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OLG Frankfurt a.M. zur Tierhalterhaftung: Aus­ritt auf eigene Gefahr

30.04.2018

Bei einem gemeinsamen Ausritt scheute das Pferd und warf seinen Reiter ab, als es ein mitlaufender Hund seitlich passierte. Schadensersatz kann der Reiter wegen der erheblichen eigenen Tiergefahr aber nicht verlangen, so das OLG.

Wer in Kenntnis eines freilaufenden Hundes an einem gemeinsamen Ausritt teilnimmt, kann den Hundehalter nicht auf Schadensersatz in Anspruch nehmen, wenn sich das Pferd beim Vorbeilaufen des Hundes erschreckt, bekräftigt das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main mit einem am Montag veröffentlichtem Beschluss (Hinweisbeschl. v. 07.02.2018, Az. 11 U 153/17). Der klagende Reiter nahm nach Erhalt des Beschlusses seine Berufung zurück.

Der Mann hatte mit Vereinsmitgliedern einen gemeinsamen Austritt unternommen. Die Gruppe begleitete der freilaufende Hund eines weiteren in dem Fall beklagten Pferdeliebhabers. Nach einer guten Stunde lief der Hund auf Zuruf seines Halters von hinten kommend an der Reitergruppe vorbei. Das Pferd des klagenden Reiters erschreckte sich, rannte in einen seitlich zum Weg verlaufenden Weidezaun und warf den Kläger ab. Für die durch den Sturz erlittenen Verletzungen verlangte der Reiter nun Schadensersatz.

Das OLG wies die Klage - wie schon das Landgericht (LG) Hanau (Urt. v. 10.11.2017, Az. 1 O 392/17) - ab. Ansprüche aus der Tierhalterhaftung des § 833 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) stünden dem Reiter nicht zu. Einer Haftung des Hundehalters stünde nämlich bereits das erhebliche Mitverschulden des Reiters entgegen. Dieser müsse sich in erster Linie "die eigene Tiergefahr des von ihm gerittenen Pferdes" anrechnen lassen, betonten die Frankfurter Richter.

OLG: Hund ohne gefahrenträchtiges Verhalten

Nach Auffassung des Gerichts hat der Reiter freiwillig an dem ausschließlich in seinem Interesse liegenden Austritt teilgenommen und sich den Risiken bewusst ausgesetzt, die durch den mitlaufenden Hund resultierten. Der Hund habe sich schließlich in keiner Weise gefahrträchtig verhalten, sondern sei alleine an dem Pferd des klagenden Reiters – wie an den anderen Pferden auch – vorbeigelaufen. Ein Verursachungsbeitrag des Hundehalters trete vollständig hinter die selbst gesetzten Gefahrenmomente zurück, so das OLG.

Die Kammer hatte überhaupt Zweifel an einer Tiergefahr. Folge das Tier lediglich "der Leitung und dem Willen eines Menschen", wie durch ein Rufen des Halters, verursache allein der Mensch einen daraus resultierenden Schaden.

Unklar sei auch, ob sich das Pferd tatsächlich wegen des Hundes erschreckt habe. Der Hund habe die Reitergruppe vielmehr über eine Stunde lang begleitet, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei. Auch sei der Hund unmittelbar vor dem Unfall im gleichen Abstand an anderen Pferden vorbeigelaufen, die sich nicht erschreckt hätten, so das OLG.

mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OLG Frankfurt a.M. zur Tierhalterhaftung: Ausritt auf eigene Gefahr . In: Legal Tribune Online, 30.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28359/ (abgerufen am: 20.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 30.04.2018 16:02, Erstsemester

    Das angegebene Aktenzeichen kann nicht stimmen. Erste Instanz beim OLG?

    Wer will mir da ein O für ein U vormachen? :)

    • 30.04.2018 16:35, LTO-Redaktion

      Danke für den Hinweis. Es handelte sich um das Aktenzeichen der Vorinstanz, das wir nun beim LG Hanau ergänzt haben.

    • 01.05.2018 11:57, RA Dieter P. Stopfke

      Liebe lto-Redaktion, meine Kommentare werden hier regelmäßig gelöscht. Ich bitte sie dies in zukunft zu unterlassen. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der auch andere Meinungen geäußert werden dürfen. Auch wenn diese ihnen nicht passen. Wie sagte Montesquieu doch so schön: "jedem das seine, dir das deine und mir das meine". Bitte unterlassen sie die Löschungen.

  • 30.04.2018 23:47, RA Dieter P. Stopfke

    Hund, Katze, Maus und neulich sogar grüne Frösche. Wird die lto-Redaktion jetzt von Peta-Aktivisten geleitet? Muss dieses nervtötende Geschreibsel über Tiere hier auf legal Tribune online stattfinden? Gibt es nicht wichtigere themen? Berichten Sie dochmal über die ständigen Verfassungsbrüche, die von den Reichsbürgern der AfD-Fraktion begangen werden. Oder über deren kriminellen Machenschaften. Insolvenzverschleppung, Drogendelikte, Gewaltdelikte, Landfriedensbruch um hier nur einige zu nennen. Stattdessen schwafeln sie wie so Waldorfschüler über gottverdammte Tiere. Was soll das?? Der Mensch hat sich alle Tiere zu Untertan gemacht. Der Mensch kann it Tieren tun und lassen was er will. Wenn der Mensch der Ansicht ist, er müssen 100 Schweine in einen kleinen Käfig stopfen dann ist es eben so. Tiere haben dem Menschen zu dienen. Wer etwas anderes behauptet gehört in die Irrenanstalt. Ist es jetzt out sich für Frauen und Homos einzusetzen? Sind jetzt Tiere an der Reihe? Oh nein die armen Tiere.... Die haben Gefühle wie wir Menschen. Die spüren schmerzen. Oh nein... So ein billiges gelaber halte ich im Kopf nicht aus. Die deutsche Gesellschaft ist verschwult bis ins Mark. Ich bitte sie eindringlich keine scheiss Tierartikel mehr zu bringen. Da schwillt mir vor Wut der Riemen.

    • 01.05.2018 09:31, 7979

      Interessante Betrachtungsweise werter Herr Mitleser.

  • 30.04.2018 23:50, RA Dieter P. Stopfke

    https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/save-the-frog-day-froesche-im-recht/

    So etwas möchte ich in Zukunft nicht mehr lesen auf Lto. Hier interessiert sich kein Schwein für Tiere. Wir sind juristen. Heuern sie doch bei Haustiere.de an. Da freuen sich diese ungewaschenen Ökos sicher über solche Artikel.

  • 01.05.2018 15:07, FloMaPo

    Wir kann denn das OLG die Klage abweisen, wenn der Kläger die Berufung zurückgenommen hat? Da passt doch was nicht *grübel*

  • 01.05.2018 23:10, Tüdelütütü

    (Mit-)Verschulden? Inwiefern kann Tierhaftung klar gleich für eigene Schäden durch eigene Tiere gelten, wie vorliegend das Pferd?

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