Elegant gendern in der Ansprache: Nur mit­meinen reicht nicht

von Eva Engelken

20.10.2016

Richter(in), Anwalt (m/w), Mitarbeiter/innen: Es gibt elegantere Wege als diese, beide Geschlechter anzusprechen, meint Eva Engelken. Und ist der Überzeugung, dass große wie kleine Kanzleien das auch tun sollten.

Wer Frauen und Männer erreichen möchte, sollte sie auch beide ansprechen. Lediglich in der Fußnote zu behaupten, man beschränke sich auf die männliche Form, meine Frauen aber selbstverständlich mit, ist eine bequeme Ausrede. Die schreibende Person zeigt damit vor allem, dass sie keine Lust hat, sich um so etwas Mühseliges wie geschlechtergerechte Ansprache Gedanken zu machen. Manche rümpfen über das sogenannte Gendern nur die Nase. Doch leider reicht das bloße Mitmeinen nicht aus. Texte, die konsequent nur Männer adressieren, also etwa nur Richter, nie aber Richterinnen nennen, denken nicht an Frauen. Und noch wichtiger: Sie erreichen Frauen auch nicht. Oder jedenfalls deutlich schlechter, als wenn sie Frauen explizit ansprächen. 

Diverse Tests belegen das. Fragt man Kinder nach berühmten Sportlern, Künstlern und Politikern, nennen sie mehr Männer als Frauen. Weibliche Beispiele fallen ihnen erst ein, wenn man sie ausdrücklich nach Sportlerinnen, Künstlerinnen und Politikerinnen fragt. Suchen Stellenanzeigen nur Teamleiter, nicht aber Teamleiterinnen, bewerben sich deutlicher weniger Frauen, als wenn auch nach Teamleiterinnen gesucht worden wäre. Die 2015 veröffentlichte Studie "Gender in der Sprache - Kinder und Stereotype" belegt diese Erkenntnis: Wurden für traditionelle Männerberufe auch die auch die weiblichen Bezeichnungen verwendet, also Ärztin und Arzt oder Feuerwehrfrau und Feuerwehrmann, konnten sich mehr Mädchen vorstellen, diesen Beruf zu ergreifen. Umgekehrt konnten sich mehr Jungen vorstellen, einen typischen Frauenberuf zu wählen, wenn auch die männliche Form verwendet wurde, also Geburtshelfer zusätzlich zur Hebamme oder Krankenpfleger statt der Krankenschwester.

Die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch hat diese Erkenntnisse schon vor Jahrzehnten in ihrem Klassiker "Deutsch als Männersprache" niedergelegt. Mit juristentypischem Zeitversatz spricht sich diese Erkenntnis nun auch in Kanzleikreisen herum, wo die Zahl der Partnerinnen seit Jahren bei soliden 9 Prozent stagniert. Doch beim Bemühen um qualifizierten Nachwuchs ist man bereit, Dinge zu wagen, über die man bislang die Nase gekraust hat. Zum Beispiel Frauen und Männer zu adressieren. Stellenanzeigen sind ein wichtiger Anwendungsfall, aber beileibe nicht der einzige. Gleichberechtige Ansprache ist auch in anderen Textprodukten gefragt: Bei Pitches, Präsentationen, Websites rund um das Employer Branding, Einladungen, eigenen Medien, Newslettern, Broschüren. Überall gilt: Sollen auch Frauen angesprochen werden, muss man es auch tun - und nicht nur meinen.

Gendern auf Kosten der Leserlichkeit?

Die Frage ist nur: Geht das, ohne jeden Text bis zur Unleserlichkeit zu verschandeln? Nennen wir den Vorgang, in Texten Männer und Frauen anzusprechen, der Einfachheit halber Gendern. Elegant zu gendern bietet weit mehr Möglichkeiten, als Richtern die Richterin oder gar die RichterIn zur Seite zu stellen und damit das Word-Rechtschreibprogramm zum Wahnsinn zu treiben.

So kann man etwa geschlechtsspezifische Wörter durch neutral codierte Wörter ersetzen. Dabei geht es um Begriffe oder Wortkombinationen, die beide Geschlechter bezeichnen. Universitäten schicken deshalb schon seit einiger Zeit die "Studierenden" anstelle der Studenten und Studentinnen ins Rennen. Das Gleiche gilt für die Teilnehmenden oder die Lehrenden. Im Folgenden ein paar Beispiele.

Auf der Website:

"Anwälte" oder "Rechtsanwälte" werden zu "Köpfen" oder "Persönlichkeiten" oder bei internationalen Sozietäten: "Lawyer".

"Unsere Rechtsanwälte" oder "Unsere Partner" sind das Gleiche wie "unser Kollegium", "unser Team", unser Partnerkreis" oder "unser Führungsteam".

Im Employer Branding:

"Als Referendar können Sie bei uns..." kann mit "Im Referendariat können Sie bei uns..." geschlechtsneutral ausgedrückt werden.

Manchmal bringt auch die "Schaft" die Lösung: die Anwaltschaft, die Mandantschaft oder die Partnerschaft, allerdings um den Preis einer ziemlich hölzernen Ausdrucksweise. Beispiel:

"Nach fünf Jahren können Sie Partner werden" spricht folgender Maßen formuliert beide Geschlechter an: "Nach fünf Jahren ist eine Partnerschaft möglich"

Nicht immer existiert ein gleichwertiger neutral codierter Begriff. Dann gilt es, kreativ umzuformulieren. Für den männlichen Berufseinsteiger gibt es kein neutrales Pendant. Die Lösung liefert ein neuer Ansatz.

"Als Berufseinsteiger dürfen Sie von Kanzlei X folgendes erwarten..." ist in der Form "Vom Einstieg an dürfen Sie bei Kanzlei X folgendes erwarten..." geschickter formuliert.

Auch, wenn man "Unsere Anwälte stehen Ihnen im Notfall rund um die Uhr zur Verfügung" durch "Im Notfall können Sie unsere Dienstleistungen rund um die Uhr in Anspruch nehmen" ersetzt, bleibt der Sinn erhalten.

Zitiervorschlag

Eva Engelken, Elegant gendern in der Ansprache: Nur mitmeinen reicht nicht . In: Legal Tribune Online, 20.10.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20903/ (abgerufen am: 11.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 20.10.2016 11:17, Sebastian Droßel

    Die Kategorie "nur mitmeinen" gibt es überhaupt nicht. Es kommt doch auf das Bedeuten an. Nur weil es die deutschte Sprache ermöglich, fast alle Begriffe in eine weibliche Form zu bringen, bedeutet das doch nicht, dass der Ausgangsbegriff nur Männer meint. Das ist völliger Unsinn. Wenn sich vermeintlich "nur mitgemeinte" Frauen nicht angesprochen fühlen, dann ist das ihr persönliches Problem und keine Rechtfertigung für diese Vergewaltigung der Sprache. Und dass sich Frauen nicht angesprochen fühlen, ist allenfalls das Ergebnis dieses Sprachwahnsinns, der Doppelnennungen salonfähig gemacht hat und vorgibt, der Verzicht wäre Diskriminierung. Juristen haben selten Ahnung von schöner Sprache. Der Beitrag setzt dem Ganzen die Krone auf. In einer emanzipierten, gleichberechtigten und selbstbewussten Gesellschaft brauche ich keine gegenderte Sprache, weil es selbstverständlich ist, dass Männer und Frauen gemeint sind und die Begriffe das auch bedeuten.

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    • 20.10.2016 11:53, Casper

      So siehts aus.
      Zudem sind die von der Autorin genannten Studien allesamt kritisch zu hinterfragen. Dass ein Lehrstuhl für Genderstudies eine Studie veröffentlicht, die eine Nichtdiskriminierung belegt, ist reine Utopie.
      Zudem vermisse ich gleichzeitig von dieser "Wissenschaft" den Ansatz, männerdiskrimierende Begriffe zu gendern. Wieso heisst es denn immernoch "Mörder", "Täter" oder "Anstifter"? Prof. Pusch, übernehmen Sie!

    • 20.10.2016 12:38, Fabian

      Die hier genannten Studien sind in ihrem Versuchsaufbau ausgesprochen kritisch zu sehen. Wenn ich ein Kind nach Berufen frage, in welchen vor allem Männer arbeiten (oder sich zumindest präsenter darstellen ) und ich für meine Frage die hergebrauchte Berufsbezeichnung z. B. Bauarbeiter, Anwalt nehme, ist es sehr naheliegend, dass dass die Kinder auf männliche Berufsgenossen kommen.

      Wenn ich sie hingegen gezielt nach Frauen frage und damit ggf. weitaus präsentere Männer von der Auswahl ausschließe...oh Wunder, werde ich vermutlich nur Frauen genannt bekommen. Wer hätte das gedacht? Der Studiensteller scheinbar nicht.

      Die Studie dürfte übrigens auch andersherum funktionieren, indem man die Kinder nach den bekanntesten Erziehern und Floristen fragt (um sehr klassische Beispiele zu nennen). Hier sollte das Ergebnis der Geschlechter-Berufsverteilung weitaus erfreulicher für die Frauen ausfallen und demnach auch vor allem Frauen benannt werden.

    • 11.12.2018 10:06, Indra Bock

      Sehr geehrter Herr Droßel,
      Eine Frage. Sind Sie Rechtsanwalt?
      Wir würden ihr Zitat gerne in eine Schulpräsentation einbauen.

  • 20.10.2016 11:34, Rainer

    First World Problem. Bin tief enttäuscht von LTO. Fehlt nur noch der Hinweis, dass hier jemand Veganer sei.

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  • 20.10.2016 11:41, Tom

    "Das Problem der Klammer ist folgendes: Setzt man die weibliche Form in Klammern, lässt sich dies leicht interpretieren als Notnagelregelung. Wenn sich kein passender Mann findet, nimmt man halt zur Not auch eine Frau."

    Wahnsinn, was man da rein interpretiert.

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    • 20.10.2016 11:58, Gunther Marko

      Stimmt. Indes statt "Wahnsinn" besser "Unsinn".

  • 20.10.2016 11:51, Haha

    "Diverse Tests belegen das. Fragt man Kinder nach berühmten Sportlern, Künstlern und Politikern, nennen sie mehr Männer als Frauen."

    Ursache hierfür ist allerdings, dass es bislang in den aufgezählten Kategorien schlichtweg deutlich mehr berühmte Männer als Frauen gab. Aber mit solchen Randdetails hält sich der geneigte Gender-"Forscher" natürlich nicht länger auf.

    Ich halte es auch für richtig, überall dort, wo man sich direkt an jemanden wendet (Stellenanzeige, Anrede usw.; geschieht meist in der 2. Person Singular oder in der 2. Person Plural), auch darauf zu achten, beide Geschlechter zu adressieren. In Fließtexten ist es jedoch einfach nur störend. Außerdem legen gefühlte 98% der Frauen überhaupt keinen Wert darauf, ob da jetzt jeweils ein *innen angefügt ist oder nicht. Auch hier haben wir wieder eine laut schreiende Minderheit, die uns glauben machen möchte, dass es eine Mehrheit gäbe, die das so wolle. Dem gilt es, entschieden entgegen zu treten und auf die Absurdität und Nicht-Relevanz hinzuweisen.

    Im Übrigen: Was machen wir mit den weiteren ca. 60 angeblich existenten Geschlechtern? Sollen wir die auch alle benennen, damit sich auch ja keiner ausgegrenzt fühlt?

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  • 20.10.2016 11:53, Melanie

    Ich als Frau empfinde das "gendern" ebenfalls als übertrieben. Ich fühle mich bei der Ansprache der "Mitarbeiter" genauso angesprochen wie meine männlichen Kollegen. Die Grundform der meisten Bezeichnungen ist nun einmal einfach männlich.

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  • 20.10.2016 11:54, Flaneur

    Der gute alte Nominalstil. Man dachte schon, er sei im Untergang begriffen, aber nachdem die kleinkarierten Sprachwächter vergangener Zeiten unter der Genderflagge aus ihren Gräbern gekrochen sind, bringen sie eben auch ihre alten Spielzeuge wieder mit.

    "Die Mitarbeit in unserem Unternehmen in der Abteilung für Compliance und Schwurbelei würde eine derartige Erfreuung bei guter Entlohnung mit sich bringen, welche die Studierendenschaft zur Bewerbungsversendung ermuntern möge."

    Willkommen alte neue hässliche Korinthenkacker/innen !

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  • 20.10.2016 11:56, Andreas

    Mannomann, oder sollte ich jetzt frauofrau oder mannofrau oder frauomann sagen? Wenn wir sonst keine Probleminnen mehr haben, dann muss es uns ja echt gut gehen.

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  • 20.10.2016 12:26, Andrea

    Wie wäre es, wenn wir einfach tauschen und zukünftig alle Männer mitmeinen, einverstanden, liebe Leserinnen?

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    • 20.10.2016 13:13, Assjur (m)

      Es gab Zeiten, da habe ich mich vehement gegen soetwas gewehrt (jemand wollte einmal die Geschäftsordnung einer Schülervertretung komplett ins Feminine übertragen). Wenn ich mir hier aber die überaus peinlichen Kommentare meiner Geschlechtsgenossen so anschaue, so bin ich doch sehr für diesen Vorschlag. Erst recht, wenn ich das immer noch so oft mittelalterliche Frauenbild und Machogehabe meiner Juristenkollegen in Rechnung stelle.

    • 20.10.2016 13:32, Assjur (m)

      Es gab Zeiten, da habe ich mich vehement gegen soetwas gewehrt (jemand wollte einmal die Geschäftsordnung einer Schülervertretung komplett ins Feminine übertragen). Wenn ich mir hier aber die überaus peinlichen Kommentare meiner Geschlechtsgenossen so anschaue, so bin ich doch sehr für diesen Vorschlag. Erst recht, wenn ich das immer noch so oft mittelalterliche Frauenbild und Machogehabe meiner Juristenkollegen in Rechnung stelle.

      Und zur Studie:
      Es wird zwar nicht erwähnt und ich bin zu faul, mir die Studie anzusehen, aber ich gehe davon aus, dass in mindestens zwei Gruppen nach berühmten Persönlichkeiten gefragt wurde, einmal unter Verwendung nur der maskulinen Form, einmal gegendert, vielleicht noch einmal unter Verwendung nur der femininen Form.

    • 21.10.2017 07:49, Elke Speidel

      Lieber Andrea,
      ich erweitere deinen Vorschlag: immer dann die weibliche Form wählen, wenn die männliche darin enthalten ist. Also zum Beispiel "Arbeiterin". Da sind Männer nicht nur mitgemeint, sondern auch mitgenannt. Aber dafür eben auch "lieber Andrea", speziell bei Vornamen, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Da ist die weibliche Form in der männlichen mit drin. Statt von "Studierenden" könnten wir auch einfach von "Studentinnen" reden, das Wort enthält die "Studenten" mit. Die "Hebammen" sind veraltet, "Geburtshelferinnen" dagegen enthalten die Formulierung "Geburtshelfer" im Wort. Schwierig wird es, nicht wahr, werte Bundeswehr, bei "Hauptmann" und "Hauptfrau", wenn nämlich die Sprache qua patriarchalischer Machtverhältnisse unterschiedliche Bedeutungsinhalte transportiert. Einfach ist es nicht, meine Lieber!

    • 12.11.2017 17:12, Lothar Kopp

      Neulich las ich im Artikel einer Zeitung, in dem es um eine Frau im Dienstgrad Hauptmann ging, statt Hauptmann (w) den sinnfreien Begriff Hauptmännin.
      Diese Gendersprache treibt Stilblüten ohne Ende. Weg damit!

  • 20.10.2016 12:32, Barbara Noyer

    @Casper: Wo ist das Problem? Nach Ihrer Argumentation sind Mörderinnen doch absolut mitgemeint. Wenn Männer diese Bezeichnung nur auf sich beziehen, ist das doch ihr Problem.

    Übrigens wüsste ich nicht, dass eine Mörderin je anders als mit der weiblichen Bezeichnung benannt worden wäre.

    @Haha
    "Außerdem legen gefühlte 98% der Frauen überhaupt keinen Wert darauf, ob da jetzt jeweils ein *innen angefügt ist oder nicht."

    Ein so faktenfreies Gefühl wollen Sie ja aber sicher nicht als Argument verkaufen.

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    • 20.10.2016 13:21, Haha

      Nein, das gibt es gratis!

    • 20.10.2016 13:41, Jemand_NRW

      Natürlich sind Frauen von dem Begriff "Mörder" (im Plural) mitgemeint.

      Caspar kritisiert (zurecht), dass die politisch Korrekten zwecks Weltverbesserung in der Regel nur positiv oder zumindest neutral besetzte Begriffe gendern.

  • 20.10.2016 12:33, Prozessbegleiterin

    Kluger Artikel, kluge Vorschläge. Alles richtig, was dort genannt wird. Hat mich sehr gefreut. Weiter so, LTO!

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    • 21.10.2016 12:10, Jemand_NRW

      Die Ironie ist nicht zu überhören...

  • 20.10.2016 12:40, Richard

    Aber wo ist denn das Problem, z. B. "alle" statt "jeder" zu schreiben? Ist doch toll, dass es, wenn man mal ein bisschen nachdenkt, einfache Möglichkeiten gibt, so zu schreiben, dass sich wirklich alle angesprochen fühlen. Und es sich auch noch gut liest.

    Und mal ganz ehrlich: "Nenne einen Künstler" - wer von uns hat da wirklich als erstes eine Frau vor dem geistigen Auge? Oder bei den Stellenanzeigen oben auf dieser Seite: "Rechtsanwalt (m/w)". Ich kann den Wunsch schon verstehen.

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    • 04.02.2018 18:34, me

      Heute abend ist Superbowl. Keine Ahnung wer auftritt. Und ich vermute, es werden in Summe bisher mehr Männer gewesen sein. Dennoch, als ich die Frage las, kam mir sofort Janet Jackson in den Sinn. Aber vermutlich auch nicht ok, weil da war ja Nippelgate und damit zeigt sich nur wiederum (mein) Alltagssexismus.

  • 20.10.2016 12:47, Christos Pie

    Am witzigsten ist ja eigentlich, wie Männer sich über Artikel wie diesen hier seitenlang und engagiert in mehreren Kommentaren aufregen, dabei aber im selben Atemzug stets - offenbar obligatorisch - darauf hinweisen, dass es ja wohl wichtigere Probleme gäbe. Ist es vielleicht die männliche Angst vor Machtverlust in der Gesellschaft, die solche Widersprüchlichkeiten hervorruft? Denn die ist ja selten rational.

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    • 20.10.2016 12:59, Paddington

      Öhh "nein", nur Geschlecht ist keine Qualifikation.

    • 20.10.2016 13:25, Haha

      Das ist ja ein sensationeller Einwurf! Noch nie zuvor gehört. Ich würde Sie sehr gerne für den Nobel-Preis für Küchenpsychologie nominieren lassen!

    • 20.10.2016 13:42, Paddington

      @Haha: Ich begegne "küchenpsychologischen" Anmerkungen von der "männlichen Angst vor Machtverlust" auf gleicher Ebene.

    • 20.10.2016 14:37, Haha

      @ Paddington: Ich meinte den äußerst intelligenten Einwurf von Cream Pie oder wie der Name noch gleich war.

  • 20.10.2016 12:48, Tina

    Wow. Was ist denn das für eine Diskussion? Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus. Sie sind gleichberechtigt - stehts im GG. Bei der sprachlichen Entsprechung dieser Tatsachen gibts noch Nachholbedarf. Die Gesellschaft ändert sich und mit ihr ändert sich Sprache. An alle, die jetzt einen zornesroten Kopf bekommen: Gewöhnen Sie sich dran. Man muss davor auch gar keine Angst haben. Das Schöne an einer geschlechtergerechten Sprache ist ja, dass niemand etwas abgeben muss und niemand etwas verliert. Es ist nämlich keineswegs so, dass aus einer maskulinen eine feminine Sprache wird. Dass aber eine maskuline Sprache Geschlechterstereotype zementiert, ist psychologisch belegt. Es geht um Selbstwirksamkeit. Mädchen haben nachgewiesenermaßen gegenüber Berufen, die ausschließlich in der männlichen Form vermittelt werden (Pilot, Ingenieur, Maurer), eine geringere Selbstwirksamkeit. Das heißt, sie sind weniger überzeugt davon, den Beruf ausüben zu können. Mit einer geschlechtergerechten Sprache kann man dem wirksam entgegenwirken. Wie gesagt, niemand verliert dabei. Alle gewinnen.

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    • 20.10.2016 13:38, Paddington

      Die Studien stellen lediglich einen Sprachgebrauch fest, das "gendergerechte Sprache" zu Veränderungen z.B. im Bereich der Berufswahl führt ist ein Mythos und nicht belegt. Im übrigen sei darauf hingewiesen, das die verschiedentlich von Sozialwissenschaftlern postulierte "allgegenwärtige männliche Herrschaft" die sich bis in grammatikalische Strukturen der Sprache ausformt, nur imaginär und nicht real ist. Die Entscheidungsfindung im Leben eines Menschen erfolgt nach wie vor, und den "Gender Studies" zum Trotz, auf Grundlage naturwissenschaftlicher Abläufe und unterliegt eben jenen Einflüssen. Daran werden auch sprachliche Änderungen nichts ändern.

    • 21.10.2017 14:10, Lothar Kopp

      Und wie verhält es sich mit "die Krankenschwester" und "der Pfleger" ???

  • 20.10.2016 12:51, Ulrike

    Schöner Artikel mit guten Vorschlägen, die einfach umzusetzen sind. Prima!

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    • 20.10.2016 13:29, Haha

      Wie werden Sie denn den anderen Geschlechtern gerecht, die sich nicht als Mann oder Frau einordnen?

      Die Gender-Wissenschaft ist in höchstem Maße sexistisch! *g*

  • 20.10.2016 12:54, Saskia

    Ich finde den Anspruch der Autorin sehr berechtigt und ihre Vorschläge zum größten Teil gut, wenn auch nicht immer "elegant". Nur ein kleiner Einwand: Lösungen wie das Binnen-I (MitarbeiterInnen) sollen ja - als Stolperstein - gerade darauf AUFMERKSAM machen, dass Frauen nicht automatisch mitgemeint sind. Verzichtet man nun auf solche Formen zugunsten neutraler Alternativen, wird der emanzipatorische Anspruch nicht mehr deutlich.

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    • 21.10.2016 12:14, Jemand_NRW

      Frauen SIND in der deutschen Sprache im neutralen Plural automatisch mitgemeint! Das IST so, es handelt sich hierbei um einen sprachlichen Fakt.

      Erst die Gender-Ideologen stellen dies durch ihre pseudo-wissenschaftlichen Gedankenwirrungen in Abrede - daher ist genau dies der frauenfeindliche Kern, den es abzulehnen gilt!

  • 20.10.2016 12:59, AchtzigerTante

    Schön, dass das Thema nun nach über 30 Jahren auch in juristischen Kreisen angekommen ist. Weiter so. (also wie im Artikel ...)

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  • 20.10.2016 13:00, Frau Textscheune

    Interessant! Meine eigene Website hatte ich aus anderen Gründen auch so formuliert. Vielleicht liegt es diversen außereuropäischen Sprachen und Sprachsystemen, die mir geläufig sind und die für hiesige Verhältnisse unvorstellbare Genauigkeiten bieten, was Geschlechterinklusion in Verben, Adjektiven, Pronomen etc. betrifft. Oder eben eine völlige Neutralität.

    Als Teil der Mehrheit der Bevölkerung (mehr als 50% Frauen) fühle ich mich durch die Vorschläge besser angesprochen und werde die einfachen Formen in meine Alltagssprache aufnehmen.

    Es kann so einfach sein.

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  • 20.10.2016 13:24, Sophie

    Diese ganze Genderei ist meines Erachtens einfach nur ein Ausdruck mangelnder Bildung vulgo Dummheit. Da sind sehr viele Leute einfach nicht mehr in der Lage, grammatisches und natürliches Geschlecht zu unterscheiden. Das Resultat ist oft himmelschreiender Blödsinn: zum Beispiel, wenn Feministinnen, wie kürzlich geschehen, fordern, statt "Drucker" "Druckerin" zu sagen.

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    • 20.10.2016 13:45, Paddington

      Von Dummheit würde ich nicht sprechen wollen, aber es gibt eben Menschen die über ihre analytischen Fähigkeiten hinaus gebildet worden sind und nach einem Forum suchen das ihnen zuhört.

    • 20.10.2016 13:52, Assjur (m)

      Volltreffer! Genau darum ging es hier ja! Gut, dass es noch so verständige Menschen wie Sie gibt!

    • 20.10.2016 14:43, Chris

      Etwas linguistische Bildung wäre hier angebracht. Bei "der Apfel" vs "die Birne" geht's ums grammatische Geschlecht, bei "der Anwalt" vs. "die Anwältin" ums natürliche, das nennt sich übrigens Movierung.

    • 20.10.2016 21:04, Karla

      Dieser Antrag war eine satirische Aktion ;-)
      http://www.merkur.de/politik/antrag-linken-schleswig-holstein-abschaffung-maennlichen-bezeichnungen-gegenstaende-zr-6785226.html
      Kann frau natürlich davon halten, was sie will; nicht jede Satire gelingt punktgenau...

  • 20.10.2016 13:35, Jemand_NRW

    1. Ich kenne mehrere Frauen, die sich durch das ständige "/-innen" eher diskriminiert fühlen, weil sie die grammatisch-sprachliche Selbstverständlichkeit verleugnen, dass in der deutschen Sprache der (vermeintlich männliche) Plural immer beide Geschlechter meint!

    Wenn jemand "Rechtsanwälte" sagt, muss man nachfragen, ob er explizit nur Männer oder beide Geschlechter meint - das gibt das Wort nämlich nicht her.
    Frauen haben hingegen das Wort "Rechtsanwältinnen" für sich allein gepachtet, das ist ein sprachlicher Luxus, der den Herren der Schöpfung verwehrt bleibt.
    Insofern ist die deutsche Sprache eher Frauen- als Männer-freundlich.

    Es gibt keinen Grund, die Sprache zu vergewaltigen, um eine vermeintlich bessere Welt zu kreieren.

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  • 20.10.2016 13:37, Max

    Wenn man(n/Innen*//mensch) sonst nichts zu tun hat...

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  • 20.10.2016 13:59, Sabine

    Meine Güte, sind Juristen so konservativ?

    Vorschlag zur Güte an alle, die meinen, mitgemeint zu sein sei kein Problem, ein Erste-Welt-Problem etc.: Wir benutzen künftig konsequent die weibliche Form. Männer sind mitgemeint. Wird ja kaum einen Mann stören, bei all den Einwürfen hier ...

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    • 20.10.2016 14:16, Haha

      Ich bin mir sehr sicher, dass sie nicht so dumm sind, dass Sie Ihren Vorschlag ernst meinen.

  • 20.10.2016 14:25, Barbara Noyer

    Den möchte ich sehen, der bei den Wörtern "Ärzte", "Richter" oder "Rechtsanwälte" eine zur Hälfte mit Frauen besetzte Gruppe vor sich sieht.

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    • 20.10.2016 14:45, Franz

      Hier bin ich!

    • 21.10.2016 13:23, Karla Korinthe

      @ 20.10.2016 14:45, Franz: Ich nicht!

      Und wenn hier nicht um eine in Buchstaben gegossene Macht- bzw. Teilhabe-Frage ginge, würden sich hier auch nicht soviele männliche Menschen so erregen :-/.
      In meinem Alltag als Redakteurin habe ich ständig mit dem - meistens - gedankenlosen Umgang mit Sprache zu tun - und das bezieht sich nicht nur auf die geschlechtsneutralen Ausdrücke, sondern auch auf die oft ebenso gedankenlose Verwendung rassistischer Stereotypen (z.B. "Asylantenflut").

      Häufigstes Argument der darauf angesprochenen Autoren (Autorinnen haben damit seltener ein Problem) gegen die Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe: So ist sie halt, die tolle deutsche Sprache. Genderneutrale Begriffe machen sie sperrig, unleserlich etcpp - seltsamerweise stellt die Verwendung von Anglizismen wie "Meetings, USP, mobile Devices ..." für die meisten hier kein Problem dar, denn durch den Einsatz dieser Worte wird ja Modernität suggeriert. Geht es allerdings um die Verwendung genderneutraler Begriffe, mutieren viele Herren plötzlich zu "Lordsiegelbewahrern" der deutschen Sprache.
      Honi soit qui mal y pense.
      Sprache soll Realtität abbilden. Jahrhundertelang wurden Frauen durch Männer bevormundet (und ich starte hier jetzt keine historische Abhandlung - ich empfehle den geschichtlich Interessierten hier den Einsatz von Tante Google) und unterdrückt. Das ändert sich - und das spiegelt sich auch in der Sprache wider. Vor fünfzig Jahren mussten wir (noch)nicht darüber diskutieren - da gab es keine Pilotinnen oder Pfleger. Vor fünfzig Jahren ging es eher darum, nationalsozialistische Euphemismen aus der deutschen Sprache zu tilgen.

      PS. Wer nicht glaubt, das Sprache das Bewusstsein bildet, sei Viktor Klemperers "Lingua Tertii Imperii" ans Herz gelegt.

    • 21.10.2016 16:22, Haha

      @ Karla Korinthe

      "Häufigstes Argument der darauf angesprochenen Autoren (Autorinnen haben damit seltener ein Problem) gegen die Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe: So ist sie halt, die tolle deutsche Sprache. Genderneutrale Begriffe machen sie sperrig, unleserlich etcpp - seltsamerweise stellt die Verwendung von Anglizismen wie "Meetings, USP, mobile Devices ..." für die meisten hier kein Problem dar, denn durch den Einsatz dieser Worte wird ja Modernität suggeriert. Geht es allerdings um die Verwendung genderneutraler Begriffe, mutieren viele Herren plötzlich zu "Lordsiegelbewahrern" der deutschen Sprache."

      Ich kann Ihnen auch sagen, warum das so ist: Begriffe wie Meeting, USP und mobile Device haben sich durchgesetzt, weil eine Vielzahl von Menschen sie "einfach so" verwendet. Vielleicht weil sie praktisch sind, vielleicht weil man cool sein möchte, vielleicht weil man einfach ein bisschen blöd ist und den deutschen Begriff nicht kennt. Das kann man gut oder doof finden, jedenfalls aber ist das ein ganz normaler Prozess. Ganz im Gegensatz zu irgendwelchem Gender-Gedöns. Hier möchte ein laut schreiende Minderheit der Mehrheit vorgeben, wie sie schreiben hat und wie das Geschriebene zu deuten ist. So funktioniert das eben nicht. Sie schaffen es doch nicht mal, die Mehrheit der Frauen dafür zu begeistern! Fragen Sie sich mal, warum! Es ist richtig: Sprache hat sich schon immer gewandelt. Aber eben "einfach so" und nicht, weil irgendwer das so angeordnet hat.

      Und was machen Sie mit den anderen, angeblich existenten 60 Geschlechtern? Die unterdrücken Sie mit Ihren Quatsch-Vorschlägen doch genauso.

    • 23.10.2016 10:03, Steve

      Wer sieht denn bei der Verwendung des Begriffs "lawyer" je zur Hälfte Männer und Frauen vor sich? Es ist geradezu absurd, dass dieser Begriff als Lösung der Genderproblematik angesehen wird.

  • 20.10.2016 14:28, Thomas

    Der Beitrag ist angenehm (und überraschend) undämlich, mit den Vorschlägen lässt sich tatsächlich die Pest der "Bürgerinnen- und Bürgermeisterinnen und Bürgerinnen- und Bürgermeister" reduzieren. Insoweit besten Dank.
    Wenn man sprachlich aber rumhunzen will: warum nicht "Anwalt" als neutrale Grundform, "Anwältin" als weibliche Form und "Anwalter" als männliche Form? Man hätte zwar immer noch "der" Anwalt als männlichen Artikel im Singular, dafür aber im Plural "die" Anwälte, sodass man ein generisches Maskulinum und ein generisches Femininum hältte. Was doch fair wäre.

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  • 20.10.2016 14:31, Frau

    Meine Herren!

    Warum diese Heftigkeit? Diese Zerstörungswut? Es geht doch nur um ein paar Buchstaben. Sie werden sich doch nicht von ein paar Buchstaben angegriffen fühlen!

    (Oder sagen Sie jetzt, es stecke doch mehr hinter den Buchstaben, es gehe da um Wahrnehmung bzw. Nichtwahrnehmung?)

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  • 20.10.2016 14:36, Barbara Noyer

    Der Punkt ist, kein Mensch denkt bei "Ärzte", "Richter" oder "Rechtsanwälte" an Frauen. Dass damit die Realität verschleiert wird, sollte doch gerade Juristen, die sich auf oft aberwitzige Weise darum bemühen, Sachverhalte möglichst eindeutig und unmissverständlich zu beschreiben, einleuchten.

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    • 23.10.2016 10:06, Steve

      Aber bei lawyer schon? Lächerlich...

  • 20.10.2016 14:38, Elke Speidel

    Interessant, dass manche Menschen meinen, Sprache werde vergewaltigt, wenn Frauen darin auf Augenhöhe mit Männern sichtbar werden. Sprache selbst vergewaltigt in Wahrheit täglich. Sie tut es als Machtinstrument der patriarchalen Gesellschaft, mit dessen Hilfe Frauen nicht nur sprachlich, sondern auch faktisch in die Ecke gedrängt werden, denn Sprache ist der Ausdruck unseres Denkens. Das kann bedauert oder begrüßt werden, je nachdem, ob ein Mensch die patriarchale Gesellschaft für erhaltens- oder verändernswert hält. Ich stimmt nicht allen Vorschlägen der Autorin in Sachen geschlechtergerechte Sprache zu, denn ich mag den Nominalstil zu wenig und habe weniger Angst vor Schrägstrichen - das ist vermutlich Geschmacksache. Wie sie bin ich aber der Meinung, dass ein kreativer Umgang mit dem grammatikalischen Geschlecht der Substantive keine Vergewaltigung der deutschen Sprache, sondern im Gegenteil imstande ist, die verbale grammatikalisch bedingte Dauervergewaltigung des weiblichen Geschlechts in deutschsprachigen Texten zu mindern oder gar zu beenden.

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    • 20.10.2016 15:46, Ist das ernst oder will die nur spielen?

      Wenn Sie Vergewaltigung studieren wollen, lassen sie sich doch mal hier zum Geburtstag einladen:
      http://www.focus.de/panorama/welt/gruppenvergewaltigung-einer-14-jaehrigen-fuenf-taeter-zu-haftstrafen-verurteilt-fast-alle-auf-bewaehrung_id_6096150.html

    • 21.10.2016 08:38, Haha

      Nicht nur Ihr Vorname, sondern auch der Inhalt Ihres Beitrags lässt darauf schließen, dass Sie schon etwas älteren Baujahres sind und damit den Typ Frau aus dem letzten Jahrtausend darstellen, der sich besonders darin gefiel, sich in seiner Opfer- bzw. Unterdrücktenrolle zu suhlen. Es gibt da auch so eine Religion, bei der immer die Anderen schuld sind. Beides unerträglich.

      Moderne Frauen ticken zum Glück ganz anders. "Zum Glück" für sich selbst und für die Männerwelt.

  • 20.10.2016 14:52, Juristin

    Kluger Artikel, gute Vorschläge!

    Weil mitgemeint zu sein eben keine Ansprache auf Augenhöhe ist. Nicht unter modernen, aufgeklärten Menschen.

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  • 20.10.2016 15:28, Bustabe?

    Es geht nicht um Buchstaben es geht um Unsinn der 3 Potenz!

    Gender ist nichts anderes als der Versuch mit wenig Wissen, Können und wenig Arbeit auf Kosten anderer zu leben!

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  • 20.10.2016 15:30, Astrid

    Hahaha. Leute ihr habt gar nicht gemerkt, daß das Satire ist. Seit über einem Jahr wird in diesem Land das Recht mit Füßen getreten, die innere Sicherheit geht flöten, das Rechtsstaatsprinzip nur noch ein Gerücht. Frauen werden neuerdings flächendeckend belästigt, bis hin zur Vergewaltigung und Tötung. Und ihr glaubt, eine Volljuristin - die das ja alles weiß - würde sich hinsetzen und so einen Artikel schreiben, als hätten wir sonst keine Probleme - und ihn ernst meinen? So blöd, so moralisch verkommen kann niemand sein. Das ist Satire und eine fein ziseliserte Kritik an den gegenwärtigen despotischen Herrschaftsverhältnissen unter Angela Merkels Parteienkartell. Man muß nur zwischen den Zeilen lesen. Ich finde es großartig, daß LTO sich getraut hat, diese geheime Brachialkritik an Merkels Regime zu veröffentlichen. Erinnert mich an längst vergangene DDR-Erfahrungen. LTO: weiter so!

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  • 20.10.2016 16:52, Regina Kainz

    Guter Artikel, sehr anschauliche Beispiele!
    Um noch einen pragmatischen Aspekt zu ergänzen: eine geschlechtergerechte Sprache ist auch für die Suchmaschinenoptmierung sinnvoll. So wird im Familienrecht häufig nach nach Anwältinnen gesucht.

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  • 20.10.2016 21:15, Karla

    Ein gelungener Artikel, der mit sanfter Konsequenz und kreativer Leichtigkeit sprachliche Alternativen zum Althergebrachten aufzeigt. Auffallend, dass diese Alternativen oft persönlicher, lebendiger und sprachlich harmonischer klingen.
    Vielleicht löst gerade DAS die ängstlich-panischen Proteste weiter oben aus.
    In Abwandlung des berühmten Ausspruchs von Descartes möchte ich abschließen mit: Was ich denke, bin ich.
    Das ist übrigens keine neue Weisheit, passt jedoch ganz gut zum Thema gendersensible Sprache. Denn dass die Sprache das Denken nicht nur abbildet, sondern auch beeinflusst, ist keine spezifisch feministische Erkenntnis.

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  • 20.10.2016 21:55, Schmu

    Super Studien. Weniger Männer würden straffällig werden, wenn im StGB statt des Begriffs "Täter" der der "Täterin" benutzt würde.

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  • 20.10.2016 23:52, Thomas Fischer

    Das Interessante an dieser ganzen Genderei ist ja, dass nur positive bis maximal neutrale Bezeichnungen gegendert werden. Negative besetzte Begriffe werden in öffentlichen Verlautbarungen und in den Medien eigentlich nie gegendert. Da wird von Steuersündern gesprochen, nie von Steuersünderinnen, von Rasern, nie von Raserinnen, von Terroristen nie von Terroristinnen, von Ausländerfeinden, nie von Ausländerfeindinnen. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Das Böse, das sind eben immer nur Männer! Vielen Dank auch.

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  • 21.10.2016 09:10, Martin

    Sehr gute Vorschläge und wirklich leicht umzusetzen, danke! Aber herrlich, wie viele Herren hier die Sprache plötzlich wie eine Art Geschlechtserweiterung begreifen und sich jetzt vor der vermeintlichen Kastration fürchten. Dabei wissen doch gerade Jurist_innen, wie wichtig eine kluge Wahl der Worte ist, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

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    • 21.10.2016 09:30, Martina

      Bitte erläutern Sie, welcher Herr sich vor der Kastration fürchtet und woran Sie das festmachen. Vielen Dank.

      Das Einfügen eines Binnen-I stellt eben gerade keine kluge Wortwahl dar, weswegen Juristen gerne und vollkommen zu Recht darauf verzichten.

  • 21.10.2016 10:45, Lolla

    Das Patriarchat fängt weder bei der Sprache an noch hört es beim Gehalt/Lohn auf! Gendern ist ein kleiner Anfang, der hoffentlich hier nicht gleich wieder beendet ist!

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  • 21.10.2016 12:03, Sigi Lieb

    Worüber regen sich die Damen und Herren denn auf? Die Autorin schlägt eine Lösung vor, die einerseits mehr Erfolg in der Kommunikation verspricht, wenn Männer und Frauen explizit benannt und damit direkt angesprochen werden und die andererseits darauf achtet, die Sprache eben nicht zu vergewaltigen. Ich habe selbst bei Kunden schon X Diskussionen zu dem Thema geführt und habe für mich eine sehr pragmatische Lösung gefunden, die sowohl Lesbarkeit als auch die Ansprache beider Geschlechter berücksichtigt. Wenn man nur will, geht vieles. Sprache lebt und ändert sich.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die Absolventinnen von BWL, VWL und Soziologie Mitte der 90er Jahre darum kämpfen mussten, auf dem Examen nicht Diplom-Kaufmann oder -wirt stehen zu haben sondern -frau und -wirtin. Hey, es ist mein Examen. Ich bin eine Frau, wieso soll da eine männliche Form stehen?
    Heute ist das Schnee von gestern. Das Gleiche gilt für die Studierenden, auch hier gab es viel Geläster und Abwehr. Heute ist der Begriff gängig und Teilnehmende oder Mitarbeitende werden immer gebräuchlicher.
    Liebe Verteidiger (hier lass ich das -innen weg, aber die Damen sind natürlich auch gemeint ;-)), wovor habt ihr Angst? Sprache wandelt sich. Die Gesellschaft wandelt sich. Wir finden Lösungen. Also: Don't worry :-)

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    • 21.10.2016 12:18, Jemand_NRW

      Nicht jeder gesellschaftlicher Wandel ist auch eine gesellschaftliche Verbesserung.

      Wir erinnern uns: die besonders fortschrittlichen, weltoffenen 68er bei den Grünen wollten Sex mit Kindern legalisieren.

      Glücklicherweise konnte dieser gesellschaftliche Wandel von den "Ewiggestrigen" verhindert werden.

  • 21.10.2016 14:41, Sigi Lieb

    @Jemand_NRW - Was hat die Diskussion um eine gendergerechte Sprache mit Sexualkontakten zu Minderjährigen zu tun? Bitte argumentieren Sie zur Sache. Danke.

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    • 21.10.2016 16:02, Hah

      In den 70ern fand die offene Befürwortung von sexuellen Kontakten zu Kindern unter dem Deckmantel des gesellschaftlichen Wandels statt. Es dürfte unbestritten sein, dass solch ein gesellschaftlicher Wandel kein guter ist. Damit ist auch erwiesen, dass nicht alles, was einen gesellschaftlichen Wandel bedeutet, per se gut ist und unterstützt werden sollte. Darunter fällt auch der Gender-Wahnsinn.

    • 26.10.2016 12:00, Jemand_NRW

      "Haha" hat es Ihnen ja bereits erklärt, und ich hatte den Zusammenhang eigentlich ja auch schon im ersten Beitrag recht unmissverständlich dargelegt:

      Nachdem Sie hinzunehmenden "gesellschaftlichen Wandel" als Argument für Ihre Position ins Feld geführt hatten, habe ich darauf hingewiesen, dass das, was mitunter als "gesellschaftlicher Wandel" bezeichnet wird, nicht immer gut sein muss; diesbezüglich habe ich ein Beispiel zur Veranschaulichung genannt. Damit bin ich Ihrem Argument entgegen getreten.

      Es mag sein, dass Ihnen das nicht gefällt, aber unterstellen Sie mir dann bitte nicht plump Unsachlichkeit, bloß weil Ihnen sonst nichts einfällt.

  • 21.10.2016 14:43, Frager

    Hallo,

    ich finde den Artikel sehr interessant, bin mir aber nicht sicher wie diese Konstrukte aus Binnen-I, Schrägstriche usw. ausgesprochen werden. Ein Auflösen von z.B. "liebe Bürger/innen" zu "liebe Bürger und Bürgerinnen ..." kann ja nicht gemeint sein, oder? Ein einfaches Überlesen des Schrägstriches würde die Begriffe feminisieren und damit wieder ein Ungleichgewicht herstellen - was sagt also der gendergeübte Redner?

    Ferner bitte ich zu beachten, dass einige der genannten neutralen Substitute nicht identische Bedeutungsinhalte besitzen. So besteht zwischen Student/in und Studierende/r ein erheblicher Unterschied, da sich der/die Student/in an der Immatrikulation an der Uni, der/die Studierende aber am Vorgang des Studierens festmacht. Man kann also Student/in sein ohne Studierende/r zu sein und umgekehrt.

    Gibt es Erkenntnisse, wie sich die propagierte neutrale Sprache in der Gesellschaft umsetzt? Es wäre schon hilfreich zu wissen, ob man im Elfenbeinturm streitet während die reale Entwicklung andere Wege geht oder ob sich tatsächlicher ein Sprachwandel sozusagen vom Neuhochdeutsch zum Neutralhochdeutsch vollzieht.

    liebe Grüße

    der männliche Frager

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  • 21.10.2016 16:26, Sigi Lieb

    @Hah. Sie setzen also die Diskussion über die Verwendung von Silben mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen gleich? Wären Sie Böhmermann, wüsste ich: Der Mann macht Satire und ist dabei manchmal ziemlich geschmacklos... Bei Ihnen fürchte ich: Sie meinen das gar nicht ironisch, Sie glauben, was Sie schreiben. Armer Mensch.
    Gesellschaftlicher Wandel ist natürlich nicht per se gut oder schlecht. Er ist Fakt. Aber das hat außer Ihnen und Ihrem Vorredner - vielleicht auch dieselbe Person mit zwei anonymen Namen - niemand behauptet.

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    • 21.10.2016 20:19, Haha

      Sie haben nach dem Zusammenhang gefragt, ich habe ihn Ihnen erklärt. Jetzt wissen Sie nichts Sinnvolles mehr zu entgegnen und werden unsachlich.

      Ich kann Ihnen versichern - ich bin alles andere als arm. Und zwar weder emotional noch materiell.

  • 23.10.2016 15:43, RA Nicolas

    Schade, dass die LTO einer Vertreterin einer erwiesenermaßen unwissenschaftlichen Ideologie ein Forum bietet.

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  • 23.10.2016 17:16, Ihm seiner

    Die Originalstudie zu lesen ist wirklich lohnenswert. Bereits beim ersten Überfliegen springt einem der Bias ins Gesicht. Das geht schon bei den ausgewählten Berufen los: Diese wurde subjektiv durch die Autorinnen aus einer Liste ausgewählt und haben einen inhärenten Status- und Eingangsqualifikationsunterschied.

    Männliche Berufe: Astronaut, Erfinder, Bürgermeister, Geschäftsmann, Feuerwehmann, Maurer, Automechaniker, Lastwagenfahrer
    Weibliche Berufe: Blumenverkäuferin, Babysitterin, Zahnarzthelferin, Raumpflegerin, Kosmetikerin.
    Neutral: Sängerin, Sportlerin, Schriftstellerin

    Es dürfte äußerst fraglich sein, ob sich die Unterschiede in dem Maße halten lassen, wenn man für das Qualifikationsniveau adjustiert hätte. Peer-Review scheit auch nur marginal stattzufinden.

    Sehr schön auch die Bezeichnung des Effektes als grenzwertig signifikant bei p=0.08 (Seite 81). Lässt man die Diskussion um den p-Wert mal außer Acht und betrachtet es dichotom an der Grenze von <0.05, dann wird die Nullhypothese nicht abgelehnt, sondern trifft zu.

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    • 26.10.2016 12:20, Jemand_NRW

      Man ahnt, dass Sie sich mit (seriöser) geisteswissenschaftlicher Forschung auskennen und in welche Richtung Ihre Kritik geht.

      Damit Nicht-Geisteswissenschaftler(/*innen_*außen_*mensch_*lebensform_) die Kritik nachvollziehen können, hätten Sie es aber noch etwas näher erläutern dürfen, z.B. die Sache mit dem "p"....

    • 28.10.2016 11:13, Ihm seiner

      Es war gedankenlos das nicht näher auszuführen, obwohl es nötig gewesen wäre um es allgemein verständlich zu machen. Ihre Antwort sollte mir eine Lehre sein mehr darauf zu achten, dass der eigene Alltagssprachgebrauch nicht für alle verständlich ist, sondern besser angepasst werden muss.

      Zunächst zu den Begriffen:
      Bias bezeichnet einen systematischen Fehler, den man unter anderem durch das Design der eigenen Studie (un)absichtlich einführen kann. Dies hat zur Folge, dass alle gemessenen Werte nicht dem erwarteten Wert entsprechen, sondern um den Wert des systematischen Fehlers abweichen. Die statistische Berechnung die man danach ausführt um zu testen, ob der gemessene Unterschied eine Folge des Zufalls ist, erfasst nicht den systematischen Fehler. Man kann folglich einen Unterschied messen, obwohl in Wirklichkeit kein Unterschied besteht, wenn der systematische Fehler diesen Unterschied bewirkt. Die statistische Berechnung berücksichtigt diesen systematischen Fehler gerade nicht.

      p-Wert: Der p-Wert kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Zurückgehend auf Ronald Fisher hat sich in der Wissenschaft eingeschlichen, dass der arbiträre p-Wert von <0.05 bedeutet, dass ein Ergebnis statistisch signifikant ist. Dieser Definition nach haben Sie erfolgreich gearbeitet, wenn Ihr p-Wert 0.049 beträgt, jedoch keinen signifikanten Unterschied bei 0.05 gefunden. Bereits diese Überlegung zeigt wie widersinnig dieses starre Konzept ist. Die Berechnung des p-Wertes basiert darauf wie stark die Verteilung der gemessenen Interventionsgruppe von der zugrunde gelegten Verteilung der Nullhypothese abweicht. Ein niedriger p-Wert bedeutet also gerade nicht ein besonders relevantes Ergebnis oder einen besonders starken Effekt, sondern schlichtweg nur, dass die Verteilung der experimentellen Gruppe stark von der Kontrollgruppe abweicht.
      Zur Untersuchung: Nimmt man wie die Autorinnen nun an, dass die Grenze von 0.05 zur statistischen Signifikanz führt, so kann man nicht zwei Sätze später von marginaler Signifikanz sprechen. Wenn man dieses falsche(!) Kriterium anwendet, dann ist es völlig widersinnig aus nicht signifikanten Werten Schlüsse abzuleiten oder gar diese zu interpretieren. Es handelt sich definitonsgemäß um die Interpretation von Hintergrundrauschen. Das gibt es zwar häufig in der Wissenschaft, auch die biologischen Wissenschaften sind nicht frei davon, das ändert aber nichts daran, dass es falsch ist.

      Gerade die psychologische Forschung, so wie hier, hat extreme Probleme mit der Reproduzierbarkeit ihrer Ergebnisse. Diese ist noch wesentlich schlechter als in der biomedizinischen Wissenschaft, deren Reproduzierbarkeit bereits mäßig ist (was auch an der extrem stiefmütterlichen Behandlung der Methodiksektion in Publikationen liegt; es ist sehr verbreitet gerade einen entscheidenden Schritt zu "vergessen" um sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern). Zum Teil wird davon ausgegangen, dass die psychologische Forschung ihre Zeit damit verbringt das Hintergrundrauschen zu interpretieren. Diese Feststellung dürfte zutreffend sein, wenn man sich die Ergebnisse des "reproducibility projects" (bei Interesse wäre "reproducibility crisis" ein weiteres Stichwort zum Nachlesen) anguckt.

  • 24.10.2016 18:36, Marinolt

    Genderwahnsinn siehe hier:
    http://www.jvv.nrw.de/anzeigeText.jsp?daten=650
    Annähernd 50 % des Textes sind Genderdoppelungen.
    Wie erträgt die Verfasserin bloß die Machoformulierungen in Art. 54, 55, 62, 63 GG? Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik. -Immer noch, trotz vieler Jahre Bundeskanzlerin Merkel.
    Die Person ist -Die Bundeskanzlerin, das Amt ist -Der Bundeskanzler.
    Wo ist das Problem? Das ganze ist eine Ellenbogendiskussion zur Disziplinierung der Männlichkeit. Die Begriffe sind althergebracht und orientierten sich an der Wirklichkeit. Ändern Sie die Wirklichkeit, dann folgt die Begrifflichkeit von selbst.

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  • 25.10.2016 14:52, Lothar Kopp

    Es geht nicht um Sichtbarmachung oder Mitmeinen. Es geht um Anredeformen, Denglisch, Gendern und das Partizip Präsens.

    Das Partizip Präsens (studierend, singend, laufend, radfahrend, mitarbeitend oder mithelfend) bezeichnet ein momentanes Geschehen, das seinem Wesen nach gerade abläuft. Das ändert sich auch nicht durch die Substantivierung. Beim Mitarbeiter oder Sänger handelt es sich um einen Status. Das Problem zeigt sich, wenn das Substantiv mit einem Partizip Präsens verbunden wird. Wenn berichtet wird, Mitarbeiter seien im Schlaf ermordet worden, handelt es sich nicht um schlafende Mitarbeitende, sondern um schlafende Mitarbeiter. Niemand kann gleichzeitig schlafen und mitarbeiten. Singende können auch nicht gleichzeitig schlafen! Sänger können schlafen und dann singen. Studierende können ebenfalls nicht schlafen und gleichzeitig studieren, was Studenten jedoch sehr wohl können (schlafend studieren bleibt ein Traum). Student ist laut Duden ein Status- bzw. Gattungsbegriff. Medien verwenden weiterhin ganz überwiegend Gattungsbegriffe. Letztlich geht es bei der Bezeichnung Studierende (der/die Studierende, die Studierenden), Mitarbeitende oder Mithelfende um eine unkorrekte Wortschöpfung eines bestimmten politischen Milieus, das glaubt, damit gendergerecht zu formulieren („Frauen sprachlich sichtbar machen“). Explizit schließt man jedoch genau gegenteilig alle anderen Geschlechter damit aus, und das ist wirklich diskriminierend, gemessen am Maßstab der Protagonisten des sog. Genderismus sogar rückwärtsgewandt, reaktionär. In Deutschland manifestieren sich darin die Gegner einer natürlichen, im Volk entstehenden Sprachentwicklung. Über konstruierte Sprache will man ein bestimmtes Denken erzeugen.

    Generische Begriffe haben als Gattungstermini die unschätzbaren Vorteile, sowohl alle nur denkbaren Geschlechter einzubeziehen als auch integrativ zu wirken! So lehrte mich das meine Deutschlehrerin. Diskriminierung und Desintegration betreiben diejenigen, welche die Geschlechter auf lediglich zwei reduzieren, z. B. bei der Anrede „Liebe Kolleginnen und Kollegen“.
    Ich gestehe jedoch, auch ich beginne als Mann eine Rede wegen der anerzogenen Höflichkeit, beruhend auf Sitte und Tradition, stets mit „Sehr geehrte Damen und Herren“. Ist das wegen der impliziten Diskriminierung nicht längst überholt? Nein! Der Duden formuliert dazu, „in der persönlichen Anrede“ sei die feminine und maskuline Anredeform in Ordnung. Gut, also bleibt es ja doch dabei. Eine Frau sollte dann aus Gründen der Höflichkeit analog eine Ansprache mit „Sehr geehrte Herren und Damen“ beginnen. Starke, selbstbewusste Frauen machen das auch.

    Besonders seltsam finde ich, dass viele Feministen, z. B im Sport, von Mädchen- und Frauenmannschaften sprechen, denn es gibt doch ganz Duden konform sowohl eine Mannschaft (Männer) als auch eine Frauschaft (Frauen). Das kann jeder nachlesen. Hier wird der ideologische Hintergrund manifest. Daher redet man in Feministenkreisen gerne auch „neudeutsch“ lieber von Teams. Hilft aber nicht, denn ein Team ist eine Mannschaft. Es besteht auch nicht aus Teamern und Teamerinnen oder aus Mitgliedern und Mitgliederinnen, genau wie Manager und Managerin oder Teenager und Teenagerin oder Teacher und Teacherin. Ich weiß, schlimmer geht immer. Die Bezeichnung Teamer und Teamerin ist dämliches Eindeutschen frei nach dem Motto „am FeministInnenwesen soll die ganze Welt genesen“, früher war es mal das deutsche Wesen! Alter Wein in neuen Schläuchen.

    Und warum sich ausgerechnet als fortschrittlich bezeichnende Frauen für Quoten nur für Frauen und nicht etwa auch für andere Geschlechter (plus Vielfalt) im Sinne der LSBTISMF-Buchstabenmenschen in Vorständen und Aufsichtsräten einsetzen, zeigt beispielhaft, dass es beim sog. Gendern ausschließlich um Fraueninteressen geht, aber bestimmt nicht um Antidiskriminierung, Gleichberechtigung, Geschlechtervielfalt, Geschlechterdemokratie, Gleichstellung oder gar Geschlechtergerechtigkeit.
    Ziel ist die Umkehrung der Geschlechterverhältnisse, in deren Sprachduktus die „Umkehrung der Machtverhältnisse.“ Es geht nicht um Sichtbarmachung oder Mitmeinen. Die sog. gendersensible Sprache ist dabei ein Mittel zum ideologisch motivierten Zweck.

    Wer jedoch schlicht das kopiert, was er vorher kritisierte, der ist unglaubwürdig. Erst werden die Netzwerke der Männer von Feministinnen kritisiert, dann von Frauen kopiert. Wenn Männernetzwerke patriarchalische Strukturen spiegeln, was spiegeln denn dann die Frauennetzwerke? Es könnte ja auch sein, dass Netzwerke schlicht eine Erfolgsstrategie darstellen.
    Wer so vorgeht wie oben beschrieben, der will gar keine bessere Welt, der will ausschließlich und kompromisslos seine Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Ideologie kennt keine Logik und Logik - das ist die gute Nachricht - kennt keine Ideologie. Da bin ich meinen Latein- und Deutschlehrern bis heute dankbar.
    Sie lehrten uns Schüler Kritik und die Bemühung des eigenen Verstandes, ganz im Sinne von Immanuel Kant.

    Auch künftig werde ich daher mein fürs Leben gelerntes Deutsch sprechen und schreiben. Sprache muss nicht nur les-, sondern auch flüssig sprechbar bleiben. Ein sog. Binnen-I- kann man nicht sprechen. Es ist schlicht nicht hörbar, auch nicht durch Überbetonung oder künstliche Pausen. Und diesen X-, Unterstrich- oder Sternchenunsinn (Lehrer_innen, Schüler*innen, Dozent_*innen oder Profx) machen meist Leute mit, die allem und jedem hinterherlaufen. Hauptsache, es kann Neues konsumiert werden. Gruß an die menschlichen Lemminge, die mal wieder auf eine Ideologie hereinfallen, anstatt sie kritisch zu
    hinterfragen.

    Neulich las ich in einer seriös gemeinten Formulierung im Rahmen einer Ausschreibung den Begriff „Redaktionsmitgliederinnen und -mitglieder.“ Das ist völlig sinnfrei.
    Früher war nicht alles besser als heute, aber in der Schule lernte man im Deutschunterricht noch etwas über das generische Femininum (die Hebamme, die Berühmtheit, die Person, die Leute, die Fachkraft, die Führungskraft, die Putzkraft, die Koryphäe, die Horde, die Geisel, die Aufsicht, die Wache, die Waise, die Katze, die Amsel), das generische Maskulinum (der Bürger, der Mensch, der Buschmann, der Arzt, der Täter, der Student, der Jugendliche, der Polizist, der Helfer, der Politiker, der Gärtner, der Schweizer, der Hund, der Vogel) und das generische Neutrum (das Kind, das Vorbild, das Opfer, das Mitglied, das Lebewesen, das Rumpelstilzchen, das Arschloch, das Tier, das Pferd, das Federvieh). Damit waren immer alle inkludiert. Niemand wurde diskriminiert oder fühlte sich gar ausgeschlossen. Ausgerechnet erst die sog. geschlechtersensible Sprache schafft es, wie im „Redaktionsbeispiel“ oben belegt, sinnlose sprachliche Erfindungen zu produzieren und aus vielen Geschlechtern wie früher wieder nur zwei zu machen. An dieser Stelle fällt mir auch das Gender Mainstreaming ein, welches im Kern rückwärtsgewandt auch nur zwei Geschlechter kennt. Das kann man folgerichtig auch reaktionär nennen.

    Vielleicht bin ich als Jahrgang 1955 ja schon zu alt oder aus der Zeit gefallen oder denke zu viel oder gar falsch? Gutes Deutsch und gutes Sprachverständnis sind jedoch zeitlos. Warum konstruieren manche Menschen schlechtes Deutsch? Gendersprech ist keine Alternative zu Argumenten und Logik. Wie wirr muss es in den Köpfen von Menschen aussehen, die Begriffe mit einem großen I oder einem Sternchen * oder Unterstrich _ schreiben? Lehrer Sternchen innen hört sich doof an. Sprechen kann man das nicht. Was soll Schrift, die nicht sprechbar ist?

    Am besten scheint mir, in solchen Fragen gegenseitig Toleranz zu üben, was jedoch mit Blick auf so manche „sprachpolizeiliche“ Interventionen in Teilen der Gesellschaft hierzulande oft nicht (mehr) der Fall ist.

    Der Journalist Wolf Schneider, ein Meister der deutschen Sprache, schreibt: "Ich habe dieser Gender-Sprache öffentlich den Krieg erklärt. Ich polemisiere dagegen, wo es nur geht. Ich finde sie Schwachsinn, von Alice Schwarzer durchgesetzter und von Gewerkschaften betriebener und von Betriebsräten, Politikern und leider auch Theologen übernommener Schwachsinn...Diese Sprache geht von der törichten Vorstellung aus, das natürliche Geschlecht habe etwas mit dem grammatischen Geschlecht irgendetwas zu tun. Nein! Bekanntlich heißt es „das Weib“, das ist schon ein Skandal; es heißt „der Löwe“, aber: „das Pferd“ und „die Schlange“. Das grammatische und das natürliche Geschlecht stehen in keinerlei Zusammenhang. Noch darf man sagen, München hat 1,3 Millionen Einwohner. Noch sagt man nicht Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt, das ist gar nicht durchführbar...Es war eine ungeheure geschickte PR-Kampagne einer Gruppe militanter Feministinnen, die diese Sprache durchgesetzt haben. Meine Behauptung ist: Das ist 90 Prozent der Deutschen völlig egal." Da hat er wohl Recht.

    Formulierungsfreiheit als Teil der Sprachfreiheit ist der Spiegel der Meinungsfreiheit

    Meinungsfreiheit hat Verfassungsrang! Beleidigungen gehören selbstverständlich nicht zur Sprachfreiheit. Wenn aus Hinweisen und Empfehlungen – als solche werden Leitfäden gerne verharmlosend interpretiert - in der Praxis ein Verbindlichkeitsanspruch hergestellt wird, dann ist was faul, und spätestens an dieser Stelle sollten aufgeklärte Menschen in einer demokratischen und freiheitlichen Bürgergesellschaft aufhorchen. Über zivilen Ungehorsam sollte man nicht nur philosophieren, sondern ihn mutig praktizieren.

    Die englische Sprache ist in dieser Frage einfach und klar: Wenn man den Satz „the students, teachers and managers are learning together“ wörtlich aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, dann übersetzen sog. Genderisten ihn immer fehlerhaft. Meine Frau möchte nicht mit Managerin angesprochen werden. Sie weiß, dass sie eine Frau ist. Das müssen ihr keine Feminismus-Protagonisten erst belehrend mit dem gläsern erhobenen Zeigefinger sagen. Eine „study nurse“ in einer Klinik ist übrigens ein Beispiel für ein generisches Femininum in der englischen Sprache. Es kann sich um eine Frau oder auch einen Mann handeln!

    Karl Popper meinte zum Thema Meinungsfreiheit: Wer sie nicht gewährleiste, der habe keinerlei Respekt vor seinen Mitmenschen, fühle sich selbst überlegen, schwinge sich zum Richter über wahr und falsch auf und bringe andere um die Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wer Meinungsfreiheit nicht gewährleiste sei ein Feind der Demokratie.

    Fazit:
    Wer bestimmte Meinungen innerhalb eines Verfassungsrahmens vorschreiben, verbieten oder entfernen will, der tut dies aus Mangel an Toleranz und Respekt Andersdenkenden gegenüber.

    Respekt und Toleranz sind keine Einbahnstraßen.

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    • 26.10.2016 13:38, Henner Knabenreich

      Vielen lieben Dank, Herr Kopp, für diesen wunderbaren, konstruktiven, belehrenden und auf den Punkt bringenden Kommentar. Klasse!!!

  • 25.10.2016 20:25, Lawyer

    Der Kommentator versteht noch etwas von Sprache und ihren Feinheiten; die Lektüre des Beitrags ist eine Wohltat.

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  • 26.10.2016 14:09, Georgina

    Kompliment auch meinerseits, lieber Lothar Kopp. Brilliante Argumentation, die schwer zu widerlegen ist. Endlich habe ich einige neue Erkenntnisse gewinnen können. Formulierungsfreiheit und Freiheit der Sprache sind ein Spiegelbild der Meinungsfreiheit. Wer sie infrage stellt, der denkt schon im Ansatz undemokratisch, totalitär. Danke für Ihre wohltuenden Ausführungen.

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  • 21.10.2017 18:14, H. H. Dieter

    Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin Engelke, Sie scheitern doch selbst bereits an dem sprachlich korrekten Wort "Leserschaft", das Sie im letzten Absatz verwenden und das Sie offenbar für genderkorrekt halten. Ist es aber nicht! An Ihren eigenen Kriterien gemessen, müssten Sie doch wohl von "Leser- und Leserinnenschaft" schreiben und sprechen, womit dann allerdings alle LSBTISMF-Leser ausgeschlossen wären. Schon dieses einfachstmögliche Beispiel belegt die Absurdität Ihrer wortreichen Ausführungen. Haben Sie übrigens schon einmal darüber nachgedacht, wieviele Mann-, Frau- oder LSBTISMF-Stunden dieser Art von sinnfreier Sprachkreativität mittlerweile täglich zum Opfer fallen?

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  • 01.11.2017 17:55, C.G.

    • Wo liegt eigentlich das Problem bei den hier vorwiegend negativ kommentierenden Herren?

    • Woher kommt die Aggression gegen die super Vorschläge, die das Ziel haben, Männer und Frauen gleichermaßen zu benennen?

    • Was ist daran so schlimm, wenn es heißt "Das Kollegium ist wunderbar."
    Anstatt "Die Mitarbeiter sind super."?

    Es gibt offensichtlich zahlreiche Belege, die zeigen, dass bei einer sprachlichen Erweiterung eine sinnvolle Ergänzung stattfindet.
    Eine Bereicherung also.
    Zum Beispiel:
    "Nenne einen Romanhelden, der dir gefällt?" > es wird nur ein Mann genannt, "Nenne einen Romanhelden oder eine Romanheldin?" > es wird ein Mann oder eine Frau genannt.
    Was spricht ernsthaft dagegen?

    Diese eklatante Wut und das Ankämpfen dagegen ist etwas, dass wirklich auf dunkle Hintergründe schließen lässt, mit denen zumindest ich niemals gerechnet hätte.
    Die Veränderung der Sprache in eine "reale" erscheint mir ganz natürlich.
    Es fällt mir vollkommen leicht.
    Es hat mich schon als Kind gewundert, wenn es hieß "Wir gehen zum Zahnarzt" und dann war es Frau Mirbach ...
    Genauso würde ich mich wundern, wenn es hieße "Wir sprechen mal mit deiner Erzieherin." und dann ist es Herr Müller. Herr Müller wäre selbst irritiert.

    "Fragst du mal einen Verkäufer oder eine Verkäuferin, was das Shirt kostet?"
    Das ist wirklich kein Zeit- oder Sprachproblem ;)
    Da gibt es ganz andere Wortschöpfungen, wie zum Beispiel: "EG-Ver­brauch­er­schutz­durch­setzungs­gesetz-Er­mäch­ti­gungs­über­tragungs­ver­ord­nung", um nur ein Beispiel zu nennen.

    Wenn nun einige sagen: "Wir sind so und so – wir möchten FX Müller genannt werden." Dann spricht auch da nichts dagegen. Nimmt es dann überhand um Himmels Willen? Na, mal sehn :) Ich glaube: nein.
    Respekt ist eine angenehme Angelegenheit, die das Miteinander vereinfacht.
    Das ist kein friedlicher Spruch, das ist die simple Realität.

    Worin also besteht die Wut, sich nicht denjenigen respektvoll und freundlich zuzuwenden, die sich offensichtlich bisher benachteiligt fühlen, sonst würde dieser Wunsch nach Veränderung nicht so deutlich geäußert werden.

    Die hinter diesen vielen Argumentationen steckende Wut, intolerant und respektlos, möchte ich eigentlich gar nicht genau ergründen ... davor graut mir sogar.
    Stattdessen schlage ich vor: Wie lässt sich eine gerechte Sprache umsetzen?
    So gut es eben geht. Mal so, mal so.

    Und wie macht es Frau Engelke? Sie hat hier also von einer "Leserschaft" gesprochen und zieht damit (schon wieder) Ärger an sich. Dies sei der Beweis, dass "das Ganze" nicht funktioniere. Wieso? Mal drückt Frau Engelke sich gendergerecht aus, mal hat sie es vielleicht keine ideale Lösung gefunden oder es vergessen. Na und? Das ist bedeutet nicht, dass die Ansätze nicht hervorragend sind und es beinhaltet auch kein Scheitern.
    Stattdessen könnten Sie, verehrte Leser, es doch mal lässiger nehmen und es ausprobieren. Ich bin mir sicher, damit gewinnen Sie einige Sympathien – was spricht dagegen?

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    • 04.11.2017 22:58, Lothar Kopp

      Es gibt eine gerechte Sprache eben so wenig wie eine gerechte Natur.

      Sie verstehen weder Wort noch Sinn der deutschen Sprache und Grammatik, befürchte ich. Und die fundierte Kritik, so scheint mir, wollen Sie auch nicht verstehen.
      Merken Sie denn gar nicht, dass Sie bei den Formulierungen, die Sie so vehement verteidigen, stets nur zwei Geschlechter benennen? Was ist mit all den anderen? Sind die "mitgemeint" oder sollten die nicht auch sprachlich "sichtbar", also explizit genannt werden? Ansonsten diskriminieren Sie ja doch wieder in der Weise, die Sie vorgeben, verändern zu wollen. Der Plural hat den schönen Vorteil, alle anzusprechen, die im Raume sind. Alle Bürger sind alle Bürger, übrigens einschließlich der Kinder und Jugendlichen, alle Bürgerinnen und Bürger sind lediglich Frauen und Männer. Da sind die anderen Geschlechter außen vor. Das wäre doch reaktionär - oder?
      Was meinen Sie: Wie lang würden Ihre Anreden vor einer Gruppe von Menschen wohl sein, um allen in Ihrem Sinne gerecht zu werden?

    • 13.12.2017 23:57, Sarah L.

      Liebe Frau Kopp,
      im von Ihnen kritisierten Kommentar ist das Phänomen "mehrere Geschlechter" deutlich erwähnt: "FX Müller" wird hier genannt für die Gruppe anderer Geschlechter, von denen Sie schreiben.
      Dieses Alternativ-Modell ist ein Vorschlag der Humboldt Universität in Berlin.
      Damit wäre die Anrede von allen Gruppen – und somit auch Ihr Problem – gelöst.

      Es scheint jedoch, als suchen Sie mit Ihrer Argumentation eine Möglichkeit, an der einseitig männlich-dominierten Sprachweise nichts zu ändern – denn die inzwischen nahezu klassisch gewordene Sprachform wie beispielsweise "Teilnehmerinnen und Teilnehmer" ist zumindest – und erfreulicherweise – eine respektvolle Verbesserung zur veralteten Anredeweise.

      Interessant bleibt daher Ihr Festhalten daran und die Frage der Autorin nach den Hintergründen dafür.

  • 14.12.2017 11:34, Lothar Kopp

    Lieber Herr Sarah S.,

    wie ich vermutete, kommen alle diese Vorschläge aus den Echoräumen der Universitäten und sonstiger Bildungsinstitutionen. Das macht es nicht besser. Mir ist keine einzige Studie bekannt, die in der sog. Genderforschung Neues zutage förderte. Dafür werden aber stets politische Forderungen kontextualisiert. Das bezeichne ich als Perversion der Forschung. Politisierte Wissenschaft war noch nie zielführend. Ein Blick in unsere Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts reicht, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Kant und der von ihm formulierte kategorische Imperativ helfen da übrigens auch. Es sind aber leider viele Sprachideologinnen am Werk, die anders offenbar kein Geld verdienen können (?), außer in bequemen, warmen öffentlich finanzierten Amtsstuben. Genus und Sexus sollten Intellektuelle unterscheiden können. Und auch dass "man" nichts mit einem Mann zu tun hat. Oder sind Sie da anderer Meinung? Warum fällt die Differenzierung so schwer? Weil Ideologie die Triebfeder ist, nicht aber Logik?

    Der Philosoph Karl Popper meinte zum Thema Meinungsfreiheit: Wer sie nicht gewährleiste, der habe keinerlei Respekt vor seinen Mitmenschen, fühle sich selbst überlegen, schwinge sich zum Richter über wahr und falsch auf und bringe andere um die Freiheit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Wer Meinungsfreiheit nicht gewährleiste sei ein Feind der Demokratie. Dem stimme ich zu.

    Diese selbsternannten Sprachkreationisten erheben in letzter Konsequenz einen Verbindlichkeitsanspruch, der sich darin zeigt, dass sich Studenten, welche sich an der deutschen Rechtschreibung des Duden orientieren, Punktabzüge in ihren Arbeiten erhalten. So werden sie zu verordneten Formulierungen gezwungen. Ist das noch Meinungsfreiheit und einer demokratischen Bürgergesellschaft würdig?
    Dieses Gender-Neusprech geht von der törichten Vorstellung aus, das natürliche Geschlecht habe mit dem grammatischen Geschlecht irgendetwas zu tun.
    Ich kann nicht erkennen, dass der Einsatz für gutes Deutsch in Wort und Sinn schlecht sein soll.

    Die Anrede "Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer" gilt als höflich, wenn ein Mann eine Rede so beginnt. Warum reden Frauen dann nicht - allein aus Höflichkeitsgründen - eine Menschengruppe gegengeschlechtlich mit "Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen" an? Das ist eben entlarvend. Jetzt darf mir niemand mit Tradition und Sitte kommen! (Oder soll es analog zu Trump fortan immer heißen "Women first" ? Gilt der nicht vielen als reaktionär?)

    Auch die Spracherfindungen mit z. B. dem Sternchen (*) helfen nicht weiter.
    Sprechen geht schon gar nicht, das sage ich als Pädagoge. Wenn Sie Teilnehmer*innen schreiben, dann frage ich mich, warum Sie Frauen doppelt nennen. Das Sternchen soll ja bereits alle Geschlechter inkludieren. Unser oberstes Gericht in Karlsruhe meint, es gebe nur drei. Meine Frau, Mediziner von Beruf (sie sagt, sie weiß, dass sie eine Frau ist, daher ohne "in"), zählt mir fünf auf (Kriterium: die Chromosomen). Bei Facebook kann man über 60 finden. Der Erfindungsreichtum ist wie bei Folter schier unendlich.
    Die Anwendung der Logik sagt mir, dass eine Anrede der Sternchen-Protagonisten zwingend wie folgt lauten müsste " Liebe Teilnehmer* ", denn das * beinhaltet ja in deren Sinne bereits alle Geschlechter. Und daran erkennt man die ganze Unwucht in der Argumentation und das Unverständnis oder Unvermögen, gutes Deutsch zu sprechen.

    Frankreich liefert gerade in diesen Tagen ein gutes Beispiel dafür, wie Muttersprache erhalten bleibt. Es hat diesen Sprachgenderismus in allen staatlichen Schriftstücken beendet. Kriterien seien Sprech- und Lesbarkeit sowie Verständlichkeit der Muttersprache für a l l e Menschen - und nicht für vermeintliche oder tatsächliche Eliten. Was ist daran falsch?

    Liebe Frau Sarah L.,

    Sarah ist ein klassischer Vorname für eine Frau ebenso wie es Lothar für einen Mann ist. Natürlich bleibt es in der Anrede bei der höflichen Formulierung "Sehr geehrte Damen und Herren", das ist ja auch Ausdruck guter Erziehung. Der Duden formuliert dazu, „in der persönlichen Anrede“ sei "die feminine und maskuline Anredeform in Ordnung."

    Einverstanden! Sie auch?

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 31.03.2018 19:59, Gender-Gaga

    Hardcore-Feministinnen könnten jetzt sagen: "Aber die Begriffe 'Lawyer' und 'partner' haben ein -er am Ende. Also sind sie diese Begriffe doch nur männlich."
    Fakt ist: Diese englischen Begriffe werden deshalb als neutral wahrgenommen, weil in der englischen Sprache keine explizit weibliche Formen für diese Begriffe existieren. Theoretische könnte man ja welche dazu erfinden (fiktives Beispiel, das natürlich jeder Englischlehrer zurecht als Fehler vermerken würde: 'partner-woman' oder 'partneress').
    Hätte man in der deutschen Sprache auf explizit weibliche Formen verzichtet und hätte man sich mit "Anwalt" und "Partner" als geschlechtsneutrale Substantive begnügt, würden wir heute nicht über sowas unwichtiges wie Gendersprech diskutieren müssen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 31.03.2018 22:28, Lothar G. Kopp

    Ein gutes Beispiel aus der Praxis:
    Die Schulleitung verkündet über die Klassenlautsprecher: "Wir haben heute um 11:30 Uhr 32 Grad im Schatten. Alle Schüler haben daher ab 12 Uhr hitzefrei."
    Bleiben die Schülerinnen dann in der Schule - oder nicht?
    Der Schüler, die Schülerin, die Schüler (der Plural umfasst a l l e Geschlechter, also nicht nur zwei).

    DAS BEISPIEL IST DER LACKMUSTEST AUS DEM LEBENSALLTAG und nicht aus feministischen Amtsstuben von Universitäten und "progressiven" Bildungseinrichtungen, die uns ihre Meinung aufzwingen wollen.

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