Alternativer Gesetzentwurf zur Beschneidung: "Die beste Lösung wäre gar kein Gesetz"

mit Katja Keul

24.11.2012

Am Donnerstag stand bei der Bundestagsdebatte über ein Beschneidungsgesetz auch ein Alternativentwurf von Oppositionsabgeordneten zur Diskussion. Das Kind soll selbst und erst ab 14 Jahren entscheiden. Warum sie den Gesetzentwurf mitunterzeichnet hat, obwohl sie die Zirkumzision am liebsten gar nicht regeln würde, erklärt Katja Keul von den Grünen im LTO-Interview.

 

LTO: Sie sind eine von 66 Abgeordneten, die eine Alternative zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschneidung vorgeschlagen hat. Wieso? Ist der Koalitionsentwurf verfassungswidrig?

Keul: Ja, in der Tat. Wenn ich das in Ruhe rechtlich durchprüfe, komme ich zu dem Ergebnis, dass der Regierungsentwurf mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar ist.

Foto: Katja KeulIch bezweifle schon, dass es überhaupt um eine Abwägung zwischen Grundrechten geht, wie es gestern viele in der Debatte vorgebracht haben. Also einer Abwägung zwischen der körperlichen Unversehrtheit des Kindes, dem Erziehungsrecht der Eltern und der Religionsfreiheit. Zu einer Abwägung kann es nämlich gar nicht kommen, weil sich die Religionsfreiheit immer nur auf die Freiheit der eigenen Person beziehen kann. Die Religionsfreiheit eines Menschen kann nicht die körperliche Unversehrtheit eines anderen einschränken. Dabei darf man nicht vergessen, dass das Kind selbst Grundrechtsträger ist.

Diejenigen, die aber doch abwägen, müssen sich anschließend die Frage stellen, wie sie das einfach gesetzlich handhaben wollen. Kommt man nämlich zu dem Ergebnis, die Religionsfreiheit rechtfertigt eine Beschneidung, dann braucht man im Prinzip auch kein Gesetz. Ist der Eingriff in die körperliche Unversehrtheit aber nicht zu rechtfertigen, dann kann der einfache Gesetzgeber diese verfassungsrechtliche Frage auch nicht anderweitig lösen. Ein solches Gesetz widerspräche schlicht dem Grundgesetz.

LTO: Bei der Abwägung geht es aber doch nicht nur um die Religionsfreiheit der Eltern, sondern auch um ihr Erziehungsrecht?

Keul: Art. 6 GG gibt den Eltern zwar das Recht, ihre Kinder religiös zu erziehen. Aber das Erziehungsrecht berechtigt nicht zu irreversiblen Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit des Kindes.

"Mit der Religionsmündigkeit kann das Kind auch über seine Beschneidung entscheiden"

LTO: Was macht Ihr Entwurf besser?

Keul: Er tut, was er kann. Ich bin immer noch unentschieden, ob man wirklich ein Gesetz braucht. Aber jetzt haben wir eben die Situation, dass die Bundesregierung einen Entwurf vorgelegt hat. Dann ist es auch durchaus sinnvoll, mit einem Alternativentwurf deutlich zu machen, worum es uns geht.

Wir nehmen die Grenze von 14 Jahren für die Religionsmündigkeit auf und machen damit klar, dass es nicht um die Religionsfreiheit der Eltern geht, sondern wenn überhaupt dann um die des Kindes. Nur die eigene Religionsfreiheit kann in der Abwägung mit der körperlichen Unversehrtheit eine Rolle spielen. Und dann ist es konsequent zu sagen, der Zeitpunkt der Religionsmündigkeit ist der Moment, zu dem das Kind frühestens über seine eigene Beschneidung entscheiden kann.

LTO: Sie machen das Recht der Eltern, in eine Beschneidung ihres Sohns einzuwilligen, davon abhängig, dass das Kind das 14. Lebensjahr vollendet hat, einsichts- und urteilsfähig ist und der Beschneidung selbst zugestimmt hat. Sobald ein Minderjähriger den notwendigen Reifegrad hat, kann er aber doch auch ohne seine Eltern in eine Körperverletzung einwilligen. Ist ihr Gesetzentwurf damit nicht obsolet? Zu einem Widerspruch zwischen dem Erziehungsrecht der Eltern und dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit kommt es dann ja gar nicht mehr?

Keul: Solange das Kind minderjährig ist, bleiben die Eltern sorgeberechtigt und damit auch zur Einwilligung befugt, selbst wenn ihr Erziehungsrecht mit fortschreitendem Alter des Jugendlichen hinter dessen Recht zur eigenständigen Persönlichkeitsentfaltung zurücktreten mag. Ich würde als Sorgeberechtigte eines 14-Jährigen immer noch über eine Beschneidung entscheiden wollen; es ist ja immerhin ein irreversibler Eingriff.

"Es ist bisher auch nicht zu massenhafter Strafverfolgung gekommen"

LTO: Sie hatten eben schon anklingen lassen, dass Sie selbst gar nicht so sehr davon überzeugt sind, dass es überhaupt ein Beschneidungsgesetz braucht. Die Entscheidung des Landgerichts Köln war ja in der Tat eine Einzelfallentscheidung, die andere Gerichte nicht bindet. Höchstrichterlich ist über die Strafbarkeit der Beschneidung noch nicht entschieden worden. Wieso haben sich Bundestag und Bundesregierung so darauf versteift, ein Gesetz zu erlassen?

Keul: Ich bedaure diese Entscheidung wirklich. Aber die Situation ist nun so, und wenn man eine Gegenposition vertreten will, kann man das am besten in einem Alternativentwurf tun. Außerdem muss für die Ärzte Rechtssicherheit hergestellt werden.

Trotzdem sollten wir zumindest feststellen, dass es in den letzten Jahren auch ohne Gesetz nicht massenhaft zur Strafverfolgung von Eltern und Ärzten gekommen ist. Das ist ein Punkt, der in der Debatte übersehen worden ist. Während der ersten Lesung haben viele Abgeordnete gesagt, wer den Alternativentwurf unterstützt, kriminalisiere Eltern und treibe sie dem Strafrecht in die Arme.

Zitiervorschlag

Katja Keul, Alternativer Gesetzentwurf zur Beschneidung: "Die beste Lösung wäre gar kein Gesetz". In: Legal Tribune Online, 24.11.2012, http://www.lto.de/persistent/a_id/7632/ (abgerufen am: 07.12.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 24.11.2012 11:50, Detlef Bosau

    Natürlich brauchen wir kein Gesetz.

    Wir haben nämlich Gesetze. Artikel 2 GG und das Gesetz, das Körperverletzung unter Strafe stellt.

    Auch haben wir die UN Kinderrechtskonvention ratifiziert.

    Wir brauchen kein Gesetz zur Beschneidung, aber wir müssen die bestehenden Gesetze endilch anwenden, und das heißt: Religiose Beschneider gehören weggesperrt. Und zwar für immer.

    Hier wurde bisher massenhaft weggesehen.

    Man hat nicht geklagt - um dem Zentralrat der Juden kein Ärgernis zu bereiten.

    Und jetzt bestellt der Zentralrat ein Gesetz, die Regierung liefert und der Bundestag nickt es ab.

    Kann es sein, daß der Zentralrat der Juden in Deutschland mit einem unausgesprochenen Ermächtigungsgesetz regiert? Bzw. Auschwitz als solches für sich in Anspruch nimmt?

    Anders ist es wohl kaum nachvollziehbar, daß wir in einem zivilisierten Land und im einundzwanzigsten Jahrhundert über ein unnötiges Penisabschneidngsritual reden.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.11.2012 15:46, Detlef Bosau

    Ich vergaß ganz den Hinweis auf Art. 140 GG, der u.a. Art. 136 der Weimarer Vefassung ausdrücklich ins Grundgesetz übernimmt.

    Und man muß schon krankhaft sprachbehindert sein um zu ignorieren, daß Art. 136 der Weimarer Verfassung die religiöse Beschneidung Minderjähriger ausdrücklich verbietet. Da steht u.a. drin (Absatz 4) daß die Teilnahme an religiösen Übungen nicht erzwungen werden darf.

    Noch einmal: Die Bris ist in Deutschland VERBOTEN und sie ist im Rahmen des bestehenden Rechtssystems und der Verfassung NICHT ERLAUBBAR. Und die Staatsanwälte, die diese Übung bisher toleriert haben, haben hier bewußt Recht gebeugt.

    Es wird hier der Versuch unternommen, unser Staatswesen auszuhebeln.

    Detlef Bosau, Stuttgart

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.11.2012 16:04, Dr. Frank

    Keine Strafverfolgung?
    Wie soll das gehen, etwa wieder durch Anweisung von Politikern an die Generalstaatsanwaltschaften rituelle Beschneidungen nicht zu verfolgen? So ein Quatsch, entweder man legt Normen fest, um das Kind zu schützen, dann muss man aber auch sanktionieren wenn sie missachtet werden! Bitte nicht wieder eine Unterlaufung der Gewaltenteilung und Aushöhlung des Rechtststaates, das hat doch wahrlich gereicht in den letzten Monaten und viel Ansehen gekostet

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.11.2012 18:39, Detlef Bosau

      Die Sanktion ist durch die Straftatbestände der Körperverletzung und der Schweren Körperverletzung bereits nach dem bestehenden StGB möglich - und dies wurde vom LG Köln auch unterstrichen.

  • 26.11.2012 12:53, Rasti

    Frau Keul macht hier einen entscheidenden Denkfehler:
    Das Recht der Eltern, ihre Kinder religiös zu erziehen, basiert nicht auf dem Elternrecht, sondern ist ein wichtiger Bestandteil der Religionsfreiheit. Und zwar nicht der Religionsfreiheit der Eltern (um die geht es nicht), sondern der Religionsfreiheit des Kindes(!). Aus dieser Religionsfreiheit des Kindes folgt inbesondere, dass ein Kind ein Recht darauf hat, solange es noch nicht selbst entscheiden kann, im Glauben seiner Eltern großgezogen zu werden und in die Religionsgemeinschaft der Eltern integriert zu werden. Dies ist ein Menschenrecht. Macht man die Integration in die Religionsgemeinschaft der Eltern von einem bestimmten Mindesalter abhängig, dann wird damit dem Kind sein Menschenrecht verweigert.

    Ich zitiere aus der UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 14:
    1. Die Vertragsstaaten achten das Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.
    2. Die Vertragsstaaten achten die Rechte und Pflichten der Eltern und gegebenenfalls des Vormunds, das Kind bei der Ausübung dieses Rechts in einer seiner Entwicklung entsprechenden Weise zu leiten.
    3. Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit oder Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind. [Anderer, damit ist nicht das Kind gemeint.]

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.11.2012 19:24, Detlef Bosau

      Bevor Sie anderen Leuten Denkfehler vorwerfen, sollten Sie erstmal lesen lernen. Wenn Sie schon aus der UN Kinderrechtskonvention zitieren, zitieren Sie auch Artikel 24 Satz 3. Da geht es nicht darum, Beschneidungen zu erlauben oder an Bedingungen zu knüpfen.

      Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch Israel haben sich völkerrechtlich verpflichtet, diesen Staat abzuschaffen. Und abgesehen vom Deutschen Regierungschef Yonah Metzger und der Israelischen Regierungschefin Angela Merkel hat das auch jederman auf dieser Welt begriffen.

    • 26.11.2012 19:25, Detlef Bosau

      Korrektur. Es sollte nicht der Staat abgeschafft werden sondern die Beschneidung.

      Sorry. Mein Blutdruck ist irgendwo bei 220 / 200, wenn ich was über dieses Thema lese.

  • 26.11.2012 15:32, Zweifler

    Ein viel größeres Problem als die Körperverletzung ist die eigentliche Wirkung derartiger Initiationsriten, zu denen auch die Taufe gehört. Beides sollte generell verboten sein, damit Volljährige später selbst entscheiden können, ob sie diesen Ritus akzeptabel finden oder nicht. Aber diese Ebene taucht in der Diskussion gar nicht auf.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.11.2012 17:29, Rasti

      Doch, diese Ebene taucht in der Diskussion immer wieder auf. Sie sind nicht der einzige, der so etwas schreibt. Und ich habe den starken Verdacht, diese Ebene spielte damals auch beim LG Köln, wenn auch nicht deutlich ausgesprochen, eine Rolle.

      Dahinter steckt die Idee, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion bzw. Religionsgemeinschaft sei so etwas wie eine Clubmitgliedschaft, für die man sich ab einem gewissen Alter entscheidet. Alles was davor passiert, zählt eigentlich nicht, ist unsinnig, oder sogar schädlich.

      Wenn man das dann weiter hinterfragt, steht dahinter wiederum die Vorstellung, der "Naturzustand" eines Menschen wäre die Abwesenheit von Religion. Das ist natürlich Unsinn, außer man ist Atheist (und ein intoleranter Atheist noch dazu, der die Möglichkeit nicht akzeptieren will, dass andere Menschen vielleicht zu anderen Schlüssen kommen als man selbst).

      Darüber sollt man vielleicht mal diskutieren - das wird aber peinlichst vermieden, denn dann müsste man ja zugeben, dass man eigentlich gar nicht so aufgeschlossen und liberal ist, wie man tut.

  • 27.11.2012 00:58, Karin Stutz

    Es ist einfach absurd erleben zu müssen wie die deutsche Regierung es zu lässt daß das GG so verbogen wird um reliösen Frömmlern zu ermöglichen Rituale aus der Steinzeit zu verüben .In einer aufgeklärten Gesellschaft gäbe es so was nicht.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.11.2012 10:10, Detlef Bosau

      Liebe Frau Stutz, absurd ist etwas ganz anderes.

      In der Nacht habe ich Prof. Merkel geschrieben, daß wir hier an der Stelle stehen, wo es um einen Gottesstaat geht, in dem die Gesetze und Gebote durch Offenbarung bzw. Verkünd(ig)ung "empfangen werden", wie Herr Graumann und Ayatollah Chomeini und Gesinnungsgesnossen das wollen, oder ob es um ein Recht auf der Basis von Demokratie und Naturrecht geht, wie es die Grundlage der abendländischen Rechtskultur darstellt.

      Absurd ist, daß das in Deutschland offenbar keiner erkennt UND daß wir uns willig wie die Schafe zur Schlachtbank führen und uns unseren Staat wegnehmen lassen.

      Die DDR wurde von Gorbatschow abgeschaft, die ehemalige FDJ Sekretöse hatte daran keinen Anteil, die wurde umständehalber hochgespühlt und ist offenbar mit ihrem Amt intellektuell hemmungslos überfodert.

      Das hindert offenbar Grauman et al. nicht, hier eine "jüdisch-islamische" Revolution vom Zaun zu brechen, in der Kinder legal gefoltert und verstümmelt werden - und in der ein Volk sein Grundgesetz für nichts und wieder nichts fahren läßt.

      Absurd ist, daß Deutschland nicht endlich aufsteht wie ein Mann und diese verfassungsfeindliche Truppe "Zentralrat der Juden" (und um eine solche handelt es sich) und ihre willigen Vollstrecker im Bundestag davon jagt.

      Laut Grundgesetz haben wir dazu sowohl das Recht als auch die Pflicht.

      Meine Frage an Sie ist: Was tun wir jetzt? Wie gehen wir das an? Wollen wir weiter die Leserbriefspalten zutexten? Oder wollen wir langsam mal anfangen was zu tun?

  • 27.11.2012 10:32, Erik Mustermann

    Natürlich müssen Eltern als gesetzliche Vertreter ihrer Söhne gegen das Gesetz Verfassungsbeschwerde einlegen können! Schließlich ist nicht gesagt, dass die Eltern die Volljährigkeit ihres Sohne miterleben oder als Paar erleben oder immer bei ihrer Meinung bleiben. Spätestens wenn in einem Sorgerechtsstreit eine geplante Beschneidung eine Rolle spielt, muss das Gesetz dem BVerfG vorgelegt werden.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.11.2012 19:55, Detlef Bosau

      Ich sehe schon die jüdischen Eltern frisch nach der Bris bei Gericht Schlange stehen und den Mohel verklagen..

  • 27.11.2012 12:08, Zweifler

    Rasti: Sie haben es erraten, ich bin Atheist. Und ich bin zugleich für die Religionsfreiheit und die Ausübung des Glaubens. Fakt ist aber, dass die religiösen Ausgestaltungen des Glaubens Ideologien sind, die mal mehr mal weniger hinterfragt werden. Welcher der zahlreichen Religionen und Konfessionen man sich anschließt - oder eben nicht - sollte jeder Mensch für sich selbst nach reiflicher Überlegung entscheiden können. Dass diese Entscheidung von den Eltern übernommen wird während der Nachwuchs noch gar nicht in der Lage ist, deren Tragweite und Bedeutung zu beurteilen, halte ich für einen unzulässigen massiven Eingriff in die Selbstbestimmung.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.11.2012 18:58, Clayton Webb

      Zweifler: Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu. Auch ich würde mein Kind nicht taufen - wenngleich der Vorgang körperlich keine Konsequenzen mit sich bringt.

      Auf der anderen Seite sollten wir nicht so tun, als gäbe es tatsächlich so etwas wie eine völlig neutrale Erziehung, an deren Ende der mündige Heranwachsende steht, der alle Entscheidungen aus freien Stücken fällt. Die Eltern werden - im Guten wie im Schlechten - immer einen maßgeblichen Einfluss auf die Einstellungen des Kindes haben, nicht nur in religiösen Fragen. Die Weichen für das Kind werden also auch in vielen anderen Belangen bereits vorgezeichnet. Dieses fällt dann auch nur noch mehr oder minder freie Entscheidungen.

      Und an Rasti: Selbstverständlich ist der Naturzustand des Menschen abgekoppelt von einer (praktizierten) Religion. Religiöse Überzeugungen bekommt man nun einmal gelehrt. Wer sie nie vermittelt bekommt, der mag zwar tatsächlich Verbindungen zu einem omnipotenten Wesen haben, wird davon aber vermutlich nichts mitbekommen (den meisten Menschen wurden und werden persönliche Botschaften "von oben" ja nicht zuteil).

  • 27.11.2012 20:25, Zweifler

    Clayton: Richtig, ein Glaube bzw eine religiöse Überzeugung ist stets etwas gelehrtes bzw anerzogenes. Natürlich werden religiöse Eltern ihr Kind bis zu einem gewissen Grad im Sinne des eigenen Glaubens erziehen. Aber die letztliche Entscheidung muss beim Kind selbst liegen, also ein Opt-In sein. Derzeit gibt es nur das Opt-out über den Kirchenaustritt. Hinzu kommt die Diskrepanz zwischen Glaube und Religion. Glaube braucht nicht zwingend ein institutionelles Korsett. Wie wir wissen ist Glaube an sich ja nicht spaltend, sondern lediglich der Absolutheitsanspruch, der dem institutionalisierten Glauben immanent ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 29.11.2012 17:33, Lurchi

    Beschneidung einer nicht volljährigen Person ist m.E. nicht nur Körperverletzung, sondern auch sexueller Mißbrauch von Minderjährigen.
    "Religiöse Erziehung" Minderjähriger ist m.E. ein Eingriff in die psychische Unversehrtheit dieser Person (Gehirnwäsche).
    Selbstverständlich gibt es bei uns Religionsfreiheit. Diese hat aber da ihre Grenzen, wo die Rechte anderer verletzt werden.
    Wenn die Bundesregierung ein Gesetz erlässt, das das Recht auf körperliche und psychische Unversehrheit einer Person - insbesondere solange sie noch minderjährig ist - einschränkt, so verlässt sie den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und ist daher zu verbieten.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.11.2012 18:03, Detlef Bosau

      Natürlich ist die religiöse Beschneidung sexueller Mißbrauch! Und in den amerikanischen Mailinglisten wird offen darüber spekuliert, ob Mohelim (oder andere "Beschneider") dabei ejakulieren.

      Nur: Erklären Sie das u.a. mal Kardinal Lehmann! Die rkK hat sich doch schon wieder eindeutig positioniert.

  • 29.11.2012 18:29, MHR

    Solch einen juristischen Mumpitz habe ich selten gelesen. Anstatt hierauf im Einzlnen einzugehen, verweise ich auf das von RA am BGH Dr. Nasall verfaßte und überzeugende Editorial in NJW 43/2012. Man kann nur hoffen, dass die LTO nicht regelmäßig derartig unqualifizierte Interviews abdruckt - ich hätte dann keine recht Lust sie zu lesen ...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.11.2012 23:04, sol1

      @ MHR

      "...verweise ich auf das von RA am BGH Dr. Nasall verfaßte und überzeugende Editorial in NJW 43/2012."

      Nassall behauptet dort, daß wir die Zwangsbeschneidung von Knaben legal bleiben sollte, weil die Franzosen Stierkämpfe bei den Fêtes de Bayonne aus Traditionsgründen zulassen:

      http://www.beck.de/cms/?toc=NJW.040312

      Das ist von all den fragwürdigen Gründen, die die Zirkumzisionsbefürworter vorgebracht haben, mit Abstand das absurdeste.

  • 29.11.2012 23:22, sol1

    Was wären die Folgen, wenn kein Gesetz verabschiedet würde?

    Zunächst einmal wäre den Mohalim und anderen Hobbychirurgen das Handwerk gelegt - wenn sie als Nicht-Ärzte ein Körperteil mit einem Messer amputieren, wäre das eine gefährliche Körperverletzung und damit ein Offizialdelikt.

    Die Ärzte würden mit dem Eingriff wohl ebenfalls aufhören. Im Regelfall würden sie zwar nicht angezeigt (jedenfalls wenn man der Interpretation des Kölner Gerichts folgt und die Zirkumzision als einfache Körperverletzung wertet), sollten aber Komplikationen auftreten, könnte man sie nicht nur strafrechtlich, sondern auch zivilrechtlich belangen.

    Obendrein wäre bei schweren Komplikationen, bei denen der Penis dauerhaft in seiner Funktionalität beeinträchtigt wäre, der Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt.

    Es bliebe also für die Eltern, die auf einer Zwangsbescheidung ihrer Jungen beharren, letztendlich nur der Weg ins Ausland. Wir hätten also dieselbe Situation bei der weiblichen Genitalverstümmelung.

    Persönlich glaube ich, daß die männliche Beschneidung ebenso verwerflich und durch das Gesetz zu verfolgen ist wie die weibliche. Langfristig wird man beide sowohl mit den Mitteln des Rechts wie mit denen der Aufklärung bekämpfen müssen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 02.12.2012 15:27, Detlef Bosau

      Wenn das Gesetz nicht verabschiedet würde, wäre der Verfassungsbruch vermieden.

      Reden wir doch mal Klartext. Der Präzedenzfall, den sich der Zentralrat der Juden hier gerade maßschneidern läßt, erlaubt dem Zentralrat der Juden, in Deutschland mit einem ungeschriebenen Ermächtigungsgesetz zu regieren.

      Und das darf unter gar keinen Umständen hingenommen werden.

  • 30.11.2012 02:52, zornic

    Da hat wohl vor einigen tausend Jahren der Stammvater Abraham/Ibrahim eingeführt, seine Nachkommen durchBeschneidung eindeutig zu Kennzeichnen und so von "den anderen" unterscheidbar zu machen. Nur'mal als Hypothese - der Typ war doch nicht ganz klar... Dem muß doch endlich 'mal das Handwerk gelegt werden!
    Schwarze Pädogigik aus der Steinzeit, und wir kommen da nicht d'rüber hinweg? Und wo, bitte, bleiben in doppelter Benachteiligung durch sexuell verdrehte Lüstlinge und übersteigertem Machismo die Mädchen, deren vorgeblich islamische gerechtfertigte (...) Genitalverstümmelung durch Waris Dirie so mutig zur Anklage gebracht wurde? Wird das dann auch trotz Grundgesetz als Ausübung religiöser "Selbstbestimmtheit" toleriert? Mannomann, inwelcher Zeit leben wir eigentlich?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 15.12.2012 16:02, Detlef Bosau

      Es sollte sich langsam die Erkenntnis durchgesetzt haben, daß Abraham/Ibrahim nie gelebt hat sondern eine "Niederschrift von alten Taditionen" (um es mal so zu fomulieren) späterer Generationen war.

      Ich frage mich langsam, warum wir in unserem Land noch die Schulpflicht haben, sie nützt doch eh nichts.

  • 30.11.2012 08:30, Lurchi

    Der Spiegel berichtet heute (30.11.12), dass die Bundesregierung zugestimmt habe, WEITERE Waffen an Israel zu verkaufen. Sinngemäß heißt es da: Israel hat alles (an Waffen) bekommen, was es wollte.
    Ich kann mich auch erinnern, dass "wir" vor nicht allzu langer Zeit Leopard-Panzer an Saudi-Arabien verkauft haben.
    Das wird doch nichts mit dem Beschneidungs-Gesetz zu tun haben ?
    Müssen wir uns jetzt Gedanken machen, ob die Bundesrepublik auch Prostitution und Drogenhandel fördert? Immerhin versprechen diese "Berufssparten" ja auch hohe Renditen!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 30.11.2012 13:32, McSchreck

    Manche Leute merken offenbar gar nicht mehr, dass sie in ihrem anti-religiösen Engagement den religiösen Eiferern in nichts nachstehen. Unsachlicher als manche Kommentare hier kann man das Thema kaum diskutieren.
    Aus meiner Sicht hätte es auch kein Gesetz gebraucht, aber dann gab es die falsche Entscheidung aus Köln und von daher ist ein klarstellendes Gesetz sicher nötig. Es wird auch vor dem VerfG landen und danach ist dann hoffentlich Ruhe - wobei sicher der eine oder andere die Entscheidung dann auch wieder auf den "unseligen Einfluss bestimmter Gruppen" zurückführen wird, aber daran kann man nichts ändern, dass es solche Leute gibt.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 30.11.2012 15:51, KarinStutz

    wer fuer die religioese Beschneidung kleiner Jungen ist der kann sicht gegen die Beschneidung von kleinen Maedchen protestieren;grundsaetzlich ist Beschneidung Koerperverletzung und muss verboten sein.Keine Religion hat den Vorrecht ueber das GG!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 01.12.2012 16:08, Wolfgang Wenger

    Ich halte auch 14 Jahre noch für viel zu früh, um ein Kind über eine Beschneidung entscheiden zu lassen. Das macht man ja bei anderen Operationen und Eingriffen am Körper auch nicht. Kann man sich mit 14 tätowieren lassen? Ein Branding?
    Da darf man ja noch nicht mal ins Solarium
    www.tinyurl.com/odingerman

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 02.12.2012 12:07, Lurchi

    Volltreffer: Heute (2.12.12) steht im Spiegel, dass Saudi-Arabien wegen des Ankaufs hunderter deutscher Radpanzer des Typs Boxer angefragt hat.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 15.12.2012 14:55, guitar tutnek

    Die religion sollte sich der Menschenrechte und auch Tierrechte verantworten.
    Ansonsten haben die Religionen mit ihren Kirchen viele Dogmen und wenig oder keine Ethik weder gegenüber Mensch(siehe Harz4 Gesetze)noch Tier (Siehe Massentierschlachtungen).Die Kirchen und Ihre Religionen sind demnach Reine Machthungrige Organisationen seit der Kreuzigung Jesus Christus am berg Golgotha. Religionen und Kirchen sollten die Bergpredigt ins heute Übersetzen und danach Handeln alles andere ist unglaubwürdiger Dogmatismus.
    Juden Christen Moslime sollten darüber Nachdenken um Frieden und nicht Kriege zu ermöglichen.

    Auf diesen Kommentar antworten
Neuer Kommentar