaum jemand außer Taxiverbänden hält die Regulierung von Taxis in deutschen Städten für angemessen und zielführend. Privattaxis mögen also gesetzwidrig sein. Aber die einschlägigen Gesetze sind teils veraltet, teils unpassend, teils waren sie immer falsch. Sie sind die unnötige rote Fußgängerampel an einem leeren Boulevard. Dennoch werden sie mit Übereifer durchgesetzt – zumindest in Hamburg.

Das ist in den USA, noch immer Land der Innovation und natürlich Geburtsland der frechen Ideen hinter WunderCar und Uber, anders. Hier ist Unternehmertum in allen Teilen der Gesellschaft verankert. Entgegen gerne gehegten Klischees ist das Amerika, das man vor Ort erlebt, nicht nur das Land von Walmart und McDonalds, von großen Malls und Ketten.

Die Straßen der Städte sind voll von kleinen, in unternehmerischer Initiative Einzelner geführten Geschäften und Diensten. Amerikaner gründen nicht erst seit dem Internet. Sich selbständig machen ist der amerikanischste Job überhaupt. Der Tellerwäscher wird schließlich nicht in Anstellung zum Millionär.

Dabei ist die Frage der Legalität, nach Genehmigungen, Inspektionen und Lizenzen oft eine der letzten, die man sich stellt. Die Gesellschaft respektiert diesen Unternehmergeist mehr als so manches Genehmigungserfordernis. Auf dem rechtlichen Status Quo als solchem beharrt eigentlich nur derjenige, dem er unmittelbar nutzt.

Erfolgsgeschichten: Das Recht folgt

Ein schönes Beispiel aus der Personenbeförderung ist das der Chinatown Buses. Ihre Erfolgsgeschichte begann in den späten 1990er Jahren in New York City, wo ein oft ungenehmigtes, inoffizielles System aus privaten Kleinbussen die öffentlichen Verkehrsmittel ergänzt. Das Familienunternehmen Fung Wah, welches solche Dollar Vans zwischen den verschiedenen Chinatowns der Stadt betrieb, stellte unter seinen Kunden Bedarf an Reisen in die Chinatown des vier Autostunden entfernten Boston fest, den die völlig überteuerten und vernachlässigten Fernzüge der Amtrak und Buslinien der Greyhound Lines nicht stillten. Es wurden kurzerhand Busse angeschafft und einfach losgefahren. Busbahnhöfe? Man hielt am Straßenrand. Genehmigungen, Gesundheitszeugnisse und Inspektionen? Die Fahrer sprachen ja nicht einmal Englisch. Legalität? Höchst zweifelhaft. Der Erfolg aber stellte sich ein, und der Rest ist Geschichte.

Auch der so unsanft geweckte einstige Monopolist Greyhound Lines ist heute auf dem revitalisierten Markt für günstige Busreisen gleich mit mehreren Tochterunternehmen dabei.

Das Reisen ist heute einfach und günstig, auf einem ähnlichen Niveau, wie es seit kurzer Zeit dank der Liberalisierung von Linienbussen auch in Deutschland angekommen ist. Auch in den USA sind die Billigbusse nun legalisiert und reguliert. Aber das Recht hat nicht nur beschränkt und geformt, es ist dem Erfolg gefolgt, hat sich mit ihm entwickelt, und hat ihn nicht zu verhindern gesucht.

Zitiervorschlag

Jannis Werner, Zum versuchten Uber-Verbot: Bändigt die kalte Effektivität des deutschen Rechtssystems . In: Legal Tribune Online, 29.07.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12716/ (abgerufen am: 19.06.2019 )

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Kommentare
  • 29.07.2014 15:54, RK

    Also einen "objektiven" (wissenschaftlichen?!) Artikel vom Legal Counsel von WunderCar kann man nicht wirklich ernst nehmen...

  • 29.07.2014 16:03, Staranwalt

    Worin soll die "neue Verkehrsart" iSd § 2 ABS. 7 PBefG liegen, wenn es sich doch um Gelegenheitsverkehr nach § 46 PBefG handeln dürfte?

    Ich halte den Artikel für polemischen Müll, der, bis auf Rechtssystem-Bashing ohne Argumente, juristisch substanzlos ist. Das kann der Autor für deutsch-spießig halten. Man könnte aber auch mal über den Sinn der Regelungen nachdenken, so gesamtgesellschaftlich gesehen. Der Autor wäre doch bestimmt auch sehr froh, wenn sein Job von nicht juristisch qualifizierten Personen wahrgenommen würde, richtig? Und bitte nochmal über den Grundsatz der Gewaltenteilung nachdenken, dessen Verankerung und die Folge im Hinblick darauf, Vertreter des Rechtssystems zu sein und davon zu profitieren. Vielleicht Rückgabe/Entziehung der Anwaltszulassung? Schönen Dank auch.

    • 05.08.2014 22:00, ThorstenV

      Vielleicht sollte sich ja die DB einfach einen Rechtsberater aus Indien holen, der ihnen erläutert, wie man problem- und kostenlos die Transportkapazität vervielfacht, wenn man einfach nur die Sicherheitsregeln weniger "kalt" auslegt http://www.travelwireasia.com/wp-content/uploads/2011/12/IndiaTrain.jpg

  • 29.07.2014 16:09, Lukas

    Es gibt doch nichts besseres, als einen Harvard Absolventen der zurückkommt und uns erstmal erklärt, was wir alles falsch machen. Eins haben Deutsche und Amerikaner zu 100% gemeinsam. Sie reagieren allergisch auf Leute, die von woanders kommen und meinen, alles besser zu wissen. Ich würde nicht dem deutschen Rechtsstaat eine Veränderung vorschlagen, der insgesamt erheblich besser funktioniert als der amerikanische, sondern dem Autor, der etwas mehr Selbstbewusstsein in sein Geburtsland haben sollte.
    Zudem werden hier subjektive Empfindungen mit Jura vermischt, die basiert auf Statistiken unhaltbar sind und nichts miteinander zutun haben. Subjektiv freut es mich, dass dem Autor sein Aufenthalt gut gefallen hat. Er sollte sein erlangtes Wissen aber nicht dazu benutzen, um deutsche Verhaltensweisen lächerlich zu machen oder zu diskreditieren. Insgesamt ist dieser Artikel eine Ausprägung des amerikanischen Exzeptionalismus, der in sich schon abzulehnen ist.

  • 29.07.2014 16:36, Ben Jammin

    Hahahahahahaha :D sorry, ich kann nicht mehr, lange nicht mehr so gelacht.
    Entschuldigen Sie bitte, dass sich Deutschland Regeln auferlegt hat, an die sich die meisten Menschen zum Glück dann auch halten. Es kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein, wenn Sie es als herausragende Leistung der Amerikaner darstellen, dass man in den USA nicht direkt hingerichtet wird, nur weil man flucht oder außerehelichen Sex hat, obwohl es "verboten" ist und das Ganze weil "die vollziehende Gewalt der USA mit Raum für Augenmaß handelt".

    :D Entschuldigung, ich muss mir schon wieder die "Lachtränen" aus den Augen wischen.

    Es freut mich auch sehr für Sie, wie innovativ doch die USA sind! Stimmt schon, Sie haben uns immerhin das Fracking voraus, während wir deutschen Trottel immer noch versuchen den Planeten zu retten.

    Jetzt hab ich soviel gelacht, nun muss ich erstmal zur Entspannung nach Hause. Und wie komme ich da hin? Na vielleicht mit Uber oder Wundercar, mit einem Fahrer der möglicherweise taub und blind ist, bereits 2 Schlaganfälle hatte und ein Fahrzeug ohne funktionierende Bremsen und Licht fährt. Ach ja, eine gültige Fahrerlaubnis hat er vielleicht auch nicht, aber das macht mir nichts, denn hey, Eignungsüberprüfungen und der TÜV sind doch völlig überflüssig und überbewertet und stehen Innovation und Unternehmertum doch nur im Weg!!

    Nichts für ungut, aber Deutschland wäre nicht in seiner jetzigen Position, wenn wir ständig jeden Unfug unhinterfragt und ungeprüft mitmachen würden.

    Mein Tipp: Zuerst über die Rechtslage im jeweiligen Land informieren und danach die Idee entsprechend umsetzen, so läuft es hier, nicht umgekehrt!

    • 01.08.2014 04:50, Randalf

      Fahrzeugführer haben in Deutschland in der Regel einen Führerschein und die Kfz den nötigen TÜV, das haben sie ja selbst hervorgehoben, dass man sich hier zum Glück an Regeln hält, warum also sollte es im Falle von Uber und Wundercars etc. plötzlich anders sein? Im Grunde handelt es sich bei dem Modell doch nur um eine Weiterentwicklung der Mitfahrzentrale, die zwar anfangs auch belächelt , später dann aber als ökologisch gepriesen wurde, und ökologisch ist doch gut, wie wir in Deutschland gelernt haben.
      Bei der Debatte geht es doch einzig und alleine um Pfründe, die geschützt werden sollen und da ist Deutschland mit seinen Zünften, Innungen und Meisterbriefen ganz weit vorne, vielen Dank auch.

  • 29.07.2014 17:42, Worthuelsenentlarver

    Lachhaft als "juristischer" Artikel. Als Redenschreiber taugt der Autor aber wahrscheinlich. Auch wenn man erst noch kräftig kürzen müsste.

  • 29.07.2014 19:58, karly mey

    Prima Beispiel: "Das Familienunternehmen Fung Wah, [...] Legalität? Höchst zweifelhaft. Der Erfolg aber stellte sich ein, und der Rest ist Geschichte. "

    Stimmt genau: Fung Wah ist Geschichte. Die Behörden haben den Laden dichtgemacht, weil es mit den schrottreifen Karren immer wieder Unfälle mit Todesopfern gab.

    http://fungwahbus.com/

    Liebe lto-Redaktion, wo haben Sie denn diesen Autor her? So etwas unseriöses und inkompetentes (zu dumm/zu faul/zu dreist für einfachste Recherche) leistet sich nicht einmal der Boulevard.

  • 29.07.2014 20:37, jk

    Um nicht alle treffenden Antworten meiner Vorkommentatoren zu wiederholen,
    möchte ich es ein wenig verkürzt ausdrücken:

    Mir kommt unser Greenhorn Jannis T. Werner vor, wie ein typisches Exemplar eines widerliches Zäpfchens im Arsch der allgegenwärtigen Besatzungsmacht USA. Und damit ist eigentlich alles gesagt.

  • 29.07.2014 21:25, Immanuel-Kant-Leser

    Bändigen sollte man bitte doch besser das Unrecht, das in vielen Teilen der Welt geschieht, wie etwa Korruption, Korrumption, Willkürherrschaft, Vetternwirtschaft, Entrechtungen, Diskriminerungen, Unterdrückung, Ausbeutung, Menschenhandel, moderne Sklaverei, Imperialismus, Kriegsverbrechen, Todesschwadronen, Pistoleros, Menschenrechtsverletzungen, häufig Ausprägungen eines ungezügelten Kapitalismus und Nepotismus.
    Die Forderung, den Rechtsstaat und das Recht "zu bändigen", bedeutet wohl letztendlich, solche Zustände anzustreben, wie sie in Unrechtsstaaten und Bananenrepubliken herrschen.

  • 29.07.2014 22:04, Henning

    Habe selten so einen Himmel schreienden Blödsinn gelesen. Der Autor hat offenbar noch nie die kalte Effektivität des amerikanischen Rechtssystems zu spüren bekommen. Ansonsten würde er hier zweifelsohne die kuschelige Gemütlichkeit des deutschen Rechtssystems loben.

  • 30.07.2014 00:23, Barde

    "Wes' Brot ich ess, des' LIed ich sing."
    Jannis T. Werner, Legal Counsel, WunderCar

    • 01.08.2014 16:25, SP

      Diesem Zitat ist nichts hinzuzufügen.

  • 30.07.2014 08:45, Sünnerklaas

    Aus guten Gründen gibt es in Deutschland das Personenbeförderungsgesetz. Dieses Gesetz ist nicht vom Himmel gefallen, sondern war eine Reaktion auf zahlreiche schwerste Unfälle in der Vergangenheit. Man sollte sich stets in Erinnerung rufen, dass jede gesetzliche Regelung im Strassenverkehr mit dem Blut und dem Leben von Unfallopfern bezahlt wurde.
    "Marktwirtschaft" ist gut und schön, aber sie hat eben ihre Grenzen.

  • 30.07.2014 09:22, Nasciturus

    "Raum für Augenmaß" ist eine schöne Umschreibung für Willkür und Sie dürfen US Bürger gerne befragen, ob sie die dortige Exekutive besonders toll finden. Nach allem was ich weiss gelten dortige Polizisten häufig als übergriffig (ich bin halber Amerikaner, der bewusst in D lebt...). Von der Ballaballa Allmacht der Judges, die schonmal Leute zum öffentlichen Pranger verurteilen, dem Bauchgefühl Jury System voller Fehlurteile (vgl. Quote schwarzer und weißer Gefängnisinsassen) und dem lächerlichen Common Law System mit seinen Lawyers, die un den USA einen unendlich schlechten Ruf genießen fange ich gar nicht erst ab. Weitere Stichworte Millionenstrafen weil der Kaffee im Becher heiss war. Man mag nur hoffen, dass das geplante TTIP Abkommen kein Einfallstor für dieses vormoderne, nur historisch zu rechtfertigende, Rechtssystem ist.

    Weiterhin ist der Artikel für mich äußerst widersprüchlich. In einem Nebensatz wird die Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland gelobt. Nachdem Liberalisierung in den USA wohlwollend beschrieben wurde.

    Letztlich ist nicht zu vergessen, dass Recht nicht politisch sondern soziologisch begründet ist. Natürlich ist Rechtsanwendung immer noch eine andere Sache als Rechtssetzung und so wie die Zügel im dünn besiedelten Niederbayern im Alltag etwas lockerer sind als im Großraum München, so ist natürlich in den Weiten Nordamerikas wortwörtlich mehr Raum für unangepasstes Verhalten aber zB in den dicht gedrängten Ballungsräumen Japans noch viel weniger als bei uns. Spiegelbildlich ist dann auch die Bedeutung sozialer Normen (nicht nur die kodifizierten, juristischen) von verschiedener Wuchtigkeit für ein einigermaßen reibungsloses Miteinander. Rechtspraxis ist unter ähnlichen Vorzeichen (zB hoher technischer Stand, industrialisierte Konsumgesellschaft wie in D, JP und USA) inzwischen weit mehr von solchen Sachzwängen als von vermeintlichen kulturellen Hintergründen und Mentalitäten geprägt.

    Meine Meinung.

  • 30.07.2014 15:56, Machtwort

    In den Kommentaren verkörpert sich genau jene verknöcherte, rückwärtsgewandte Geisteshaltung, die der Autor zu durchbrechen sucht. Antiamerikanismus verbindet sich hier mit Fortschrittsskepsis und einer geradezu lustvollen Unterwerfungen unter den Wortlaut auch noch der unsinnigsten Paragraphen.
    Der Taxilobby kann man es nicht wirklich verübeln: Sie ist, wie jede andere Lobby, einzig von ihren finanziellen Interessen motiviert, und würde auch dann noch gegen Wundercar & Co agitieren, wenn die Dienste nebenbei Krebs heilen und den Nahostkonflikt friedlich auflösen könnten. Sie geht im Übrigen mit genau so viel Geschick und taktischem Feingefühl vor, wie es man es bei einer Vereinigung von Taxifahrern erwarten würde, und dürfte der verhassten neuen Konkurrenz durch ihr schmerzerfülltes Gejohle bis heute mehr Kunden beschert haben, als selbst die geschickteste Werbekampagne es vermocht hätte.
    Nein, bedenklich sind nicht die Monopolisten, die nach dem Erhalt ihres Monopols schreien, sondern der durch und durch durchschnittsdeutsche Michel, der aus reiner Angst, dem geliebten bürokratischen Überbau könne eine Unze Fett aus dem Wanst gesäbelt werden, in das Klagelied mit einstimmt. Der sich lieber mit ordentlicher Rechtsgrundlage den Kopf abschlagen ließe, als ihn ohne auf dem Halse zu behalten (oder, nicht ganz so melodramatisch: lieber die maßlos überteuerten Gebühren des derzeitigen Taxisystems berappt).
    Da wird die simple Fahrt von A nach B zu einer staatstragenden Angelegenheit erhöht, der Nationalstolz beschworen, und Schreckensszenarien noch und nöcher skizziert. Wo kämen wir denn hin? Was dräute nicht für Unheil, wenn Menschen andere Menschen in ihre Autos steigen ließen, und gar losführen?! Als passierte das nicht bereits heute unter Freunden und Bekannten, in Fahrgemeinschaften, bei Anhaltern und Mitfahrgelegenheiten hunderttausendfach täglich, als zählten nicht umgekehrt gerade die vermeintlichen Heilsbringer in gelb oft zu den aggressivsten und rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmern.
    Wenn es nach den Verfechtern dieser Denkart ginge, würde der Personentransport im jahr 2014 vermutlich noch von Pferdekutschern bestritten, die der Erfindung des PKW mit ähnlichen finanziellen und juristischen Einwänden entgegengetreten sind, wie heute die Taxifahrer den Transport-Apps. Glücklicherweise macht der Fortschritt vor solchen Bedenken keinen Halt - und die Rechtsprechung folgt, wenn auch manchmal mit einigen Jahren Verspätung. , Das einzige, was dabei unter die Räder kommen würde, sind die Pfründe der Taxifahrer.

    • 30.07.2014 21:32, Henning

      @Machtwort: Außer Thesen nichts gewesen. Weniger ist manchmal mehr.

  • 30.07.2014 16:17, karly mey

    @Machtwort: Erst lesen, dann rumpöbeln.

  • 30.07.2014 19:41, Dr. Simon Eckert

    Sowohl der Autor als auch die Kommentatoren haben unrecht! Besonders dusselige Kommentare kommen von: karly mey, Immanuel-Kant-Leser (bei dem Namen nicht verwunderlich), karly mey (der zweite Kommentar ist noch dusseliger als der erster), Staranwalt.

    Erstmal der Status-Quo für euch: Amerika bekommt von Deutschland gerade so richtig den Arsch versohlt was das Thema Innovation angeht. Und jetzt wo die USA sich dazu haben hinreißen lassen mal eben die Netzneutralität abzuschaffen, wird es dort auch im Netz kaum noch innovatives geben. Quelle hier: http://blogs.hbr.org/2014/05/why-germany-dominates-the-u-s-in-innovation/

    Grundsätzlich hat der Autor dabei recht, dass die USA eine Kultur der Gründer sind. Das ist aber nicht erstrebenswert und ist im übrigen in fast allen Einwanderungsstaaten so der Fall. In den USA ist besonders zu berücksichtigen, dass sich deren Innovation fast nie lange am Markt halten. Sind sie mal ein amerikanische Auto gefahren? Alles Schrott. Haben Sie mal mit einem amerikanisches Medizintechnikgerät gearbeitet? Alles Schrott. Haben sie mal ein amerikanisches Kraftwerk besucht? Alles Schrott. Die USA sind die Erfinder der modernen Architektur. Sie haben es geschafft Gebäude aus Metallstrukturen zu bauen ehe der Europäer dazu in der Lage war. Das ist Innovation. Das ist viel wichtiger als ein Taxi per Telefon zu ordern! Aber waren Sie mal in einem durchschnittlichen amerikanischen Haus? Alles Schrott. Deren Häuser sind aus Holz (!) wie im Auenland. Von der innovativen Baustruktur ist neben ein paar Wolkenkratzern nichts geblieben. Und das ist symptomatisch für diese Nation der Innovationlegasteniker. Immer vorne dabei, wenn es eine Blase, wie jetzt den Entrepreneurship im Valley, geht. Aber keinen Plan für die Zukunft. Die Erfinder des Fitnessstudio sind gleichzeitig das fetteste Land der Welt. Die Erfinder des eBooks haben die geringste Rate gelesener Bücher pro Kopf in einem entwickelten Land. Das Land in dem die UNO ihren Hauptsitz hat wendet heute noch die Todesstrafe an. Werner come on, wach auf!

    Housing (also die Kosten fürs Wohnen) im Silicon Valley sind im typischen amerikanischen Blasenstil in den letzten Jahren so angestiegen, dass sie bis zu 5000 Dollar zahlen müssen für eine Einraumwohnung. Wissen sie warum? Ja genau Werner: Weil der Markt innovationsfreundlich, wie Sie sich das wünschen, unreguliert ist. Sie können jederzeit einen Mieter vor die Tür setzen, wenn Sie einen anderen finden, der mehr zahlt.

    Werner, was Sie fordern ist gar nicht Innovation, sondern ein Land der Plan- und Ziellosen. Ein Land in jedem Trend wie einer neuen Religion hinterhergelaufen wird, bis man auf den nächsten aufsteigt. Werner, das wollen wir aber nicht, denn wir leben gern im Land, dass den USA beim Thema Innovation gerade so richtig den Arsch versohlt.

    Dr. Simon Eckert

  • 31.07.2014 16:03, Ex-Taxi-Fahrer

    Ich kann mich dem Kommentar von "Staranwalt" nur anschließen. Wieso sollte Rechtsberatung nicht auch von Jedermann angeboten werden und Hausfrauen, LKW-Fahrer oder Erntehelfer einen Angeklagten vor Gericht vertreten? Warum soll der "freie Unternehmergeist" ausgerechnet vor den Juristen halt machen? Etwa wegen der starken Juristen-Lobby???
    Die LTO sollte sich zukünftig vielleicht nicht für derartige Werbeartikel hergeben oder die Artikel zumindest als Anzeige kennzeichnen.

  • 31.07.2014 18:17, JS

    Das macht mir Angst: Gewaltenteilung und Demokratie sind rückwärtsgewandt (laut Machtwort)...

    Die Überhöhung des Dogmas "Lass uns erstmal was machen und innovativ sein, Gesetze und Regeln bremsen nur." steht eindeutig in der Tradition Zuckerbergs, der die Irrelevanz der Persönlichkeitsrechte verkündet.

    Geschäftsideen finden - und da hat der Autor des Artikels recht - nicht mehr im Gesellschaftssystem statt, sondern sind gesellschaftlicher Wandel. Das ist aber die totale Unterwerfung der Gesellschaft unter ökonomische Gewinnmaximierung. Ich frage das ganz ergebnisoffen: Ist das sinnvoll??

  • 01.08.2014 16:17, Sarah

    Man mag inhaltlich zum Thema stehen wie man will - dass hier aber ein einseitiger Lobbyistenartikel nicht als Kommentar ausgewiesen wird, sondern sich unter die anderen informierenden Nachrichtenartikel einreiht, finde ich nicht hinnehmbar. Ich lese den LTO-"NEWSletter", und nicht den LTO-Lobbyletter. Die Aufklärung ganz unten auf S. 2 genügt nicht. Die LTO sollte sich was schämen.

    • 01.08.2014 16:57, LTO-Redaktion

      Liebe Sarah,

      deine Kritik nehmen wir zur Kenntnis, teilen sie aber im Ergebnis nicht. Seit Jahren hat jeder Artikel eines Gastautors, der bei der LTO erscheint, am Ende eine Unterzeile, die jeweils kurz erläutert, was der Gastautor tut und welchen Bezug er zum Thema hat - und die ein etwaiges Eigeninteresse offenlegt. Die Information ist also nicht versteckt, sondern im Gegenteil genau dort, wo man sie, jedenfalls als halbwegs regelmäßiger Leser, vermuten würde.

      Mit freundlichen Grüßen

  • 06.08.2014 20:57, RA

    All dieser neumodische Müll: Facebook, Google, Twitter, Uber braucht ehrlich gesagt kein Mensch. Die Zeit die man jetzt am PC oder in den sog. "Neuen Medien" verbringt, ist völlig verlorene Lebenszeit. früher war ich in der Zeit Fussball spielen oder im Schwimmbad, heute füttere ich ganz nebenbei den amerikanischen Geheimdienst bereitwillig mit Daten

    WEG DAMIT!

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