Reform der 50+1 Regel: Über­nehmen Scheichs bald die Bun­des­liga?

von Hasso Suliak

15.02.2018

In der Bundesliga rumort es gewaltig. Grund: Die strenge 50+1-Regelung in der Liga könnte bald Geschichte sein. Bislang verhindert diese, dass reiche Investoren über die Strategien deutscher Fußballvereine entscheiden dürfen.

Darf im deutschen Profifußball künftig ein Scheich über Wohl und Wehe eines Fußball-Klubs bestimmen oder wie bisher seine Mitglieder? In den nächsten Wochen steht die sogenannte 50+1-Regelung bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) intensiv auf dem Prüfstand. Der Ligaverband hat eine Grundsatzdebatte angekündigt - ergebnisoffen, wie es in der Mitteilung heißt. Überprüft werden soll, "wie wichtige Prinzipien der gelebten Fußball-Kultur in Deutschland zukunftssicher verankert werden können und ob gleichzeitig neue Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen sind".

50+1 verhindert bislang weitgehend, dass Großinvestoren die Entscheidungsmacht über die Strategie eines Fußballklubs übernehmen, wie dies in anderen euopäischen Ligen geschieht, wo Vereine von Ölmilliardären und Scheichs üppig finanziert werden. Festgelegt ist diese Regelung in § 16c der Satzung des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) und in § 8 der DFL-Satzung. Danach dürfen nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb der Lizenzligen teilnehmen können, an denen der jeweilige Verein die Mehrheit der Stimmanteile hält.

Aufweichung durch die "Lex Leverkusen"

Die Mehrheit der 18 Bundesliga-Vereine hat inzwischen ihre Profi-Abteilungen in Kapitalgesellschaften ausgegliedert - zum Beispiel in Aktiengesellschaften (AG) oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Diese Ausgliederung ist allerdings nur soweit erlaubt, solange die Vereine selbst weiterhin das Sagen haben, indem sie mehr als die Hälfte der Stimmanteile – eben mindestens 50 Prozent plus einen weiteren - behalten.

Allerdings ist die 50+ 1-Regelung schon lange nicht mehr in Stein gemeißelt. Dafür sorgte nach einem Urteil des Schiedsgerichts des DFB von 2011 die sogennante "Lex Leverkusen": Seither sind Mehrheitsbeteiligungen von Wirtschaftsunternehmen erlaubt, die einen Verein mehr als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert haben. Deshalb darf z.B. der Bayer-Konzern die Mehrheit an der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH halten. Ähnlich wie in Leverkusen wird diese Ausnahmeregelung auch vom VfL Wolfsburg mit Geldgeber VW und der TSG Hoffenheim mit SAP-Gründer Dietmar Hopp genutzt.

Hannover 96-Präsident bringt Stein ins Rollen

Den Stein, der jetzt zur Rundum-Überprüfung durch die DFL führt, hatte aber Hannover-96 Präsident Martin Kind ins Rollen gebracht. Der Hörgeräte-Unternehmer beabsichtigt schon seit Jahren, die Mehrheit an der 96-Management GmbH vom Stammverein zu übernehmen. Von der 50+1-Regelung hält er nichts. Und aufgrund seines langjährigen Engagements für den Verein beanspruchte auch er von der DFL eine Genehmigung à la Leverkusen oder Hoffenheim. 

Über seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung sollte die DFL eigentlich Anfang Februar entscheiden. Überraschend zog Kind jedoch seinen Antrag zurück bzw. stellte diesen ruhend. Damit bleiben die Mehrheitsverhältnisse bei Hannover 96 erst einmal unverändert. Stattdessen kündigte die DFL jetzt die besagte "ergebnisoffene" Prüfung an.

Doch ob diese tatsächlich so offen ist, wird bezweifelt. Für Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der seit Jahren Hannovers Fans gegenüber der Vereinsführung anwaltlich berät und ein erklärter Befürworter der geltenden 50+1-Regelung ist, ist die Nicht-Befassung der DFL mit dem Antrag von Martin Kind kurzfristig erst einmal ein Erfolg. Im Ergebnis rechnet er allerdings mit der weiteren Aufweichung von 50+1: "Ich glaube, die DFL wird es künftig den einzelnen Vereinen selbst überlassen, wie sie die Kriterien für eine Ausnahme konkret definieren", sagte er im Gespräch mit LTO. Heißt: Jeder einzelne Verein könnte dann für sich in der Satzung regeln, wann sich ein Investor durch "ununterbrochene und erhebliche Förderung" des Vereins eine Ausnahme von 50+1 verdient hat.  

Wird die Bundesliga zur Zwei-Klassengesellschaft?

Die Folgen einer solchen Aufweichung wären für Hüttl fatal: Die Vereine, die sich weiter an die hohe Hürde 50+1 halten, würden auf Dauer finanziell und sportlich abgehängt. "Die Bundesliga wird dann mehr und mehr zu einer Zwei-Klassengesellschaft", befürchtet der Anwalt. Ähnliche Befürchtungen hat auch der Chefredakteur des Fachmagazins Kicker, Rainer Franzke: "50+1 droht zum Anfang einer Spaltung der beiden Profiligen zu werden - mit unabsehbaren Konsequenzen."

Fananwalt Hüttl kritisiert die DFL auch im Hinblick auf das Format des anstehenden Diskussionsprozesses: "Es wird mal wieder eine reine Veranstaltung unter Funktionären. Über Fans wird zwar gesprochen, aber nicht mit ihnen. Ein Dialog auf Augenhöhe findet nicht statt", so der Anwalt zu LTO. Die DFL wollte hierzu gegenüber LTO keinen Kommentar abgeben. 

Für die Fanszene ist die Aufweichung der 50+1-Regel ohnehin ein rotes Tuch. Es gibt keine Fanorganisation, die sich mehr Einfluss von Investoren in ihrem Verein wünscht. Michael Gabriel, Leiter der vom DFB und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanzierten Koordiantionsstelle Fanprojekte erläutert gegenüber LTO: "50+1 hat für die Fans einen enormen symbolischen Wert, da es letztlich um ihre Mitbestimmung im Fußball geht."

Hannovers Präsident Kind geht laut Medienberichten offenbar ebenfalls von einer Überarbeitung der DFL-Satzung in seinem Sinne aus: "Wenn die 50+1-Regel neu gestaltet werden soll, brauchen wir keine Ausnahmegenehmigung", frohlockte er bereits in der FAZ. Der Unternehmer rechnet im Hinblick auf die Diskussion in der DFL Thematik mit "zügigen Ergebnissen".

Zwei-Drittel-Mehrheit der Klubs kann Satzung ändern 

Voraussetzung für eine Neugestaltung der 50+1-Regel ist allerdings eine Änderung der DFL-Satzung. Dafür ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit unter den 36 Profiklubs der ersten und zweiten Bundesliga nötig. Einige haben allerdings bereits öffentlich ihren Widerstand gegen eine Aufweichung von 50+1 angekündigt, etwa Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Das ist eine ordnungspolitische Aussage von uns, dass wir keine Schulden machen und keinen Oligarchen wollen, der dir jede Woche sagt, was wir anders machen sollen. Wir akzeptieren, dass wir irgendwo Grenzen haben, sind dafür aber frei. Das ist ein großer Wert", sagte er im Bezahlsender Sky

Auch Vereine wie der SC Freiburg oder der FC St.Pauli hatten sich in der Vergangenheit immer wieder gegen eine weitere Relativierung der 50+1-Regel ausgesprochen. Eintracht Frankfurts Vorstand Axel Hellmann forderte im Fußball-Fachmagazin Kicker ein neues Grundlagenstatut beim Thema Investoren. Der Investor müsse sich "absolut mit dem Klub identifizieren". Und: Er müsse sich der Fankultur verschreiben, "zum Beispiel mit dem Erhalt von Stehplätzen und sozialverträglichen Ticketpreisen".

Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga im Fokus

Kritiker der geltenden 50+1 Regel verweisen dagegen immer wieder auf die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga, die auf Dauer mit einer strengen 50+1 Regelung - auch im Vergleich zur englischen Premier League - nicht mehr gegeben sei. Großinvestoren brächten Kapital, mit diesem ließen sich internationale Top-Spieler künftig auch in der Bundesliga verpflichten. 

Für Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers zählt dieses Argument allerdings nur bedingt: "Es ist legitim und richtig, dass man sich in der Bundesliga Gedanken darüber macht, wie in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Ligen gewährleistet bleiben kann und auf welchem Weg sich die Klubs neue Geldquellen erschließen können." Ob man dafür die im deutschen Fußball bewährte 50+1-Regel kippen oder aufweichen müsse, sei jedoch "eine andere Frage", so Schippers zur LTO. Schließlich gebe es gute Beispiele, "wie sich auch innerhalb dieser Regelung potente Finanzpartner an einen Verein binden lassen". Bayern München "mit seinem Modell des durch einen Anteilsverkauf strategisch unterlegten langfristigen Sponsorings" sei "das Paradebeispiel".

Bayern München? In den anstehenden, wichtigen Diskussionsrunden bei der DFL kann sich Hannovers Präsident der Unterstützung des bayerischen Rekordmeisters sicher sein. Denn Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hat offenbar kein Problem damit, die Bundesliga weiter für Investoren zu öffnen. "Ich bin total für die Abschaffung der 50+1-Regel", sagte Hoeneß in einem Interview mit der Bild am Sonntag. Der Bayern-Boss würde die Entscheidung in die Hände der Vereine legen und damit in einer möglichen Abstimmung den Mitgliedern übertragen. "Das ist Demokratie", sagte Hoeneß.

Mit seiner Haltung steht Hoeneß in München nicht alleine da: Auch der jordanische Großinvestor des Lokalrivalen TSV 1860 München, Hasan Ismaik, ist ein erklärter Gegner von 50+1. Weil dem Geschäftsmann bei den "Löwen" noch mehr Einfluss vorschwebt, beschwerte er sich beim Bundeskartellamt über die Regelung. Kartellamtsprecher Michael Detering bestätigt die Eingabe in der Behörde. Über das weitere Vorgehen dazu sei aber noch nicht entschieden, sagte er LTO.

Zitiervorschlag

Hasso Suliak, Reform der 50+1 Regel: Übernehmen Scheichs bald die Bundesliga? . In: Legal Tribune Online, 15.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27057/ (abgerufen am: 20.02.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 15.02.2018 13:37, AFD WÄHLER

    NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN !!!!!!
    Die islamisierung muss eine ende haben. Ich gucke lieber wie torsten mit zwei linke Beine auf dem Feld Steht und ein eigenTor schießt als zu gucken wie solche auswärtigen aus Brasilien, Spanien und argentinin hier her kommen. WIR HABEN GENUG AUSLÄNDER HIER!!!! so einen Messi oder ronaldo können wir nicht auch noch durchfüttern. Deutscher fussball muss deutsch bleiben. Die das nich kapieren müssen weggesperrt werden.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 15.02.2018 13:38, AFD WÄHLER

      Es muss natürlich heißen "die wo das nicht kapieren. .."

    • 15.02.2018 13:49, gans falsch

      Es muss natürlich heisen "di wo das nich kapiern tun komafeler di müssn krass weggesperrt werden".

    • 15.02.2018 14:44, Anons

      Man kann versuchen, seine Verbitterung ob der AfD-Erfolge an den unpassendsten Stellen in Spott und Trollerei gekleidet abzuladen, ob das Ihnen etwas bringt ist eine andere Frage...

    • 15.02.2018 15:51, hokl

      Fünfzehn !!! Rechtschreibfehler (ohne Kommafehler) sagt alles. Auf diesen Kommentar braucht dann nicht mehr näher einzugehen.

    • 15.02.2018 16:15, Spötter auch am Tag

      Ach @Heinrich,

      so wird das aber nichts.

      Aber natürlich werden die Scheichs die Bundesliga übernehmen.
      Das ist doch das Ziel der Diskussion und wenn sie das geschafft haben brauchen sie noch Balljungen von den Kartoffeln, aber dafür eignest Du Dich auch nicht. Dafür bist Du nicht helle genug.
      Wie wäre es mit Fußabtreter, stillliegen bleiben, kannst Du doch, oder?
      Manchmal brauchen sie auch noch welche zum Toilettenreinigen.
      Nicht was Du denkst, das bekommst Du auch nicht hin.
      Aber als Feudel klappt's vielleicht.

    • 15.02.2018 20:02, AS

      Nur einen Tipp an den „AfD-Wähler“:
      Sie geben sich hier ja als Arbeitsloser aus Zwickau aus. In Sachsen würde aber niemand sagen: „Die wo...“.

    • 15.02.2018 20:51, Dosen Thunfische

      Die Frage nach dem Fußballzeugs interessiert mich zwar nicht, aber mich interessiert etwas anderes: das Menschenrecht für Thunfische!
      Ich als Thunfisch muss immer auf der Hut sein. Will mich ein Angler fangen? Ein Schleppnetzfischer jagen? Hinter jeder im Meer nicht vorhandenen Ecke lauert Gefahr. Ich könnte glücklicherweise mit Herrn Lindner ein produktives Skypegespräch führen. Er wird sich ab sofort für das fischige Recht auf Leben einsetzen.
      Also wählt die FDP- FischParteiDeutschland!

    • 16.02.2018 00:07, Justitia

      FDP? haben dann noch mehr dieser durchgestylten, von Grunde auf unehrlichen Consultings aus Übersee mit wahnsinns Fluktuation, bei denen langweilige Menschen in gut sitzenden Klamotten über nichtssagende Themen pseudowichtig schwadronieren und Sie sofort rausfliegen, sobald Sie nicht bereit sind, täglich 2-3 Überstunden anzuhängen? Falls ja: nein Danke.

  • 15.02.2018 15:19, Bernd

    Wenn man die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga steigern will, dann sollte der Bund als Sportförderer Nummer 1 erstmal dafür sorgen, dass die Telekom als Hauptaktionär von BT den Fernsehgeld-Irrsinn in der Premier League unterbindet. Am besten noch bevor die Blase platzt und der deutsche Steuerzahler mal wieder für die Rechnung aufkommen muss.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 15.02.2018 21:28, Jimmy die Makrele

    Dosen Thunfische:
    "Die Frage nach dem Fußballzeugs interessiert mich zwar nicht, aber mich interessiert etwas anderes: das Menschenrecht für Thunfische!
    Ich als Thunfisch muss immer auf der Hut sein. Will mich ein Angler fangen? Ein Schleppnetzfischer jagen? Hinter jeder im Meer nicht vorhandenen Ecke lauert Gefahr. Ich könnte glücklicherweise mit Herrn Lindner ein produktives Skypegespräch führen. Er wird sich ab sofort für das fischige Recht auf Leben einsetzen.
    Also wählt die FDP- FischParteiDeutschland!"

    Ich Stimme ihnen zu was das Fischrecht angeht, aber wenn dann nicht nur für Thunfische, auch für Makrelen und andere in Küstenähe lebende Schwarmfische, wie zum Beispiel den drei stachligen Stichling.
    Nicht nur Mensch recht für Fische , auch Gleichberechtigung für Meerestiere.

    Ausgenommen natürlich Meeressäuger, wie Wale oder Delfine!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 15.02.2018 21:37, Kevin Pascal der Rechtsanwalt

      Ich möchte alle Fische hier, die diskriminiert werden, auf meine Kanzlei in Oberhammelsdorf hinweisen! Diese hat sich speziell auf das Fischrecht spezialisiert.
      Ich habe bereits zehnundzwanzig Meerestieren dabei geholfen ihr Recht durchzusetzen.
      Mein spezielles Spezialgebiet sind Streitigkeiten zwischen Süß- und Salzwasserfischen.
      Schlagen sie, Herr Blauwal, die Zeitung auf und lesen wieder vom WalFISCH! Gegen diese Gleichmacherei können wir vorgehen!
      Werden sie als junge Sardelle von Moby Dick dem Mobber gemobbt?
      Ich verklagte ihn!

    • 15.02.2018 21:42, Kevin Pascal+der+Rechtsanwalt

      Ein kleiner Nachtrag: Wir bieten auch Abholung in 5 verschiedenen Nordseeorten an. Wir verfrachten sie in ein Aquarium, transportieren sie nach Oberhammelsdorf und bringen sie dann nach Hause ins Meer

    • 15.02.2018 21:55, BerndDasBrooot...ist tot..

      Es gibt nur zwei Bestimmungen für einen Fisch.
      Entweder er kommt auf die Pizza und wird mit ihr in den Ofen geschoben.
      Oder er wird paniert und gebacken

  • 15.02.2018 22:01, Johnny die Makrele

    Darauf antworte ich nur mit der offiziellen Nationalhymne der Konföderation Vereinigter Fische:
    "Der liebe Gott, der ist ein Hering,
    für uns're Pläne ein gutes Geling'.
    Uns gehören die Meere,
    und sie sind voller Fisch-Heere.
    Der Sieg auf dem Meer,
    das ist unser Begehr'
    Und erreichen werden
    Wir's jetzt erst recht!"

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 17.02.2018 09:13, Lindnerfan

    https://www.youtube.com/watch?v=beShVovCXkY

    Krawatte im Kuhfleckenlook hatte Stil!

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