Arbeitgeber-Rankings für Juristen: Kanzlei sucht Bewerber

von Dr. Anja Hall

10.03.2015

In Zeiten, in denen gute Mitarbeiter so schwer zu finden sind wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen, spielen Arbeitgeber-Bewertungen eine große Rolle. Je besser das Ranking einer Kanzlei, desto besser auch die Position im Wettstreit um die Top-Juristen. Ein Überblick über die bekanntesten Bestenlisten sowie die Top-Platzierten. Und den neuen Faktor Moral.

 

Die Bewerber haben den Spieß umgedreht. Waren die Kanzleien seit jeher wählerisch bei der Auswahl ihrer Anwälte, so suchen sich inzwischen auch die Berufsanfänger ihre Arbeitgeber mindestens genauso penibel aus. Hohes Gehalt, interessante Mandate, gute Aus- und Weiterbildungsprogramme und eine verträgliche Work-Life-Balance stehen auf der Wunschliste ganz oben. Wer dies im Angebot hat, dem schenken die Berufsanfänger gerne ihre Gunst.

Orientierungshilfe bei der Suche nach der Superkanzlei wollen Verlage und große Organisationen geben – mit Arbeitgeber-Rankings. Wer im Ranking weit oben platziert ist, hat auch im Rennen um die besten Mitarbeiter die Nase vorn. Rankingpositionen und Auszeichnungen als "beste Arbeitgeber" haben sich für die Kanzleien inzwischen zu einem wichtigen Marketinginstrument entwickelt.

Kanzleien im Focus-Ranking nur unter ferner liefen

In der nach eigenen Angaben größten Untersuchung Deutschlands, dem Ranking "Beste Arbeitgeber 2015", spielen Anwaltskanzleien allerdings nur eine Nebenrolle. Gemeinsam mit Xing und dem Arbeitgeberbewertungsportal kununu hat das Nachrichtenmagazin Focus die 806 besten Arbeitgeber mit mehr als 500 Mitarbeitern aus insgesamt 22 Branchen ermittelt. Die repräsentative Befragung, vom Marktforschungsinstitut Statista durchgeführt, basiert auf Urteilen von Mitarbeitern aus allen Hierarchie- und Altersstufen.

Die Befragten gaben unter anderem an, wie zufrieden sie mit dem Führungsverhalten ihres Vorgesetzten, ihren beruflichen Perspektiven, dem Gehalt sowie dem Image ihres Arbeitgebers sind. Es wurde zudem die Weiterempfehlungsbereitschaft für den eigenen Arbeitgeber sowie für andere Arbeitgeber innerhalb derselben Branche abgefragt. Insgesamt wurden über 70.000 Urteile verwendet.

Demnach ist BMW der beste deutsche Arbeitgeber über alle Branchen hinweg. Auf den Rängen 2 bis 5 folgen Audi, dm drogerie markt, Volkswagen und Sennheiser electronic.

Kanzleien sind bei Focus im Teil-Ranking "Beratung, Agenturen, Kanzleien, Forschung und Technik" zusammengefasst. Hier landete bloß eine Sozietät, nämlich Freshfields Bruckhaus Deringer, unter den Top 5. Bei den "mittleren Arbeitgebern" belegt Freshfields hinter McKinsey und vor Unternehmen wie P+Z Engineering, Invenio und Mieschke Hofmann & Partner den zweiten Platz.

Kanzlei-Rankings mit unterschiedlichen Ergebnissen

Zu den bekanntesten Arbeitgeber-Rankings der juristischen Welt zählen wohl die Trendence-Umfrage und das azur-Ranking des Juve-Verlags. Für das "Trendence Graduate Barometer 2014 Deutschlands 100 Top-Arbeitgeber Law" wurden laut Trendence von April bis Juni 2014 rund 2.400 "leistungsstarke" Jura-Studierende, Referendare und Volljuristen zum Thema Karriere und zu den für sie attraktivsten Arbeitgebern befragt. Die 100 Meistgenannten portraitiert dann der Staufenbiel-Verlag in seiner Publikation "Top-Arbeitgeber für Juristen".

Laut der aktuellen Trendence-Umfrage vom November 2014 ist das Auswärtige Amt der beliebteste Arbeitgeber für Juristen. Gefolgt von Freshfields, der Europäischen Kommission, dem Bundeskriminalamt und Hengeler Mueller auf Rang 5. BMW – laut Focus-Ranking der beste Arbeitgeber Deutschlands – ist offenbar auch bei Juristen beliebt: Der Autokonzern landet bei Trendence immerhin auf Platz 10.

Ein etwas anderes Bild ergibt das Ranking der azur-Redaktion aus dem Kölner Juve-Verlag, das Ende Februar 2015 veröffentlicht wurde. Behörden und Institutionen spielen in den vorderen Rängen der sogenannten azur-Liste keine Rolle: Auf den Plätzen 1 bis 3 liegen mit CMS, Freshfields und Linklaters drei der größten deutschen Wirtschaftskanzleien ganz vorne. Einziges Unternehmen unter den Top 5 ist – wieder einmal – BMW auf dem vierten Platz. Auf dem fünften Rang folgt Clifford Chance.

Dass die beiden Rankings so stark voneinander abweichen, liegt an der unterschiedlichen Methodik: Während das Trendence-Barometer auf einer Umfrage unter Juristen beruht, die nach ihrem Wunscharbeitgeber gefragt wurden, bemisst sich die Position auf der azur-Liste nach mehreren Faktoren: Zufriedenheit der Mitarbeiter, Aus- und Weiterbildungsangebot, Entwicklungs- und Aufstiegschancen, Familienfreundlichkeit, Arbeitsbelastung, Gehalt und Anzahl der Neueinstellungen fließen in das Ranking ein. Die Redaktion stützt sich dabei auf Angaben aus den Kanzleien selbst sowie auf eine anonyme Befragung unter Associates und Bewerbern.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Arbeitgeber-Rankings für Juristen: Kanzlei sucht Bewerber. In: Legal Tribune Online, 10.03.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/14894/ (abgerufen am: 20.07.2017)

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Kommentare
  • 25.03.2015 19:12, DomReto

    Leider wird hier nicht nachgefragt, worum es Unternehmen und Kanzleien im Zusammenhang mit der angeblichen Unternehmens-"Ethik" eigentlich geht. Es geht tatsächlich niemals um den Schutz der Schwächeren, Vermeidung angeblicher Diskriminierungen etc. Wäre das der Fall, müsste man einmal anfangen, Mitarbeiter mit Familie ernsthaft zu unterstützen. Dies ist aber natürlich nicht so en vogue wie LGBT, das angetrieben von Gender-Ideologen und finanziert auch durch unsere Steuern immer neue Blüten treibt. Nur so kann man sich einen Stonewall-Index erklären - als ob die sexuelle Orientierung im Alltag von Unternehmen und Kanzleien überhaupt ein Thema wäre! Sie wird es erst durch immer neue Initiativen dieser Art, derer sich die Kanzleien bereitwillig annehmen, um fortschrittlich dazustehen. Letztendlich ist ohnehin alles Business, soviel dürfte doch feststehen, und dass man Dinge ändert, hat mit Ethik nichts zu tun, sondern ist eine rein egoistisch getriebene Entwicklung. Dann sollte man es aber auch lassen, sich als die Good Guys zu präsentieren, auf dass unkritische Bewerber dies glauben.

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