Zum 122. Geburtstag von Kurt Tucholsky

Der kleine dicke Berliner mit der Schreibmaschine

von Ass. jur. Jean-Claude Alexandre Ho, LL.M.Vistenkarte

09.01.2012

tucholsky

Sein "Soldaten sind Mörder" klebte Anfang der 1990er Jahre auf so mancher Heckscheibe. Doch Kurt Tucholsky, der promovierte Jurist und praktizierende Journalist, hat als Schriftsteller auch so unbeschwerte Werke wie "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" und "Schloss Gripsholm" hinterlassen. Am 9. Januar hätte der Dichterjurist seinen 122. Geburtstag gefeiert.

Wenn der Publizist und Schriftsteller Tucholsky heutzutage in Vergessenheit zu geraten droht, dann  liegt das auch daran, dass Tucholsky in erster Linie die kleine Form gepflegt hat und in seiner Zeit, vor allem aber gegen seine Zeit geschrieben hat. Hellsichtig hat Tucholsky so manche Gefahr erkannt, die der Weimarer Republik drohte, und im Wochenblatt "Weltbühne" immer wieder seinen Finger in die Wunden jener Zeit gelegt.

Als Tucholsky jedoch Anfang der 1930er Jahre mit dem Erstarken der Nazis erkennen musste, dass seine Mahnung vergeblich sein würde, verstummte diese Kassandra von Weimar publizistisch. Ganz sollte Tucholskys Stimme dann am 21. Dezember 1935 erlöschen. Begonnen hatte dieses publizistisch reiche Leben am 9. Januar 1890 in Berlin.

"Haben Sie nicht in Jena studiert?"

Über seinen Onkel Max, einen Rechtsanwalt und Notar, bestand für den jungen Tucholsky eine Bande zu Justitia. Dass sich Tucholsky für das Studium der Rechte entscheiden sollte, mag auch an diesem Onkel gelegen haben, der als Feierabendkomponist Recht und Kunst zu vereinbaren wusste.

Mit der Erzählung "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" hatte Tucholsky einen ersten literarischen Erfolg. Dennoch sah er in der Juristerei eine Zeit lang mehr als nur einen Brotberuf.

"Will Verteidiger werden", notierte sich Franz Kafka nach einer Begegnung in Prag.

Das sollte sich ändern zum Ende eines eher mäßigen Studiums, das Tucholsky – von einem Abstecher nach Genf abgesehen – in Berlin verbrachte. Aus Furcht vorm Durchfallen trat er vom Examen zurück und verabschiedete sich so von einer klassischen Juristenlaufbahn. Immerhin machte Tucholsky noch seinen Doktor mit einer Arbeit über "Die Vormerkung aus § 1179 BGB und ihre Wirkungen". An der Universität Jena wurde damals für die Promotion kein Examen verlangt.

Einen literarischen Nachhall fand die Studienzeit in der Erzählung "Die verzauberte Prinzessin". Darin fragt der Oberzeremonienmeister den jungen Prinzen, der "seine zehn Semester Jus weg [hatte]": "'Sind sie nicht – – Haben Sie nicht in Jena studiert?' – 'Ich war so frei', sagte der junge Prinz, 'Nun, nun', begütigte der Alte, 'das ist weiter keine Schande, es kann jedem passieren.`" Ein augenfälligeres Erbe des Jurastudiums sind Tucholskys Weggefährten, die er beim Besuch der "illegitimen Amme des Rechtsbeflissenen" entdeckte, wie er den juristischen Einpauker nannte.

Mit fünf PS

Als Tucholsky anfing, für die kleine "Weltbühne" zu schreiben, stand er bald vor einem Problem, für das er eine zunächst nicht ernstgemeinte Lösung fand: "Eine kleine Wochenschrift mag nicht viermal denselben Mann in einer Nummer haben, und so entstanden, zum Spaß, diese homunculi." Es sind dies neben Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser die "alliterierenden Geschwister" Peter Panter und Theobald Tiger, "Kinder eines juristischen Repetitors in Berlin." Unter diesen noms de plume und seinem richtigen Namen schrieb Tucholsky fortan "mit 5 PS" – so auch der von ihm gewählte Titel für eine Sammlung seiner Artikel.

Einen Namen machte sich Tucholsky als kritischer Begleiter der Weimarer Republik; auch die Justizkritik kam bei ihm nicht zu kurz. Prophetisch war sein Blick auf die "Deutsche Richtergeneration 1940". "Würg mit dem Paragraphen!/Benutz den Kommentar!/Du mußt den Landsmann strafen,/der kein Teutone war." heißt es im 1921 erschienenen Gedicht. Erich Kästner sprach von Tucholsky als dem "kleinen dicken Berliner", der "mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten" wollte.

 

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Ass. jur. Jean-Claude Alexandre Ho, LL.M., Zum 122. Geburtstag von Kurt Tucholsky: Der kleine dicke Berliner mit der Schreibmaschine. In: Legal Tribune ONLINE, 09.01.2012, http://www.lto.de/persistant/a_id/5260/ (abgerufen am 24.05.2012)

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