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Juristenmode - Ralph Lauren: Retro-Charme für Mode­muffel

von Alexander Grau

17.02.2015

Nenn mir deine Marke, und ich nenne dir dein Fach. Bei keiner Gruppe von Studenten und Berufsträgern funktioniert dieses Spiel so zuverlässig wie bei Juristen. Aber woher kommen die ungeschriebenen Regeln des juristischen Dresscodes eigentlich? Welche geschichtlichen, geographischen und (pop-)kulturellen Einflüsse haben ihn geprägt? Anekdoten und Antworten liefert Alexander Grau.

Werter Leser. Erlauben Sie mir eine persönliche Frage? Nur so aus Neugier und wegen meiner kleinen Schwäche für Statistik: Sitzen Sie gerade in einem Ralph-Lauren-Hemd vor Ihrem Computer? Oder in einer Ralph-Lauren-Bluse, einem Ralph-Lauren-Pullover? Nicht? Wie schade. Schließlich gibt es nichts Schöneres als bestätigte Vorurteile.

Aber in Ihrem Kleiderschrank würden sich einige solche Stücke finden? Macht nichts. Zwar sind die Klamotten kein Zeichen höherer Modeambitionen, ein Hinweis auf eine chronische Geschmacksverirrung sind sie aber auch nicht. Nur eines kann man vielleicht sagen: Es gibt Originelleres, als den Polospieler auf der Brust zu tragen.

Dennoch – oder gerade deswegen – besitzen sie einen geradezu ikonischen Status. Und neben einer gewissen Wachsjacke aus South Shields am schönen Tyne gibt es wohl kein Kleidungsstück, das so sehr mit den Freunden der Jurisprudenz in Verbindung gebracht wird wie Hemden, Blusen und Pullover des New Yorker Modelabels. Wie konnte das passieren?

Ralph Lauren von damals bis heute - hier geht's zur Bildergalerie

Mode-Spin-off für Sentimentale und Konservative

Die Allgegenwart der Marke täuscht etwas darüber hinweg, dass sie eigentlich der Import einer ursprünglich recht eigenwilligen und extravaganten Mode ist. Denn was Ralph Lauren in seinen Kollektionen präsentiert, ist nichts anderes als die Kopie des klassischen Preppy-Looks der amerikanischen Ostküsten-Universitäten der 50er und 60er Jahre.

Als der spätere Modedesigner Ralph Lifshitz, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, 1967 seine erste Kollektion Krawatten auf den Markt brachte, war die Hochzeit der Preppy-Styles schon lange vorbei. Die Gesellschaft hatte sich verändert und mit ihr die Mode. Studenten demonstrierten gegen den Vietnam-Krieg, die Bürgerrechtsbewegung trieb Hunderttausende auf die Straßen, Scott McKenzie wand sich Blumen ins Haar, und auch die Beatles sagen nicht mehr "Yeah, Yeah, Yeah!", sondern brachten ihr Sgt. Pepper-Album heraus.

Kurz und gut: Als 1971 der erste Ralph-Lauren-Shop ausgerechnet in Beverly Hills eröffnete, war der dort präsentierte Ostküstenstil eigentlich ein Retro-Look, eine sentimentale Reminiszenz an die goldene Zeit Amerikas, an Jack und Jackie, an die heile Welt der 50er und frühen 60er Jahre, an das elegante Leben der Oberschicht während ihrer Sommerfrische auf Cape Cod oder Martha’s Vineyard.

Man braucht daher kein großer Psychologe zu sein, um in den Kollektionen, die der New Yorker Designer seit über 40 Jahren produziert, das Ergebnis von Tagträumen zu sehen, mit denen sich der Junge aus ärmlichen Verhältnisse in die Welt der Schönen, Etablierten und Reichen hinein fantasierte – mit dem angenehmen Nebeneffekt, inzwischen als mehrfacher Milliardär selbst zu der einst aus der Ferne verklärten Gesellschaftsschicht zu gehören.

Eine sehr amerikanische Geschichte

So gesehen ist die Geschichte von Ralph Lifshitz eine sehr amerikanische: Als Sohn eines aus Weißrussland emigrierten Anstreichers in der Bronx geboren, soll Lifshitz sich - so berichtet zumindest sein Biograph Michael Gross - sein Taschengeld schon in Jugendtagen mit dem Verkauf von Krawatten aufgemöbelt haben. Da sein Name im Englischen eher unschöne Assoziationen weckte und mitnichten glamourös wirkte, änderte er ihn im zarten Alter von 16 Jahren: Ralph Lauren war geboren.

Sein Krawattengeschäft stellte er zwischenzeitlich ein, um Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Die Theorie bekam ihm offenbar weniger gut als die Praxis: Schon bald flog er von der Universität – und heuerte nach zwei Jahren in der Army bei dem New Yorker Modehaus Brooks Brothers an. Das war 1964.

Das Haus Brooks Brothers, gegründet 1818, war schon damals eine legendäre Bastion amerikanischer Kleidungskultur (ja, die gibt es) und einer der bevorzugten Ausstatter des Ostküsten-Establishments und seines Nachwuchses. Wer in den 50er oder 60er Jahren an einer Ivy-League-Universität studierte, trug fast zwangsläufig Klamotten des New Yorker Traditionshauses.

Das Label mit dem putzigen Schaf als Logo wurde so zu einer Ikone des Preppy-Styles – und Ralph Lauren saß als Krawattenverkäufer mitten drin. In dieser günstigen Ausgangslage nutzte er seine Chance, kaufte mithilfe gepumpten Geldes Brooks Brothers die Rechte für eine der hauseigenen Marke ab und vertrieb unter diesem Label seine erste Kollektion von – richtig geraten – Krawatten.

Bald legte Lauren seine erste Herren- und kurz darauf eine Damenkollektion auf. Der endgültige Durchbruch kam jedoch, als er ein Kleidungsstück in sein Angebot aufnahm, das ein gewisser René Lacoste Anfang der 30er Jahre erfunden hatte: das Polohemd. Lauren amerikanisierte es leicht und produzierte es in 24 Farbtönen. Dass er zudem "The Great Gatsby" ausstatten durfte, trug zum Erfolg der frühen Tage maßgeblich bei.

Unkompliziert und optimistisch

Bleibt die Frage: Was hat das alles mit deutschen Juristen zu tun? Auf den ersten Blick: nichts. Doch auch in Deutschland steht Ralph Lauren für eine gewisse Exklusivität – selbst wenn dem Juristen aus Bielefeld die Ostküsten-Assoziationen fremd sind.

Vor allem aber gelingt es Lauren mit seinen Farben und seiner sehr amerikanischen Variante von Britishness ein ganz spezifisches Lebensgefühl zu vermitteln, das scheinbare Gegensätze vereinbart: Konservativismus und Optimismus, Bodenständigkeit und Eleganz, Sportlichkeit und Seriosität. Dass sich der deutsche Jurist – und natürlich auch die deutsche Juristin – genau darin wiederfindet, überrascht nicht wirklich. Und dass diesem Look ein gewisser Retro-Charme anhaftet, schadet dabei sicher auch nicht.

Hinzu kommt, dass die Kollektion von Ralph Lauren einen unzweifelhaften Vorteil hat: Sie ist wahnsinnig unkompliziert. Im Grunde lässt sich alles mit allem kombinieren. Stundenlang vor dem Kleiderschrank stehen muss man da nicht. Und das ist für praktisch veranlagte Menschen natürlich ein enormer Vorteil. Dass man damit nicht wahnsinnig originell aussieht – na, man kann eben nicht alles haben.

Zitiervorschlag

Alexander Grau, Juristenmode - Ralph Lauren: Retro-Charme für Modemuffel . In: Legal Tribune Online, 17.02.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14705/ (abgerufen am: 11.08.2020 )

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Kommentare
  • 27.02.2015 15:55, Maximilian Bähring

    und ich dachte immer der LAWSUIT [englisch] /"ROBbEd" sei aus CORD weil es sich wie COURT also GERICHT (wei in "die Institution/das Gebäude" nicht wie in "Essen") ausspricht