Nach langer Zeit der Gerüchte: Juve an NWB Verlag ver­kauft

von Tanja Podolski

22.02.2016

Der Juve Verlag hat einen neuen Eigentümer: Das deutsche Flaggschiff für Kanzleihandbücher geht vollständig an den Herner NWB Verlag über.

 

Lange war im Markt der Rumor zu vernehmen gewesen - nun ist es amtlich: Rückwirkend zum 1. Januar 2016 ist der Kölner Juve Verlag für juristische Information vollständig an den NWB Verlag verkauft worden.

Juve ist Herausgeber des jährlich erscheinenden Juve Handbuchs Wirtschaftskanzleien mit Branchenrankings und Analysen. Zudem erscheinen unter seinem Dach die Branchenzeitschriften Juve Rechtsmarkt sowie das Pendant für den österreichischen Markt – Juve Magazin Österreich – und die Zeitschriften für den juristischen Nachwuchs, azur und azur100.

Der Verlag war 1997 gegründet worden und hatte den Markteintritt mit einem sehr kleinen Team gewagt. Darunter bereits die aktuellen Geschäftsführer Dr. Astrid Gerber und Aled Griffiths, der zugleich einer der Chefredakteure ist. Sie brachten gemeinsam ein recht schmales Handbuch Wirtschaftskanzleien sowie wenige gebündelte Seiten, die seinerzeit die Zeitschrift "Rechtsmarkt" darstellten, auf den Markt. Während vor dem Bundesverfassungsgericht noch eine Klage gegen die im Handbuch veröffentlichten Kanzleirankings lief, hat der Verlag sukzessive den Markt für sich eingenommen. Inzwischen hat der Juve Verlag 51 Mitarbeiter, davon 25 in der Redaktion.

Hauptgesellschafter war zuletzt der britische Geschäftsmann Gareth Quarry, der in Deutschland auch durch die Beteiligung an dem juristischen Personalvermittler Shilton Sharpe Quarry bekannt geworden ist. Bei der Unternehmensführung von Juve ist Quarry nicht nach außen sichtbar geworden. 20 Prozent der Unternehmensanteile lagen bei den Juve-Mitarbeitern.

Digitale Strategie vorantreiben

Gemeinsames Ziel der Transaktion ist nach der Presseerklärung, die "marktführenden wirtschaftsjournalistischen Produkte im Bereich des deutschen und österreichischen Anwaltsmarktes" weiter auszubauen. "Gemeinsam werden wir den erfolgreichen Weg von Juve weitergehen und in den Sektor Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie weitere beratende Berufe expandieren. Darüber hinaus werden wir mit unserem technischen Know-how die Digitalstrategie von Juve vorantreiben", begründet Dr. Ludger Kleyboldt, geschäftsführender Gesellschafter von NWB, die Akquisition.

"Die marktführende Position unserer beiden Verlage ergänzt sich sehr gut", erklärt Dr. Astrid Gerber, Geschäftsführerin von Juve. "Der NWB Verlag ist für Juve klar die erste Wahl, weil der Verlag eine ähnlich progressive und integrative Kultur lebt. Wir freuen uns sehr auf die Expansionsmöglichkeiten, die sich nun durch die enge Zusammenarbeit von NWB und Juve ergeben."

NWB mit Sitz in Herne ist ein in dritter Generation geführter Fachverlag. Schwerpunktthemen sind Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Rechnungswesen sowie mit dem Kiehl Verlag die Bereiche kaufmännische Aus- und Weiterbildung. Mit Juve vergleichbare Publikationen hat der Verlag bisher nicht.

Das Produktportfolio von NWB besteht aus 17 Zeitschriften, einem Buchprogramm mit über 400 lieferbaren Titeln, zahlreichen Fach-Datenbanken und einem umfangreichen Digital-Portfolio. Unter dem Dach der NWB Akademie finden jährlich circa 400 Seminare, Tagungen, Inhouse-Trainings und Online-Seminare statt. Darüber hinaus gehört zum Verlag der N-Kompass, ein Online-Tool für die Planung, Umsetzung und Steuerung von Nachhaltigkeits-Projekten in mittelständischen Unternehmen, die Innovationsschmiede spirit47 in Dortmund und eine Beteiligung an der Steuerfachschule Knoll in München. Der Verlag hat rund 270 Mitarbeiter. Das Unternehmen wird von Dr. Ludger Kleyboldt, geschäftsführendem Gesellschafter, sowie den Geschäftsführern Dr. Felix Friedlaender und Mark Liedtke geführt.

tap/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Nach langer Zeit der Gerüchte: Juve an NWB Verlag verkauft. In: Legal Tribune Online, 22.02.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/18548/ (abgerufen am: 23.05.2017)

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