Ermittlungsmaßnahmen gegen Wollersheim rechtswidrig: Scha­dens­er­satz für den "Puff Daddy"

27.03.2018

Der frühere Düsseldorfer Rotlichtkönig Bert Wollersheim wird aus der Staatskasse entschädigt. 2012 hatte die Polizei seine Bordelle gestürmt und ihn inhaftiert. Zu Unrecht, wie das örtliche LG entschied.

Nach dem bundesweit beachteten Düsseldorfer Rotlicht-Skandal hat der prominente Ex-Bordellbesitzer Bert Wollersheim nach Justizangaben Anspruch auf Schadensersatz. Einen entsprechenden Beschluss habe das Landgericht (LG) Düsseldorf bereits im Januar gefällt, bestätigte Gerichtssprecherin Dr. Elisabeth Stöve am Dienstag.

Wollersheim habe sechs Monate nach Zustellung des Beschlusses Zeit, um seine Ansprüche bei der Generalstaatsanwaltschaft anzumelden. Er war als Rotlichtgröße und Düsseldorfer Bordellbesitzer bundesweit bekannt geworden - Spitzname: "Puff Daddy". Das Fernsehen verfilmte in einer Doku-Soap das Leben der Familie Wollersheim ("Die Wollersheims - eine schrecklich schräge Familie").

Vor sechs Jahren stürmte die Polizei die Bordelle, deren Mitbesitzer Wollersheim war. Die Häuser wurden geschlossen. Freier waren darin betäubt und finanziell ausgeplündert worden. Wollersheim kam nach sieben Wochen Untersuchungshaft auf freien Fuß: Die Ermittlungen hatten ihn entlastet, U-Haft, Durchsuchungen und Sicherstellungen gegen Wollersheim waren rechtswidrig. Es folgte jedoch die Firmenpleite, und 2016 gab er bekannt, auch privat pleite zu sein.

Ob Wollersheim seine finanziellen Verluste damit nun aber auch nur annähernd wird ausgleichen können, ist zumindest fraglich: Für jeden Tag in Haft bekommt er gemäß § 7 Abs. 3 des Strafrechtsentschädigungsgesetzes (StrEG) 25 Euro - "egal, ob man ein Millionär ist oder ein Bettler", wie Gerichtssprecherin Stöve im LTO-Gespräch betonte.

Im Übrigen könnte Wollersheim zwar auch seine Firmenpleiten geltend machen, allerdings müsste er hierfür einen kausalen Zusammenhang zu den Ermittlungsmaßnahmen nachweisen. "Es muss im Einzelnen genau dargelegt werden, welche Schäden durch welche Strafverfolgungsmaßnahmen entstanden sind", so Stöve auf LTO-Nachfrage.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Ermittlungsmaßnahmen gegen Wollersheim rechtswidrig: Schadensersatz für den "Puff Daddy" . In: Legal Tribune Online, 27.03.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27751/ (abgerufen am: 13.12.2018 )

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Kommentare
  • 28.03.2018 07:38, Poppinger

    Damit kommt die Justiz mal wieder durch. Der Kausalitätsnachweis für eine Insolvenz bzw. Firmenpleite ist praktisch nicht zu führen, weil immer der Einwand geführt werden kann, dass nicht die Haft für die Pleite verantwortlich war, sondern irgend etwas anderes. So kann die Justiz ungestört schaden und durch den bloßen Vollzug von Ermittlungsmaßnahmen Existenzen zerstören. Das weiß die Justiz auch ganz genau....

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    • 28.03.2018 09:05, Harald

      Kommt darauf an, was beschlagnahmt wurde. Sollten z.B. die Konten eingefroren und parallel noch die Buchhaltung beschlagnahmt worden sein, wüsste ich nicht, wie man den Laden dann weiterführen sollte. Das hat mit Haft erstmal nichts zu tun. Auch wurden die Bordelle geschlossen. Das scheint auch ein objektives Hindernis zu sein, das Geschäft weiterzuführen.

      Wenn ich schon lese, dass Freier finanziell "ausgeplündert" wurden, kommen mir direkt die Tränen.

  • 28.03.2018 09:43, M.D.

    "Vor sechs Jahren stürmte die Polizei die Bordelle, deren Mitbesitzer Wollersheim war. Die Häuser wurden geschlossen. Freier waren darin betäubt und finanziell ausgeplündert worden."

    Die Ermittlungsmaßnahmen waren offenkundig rechtswidrig. Dass hier noch nicht mal ein Anfangsverdacht vorliegt, merkt selbst ein Polizeihund. Herr "Puff Daddy" hat unser aller Mitgefühl verdient. Durch seine rechtswidrige Festnahme wurde dem Prostitutionsgewerbe massiv geschadet.

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    • 28.03.2018 12:25, M.D.

      Ich kann es auch weniger humorvoll formulieren. Man hatte ihn in U-Haft genommen (= dringender Tatverdacht) und hinterher ging es aus, wie beim Hornberger Schießen. Dann schlägt natürlich § 2 StrEG unerbittlich zu. Anscheinend lag noch nicht mal ein Ausschlussgrund gem. § 5 Abs. 2 StrEG vor, d.h. man hat im Vorfeld einfach nur schlampig ermittelt.

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