Of all the things I’ve lost, I miss my mind the mostDer ganz normale Prüfungswahnsinn

von Ahmet KabakyerVistenkarte

16.03.2013

Prüfung

Die Semesterferien haben begonnen. Aber nicht für alle bedeutet das Freiheit. Die einen brüten über ihren Hausarbeiten, die anderen müssen noch Abschlussklausuren überstehen und am schlimmsten haben es sicherlich die, die im März zum Examen geladen werden. Die Sitzplatznummern, der von Angstschweiß geschwängerte Prüfungsraum, die Ansagen der Aufseher. Jeder Jurist kennt das. Wer vergisst das schon.

Letzte Woche hatte ich meine schriftliche Fachanwaltsprüfung im Strafrecht. Für ein konzentriertes Bearbeiten der Fragen war ich aber viel zu entspannt. Ich genoss die ruhige Atmosphäre. Ein ganzer Schreibtisch für mich. Lichtdurchflutete Räume. Relaxte Kollegen, die das Schlimmste bereits hinter sich haben und ohne die Furcht leben müssen, womöglich "endgültig nicht bestanden" zu haben. Ja, ich bin froh, dass diese Zeiten vorüber sind. Jeder Jurastudent kennt es. So etwas vergisst man nicht.

Dieses unangenehme Gefühl, wenn 450 Studenten auf einmal eine Zwischenprüfung oder Abschlussklausur schreiben sollen und aus dem Auditorium Maximum ein Olfactorium Minimum wird. Der Transpirationsgehalt in der Luft des Raumes steigt exponentiell und man betet, dass man nicht unmittelbar neben einem Kommilitonen sitzen muss, der schon aufgrund seines Körperumfangs die dreifache Menge an Schweiß ausscheidet.

Panische Blondinen, verstörte Ausgestoßene und dicke Streber

Ich erinnere mich noch gut, wie ich in der Schlange stand, um mir nicht nur meine Sitzplatznummer zu ziehen, sondern mich auch noch einer Ausweiskontrolle zu unterziehen. 15 Minuten später werde ich wahrscheinlich auf dem Schlauch stehen. Wobei meine Lieblingskandidaten die sind, die acht Wochen lang nichts lernen und dann, wenn die Klausur kommt, sagen: "Ich hatte ein Blackout". Für einen Blackout muss es jemals irgendwo Licht gegeben haben!

Was für unangenehme, aber auch surreale Situationen das waren. Lauter panische Blondinen, die gerade von ihrem Reiterhof zurückgekehrt sind und sich am Montagmorgen darüber Sorgen machen, dass womöglich der erfolgsqualifizierte Versuch drankommen könnte. Verstörte Ausgestoßene der Juristengesellschaft, die allein in der Ecke sitzen und irgendwelche Definitionen vor sich hinmurmeln (Kandidaten für die Verwaltung).

Der Streber, der nicht nur den Dicken markiert, sondern auch wirklich dick ist. Der Lerner, der mit seinen exotischen Problemstellungen, die er selbst nicht kapiert hat, fünf Minuten kurz vor der Klausur auspackt und damit alle um ihn stehenden Personen noch mehr in Panik versetzt. Die absolut gechillten Kiffer mit ihren Adidas-Originals und Dr. Dre Kopfhörern, aus denen Funk- und/oder NWA-Mucke schallt. Und die 08/15-Studentinnen, die sich Händchen haltend Karteikarten vorlesen. Gleich bin ich an der Reihe.

Man kommt sich vor wie beim Grenzübertritt

Der Typ hinter mir, ein 38-jähriger Politikwissenschaftler, der es lustig fand nebenbei Jura zu studieren, stupst mich an. Es sind noch zehn Minuten bis zum Prüfungsbeginn und dieser Vogel eröffnet mir stolz in seinem grün/pink/schwarzen, hautengen Funktionsfaser-Radsporttrikot mit durchgehendem Reißverschluss, dass er gerade erst vom Bungee-Jumpen käme und jetzt das notwendige Adrenalin für die Klausurbearbeitung durch sein Körper schieße. Was für ein Freak. Er greift in seine Tasche, während ich mir vorstelle, dass er nichts drunter hat, und packt einen Sechsämtertropfen aus: "Ich muss ja auch wieder runterkommen." Und dann… endlich: "Ka…Ka…bal…jer" Ein verlegenes Gelächter, weil die Aufsicht meinen Namen nicht aussprechen kann.

Ich ziehe die Nummer 13. Nicht gut, ich bin abergläubisch und habe bereits beim ersten Versuch die 13 gezogen (spontan assoziiere ich das weder mit der angestrebten Punktzahl noch mit der Garantenstellung aus Ingerenz, sondern mit dem Synonym für Diarrhö). Ich hätte mich wohl doch abmelden sollen, aber jetzt ist es zu spät. Die ganze Chose ist so offiziell, ich komm mir vor wie beim Grenzübertritt (unerlaubte Einfuhr von zwei Kilogramm Angstschweiß). Gleich nach der Ausweiskontrolle will ich mich auch ausziehen und auf den Amtsarzt bzw. den Hygienebeauftragten der Uni warten, der mir irgendwas in irgendwelche Körperöffnungen schiebt, um auf Nummer sicher zu gehen. Aber so schlimm ist es dann doch nicht.

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  1. Seite 1: In der Schlange zur Ausweiskontrolle
  2. Seite 2: Irgendwann steht man auf der anderen Seite
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Zitiervorschlag

Ahmet Kabakyer, Of all the things I’ve lost, I miss my mind the most: Der ganz normale Prüfungswahnsinn. In: Legal Tribune ONLINE, 16.03.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/8340/ (abgerufen am 20.10.2014)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare

16.03.2013 17:21
herrlich erfrischender Artikel
Sascha Auf diesen Kommentar antworten
Antwort auf den Kommentar von Sascha 22.03.2013 14:16
naja
Humorist

16.03.2013 19:44
mal unerträglich stereotypüberladen, dann wieder abwertend und arrogant. ein miserabler text!
Anon Auf diesen Kommentar antworten
Antwort auf den Kommentar von Anon 18.03.2013 00:08
Sehe ich auch so. Vielleicht sollte Ahmet lieber das nächste Mal ein bisschen überlegen bevor er damit so um sich wirft.
Barcelona
Antwort auf den Kommentar von Anon 21.03.2013 10:13
Das finde ich auch.
Der Text sagt viel über das (Schubladen-)Denken des Autors aus. Um ehrlich zu sein, tut er mir Leid. Ernsthaft.
Marcel

16.03.2013 20:00
Hat mich wie immer amüsiert
Noah Auf diesen Kommentar antworten

17.03.2013 07:52
Ich stimme Anon und Noah zu. Der Artikel war wirklich peinlich und trotzdem aber auch lustig zu lesen.
Also bitte mehr davon, denn das bisschen Schmerz beim Lesen nehm ich für die Erheiterung gern in Kauf.
Heinz Auf diesen Kommentar antworten

17.03.2013 14:00
Falls der Autor mit diesem Text versucht haben sollte, sich selbst in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken, kann man ihn nur zu einer mehr als gelungenen Leistung beglückwünschen.

Ansonsten würde ich die LTO darum bitten, doch wenigstens ein Mindestmaß an journalistischer Qualität auf ihrer Website zu gewährleisten. Wenn das dabei rauskommt, wenn Juristen humorvoll sein wollen, dann bitte ich darum dies zukünftig zu unterlassen!

mfg
Jan Auf diesen Kommentar antworten
Antwort auf den Kommentar von Jan 20.03.2013 11:41
Dem stimme ich vollumfänglich zu... Ein furchtbarer Beitrag.
Fab

17.03.2013 19:46
Als Jura-Studentin vor dem ersten Staatsexamen (im April) habe ich diesen Text sehr genossen, welcher wohl näher an der Wahrheit dran ist, als sich jeder Nicht-Jurist vorstellen kann ;-)
Vielen Dank für die erheiternden Worte, welche meinen Weg in die Examensklausuren sicherlich ein wenig aufmuntern werden, wenn ich in das eine oder andere Gesicht schaue und denke "das erinnert mich doch an irgendwas..." ;-)
Beatrice Auf diesen Kommentar antworten

21.03.2013 16:21
Die Schwierigkeit des Examens überhöhend verherrlichen und sich damit als "Veteran" noch selbst beweihräuchern. Als ob das nicht schon genug an der Uni praktiziert wird. Ich habe mein Examen in der Tasche und muss sagen, wenn man es sich selbst schwer machen will glaubt man dem Zerrbild, das der Autor und andere entwerfen. Oder den Unkenrufen in der Bib wie schwer und wieviel alles ist. Das Schlimmste ist, das die Leute, die sich auf dieses dumme Gehabe und Spiel einlassen, dann wirklich zu denen werden, die der Autor beschreibt. Perfekter Teufelskreis. Durch Panikmache wird es nicht besser, im Gegenteil...
hans Auf diesen Kommentar antworten

22.03.2013 09:43
Zum Artikel kann man nur sagen: So isses!
Nick Auf diesen Kommentar antworten
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