Verschärfung der Betriebsprüfungen: Künst­ler­so­zial­ab­gabe – auch Kanz­leien müssen zahlen

von Dr. Florian Sperling

03.03.2016

Die Künstlersozialabgabe ist vielen Anwälten unbekannt oder wird ignoriert. Florian Sperling zeigt, warum fast jede Kanzlei abgabepflichtig ist und wegen einer gesetzlichen Verschärfung der Betriebsprüfungen eine böse Überraschung droht.

Die Künstlersozialabgabe betrifft alle Unternehmer, die selbstständige Künstler oder Publizisten mit kreativen Leistungen beauftragen. Heutzutage hat jede Anwaltskanzlei, die etwas auf sich hält, eine Website, schicke Visitenkarten, vielleicht auch eine Imagebroschüre oder ähnliches. In aller Regel sind es selbstständige Kreative, wie zum Beispiel Webdesigner, die diese Leistungen erbringen. Deshalb sind auch die meisten Anwälte abgabepflichtig.

Die Künstlersozialabgabe wird von der Künstlersozialkasse (KSK) auf alle in einem Kalenderjahr an selbstständige Künstler oder Publizisten gezahlten Netto-Entgelte erhoben. Der Abgabesatz wird jährlich neu festgesetzt. Für 2015 und 2016 beträgt er 5,2 Prozent.

Abgabepflichtig sind zum einen typische Verwerter, die mit Kreativleistungen ihr Geld machen, wie etwa Buch- und Presseverlage, Filmproduzenten, Werbeagenturen und Theater. Zur Kasse gebeten werden aber auch die sogenannten "Eigenwerber", die für ihr eigenes Unternehmen Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dabei regelmäßig Aufträge an selbstständige Kreative erteilen.

Begriff der Kunst wird großzügig ausgelegt

Laut Bundessozialgericht (BSG) können schon ein bis zwei Beauftragungen von Kreativen pro Jahr für das Entstehen einer Abgabepflicht ausreichen.

Dabei wird auch der Begriff der Kunst sehr großzügig ausgelegt, es ist nämlich keine bestimmte künstlerische Qualität erforderlich. So hat das BSG etwa das Vorführen von Damenunterwäsche oder die Tätigkeit von Dieter Bohlen als Juror von "Deutschland sucht den Superstar" als "künstlerisch" eingestuft.

Die Abgrenzung zwischen künstlerischen und nicht-künstlerischen Leistungen ist häufig schwierig. Eine kleine Hilfestellung bietet der Künstlerkatalog der KSK. Letztlich kommt es aber immer – der Jurist kennt das – auf die berühmten Umstände des Einzelfalls an. 

Generell sind bei Anwälten vor allem Zahlungen an Webdesigner, Werbegrafiker und -texter, Fotografen und PR-Agenturen kritisch. Kleiner Lichtblick: Bei Zahlungen an juristische Personen, an eine OHG oder KG fällt keine Abgabe an. Ist also zum Beispiel die mit der Erstellung der Website beauftragte Werbeagentur eine GmbH, ist keine Künstlersozialabgabe zu zahlen. Anders dagegen, wenn sie als GbR firmiert. 

Außerdem gibt es eine Bagatellgrenze: Wer im Jahr nicht mehr als 450 Euro netto an selbstständige Kreative gezahlt hat, muss darauf keine Künstlersozialabgabe abführen.

Zitiervorschlag

Dr. Florian Sperling, Verschärfung der Betriebsprüfungen: Künstlersozialabgabe – auch Kanzleien müssen zahlen . In: Legal Tribune Online, 03.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18662/ (abgerufen am: 23.01.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 03.03.2016 16:33, Z

    "Eine Art Amnestieregelung bei freiwilliger Selbstanzeige gibt es leider nicht. "
    Wieso leider? Gerade bei Anwälten darf man voraussetzen, dass ihnen die Abgabepflicht bekannt ist. Sie nicht zu leisten bedeutet, Sozialleistungen zu hinterziehen.

    Eine wichtige Info fehlt im Artikel: Dass die Abgabe zurzeit vergleichsweise hoch ist liegt daran, dass so viele Unternehmer sich seit Jahren und Jahrzehnten um die Zahlung drücken. Würden alle sie begleichen, könnte der Satz auf 2% oder weniger sinken. Es ist also zu hoffen, dass die intensivierten KOntrollen beibehalten werden.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 04.03.2016 12:22, Joachim Griebe

      Danke für Ihren Kommentar . Seit über 15 Jahren unterstütze ich Musikerkollegen wenn es um Probleme mit der Künstlersozialkasse geht .
      Es ist unglaublich wie viele Verwerter, Organisationen , Firmen in den letzten Jahrzehnten keinen Cent gezahlt haben . Und wer durfte dafür aufkommen ? Woher kamen all die Millionen die der KSK immer wieder fehlten und dann vom Bund zugelegt werden mussten ? RICHTIG - vom Steuerzahler . DAS IST KEIN SKANDAL - dafür fehlen mir persönlich die Worte . Aber dafür hat man kleine Tonstudios , Musikschulen , meine Bandkollegen (Bandleaderabgabe) , etc überprüft . Und dann durften wir uns noch den Streit zwischen KSK und der Deutschen Rentenanstalt ansehen ....All die Abgabepflichtigen die nie einen Cent gezahlt haben lachen sich ins Fäustchen ...

    • 04.03.2016 14:01, Advocem

      Wieso soll man als Anwalt zangsläufig von dieser Abgabe wissen? Als Anwalt ist man doch nicht zwangsläufig in jedem Rechtsgebiet bewandert. Was hat ein Anwalt im Familienrecht mit dem Sozialsystem der Künstler am Hut? Relativ wenig. Sein Steuerberater hätte das u.U. wissen können.

      Oder muss sich ein Zahnarzt jetzt auch mit dem Spezialwissen des Pferdeanwaltshinsichtlich der Zerrung des hinteren Fußes auskennen?

      Mich dünkt hier wandelt eine recht einfältige Sichtweise auf die heutige Welt mit ihren unzähligen Spezialisierungen.

  • 04.03.2016 19:50, Z

    Advocem - Sie sagen es: Mindestens der Steuerberater weiß es. Und jahrelang haben Steuerberater (ich kenne solche Fälle) ihren Mandaten gesagt: Zahl einfach mal nicht, Überprüfung ist unwahrscheinlich. Das ändert sich jetzt zum Glück.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 07.03.2016 16:58, Josef

      Dass die allermeisten Steuerberater entsprechende Kenntnisse haben, wird zutreffen. Dass diese jedoch "jahrelang ihren Mandanten gesagt haben", dass sie eine entsprechende Zahlung nicht vornehmen sollen, ist kaum glaubhaft (Einzelbeispiele aus dem vermeintlichen "Bekanntenkreis" könne hier kaum wirklich herangezogen werden; wenn doch, sollte eventuell der "Bekanntenkreis" überdacht werden).

      Kein Steuerberater wird seinem Mandaten raten, eine rechtliche geschuldete Zahlung nicht vorzunehmen, weil "eine Überprüfung unwahrscheinlich" sei. Im Übrigen unterliegen auch Steuerberater strengen berufs- und haftungsrechtlichen Regulierungen (wie auch RAe, WP usw.), die solche "Ratschläge" schnell gefährlich werden lassen und daher die allermeisten Berufsangehörigen (Ausnahmen gibt es in allen Berufsgruppen) davon Abstand nehmen lassen.

  • 06.03.2016 13:01, Kaiset

    Oh. Da muss ich wohl bald selbst mal ein paar Ansprüche anmelden, werden meine prosaischen Ergüsse doch regelmäßig vetöffentlicht. Ich werde dem nächsten Gericht mal eine Rechnung stellen, wenn die wieder zitieren.

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