Wegen defekter Zug-Toilette: Frau bekommt 200 Euro Schmerzensgeld

21.07.2015

Kein stilles Örtchen weit und breit: Weil die einzige Toilette im Zug defekt war, muss die Deutsche Bahn einer Frau Schmerzensgeld zahlen. Dies geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Urteil des AG Trier hervor.

 

Die Frau hatte im Oktober 2014 auf der fast zweistündigen Fahrt von Koblenz nach Trier nicht auf die Toilette gehen können, obwohl sie dies nach eigenem Bekunden dringend gemusst hätte. Auf die defekte Toilette sei sie vor dem Betreten der Regionalbahn nicht hingewiesen worden, erklärte sie vor Gericht. Nach ihrer Ankunft in Trier habe sie es dann nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette geschafft.

Das Amtsgericht (AG) Trier erkannte darin ein "Organisationsverschulden" der Deutschen Bahn Regio AG, das zu einem "körperlichen Unwohlsein" der Frau geführt habe. Das Gericht sprach der Klägerin daher ein Schmerzensgeld in Höhe von 200 Euro zu (Urt. v. 16.06.2015, Az. 6 C 62/15. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Wegen defekter Zug-Toilette: Frau bekommt 200 Euro Schmerzensgeld. In: Legal Tribune Online, 21.07.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/16314/ (abgerufen am: 27.06.2016)

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Kommentare
  • 21.07.2015 19:59, Ute

    Ist richtig, dass die Bahn in Verantwortung gezogen wird. Sollten auch Reisende bei den privaten Anbietern ebenfalls tun. Bin crohn.krank mit einem Stoma und bin 2 Jahre mit der ODEG tgl gefahren, die Toilette zu 70% verschlossen oder nicht benutzbar. Beschwerde? Nur eine einfache Entschuldigungsmail. Am liebsten hätte ich meine verschmutzten Klamotten der Verwaltung auf den Tisch gelegt zur Reinigung.

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  • 23.07.2015 16:34, Ulrike Schultz

    In der S-Bahn von Düsseldorf nach Hagen überkam mich das Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen. Alle Toiletten geschlossen. Der Schaffner: Das wissen Sie doch, in der S-Bahn kann man nicht aufs Klo gehen. Aha, ich bin in Wuppertal ausgestiegen und musste einen Zug später weiter fahren. Auch in ICEs und durchaus nicht nur in der 2. Klasse, immer wieder heftig verschmutzte Toiletten oder gar wegen Verschmutzung abgeriegelte Toiletten. Gern nach Fußballspielen. Das Problem ist aber nicht die Bahn, sondern sind die Nutzer. Deutschland ist ein dreckiges Land geworden, zumindest hier bei uns in NRW. Überall Kaugummiplacken, von Sprayern verhunzte Flächen, dreckige Toiletten, verkommene öffentliche Räume. Seit den 1970ern sind ja Sekundärtugenden, wie Sauberkeit und Ordnung außer Mode gekommen. Ich hoffe nur, dass in den KiTas wieder das Achten öffentlichen Eigentums und Einhalten von Sauberkeit geübt wird.

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    • 24.07.2015 08:58, eono

      Das glaube ich weniger. Unsauberkeit und Chaos, Dreck und Vandalismus,
      Lug und Trug, Raub und Klau das Unvermögen Mein und Dein zu unterscheiden,
      das private wie öffentliche Eigentum zu schützen, sauber zu halten, werden
      zunehmen. Weniger wegen 4-5-10.000 mehr Flüchtlingen pro Land als aus Gründen von: "Die Nation löst sich selber auf"!
      Zugtoiletten sind seit Jahren ein Problem. Besonders das Nichtvorhandensein -
      Züge in denen Toiletten gar nicht eingeplant gewesen sind von vornherein -
      und wenn dann abgeschlossen. Doch wer findet überhaupt einen Rechtsanwalt?
      Schon mutig in so einem Fall überhaupt jmd anzusprechen. Viele sind vermutlich
      schon an dieser Stelle nämlich in Kanzleien nicht nur abgelehnt worden.
      Von Verständnis haben bis den Bus oder Auto/Mietwagen nehmen, kommt da sicher alles.

  • 17.08.2015 22:05, Heike

    Das Schmerzensgeld ist für das, was die Klägerin durchmachen musste, einfach lächerlich. Es hätte mindestens 10 mal soviel sein müssen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe diese Situation vor nicht all zu langer Zeit auch erlebt – mit dem gleichen nassen Ende, nur auf einer anderen Strecke. Allerdings habe ich bis jetzt nicht den Mut gehabt, mich zu wehren. Deshalb meinen höchsten Respekt vor der Klägerin, dass sie dieses Erlebnis nicht einfach hingenommen und sich verkrochen hat, sondern gegen einen Konzern wie die DB vorgegangen ist und auch noch ein öffentliche Gerichtsverhandlung durchgestanden hat. Nur falls sie das zufällig lesen sollte: Ich würde sehr gerne Kontakt mit ihr aufnehmen und mich freuen, wenn sie mir mal schreibt an: heike_b76@gmx.de

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  • 29.01.2016 16:24, OFSaar

    wenn eine toilette vorhanden ist und diese geschlossen ist aus welchen gründen auch immer ist es in der verantwortung der bahn den mangel zu beheben. alles andere sind fadenscheinige ausreden. sowas fällt unter mangelnde wartung der technischen einrichtungen. dies ist unverantwortlich und kriminell. die höhe von 200 euro schmerzensgeld ist lächerlich dafür.ein schlag ins gesicht für jeden bahnreisenden. wenn man quer durch deutschland fährt sind toiletten überflüssig....eine frechheit sondergleichen.

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