Wissenschaftsbetrug: HRK will anonyme Plagiatsjäger zurückdrängen

von Hermann Horstkotte

08.07.2013

Der Druck auf die Wissenschaft ist nach den Promotionsskandalen von Guttenberg und anderen Polit-Promis hoch. Aufgedeckt haben die Plagiate öffentliche Internetforen wie Vroniplag. Das missfällt der HRK. Sie will, dass Unis akademisches Fehlverhalten nichtöffentlich untersuchen. Die DFG distanziert sich jetzt von dieser Forderung. Eine Protestinitiative sieht die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr.

 

Mehr als 600 Wissenschaftler haben seit voriger Woche einen Aufruf unterzeichnet,  Plagiatvorwürfe und Datenmanipulationen "allein im fachwissenschaftlichen Diskurs" zu klären statt "durch nichtöffentliche Verfahren eines in keiner Weise dazu legitimierten universitätsinternen Gremiums".  Die Unterschriftenaktion richtet sich gegen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Hinweisgeber auf mutmaßlichen Pfusch, sogenannte "Whistleblower", künftig  an amtliche Ombudsleute und offizielle Hochschulkommissionen binden und die Vorwürfe nur "höchst vertraulich" prüfen will.

Die in der Öffentlichkeit vielbeachtete Aufklärung auf privaten Internetforen wie Guttenplag oder Vroniplag  oder über das naturwissenschaftliche "Laborjournal" soll so zurückgedrängt werden, wie HRK-Präsident Horst Hippler offenherzig einräumt. Er hatte erwartet, dass auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auf ihrer Jahresversammlung vergangenen Mittwoch  die Beschlüsse der Rektoren übernehmen würde. Die DFG fördert die deutschen Hochschulen mit jährlich mehr als zwei Millionen Euro und hat für Missbrauchsfälle eine eigene Verfahrensordnung. Jedoch will sie, anders als die HRK, Whistleblower nicht unbedingt auf Vertraulichkeit und Dienstgeheimnis verpflichten.

Juraprofessor: Schweigepflicht widerspricht wissenschaftlichem Publizitätsgebot

Die HRK-Position dreht sich im Wesentlichen um zwei Sätze: Die erforderliche "Vertraulichkeit ist nicht gegeben, wenn sich der Hinweisgeber mit seinem Verdacht an die Öffentlichkeit wendet. In diesem Fall verstößt er regelmäßig selbst gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis."

Der Berliner Rechtsprofessor Gerhard Dannemann, der selbst kein Hehl daraus macht, bei Vroniplag aktiv zu sein*, etwa hält dagegen: "Wenn das Schweigen zur besagten guten Praxis und damit den Berufspflichten des Forschers gehören soll, dann riskiert er mit dem Gang in die Öffentlichkeit dienst- oder arbeitsrechtliche Nachteile, je nachdem auch sein Antragsrecht auf finanzielle Förderung." Eine solche Schweigepflicht widerspreche dem Publizitätsgebot in der Wissenschaft.

Zwar hält auch die DFG im Ombudsverfahren an der Vertraulichkeit fest. Ein Verstoß dagegen, erläutert ihr Pressesprecher, sei genau genommen ein "prozedurales" Fehlverhalten, aber nicht als Verstoß gegen die eigenen Methoden wissenschaftlicher Praxis zu verfolgen. Anders als die HRK stellt die DFG ferner ausdrücklich klar: Von den speziellen Ombudsregularien "bleiben die übrigen Formen der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle und Urteilsbildung unberührt", beispielsweise die Plagiatsdokumentationen auf Internetforen. Deren Autoren sind durchweg anonym. Ob die Hochschulen solche Hinweise selber aufgreifen sollen, sei im Einzelfall "abzuwägen". Nach allen Erfahrungen etwa mit plagiierten  Doktorarbeiten können  sich die Universitäten  öffentlichen Hinweisen aber nicht entziehen.

Internes Ombudsverfahren soll Selbstkontrolle verbessern

Wie der HRK-Präsident spricht auch die Generalsekretärin der DFG, Dorothee Dzwonnek, vom Druck der Medien und Politik, nach den Promotionsskandalen von Guttenberg und anderen Polit-Promis die Selbstkontrolle der Wissenschaften zu verbessern. "Für uns ist klar, dass wir auch weiter selbst das Heft in der Hand halten müssen." Das hochschulinterne Ombudsverfahren gilt als das Instrument dafür. Es ist freilich nur ein Schlichtungsversuch bei freiwilligem Mittun des Betroffenen.

Weitergehende Kritik dürfen Hochschulkommissionen nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts an einem Forscher erst dann üben, wenn er die grundgesetzlich verbürgte Freiheit der Wissenschaft "zweifelsfrei" missbraucht hat "und seine Arbeit nicht als ernsthafter Versuch zur Ermittlung von Wahrheit angesehen werden kann". Gerade beim statistischen Umgang mit Messdaten und ihrer bildlichen Darstellung ist die rote Linie zwischen dummen Fehlern und vorsätzlicher Täuschung  schwer zu ziehen. So waren etwa für eine Tübinger Kommission "auch unter Hinzuziehung fachkundiger Personen" 2011 "die Grenzen zwischen zulässigen Bildbearbeitungen und unzulässigen nicht zu erkennen". Im Falle einer Missbilligung steht jedem Betroffenen der Rechtsweg offen.

Nur eine Minderheit der deutschen Gelehrten wünscht sich ein Office of Research Integrity nach US-amerikanischem Vorbild, das Fehlverhalten unter Klarnamen der Täter öffentlich macht. Die Hoffnung dabei ist: Nichts macht mehr Angst vor einem Karriereknick als der drohende Verlust der Vertraulichkeit.

* Anm. d. Red.: Der Zusatz, dass Professor Dannemann selbst bei Vroniplag aktiv ist, wurde nachträglich eingefügt am 10.07.2013 um 9:30 Uhr. Wir danken für den Hinweis eines Lesers!

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Wissenschaftsbetrug: HRK will anonyme Plagiatsjäger zurückdrängen . In: Legal Tribune Online, 08.07.2013, http://www.lto.de/persistent/a_id/9097/ (abgerufen am: 27.06.2016)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.07.2013 16:31, FF

    Zu diesem Thema ist auch der schöne Blog von B. Lahusen zu empfehlen: http://www.mops-block.de/bl-tagebuch/225-gute-wissenschaftliche-praxis.html.

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  • 08.07.2013 23:48, Filippo Marcese

    "Juraprofessor: Schweigepflicht widerspricht wissenschaftlichem Publizitätsgebot" - ersetze "Juraprofessor" durch "Vroniplag-Aktivist"!

    Es ist doch hinlänglich bekannt, dass Prof Danemann bei Vroniplag "Plagprof" ist. Das wird in diesem Artikel irgendwie nicht klar, ist aber meiner Meinung nach eine sehr wichtige Information. Denn es macht schon einen Unterschied, ob ein vermeintlich neutraler/externer/nicht-involvierter Juraprofessor etwas geäußert hat oder ein Direkt-Betroffener, der um die Weiterexistenz "seines" Internet-Projekts fürchten muss.

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  • 09.07.2013 09:24, Hermann Horstkotte

    Zu Filippo Marcese: Juraprof und "Vroniplag-Aktivist" - in der wiss. Community schließt das eine das andere bezeichnenderweise gerade nicth aus!

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    • 11.07.2013 02:03, St. Ivo

      @ Horstkotte: Guter wissenschaftlicher Praxis entspricht es, eine etwaige persönliche "Nähebeziehung" zum Gegenstand der Betrachtung offenzulegen, um dem Leser ein eigenes Urteil über den Grad der möglichen Voreingenommenheit zu ermöglichen. Dannemann versäumt dies regelmäßig, wenn er sich zu einschlägigen Fragen äußert. Das kann man kritisieren und muss es sogar. Mehr hat dagegen auch hier niemand bemängelt, insbesondere nicht die prinzipielle Unvereinbarkeit beider Rollen behauptet.

  • 09.07.2013 10:15, Martin Klicken

    @Filippo Marcese: Ihnen fällt es also auch schwer, die Aussage für sich zu bewerten. Es scheint Ihnen leichter zu fallen, über diffuse Vermutungen und unbelegte, rein spekulative Motivlagen ins Nachdenken zu geraten, als über den Inhalt einer einfachen Aussage.

    Weil es nicht nur Ihnen schwer fällt, sich nicht sofort auf die Person einzuschießen, gibt es die Möglichkeit, bestimmte Dinge anonym anzumerken.

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  • 09.07.2013 11:04, Denis Basak

    Mal jenseits der zitierten Personen (Prof. Fischer-Lescano in Bremen hat sich ganz ähnlich geäußert, hat aber meines Wissens nichts persönlich mit VroniPlag zu tun): Bemerkenswert ist doch die aufgezeigte Diskrepanz zwischen HRK und DFG. Diese wird auch deutlich in einem Interview mit dem DFG-Präsident Prof. Strhschneider [http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/2170176/]. Problematisch ist daran, dass die HRK die Hochschulleitungen repräsentiert und damit für die allermeisten Wissenschaftler die Arbeitgeberseite. Die dort formulierten Anforderungen, die zumindest so verstanden werden können, dass jede Veröffentlichung von Kritik an wissenschaftlichem Fehlverhalten vor Einschaltung des Ombudsgremiums selbst ein Verstoß gegen gute wissenschaftliche Praxis (und damit auch eine potentiell zu sanktionierende Dienstpflichtverletzung für Hochschulangestellte) sei. Dies würde sogar unter eigener Namensnennung veröffentlichte kritische Rezensionen betreffen [http://www.mops-block.de/bl-tagebuch/225-gute-wissenschaftliche-praxis.html] und wäre m.E. ein klarer Verstoß gegen Art. 5 Abs. 3 GG. Aber auch eine Dokumentation von Textvergleichen wie auf VroniPlag Wiki darf in einer an Inhalten orientierten wissenschaftlichen Debatte nicht pönalisiert werden. Die öffentliche wie die wissenschaftsinterne Diskussion dazu läuft - und wie die nun publik gemachte Haltung der DFG zeigt vielleicht auch in die aus meiner Sicht einzig richtige Richtung.
    P.S.: Weil das hier immer mal wieder hochkommt: Ja, auch ich habe bei VroniPlag Wiki schon mitgearbeitet, betrachte das Geschehen dort aber nun seit einiger Zeit vom Spielfeldrand. Das hat mit den hier geäußerten Inhalten aber erst einmal nichts zu tun.

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  • 09.07.2013 11:47, Hermann Horstkotte

    Definieren statt problematisieren: Der DFG-Präsident, ein gelernter Philologe, sucht die von der HRK verfügte Schweigepflicht der "Hinweisgeber (Whistleblower)" nachträglich durch eine Umdefinition des englischen Leitworts zu relativieren: "Whistleblower sind nur solche, die Vorwürfe erheben im Rahmen eines Ombudsverfahrens, sonst sind es Kritiker" (http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/2170176/).
    Erörterungen durch Definitionen zu neutralisieren, ist aber ein bloßer Trick: "jenen eigentümlich, die keinen Raum zum Streit übrig lassen“ wollen wie schon Thomas Hobbes bemerkte.

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  • 09.07.2013 14:08, Hermann Horstkotte

    "Eingriffe setzen Erforderlichkeit voraus" ist ein Topos im Grundrechtsbereich (Gerhard Struck), also auch für die Wissenschaftsfreiheit.Es ist klar, dass die Universitäten /Fakultäten etwa bei Promotionen mit plagiierten Doktorarbeiten selber eingreifen, den begündtigenden Verwaltungsakt der Graduierung zurücknehmen müssen. Im Unterschied dazu erscheint es nicht erfoderlich, dass Hochschulen /Fachbereiche als Behörde über die Qualität von Beiträgen grübeln, die nicht Examensleistungen sind.
    Sollten die weitreichenden HRK-Vorstellungen wirklich praktisch umgesetzt werden, würde schenll klar, wie überfordert stets ehrenamtliche Ombudsleute und nebenamtliche Kommissionsmitglieder damit schon rein zeitlich wären. Neben dem im Art. erwähnten Tübinger Fall spricht dafür etwa eine ganze Kette von Streitereien an der Charité /Universitätsmedizin Berlin, die gleichzeitig in der Fachliteratur und anderen Medien durchgenommen werden.

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  • 10.07.2013 00:04, JBK

    Wohin sollen diese interne Ombudsverfahren führen? Schon heute versuchen die Hochschulen doch Plagiatsvorwürfe zu vertuschen. Ein Paradebeispiel ist dieses hier: http://erbloggtes.wordpress.com/2011/05/21/plagiatsvertuschung-an-der-htw-berlin/
    Wenn sich die HRK-Position durchsetzt, wird es an jeder Hochschule so zugehen wie an der HTW Berlin. Dies muss bekämpft werden!

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  • 10.07.2013 08:15, Hermann Horstkotte

    Ergänzend zu JBK´s vorstehendem Hinweis auf den Plagiatfall an der HTW Berlin:
    Die Gerichtsentscheidung dazu unter http://www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/?quelle=jlink&docid=JURE120023553&psml=sammlung.psml&max=true&bs=10

    Auf Nachfrage teilte die Sprecherin der HTW am 5. Juli 2013 mit:
    "Ja, die HTW Berlin hat seinerzeit, das heißt im September 2010, ein
    Disziplinarverfahren gegen den betreffenden Professor eingeleitet. Es
    endete im Februar 2011 mit einer Disziplinarmaßnahme.
    In den Ausführungen des Gerichts in dem Urtei heißt es ja auch wörtlich:
    „Die Hochschule leitete gegen den Professor im September 2010 wegen
    dieses Vorfalls ein Disziplinarverfahren ein, was schließlich mit der
    Verhängung eines Verweises endete.“Ein Verweis ist die einfachste Form einer Disziplinarmaßnahme.
    Die HTW Berlin hat den Fall übrigens auch auf ihrer damaligen Webseite
    recht ausführlich kommuniziert: http://web.archive.org/web/20110526171617/http://www.htw-berlin.de/Aktuelles/news.html?path=/current/768136d:12ffe6f3808:5129."

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  • 10.07.2013 08:22, Hermann Horstkotte

    DRUCKFEHLERKORREKTUR: Die vorstehend zitierte Auskunft der HTW-Sprecherin datiert vom 5. JUNI 2013 und nicht vom 5. Juli.

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  • 10.07.2013 09:51, Hermann Horstkotte

    DFG LEGT NACH: In einer Pressemitteilung vom 10.d.M. : http://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2013/pressemitteilung_nr_29/index.html
    stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft ihre Position zur Vertraulichkeit - nur bei Ombudsverfahren - und Öfffentlichkeit auf allen anderen Wegen von der Rezension bis zu Internetforen, wie bereits im vorliegenden Art. dargestellt, nochmals klar.
    Unter anderem heißt es in der Pressemitteilung, die einer weniger differenzierten Medienberichterstattung begegnen will: "Hinweise auf vermutetes wissenschaftliches Fehlverhalten im Rahmen von Ombudsverfahren und die anderen Formen wissenschaftlicher Selbstkontrolle unterscheiden sich und sind komplementär.
    Die Wirksamkeit der genannten anderen Formen der wissenschaftlichen Selbstkontrolle und Urteilsbildung beruht gerade auf dem Prinzip von Öffentlichkeit."
    Die Hochschulrektorenkonferenz überlegt derzeit in ihrem Präsidium, ob sie sich zum Thema jetzt ebenfalls nochmals äußern soll, sagt ihre Sprecherin.

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  • 10.07.2013 11:24, Hermann Horstkotte

    @ Filippo Marcese: Hier soll dahingestellt bleiben, ob eine Sacherörterung mit Pro- und Contra-Argumenten durch Hinweise ad personam gefördert werden kann oder vernebelt wird. Im Anschluss an die vorstehende Pressemitteilung der DFG erscheint allerdins die Annahme grundlos, dass Prof. Dr. Dannemann "um die Weiterexistenz "seines" Internet-Projekts fürchten muss."
    Im übrien gibt es in der Diskussion um die HRK-/DFG-Empfehlungen der Natur der Sache nach keinen "neutralen/externen/nicht-involvierten Juraprofessor", da sie alle im Hochschuldienst stehen.

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  • 10.07.2013 12:02, Gerhard Dannemann

    Richtig ist, dass ich im VroniPlag Wiki mitarbeite und das vor gut zwei Jahren auch öffentlich gemacht habe.

    Falsch ist der Eindruck, dass VroniPlag mein Internet-Projekt sein könnte. Mit der Gründung von VroniPlag habe ich definitiv nichts zu tun.

    Ich sehe nicht, wie die DFG-Empfehlungen die Existenz von VroniPlag bedrohen könnten. Nach den klaren Äußerungen des DFG-Präsidenten sehe ich auch keinen Konflikt zwischen der gegenwärtigen Form der Plagiatsdokumentation auf VroniPlag und den neuen DFG-Empfehlungen.

    Ich würde mich freuen, wenn die HRK sich zu einer ähnlichen Klarstellung entschließen könnte. Denn die HRK-Empfehlung lässt sich zumindest mit etwas Böswilligkeit schon so lesen, dass öffentliche Plagiatsdokumentation grundsätzlich einen Verstoß´gegen die gute wissenschaftliche Praxis darstellen soll, wenn nicht zuvor der betroffenen Universität die Gelegenheit gegeben wurde, unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber zu befinden.

    Ansonsten bemühe ich mich, meine Aussagen nicht davon abhängig zu machen, ob ich als HU-Professor oder als VroniPlag-Mitarbeiter befragt werde. Ich hoffe, dass meine Kommentare für sich selbst sprechen können. Und Herr Horstkotte hat natürlich recht, dass ich auch in der ersten Funktion nicht unvoreingenommen bin.

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  • 11.07.2013 15:16, Hermann Horstkotte

    VERTRAULICHKEIT: Dass die von der HRK geforderte "höchste Vertraulichkeit" durch Verantwortliche der Hochschulkommission selbst verletzt wird, zeigt ein aktuelles Beispiel an der Charité /Universitätsmedizin Berlin: siehe (meinen) Leserkommentar 134 auf http://www.zeit.de/studium/hochschule/2013-06/charite-faelschung-urteil-savaskan?commentstart=129#comments. Die amtliche Aufzeichnung einer Kommissionssitzung landete auf Youtube.

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  • 12.07.2013 11:01, MHR

    Das Hauptproblem bei vroniplag u.a. liegt meines Erachtens darin, dass dort fachfremde Dritte (mit welcher Qualifikation auch immer) Dissertationen auch aus Fachgebieten "prüfen", deren Besonderheiten ihnen offensichtlich fremd sind. Wenn ich dort bspw. den Vorwurf lese, dass Autoren juristischer Arbeiten Zitate nicht wörtlich und nicht in Anführungszeichen wiedergegeben hätten, kann ich mich nur wundern - wörtliche Zitate in Anführungszeichen sind in juristischen Arbeiten eher ungewöhnlich und nicht gerne gesehen. Auch werden allbekannte Selbstverständlichkeiten in juristischen Arbeiten grds. nicht zitiert - auch wenn irgend jemand einmal etwas darüber geschrieben haben sollte. Geisteswissenschaftler, deren Geschäft hauptsächlich darin besteht, Selbstverständlichkeiten möglichst kompliziert auszudrücken um aus ihnen einen "wissenschaftlichen" Mehrwert zu generieren, mögen das anders sehen - aber sie sollen doch bitte die Juristen mit derartigen Albernheiten in Ruhe lassen und sich mit sich selbst beschäftigen!

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    • 12.07.2013 16:15, Gerhard Dannemann

      @MHR: Bei VroniPlag arbeiten mindestens vier Rechtswissenschaftler mit. Ich kann mich auch an keine rechtswissenschaftliche Doktorarbeit erinnern, in der keine Anführungszeichen vorkommen. Zumindest alle im VroniPlag Wiki dokumentierten juristischen Arbeiten verwenden sie. Leider oft nicht dort, wo sie erforderlich gewesen wären.

      Tasächlich ist in der Rechtswissenschaft die wenig hilfreiche Praxis verbreitet, bei der Wiedergabe von Gesetzestexten und Rechtsprechung nicht zu kennzeichnen, was so wörtlich im Gesetz bzw. Urteil steht. Das wird aber bei der Dokumentation berücksichtigt.

      Wer dennoch der Ansicht ist, dass im VroniPlag Wiki rechtswissenschaftliche Arbeiten durchweg nicht genügend nach rechtswissenschaftlichen Kriterien beurteilt werden, möge bitte diese Kritik anhand der Dokumentation im Fall Rm - http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Rm - belegen.

    • 13.07.2013 13:54, Roland Schimmel

      @MHR: Das ist ein bedenkenswerter Punkt - und dieser Einwand gegen Plagiatsdokumentationswikis wird ja immer mal wieder vorgebracht. Man kann Ihre Überlegung aber auch in eine andere Richtung weiterdenken, nämlich: Wenn es einem anonymen und unklar qualifizierten Schwarm gelingt, ein paar Dutzend Doktorarbeiten unterschiedlichster fachlicher Herkunft so zu untersuchen, daß die jeweiligen Fachbereiche/Universitäten überwiegend ein wissenschaftliches Fehlverhalten der Verfasser rügen (und nicht selten den verliehenen akademischen Grad aberkennen), ist die Einschätzung dieses Schwarms doch (besorgniserregend?) treffsicher. So lange für die rechtlich verbindliche Entscheidung die Unis zuständig bleiben, ist dagegen unter solchen Umständen wenig einzuwenden - oder?

  • 12.07.2013 12:52, Hermann Horstkotte

    @MHR: Dass nur jemand, der "für das einschlägie Fachgebiet der Doktorarbeit ausgewiesen ist", über einen Plagiatsverdacht urteilen kann, hat etwa schon der emeritierte Hamburer Rechtsprofessor Klaus-Peter Martens in einem Leserbreif der FAZ vom 15.2.13 postuliert. Demgegenüber könne jedermann höchstens "Erbsen zählen". Martens weiter: "Erst wenn der erkenntnisrelevante Kernbereich der Doktorarbeit durch ein Plagiat berührt wird, ist von einer Täuschungsabsicht auszugehen." Für diese Theorie ibt es einen Praxistest: Die Juristenfakultät der Hamburger Uni hat gegen Martens´ Vorstellungen über Zitierweisen und Plagiate den Doktorgrad für eine von Martens betreute Dissertation nachträglicvh aberkennt. Diese Sache ist noch rechtsstreitig, zeigt allerdins, dass selbst unter Juristen die korrekte Zitierweise strittig ist. Siehe im übrigen Rieble, MyOps 10/2010, S. 55ff

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  • 14.07.2013 11:40, Hermann Horstkotte

    ERGÄNZEND zum vorstehenden Kommentar:
    Der Myops-Art. von Volker Rieble, Noch´n Plagiat,ist auch via Intzernet zugänglich: www.zaar.uni-muenchen.de/pub/vr2010-5.pdf; s. neuerdings auch dens., Erscheinungsformen des Plagiats, in : Th.Dreyer /Ohly (Hgg.), Plagiate, 20113, 31-50.

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  • 14.07.2013 11:44, Hermann Horstkotte

    ERGÄNZEND zum vorsterhenden Kommentar. Der Aufsatz von Volker Rieble in Myops: "Noch´Plagiat", ist auch im Netz zugänglich: http://www.zaar.uni-muenchen.de/pub/vr2010-5.pdf

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  • 14.07.2013 11:46, Hermann Horstkotte

    ERGÄNZEND zum vorstehenden Kommentar: Der Aufsatz von Volker Rieble in Myops: "Noch´Plagiat", ist auch im Netz zugänglich: http://www.zaar.uni-muenchen.de/pub/vr2010-5.pdf

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  • 14.07.2013 11:57, Hermann Horstkotte

    ERGÄNZEND zu voranstehenden Kommentar:
    Der Myops-Aufsatz von Volker Rieble, Noch´n Plagiat, ist auch im Netz zugänglich: http://www.zaar.uni-muenchen.de/pub/vr2010-5.pdf

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  • 14.07.2013 19:57, G. Tolkiehn

    Nur eine Ergänzung: Mit ihrer Denkschrift von 1998 "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" (http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf ) ist die DFG noch erheblich weiter gegangen als in ihrer hier zitierten, nur internen "Verfahrensrichtlinie...". Sie legte bereits damals allen Hochschulleitungen die verbindliche Einführung eigener Regeln guter wissenschaftlicher Praxis im Sinne dieser, stellenweise sehr detaillierten Denkschrift nahe. In diesem ist u.a. auch bereits explizit das das jetzt problematisierte Vertraulichkeitsgebot enthalten (so heißt es u.a. auf Seite 15 in den Erläuterungen zur Empfehlung 8 in Buchstabe d: "Bis zum Nachweis eines schuldhaften Fehlverhaltens sind die Angaben über die Beteiligten des Verfahrens und die bisherigen Erkenntnisse streng vertraulich zu behandeln.").

    Soweit Hochschulleitungen diesem Vorschlag der DFG gefolgt sind und mit ihren Untergebenen derlei Verhaltensregeln vereinbart haben, wären die aktuell beanstandeten beiden Sätze im HRK-Papier ("Die Vertraulichkeit ist nicht gegeben, wenn sich der Hinweisgeber mit seinem Verdacht an die Öffentlichkeit wendet. In diesem Fall verstößt er regelmäßig selbst gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis") nur Ausdruck einer logischen Konsequenz.

    Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Hochschulen solche, der o.g. DFG-Denkschrift in diesem Punkt entsprechenden Verhaltensregeln bereits verbindlich eingeführt haben.

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  • 14.07.2013 20:39, www.carta.info

    www.carta.info verlinkt auf diesen Artikel mit folgendem Linktext:
    8. Juli 2013

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  • 15.07.2013 09:47, Hermann Horstkotte

    @ G. Tolkiehn: Wie unrealistisch das Schweigegebot für den Hinweisgeber während eines amtl. Ombudsverfahrens ist, zeigt der Fall Gumm /Denecke: Der Marburger Mathematier Gumm warf auf der Internetseite seines Instituts, also der Uni, dem Potsdamer Kollegen Plagiat vor: http://www.zeit.de/studium/hochschule/2010-05/mathematik-plagiate?commentstart=25#comments.
    Monate später kam der Potsdamer Uni-Rektor zum gleichen Ergebnis (http://www.pnn.de/campus/549282/) - da war das Buch mittlerweile vom Markt und der Plagiatfall in der Fachwelt längst geklärt.

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  • 15.07.2013 23:49, Gereon

    @Gerhard Dannemann: "Bei VroniPlag arbeiten mindestens vier Rechtswissenschaftler mit."

    Kann man sich da sicher sein? Behaupten nicht vielleicht einfach nur vier Pseudonyme, Rechtswissenschaftler zu sein? Sind dies nicht vielleicht einfach nur vier Zweitsemester, die mit "stud.iur." unterschreiben und sich als "Rechtswissenschaftler" deklarieren? Oder sind es vielleicht vier Taxifahrer, die im Jura-Studium gescheitert sind? Oder sind es vielleicht vier BWLer, die zwei-drei Jura-Vorlesungen (BGB-AT etc.) gehört haben und damit meinen, bereits alles Wichtige über Rechtswissenschaft zu wissen?

    Man weiß es nicht. Aber woran liegt es? Weil Vroniplag mit Pseudonymen arbeitet und die wahren Identitäten nicht offenlegt. Daher wird Vroniplag immer mit solchen Vorwürfen und Mutmaßungen ("Vroniplag - alles nur Spinner und gescheiterte Studenten.") leben müssen. Würde es daher aber nicht gerade der Seriösität von Vroniplag gut zu Gesicht stehen, wenn vier "richtige" Rechtswissenschaftler sich zu Vroniplag bekennen würden und diesem damit mehr Autortät verleihen? Daher meine Idee: Klarnamen nennen und damit endgültig allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

    Aber dann wäre die Forderung der HRK ja gar kein Widerspruch mehr zu den Interessen von Vroniplag?

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