VG Koblenz zu Tierarztkosten: Für "Fund­katzen" zahlt die Fund­be­hörde

04.10.2017

Wer eine kranke Katze findet und zum Tierarzt bringt, mag eine gute Tat tun – aber wer zahlt dafür eigentlich? Die Gemeinde, entschied das VG Koblenz. Allerdings nur, wenn das Tier nicht verwildert ist.

 

Das Verwaltungsgericht (VG) Koblenz hat einer Tierarztpraxis die Erstattung von Kosten für die Behandlung sogenannter Fundkatzen zugesprochen (Urt. v. 13.09.2017, Az. 2 K 533/17.KO)

Im Laufe des Jahres 2016 wurden insgesamt drei verletzte Katzen in die klagende Tierklinik gebracht. Die Tierärzte behandelten und versorgten die Katzen – und wandten sich wegen der Kosten in Höhe von 2.036,12 Euro an die beklagte Verbandsgemeinde als Trägerin der Fundbehörde.

Die Gemeinde lehnte die Kostenerstattung jedoch ab, weil die Tiere ihrer Auffassung nach keine Fundkatzen seien, sondern herrenlos. Die Katzen hätten sich in einem Zustand befunden, der auf ihre Verwilderung hingedeutet habe.

Das sah das Koblenzer Gericht nun anders. Die Katzen hätten sehr wohl "die Eigenschaft von Fundtieren" gehabt. Freilaufende Katzen seien in der Regel nicht gleich herrenlos. Die überwiegende Zahl der Katzen werde als sogenannte Freigängerkatzen gehalten, was eine artgerechte, übliche Katzenhaltung darstelle. Allein die Tatsache, dass eine Hauskatze ohne ihren Besitzer oder Eigentümer unterwegs sei oder sich von ihrem Zuhause bzw. ihrem Revier entfernt habe, sei kein Indiz dafür, dass sie herrenlos sei.

Was für und gegen einen Wildling spricht

Dies schließe allerdings die Existenz von herrenlosen Hauskatzen nicht aus. Als solche könnten sogenannte Wildlinge angesehen werden, also eigenständig lebende Tiere, die sich durch scheues, zurückgezogenes Verhalten auszeichneten, die sich in der Regel nicht anfassen ließen und nur mit einer Falle eingefangen werden könnten.

Dass es sich bei den drei betreffenden Katzen um Wildlinge gehandelt habe, so die Koblenzer Verwaltungsrichter, sei nicht ersichtlich. Ein Kater sei mittels Mikrochip gekennzeichnet gewesen und habe ein Halsband getragen. Einen anderen Kater habe die Finderin zur Tierklinik gebracht, nachdem er lange Zeit im Bereich eines von Menschen bewohnten Anwesens herumgestreunt sei. Das lasse darauf schließen, dass er den Kontakt zu Menschen suche. Das dritte Tier sei nach der Behandlung ins Tierheim aufgenommen und schließlich an neue Besitzer vermittelt worden, bei einem Wildling sei das nicht möglich gewesen.

Die Tierarztpraxis habe deshalb mit der Entgegennahme und medizinischen Behandlung der Katzen jeweils ein Geschäft der Beklagten in ihrer Funktion als Fundbehörde geführt, die deshalb die Kosten übernehmen müsse.

aka/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG Koblenz zu Tierarztkosten: Für "Fundkatzen" zahlt die Fundbehörde. In: Legal Tribune Online, 04.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24829/ (abgerufen am: 24.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 04.10.2017 21:38, Tüdelütütü

    Ein Tierarzt kann als ärztlicher Garant etwa entsprechend dem Tierschutzgesetz zur Hilfe verplifichtet sein. Dies kann vermögensrechtliches Eigentum berührende Inhaltsbestimmung sein. Solche kann grundsätzlich nur verhältnismäßig belastend zulässig und damit ausgleichspflichtig sein. Angesichts einer Hilfspflicht kann kein rechtsverhältnisloses Geschäft ohne Auftrag vorliegen. Fund oder Verwilderung kann dabei für eine Ausgleichspflicht unmaßgeblich sein.

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    • 05.10.2017 08:31, Jemand_NRW

      Da versucht jemand mit ein paar wild zusammengewürfelten (teilweise vermeintlichen) juristischen Fachbegriffen so zu klingen, als hätte er irgend eine inhaltliche Aussage zu machen..

      Klappt aber nicht, da das Sammelsurium an Worten auch bei mehrmaligem Lesen keinen Sinn ergibt.

    • 06.10.2017 00:19, Plika

      So viel Bullshit in 6 Zeilen habe ich lange nicht mehr gelesen. Ist ja fast schon Satire der Kommentar.

    • 07.10.2017 18:57, tüdelütütü

      Hilfreich könnte noch eine kurze nähere Sachauseinandersetzung sein, warum genau der Kommentar misslungen und satirenaher bullshit sein soll.

  • 05.10.2017 05:27, Tristan H.

    Auch wenn es eine verwilderte, herrenlose Katze gewesen wäre, die durch einen "Finder" den Weg zum Tierarzt fand und behandelt werden musste, da sie verletzt, krank oder unterernährt war, wäre die örtliche Tierschutzbehörde (wohl die Gemeinde) dann jedweger Verpflichtung frei gewesen?
    Ist es nicht Aufgabe einer Gemeinde/Stadt/Kreis, ein Tierheim zu unterhalten (wird meistens an Vereine "ausgelagert", die dann Zuschüsse bekommen), damit möglichst keine herrenlose Hunde, Katzen etc auf der Strasse herumlaufen, weil sie ausgesetzt wurden von ihren früheren Besitzern? Wir wollen doch seit Jahrzehnten keine Strassenhunde etc mehr haben und sehen, weil der Verkehr gefährdet wird, Krankheiten verbreitet werden und das alles nicht tierschutzgerecht wäre.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 06.10.2017 16:43, Denise

      Eine örtliche Tierschutzbehörde gibt es in Deutschland nicht. Der Tierschutz ist immer ein gemeinnütziger Verein, der sich durch Spenden und Mitgliedschaften finanziert. Und der hat nicht unbegrenzt Geld. Der Tierarzt wiederum darf laut Berufsordnung nicht unentgeltlich arbeiten. Leider wird Tierschutz allgemein nur sehr selten von den Kreisen und Gemeinden finanziell unterstützt. Wer ein verletztes Tier von der Straße zum Tierarzt bringt, ist zunächst meist auch in der Zahlungspflicht.

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