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Prozessebginn in Nürnberg: Rechts­an­walt soll auf Autos geschossen haben

15.09.2015

Ein Jurist als Heckenschütze? Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wirft einem 50-jährigen Anwalt vor, mit einem Gewehr auf parkende und fahrende Autos geschossen zu haben. Laut Anklage versuchter Mord. Am Mittwoch beginnt der Prozess.

Ein Nürnberger Rechtsanwalt muss sich ab Mittwoch vor dem Landgericht (LG) Nürnberg-Fürth verantworten. Er soll, so wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, zwischen August und November 2014 aus seinem Haus heraus mit einem Druckluftgewehr immer wieder auf Fahrzeuge geschossen haben.

Die Ermittlungsbehörde hat ihn u.a. wegen versuchten Mordes angeklagt, weil er den Tod der Insassen - so lautet der Vorwurf - billigend in Kauf genommen haben soll. Der Angeklagte selbst betont stets, er habe niemanden töten wollen. Was er mit seinen Angriffen aus jeweils etwa 100 Metern Entfernung bezweckte, ist noch unklar. Die Schüsse hatte der verheiratete Mann direkt nach seiner Festnahme zugegeben.

Anklage: Opfer waren arg- und wehrlos

Im wohl schwerwiegendsten Fall habe er das Auto eines Mannes "während der Fahrt getroffen - der Fahrer war dabei im Auto", wie Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke im November vergangenen Jahres gesagt hatte. Da auf deutschen Straßen niemand damit rechne, beschossen zu werden, sei der Fahrer "völlig arg- und wehrlos" gewesen. Das Opfer hatte Anzeige erstattet, weil es eine Beschädigung an seiner Beifahrertür entdeckt hatte.

In einem weiteren Fall soll der Mann unmittelbar nach einem Unfall auf das stehende Auto einer Frau aus Fürth geschossen haben. Sie hatte an der Beifahrertür einen Schaden festgestellt - die Polizei fand daraufhin in der Gummidichtung ein deformiertes Geschoss. Tatwaffe war nach bisherigen Erkenntnissen ein erlaubnispflichtiges Kleinkaliber-Druckluftgewehr für Jagd- oder Sportzwecke. Die Geschosse seien mit hohem Druck aus der Waffe geflogen und hätten eine recht große Reichweite gehabt, hieß es. Die Waffe besaß der mutmaßliche Heckenschütze illegal. Er muss sich daher auch wegen unerlaubten Erwerbs und Besitzes einer Schusswaffe verantworten.

Auf die Spur des der Polizei bis dahin unbekannten Nürnbergers waren die Beamten nach dem Hinweis eines Passanten gekommen, der im Vorbeigehen an dem Haus Schüsse wahrgenommen hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden Ermittler anschließend fünf Waffen und umfangreiches Zubehör.

una/dpa/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Prozessebginn in Nürnberg: Rechtsanwalt soll auf Autos geschossen haben . In: Legal Tribune Online, 15.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16898/ (abgerufen am: 27.02.2021 )

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Kommentare
  • 16.09.2015 01:01, keiner

    Also da ohne Geständnis eine Tötungsabsicht nachzuweisen stelle ich mir schwierig vor. Ein normales Luftgewehr kommt kaum 1000m weit, und damit jemanden zu töten ist schon bei direktem Schußfeld praktisch nur aus nächster Nähe mit einem "Blattschuß" möglich. Durch eine Autoscheibe oder -Tür hindurch ist das eigentlich do dermaßen völlig aussichtslos, daß niemand mit ernsthaften Tötungsabsichten und einem minimalen Bestand an Resthirn das versucht.

    Zum Mord gehört außerdem noch das Tatbestandsmerkmal der Heimtücke und ein niederes Tatmotiv. Es dürfte aber schon schwer nachzuweisen sein, daß sich die Luftgewehrschüsse überhaupt gegen eine bestimmte Person gerichtet haben - womit schon der Großteil "allgemein üblichen" Mordmotive raus ist.

    Gestorben ist ohnehin niemand, also wird am Ende eher Sachbeschädigung, versuchte gefährliche Körperverletzung, evtl. illegaler Waffenbesitz rauskommen. Ein Staatsanwalt, der auf dieser Sachbasis einen Mord unterstellt, gehört schon wegen des dadurch ansteigenden Prozeßaufwands eigentlich umgehend gefeuert.

    • 16.09.2015 09:10, PeterPan

      Naja, wer auf ein fahrendes Auto schießt muss damit rechnen, dass der Fahrer einen Unfall baut - Und sowas kann böse enden. Man stelle sich mal vor, das Geschoß würde gegen oder vielleicht sogar durch die Scheibe knallen.
      Überhaupt, wenn die Waffe für Jagdzwecke eingesetzt werden kann, kann man damit auch einen Menschen töten.

  • 29.09.2015 20:41, au Backe

    Werter "keiner",
    ein paar Klicks und schon wüßten Sie, was für einen Unsinn Sie von sich geben. Wodurch ein Geschoss angetrieben wird, ist völlig egal, es kommt darauf an, WAS mit WELCHER Energie noch im Ziel ankommt. Nachdem Sie sich offensichtlich nicht ansatzweise über diese Sache informiert haben, reden Sie totales Blech. Ein "Luftgewehr" ist nur in Deutschland ein besseres Sport-/Spielzeug mit max 7,5 Joule. Genau so etwas wurde hier aber NICHT verwendet. Auch wurde nicht 1000m, sondern 100m geschossen. Nachdem Sie zudem, trotz der entgegen recherchierbaren Informationen irrigen Annahme, es gehe hier um das, was man allgemein in D als "Luftgewehr" bezeichnet, von "illegalem Waffenbesitz" erzählen, was sich gegenseitig ausschließt, haben Sie offenkundig schlicht keine Ahnung.

    • 30.09.2015 05:39, tdhaller

      Kann man alles ein bißchen freundlicher ausdrücken, aber im Prinzip ja. Der Mann soll aus seinem Haus heraus mit einem erlaubnispflichtigen Druckluftgewehr geschossen haben. Die "besseren Spielzeuge" aber sind im Allgemeinen erlaubnisfrei, sehr grob vereinfacht gesagt. Jagdluftgewehre sind etwas ganz Spezielles, mit höherer Mündungsenergie als die normalen Luftgewehre. Wie geeignet das nun ist, um auf 100 Meter einen Menschen zu töten, weiß ich nicht sicher, aber ich nehme nicht an, dass ein völlig untauglicher Versuch vorliegt.

  • 30.09.2015 19:27, au Backe

    @tdhaller: Sie haben Recht, was meinen Ausdruck betrifft, er war ein Ergebnis von akutem Ärger. Deshalb nehme ich die Wortwahl ausdrücklich zurück. Nicht aber die Aussage. Der erste Beitrag ist sachlich falsch, wie er falscher nicht sein könnte, zudem widerspricht er sich in sich (was denn nun, illegaler Waffenbesitz oder "deutsches Spiel-Luftgewehr?). Mein Ärger enstand aus meinem subjektiven Eindruck, dass man sich zwar als besonders schlauen Erstschreiber betrachtet, der sich zwar mal eben weit über andere erhebt ("Staatsanwalt gehört gefeuert"), dabei aber weder von diesem Verfahren noch den darin festgestellten Fakten Ahnung zu haben scheint. Diese Ahnung kann man sich aber öffentlich und ohne jede Verfahrenskenntnis mit der Suchmaschine seiner Wahl besorgen. Und siehe da, was man da finden kann: Es wurde ein Preßluftgewehr (aka PCP-Gewehr) der Marke Daystate verwendet, Kaliber 5,5mm (aka .22). Diese Geräte vermitteln (siehe Hersteller) an Geschosse dieses Kalibers, die verschiedenen Arten des Kalibers .22 long rifle in Maß und Gewichten identisch sind, Mündungsenergien von 81,35 Joule (gerundet auf zwei Nachkommastellen) und in J berechnet aus 60 ft/lb. Bereits mit in GB frei legalen ("non FAC") Luftdruckwaffen werden 12 ft/lb (etwa 16,2 J) erreicht und damit problemlos auf Haus-und-Hof-Distanz Kleinschädlinge und Vögel geschossen. Mit einem Daystate-Gewehr (das ist Spitzenklasse im Bereich Preßluft) und 81,35J bei 5,5mm werden bestimmungsgemäß Waschbären, Kaninchen, Großvögel usw. geschossen. Ein leichtes Jagdgewehr, nicht mehr und keinesfalls weniger. Ein solches Geschoss marschiert nach 100m mal ganz locker tief in den Körper ein und das auch noch nach dem Durchschlagen einer Autoscheibe. BTW: Was auf dem Zielobjekt ankommt, ist immer nur das Geschoss, ob es mit kalten oder heißen Gasen angetrieben wurde, ist zu diesem Zeitpunkt völlig egal, es zählt nur, was da mit welcher Energie ankommt. Der erste Beitrag baut demnach scheinbar auf "Stammtischwissen" auf, welches sich an der Vorstellung eines Schießbudenspielzeugs orientiert. Dieser Unsinn, und solcher ist es eben, wäre durch weniger schnelles und gegenüber Dritten grundlos unverschämtes, sondern fundiertes und informiertes schreiben zu verhindern gewesen.