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Keine Fluchtgefahr mehr für NSU-Waffenbeschaffer: Ralf Wohl­leben aus der U-Haft ent­lassen

18.07.2018

Der NSU hat zehn Menschen ermordet. Die Mordwaffe Ceska hat laut dem Urteil der frühere NPD-Funktionär Wohlleben besorgt. Der kommt jetzt aus der Untersuchungshaft.

Der Waffenbeschaffer für den "Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), Ralf Wohlleben, ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Er verließ am Mittwochmorgen die Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München, wie eine Sprecherin des Gefängnisses sagte. Es bestehe keine Gefahr mehr, dass sich Wohlleben durch Flucht entziehen könnte, teilte das Oberlandesgericht (OLG) München mit. Am Dienstag sei der Haftbefehl gegen den 43-Jährigen aufgehoben worden. Wo Wohlleben sich nach seiner Entlassung befindet, sei dem Gericht nicht bekannt.

Im NSU-Prozess war Wohlleben am Mittwoch zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er saß bereits sechs Jahre und acht Monate in Untersuchungshaft. Das heißt, er hätte höchstens noch drei Jahre und vier Monate im Gefängnis verbüßen müssen. Mit der Entscheidung folgte das Gericht der Einschätzung des Generalbundesanwalts in Karlsruhe, der eine Gefängnisstrafe für Wohlleben für nicht mehr erforderlich hielt.

Das OLG hat Wohlleben der Beihilfe zum Mord schuldig gesprochen. Es ging wie auch die Bundesanwaltschaft davon aus, dass der ehemalige NPD-Funktionärdie NSU-Mordwaffe vom Typ "Ceska" organisiert hat - und er habe gewusst, wofür die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sie benutzen wollten. Wohlleben hatte das stets bestritten. Er habe dem eigentlichen Überbringer der Waffe nur auf Nachfrage einen Tipp gegeben. Die Anklage hatte für Wohlleben zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen gefordert.

Seine Verteidiger bezeichneten ihn als unschuldig und forderten Freispruch. Sie wollen das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen.

dpa/tap/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Keine Fluchtgefahr mehr für NSU-Waffenbeschaffer: Ralf Wohlleben aus der U-Haft entlassen . In: Legal Tribune Online, 18.07.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/29823/ (abgerufen am: 25.05.2019 )

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Kommentare
  • 18.07.2018 13:47, 123

    Das muss für die Opfer dieser Mordserie unfassbar grausam sein.. :((

    • 18.07.2018 15:10, Harald

      Echt jetzt? Da ist der "Rechtsstaat" wohl auf einmal außen vor? "

      Die Opfer der Mordserie" sind übrigens tot. Und wenn Sie mit Opfer die Angehörigen meinen, da hat doch die Schnarre schon am 18.11.2011 nach orientalischer Sitte Entschädigung in sechsstelliger Höhe angeboten. Schonmal darüber nachgedacht, auf welcher (rechtlichen) Grundlage diese "Entschädigung" zu diesem frühen Zeitpunkt von der Ministerin angeboten werden konnte.? Kommt alles noch auf den Tisch - nichts wird vergessen! Auch die Nebenklage und die Angehörigen nicht. Frechheit das Ganze!

    • 18.07.2018 15:26, 123

      Natürlich meine ich die Angehörigen... wen denn sonst?
      Keine Entschädigung der Welt bringt deren Verlust zurück.

  • 18.07.2018 16:10, Zweidrittel

    6 Jahre 8 Monate sind ziemlich genau zwei Drittel von zehn und das, was bei einer Reststrafe als Bewährung übrig bleiben könnte. WENN man denn eine Zweidrittelentscheidung treffen möchte... Ob das bei (Beihilfe zum) Mord (noch dazu in zehn tatmehrheitlichen Fällen) so ohne weiteres selbstverständlich ist... Kann man durchaus bezweifeln. Unsere StVK würde das jedenfalls sehr kritisch prüfen... Ich könnte die Entscheidung eher verstehen, wenn im Gegenzug die Revision zurückgenommen wird.

    • 18.07.2018 16:31, Harald

      Wohlleben ist freizusprechen und das wird die Revision auch ergeben.

    • 18.07.2018 17:44, @Harald

      Und wovon träumen Sie nachts so? Ist ja süß :-) Der BGH wird die Revision verwerfen, da gibt es doch nicht den geringsten Zweifel dran oder?

    • 18.07.2018 22:16, 123

      Nach allem was ich von Harald bislang gelesen habe bin ich mir mittlerweile fast sicher, dass es ihm lieber gewesen wäre, die hätten noch fleißig weiter gemordet.

    • 19.07.2018 10:25, Harald

      @123 - Haben Sie Ihre Tabletten heute nicht genommen? Von Ihnen kommt nicht ein Argument zur Sache. Trollen Sie doch zur Abwechslung mal woanders.

    • 19.07.2018 13:34, @123

      Dann ist Harald Teilder 12,6%

    • 19.07.2018 18:02, 123

      @Harry
      etwa Argumente wie: "Wohlleben ist freizusprechen und das wird die Revision auch ergeben."?

      Damit kann ich natürlich nicht dienen.

      Aber dann argumentiere doch mal:
      WARUM ist der gute Mann denn freizusprechen?
      WAS wird in der Revision anders sein? und
      WAS kommt denn auf den Tisch und wird nicht vergessen?
      WAS ist eine Frechheit?

    • 22.07.2018 20:09, 123

      dacht ich mir, dass da nix kommt.

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