LAG Hamburg verneint Diskriminierung: Arbeit­geber dürfen sehr gute Eng­lisch­kennt­nisse ver­langen

03.09.2015

Sind Unternehmen in Branchen tätig, in der Englisch die herrschende Sprache ist, dürfen sie von Bewerbern beste Kenntnisse der Sprache verlangen. Eine Softwareprogrammiererin mit russischen Wurzeln sah sich diskriminiert.

 

Die Forderung eines potenziellen Arbeitgebers nach sehr guten Englischkenntnissen in einer Stellenanzeige stellt kein hinreichendes Indiz für eine Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft dar. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamburg klargestellt und damit den Antrag auf Prozesskostenhilfe einer russischstämmigen Programmiererin abgewiesen, wie welt.de berichtet (Beschl. v. 19.05.2015, Az. 5 Sa 79/14).

Die Frau hatte sich bei einem Vertreiber für Online-Computerspiele auf dessen Stellenanzeige hin beworben. Dort enthalten war u.a. die Forderung nach "sehr guten Englisch- und Deutschkenntnissen" und "sehr guten Englischkenntnissen in Wort und Schrift". Die Bewerberin hatte in ihrer Bewerbung erklärt, gut Deutsch zu sprechen und über gute Englischkenntnisse zu verfügen. Sie erhielt eine Absage und klagte.

Nachdem  ihr das Arbeitsgericht (ArbG) Hamburg eine Entschädigung nach § 15 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verweigerte, strebte sie das Berufungsverfahren an und stellte einen Antrag auf Prozesskostenhilfe beim LAG. Diesen wies das Gericht aber ab, da die Frau offensichtlich keinen Erfolg haben würde. Für Arbeitgeber, die in der IT-Branche tätig seien, sei es sachlich gerechtfertigt, von den Mitarbeitern beste Englischkenntnisse zu verlangen, befanden die Richter. Dies gelte für alle Branchen, in denen Englisch die dominierende Kommunikationssprache ist. Ein Unternehmen bewege sich damit im Rahmen der Verhältnismäßigkeit.

una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LAG Hamburg verneint Diskriminierung: Arbeitgeber dürfen sehr gute Englischkenntnisse verlangen. In: Legal Tribune Online, 03.09.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/16790/ (abgerufen am: 01.09.2016)

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Kommentare
  • 03.09.2015 11:48, Mio

    Auf die Idee muss man erstmal kommen, bei den geforderten Englischkenntnisse in einer Stellenausschreibung eine Diskriminierung zu sehen.

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    • 16.08.2016 04:23, Silke

      Diskriminierung ist leider in unserer Gesellschaft ein gravierendes Problem. Ich denke jedoch, dass es bei vielen Diskriminierungsklagen den Klägern nur um Macht und Geld geht. Hierfür sollte der Gesetzgeber und die Gerichte auch mal ein Bewusstsein bekommen.

  • 03.09.2015 14:01, Toubib

    Erinnert etwas an Galina Meister.

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  • 04.09.2015 11:34, McSchreck

    ich werde auch diskriminiert. Ich wollte bei Bayern München in der Profi-Mannschaft spielen, dort verlangte man aber, dass ich meine Fussballkünste in einem Probetraining beweise. Mir wurde unterstellt, ich sei zu langsam, technisch zu schwach und konditionell und taktisch fehlte mir auch alles, weil ich nie ein einer Profi-Mannschaft gespielt habe. Ich finde es unverschämt, dass man für eine Stelle jetzt auch noch irgendwelche Vorkenntnisse nachweisen soll. Immerhin ist es mein Traumberuf, Fußballer bei Bayern München zu sein.

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    • 07.09.2015 17:02, Bad_Cat_No1

      ... besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

  • 16.08.2016 04:39, Huhu

    Die gesamte Diskriminierungsrechtslage müsste mal gründlichst überarbeitet werden und das von Praktikern und nicht von Theoretikern.
    Oft wird halt aus einer verhinderten Diskriminierung eine unsachliche und unverhältnismäßige Bevorzugung bestimmter Personenkreise. Gleiche Rechte für Alle, aber nicht so wie es heute läuft....

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