Immer mehr Wohnungseinbruchdiebstähle: Im verzweifelten Kampf gegen die Einbrecherbanden

von Henning Hofmann und Ass. jur. Florian Albrecht

27.04.2015

Alle drei Minuten wird in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen. Während die Politik ihr eigenes Totalversagen auf dem Gebiet der Straftatenaufklärung ausblendet, bagatellisiert sie die Konsequenzen eines Delikts, das seine Opfer enorm belastet, meinen Florian Albrecht und Henning Hofmann. Sie fordern nicht nur solide Polizeiarbeit, sondern halten auch Bürgerwehren für eine Option.

 

Bis Sie diesen Artikel zu Ende gelesen haben, ist schon mindestens ein weiterer Einbruch in eine Wohnung in Deutschland geschehen. Eine Verurteilung, das belegen Studien, ziehen nur ca. ein bis zwei Prozent der polizeilich registrierten Wohnungseinbruchdiebstähle nach sich. Hinzu kommt das Dunkelfeld der Taten, die überhaupt nicht gemeldet werden.

Der Wohnungseinbruch ist ein lukrativer Aktionsbereich, der sich für die Täter lohnt. Das Entdeckungsrisiko ist gering, und wird man doch einmal erwischt, nutzt man die Haft als „Ruhepause mit Fortbildungscharakter“ (so beschrieben von Thomas Feltes und Frank Kawelovski).

Die aus Kreisen der Großen Koalition verlautbarte Forderung nach einer Strafverschärfung erscheint da wie hilfloser Aktionismus. Was sollte eine höhere Strafe bewirken, wenn überhaupt niemanden erwischt wird, den man bestrafen könnte. Einbrecherbanden werden sich zudem von Strafandrohungen und Haftszenarien kaum beeindrucken lassen. Einbruchsprävention und die Aufklärung von Straftaten würden vertiefte Kenntnisse über die Täter und deren Hintermänner, die Tatmodalitäten und ihre Ursachen voraussetzen. Aussagekräftige Forschungsvorhaben sind aber Mangelware.

Einem sicherheitspolitischen Offenbarungseid kommt der Verweis auf Selbstschutzmaßnahmen der Bürger gleich. Während Polizei und Sicherheitsbehörden immer mehr Eingriffsbefugnisse auf dem Gebiet der Datenverarbeitung fordern (gemeinsame oder vernetzte Datenbanken, Vorratsdatenspeicherung usw.) und nicht nur im Umgang mit Rockern Symbolpolitik betreiben, wollen sie die Begegnung mit der realen Kriminalität der Eigeninitiative mit den Kriminellen allein gelassener Bürger überlassen. Der Bürger soll sich auf einem Gebiet schützen, auf dem der Staat versagt hat. Sieht so moderne Polizeiarbeit aus?

Gern bagatellisiert: dramatische Folgen auf Opferseite

Auch die etwa von Reinhold Gall (SPD), dem Innenminister von Baden-Württemberg vorgenommene Zuweisung der Wohnungseinbruchdiebstähle zur Armutskriminalität wirft kein gutes Licht auf dessen Problembewusstsein. Auf vergleichsweise harmlose Delikte wie den Laden- und Taschendiebstahl Bezug zu nehmen und damit ein für Betroffene stark belastendes Phänomen zu bagatellisieren, wird den gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen des Wohnungseinbruchdiebstahls nicht gerecht.

Empirische Studien haben belegt, dass das Kriminalitätsphänomen hinsichtlich seiner Auswirkungen für die Betroffenen als besonders dramatisch eingestuft werden muss. Helen Behn und Thomas Feltes weisen etwa darauf hin, dass neben den materiellen Schäden auch der mit dem Wohnungseinbruch einhergehende Eingriff in die Privatsphäre zu dauerhaften psychischen Belastungen führen kann. Nicht selten führt das dazu, dass die Opfer das betroffene Haus oder die betroffene Wohnung aufgeben müssen. Schwerer wiegende Folgen sind - abseits der Sexualdelikte - kaum vorstellbar.

Die Betroffenen müssen es vor diesem Hintergrund als blanken Hohn empfinden, wenn die Politik sie auf ein existierendes Wohlstandsgefälle verweist, das mittels der Delikte eben ausgeglichen werde und gegen das man sich am besten selbst schützen solle.

Bürgerpatrouillen können für zusätzliche Sicherheit sorgen

Angesichts ihrer eigenen augenscheinlichen Hilflosigkeit darf es die politisch Verantwortlichen aber nicht verwundern, dass Bürger zunehmend die Gründung von Bürgerwehren und –patrouillen als Option wahrnehmen.

Wer fordert, man möge das Gewaltmonopol doch bitte beim Staat belassen, übersieht, dass diesem die Staats- und Polizeigewalt im Rahmen eines Verzichts seitens der Bürger zu treuen Händen übertragen wurden. Das Gewaltmonopol soll den Bürger vor Übergriffen anderer schützen und ein möglichst angstfreies Miteinander ermöglichen. Dieser Vertragsgrundlage wird durch die Hilf- und Tatenlosigkeit der Polizei aber entscheidend in Frage gestellt.

Andere Länder wie die Schweiz blicken zudem auf sehr positive Erfahrungen mit Bürgerpatrouillen zurück. Die Einrichtung solcher Wachdienste in Nachbarschaften und Kommunen sollte mithin erprobt und im Falle einer Bewährung auch staatlich gefördert werden. Die durch nichts zu rechtfertigende Angst der Politik vor dem handelnden Bürger muss im Interesse der Sache durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Staat und Privaten ersetzt werden.

Zitiervorschlag

Florian Albrecht, Immer mehr Wohnungseinbruchdiebstähle: Im verzweifelten Kampf gegen die Einbrecherbanden. In: Legal Tribune Online, 27.04.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/15363/ (abgerufen am: 23.07.2016)

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Kommentare
  • 27.04.2015 18:56, Urlfilter

    Das Problem Einbrüche ist ein sehr umfassendes Thema. Wie bereits festgestellt, geht es ohne die Einbindung der Bürger nicht. In Bayern gibt oder gab es des Präventiosprogramm "Aufmerksamer Nachbar". Damit soll die Nachbarschaft ermuntert werden, auch eine Auge auf dessen Eigentum zu haben. Leider gibt es einige Entwicklungen, die dieses Programm nicht so richtig greifen lassen.
    1. Zwischenzeitlich sind die meisten Nachbarn auch in der Arbeit. Die Hausfrau gibt es in vielen Bereichen nicht mehr. 2. Teilweise hat die Nachbarschaft auch nicht mehr den Stellenwert wie früher. 3. Zum anderen gibt es Häuser, die sich hinter hohen Hecken verstecken und dem Einbrechern die Arbeit erleichtern oder offene Häuser, die dem Einbrecher schon von weitem ermöglichen, seine künftige Beute abzuschätzen.
    Predictive Policing ist ja nichts Neues. In der analogen Welt heißt das Teil Steckkarte. Und bei Betrachtung von Steckkarten über Jahre konnte man schon sagen, wo die Täter bevorzugt Beute suche. Nach meiner Meinung kann die Software in der Basisausführung auch nicht mehr, aber dazu fehlen mir zwischenzeitlich die Detailkenntnisse.
    Die Bürgerbeteiligung ist notwendig, da die Polizei das nie alleine schaffen kann. Jeder der etwas Einblick in die Personalstärken und die zugewiesen Dienstbereiche hat, wird zu keinem anderen Ergebnis kommen. Wie soll die Bürgerbeteiligung aussehen? Nach meiner Meinung sollten die Nachbarn wieder eine gute Nachbarschaft pflegen. Notwendig ist auch mit offenen Augen durch das eigene Viertel zu gehen und Auffälligkeiten zu notieren und evtl. sofort die Polizei zu melden. Manche verweigern ja schon fast die Zusammenarbeit mit der Polizei oder haben Angst als Blockwart verschrieen zu werden. Dies sollte der Anfang einer Zusammenarbeit mit der Polizei werden. Ob die Notwendig Streifen zu organisieren besteht, ist im Einzelfall zu entscheiden.

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  • 01.05.2015 09:34, Rohanseat

    leidr fehlen mir angben woher die täter denn so kommen.-Aus zeitungsmeldungen ist zu erfahren das es sich oft um gruppentäter die aus dem ausland operieren handelt..-so wie ich erlesen habe sind die grenzbereiche zum nachbarland und der bereich von schnell ereichbaren autobahnen besonders gefährdet.
    Leider bleibt da nur die frage wann die grenzen wieder eingeführt werden. Ich möchte da keinem bürger eines nachbarlandes nahe treten denn die täter kommen sehr oft aus aus einem anderen land und benutzen das betreffende land nur als -diebes basis lager-.-Mir ist klar das diese forderung den politikern nicht schmeckt.Aber wenn die länder Rumänien, Bulgarien und später Kroatien und womöglich noch Kosovo, Albanien in den schengenraum einbezogen werden >dann gute nacht europa>.Das sind hochburgen der kriminalität.
    -Auch wenn die außengrenzen bewacht werden so ist das nur eine farce.Für eine summe XX läuft alles über die grenze und das tor nach Europa ist weit geöffnet; natürlich auch für den rückweg..-Das wird aber geflissentlich verschwiegen.Unter dem mantel -EU- träumen die politiker und die polizei wird als unfähig bezeichnet was absolut nicht stimmt.
    Geräte zur überwachung /geliefert von der EU/ kommen zwar an die grenze nur in dem raum wo sie ankommen bleiben sie auch bis sie verschimmelt sind.
    Da helfen wohl auch kaum noch bürger wehren.

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  • 01.05.2015 13:44, Eric Idle

    01.05.2015 09:34
    Leider fehlen mir Angaben, woher die Täter denn so kommen. Aus Zeitungsmeldungen ist zu erfahren, dass es sich oft um Gruppentäter, die aus dem Ausland operieren, handelt. So wie ich erlesen habe, sind die Grenzbereiche zum Nachbarland und der Bereich von schnell erreichbaren Autobahnen besonders gefährdet.

    Leider bleibt da nur die Frage, wann die Ländergrenzen wieder kontrolliert werden. Ich möchte da keinem Bürger eines Nachbarlandes nahe treten, denn die Täter kommen sehr oft aus aus einem anderen Land und benutzen das betreffende Land nur als Diebesbasislager. Mir ist klar das diese Forderung den Politikern nicht schmeckt. Aber wenn die Länder Rumänien, Bulgarien und später Kroatien und womöglich noch Kosovo und Albanien in den Schengenraum einbezogen werden, dann gute Nacht Europa.

    Das sind Hochburgen der Kriminalität.

    Auch wenn die Außengrenzen bewacht werden so ist das nur eine Farce.Für eine Summe xx Euro läuft alles über die Grenze und das Tor nach Europa ist weit geöffnet; natürlich auch für den Rückweg. Das wird aber geflissentlich verschwiegen. Unter dem Mantel EU träumen die Politiker, und die Polizei wird als unfähig bezeichnet, was absolut nicht stimmt.
    Geräte zur Überwachung, geliefert von der EU, kommen zwar an die Grenze, nur in dem Raum wo sie ankommen, bleiben sie auch, bis sie verschimmelt sind.
    Da helfen wohl auch kaum noch Bürgerwehren.

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  • 02.05.2015 01:16, Ulrike Schultz

    Bei uns ist auch eingebrochen worden. Am 28. Dezember. Da knallen die ersten Boellerchen, deshalb kann man gefahrlos Thermopenscheiben einschmeissen. Das Haus war 20 Minuten nicht besetzt. Eine Roma-Oma hatte uns ausgespäht, wie uns im Nachhinein klar wurde, und die kleinen Fußspuren deuteten auch auf Roma-Jugendliche hin. Als Beobachterin von Gerichtsverhandlungen habe ich erlebt, dass die Richter hilflos reagieren. Die Polizei hat Handlungswissen, über das die Richter nicht verfügen. Warum nicht? Ein Fall: Ein Rumäne angeklagt wegen Einbruchsdiebstahls mit Waffen. Er erzählt eine nette Geschichte, wirkt sympathisch. Ist doch nur von anderen gezwungen worden mitzumachen. Ach der Arme, nicht vorbestraft, also Bewaehrungsstrafe. Auf die Vernehmung von 10 geladenen Zeugen wird verzichtet, Taeter ist ja gestaendig. Nach der Urteilsverkuendung kommt einer der geladenen Zeugen nach vorn, ein Polizist und sagt " Herr Richter, Sie wissen doch, dass der Taeter auch in Kleve wegen aehnlicher Taten angeklagt ist. Die haben eine konspirative Wohnung in xxx. Die heiraten immer wieder neu, damit sie einen neuen Namen haben und nicht so leicht auffindbar sind." Aha. Reaktion des Richters> Man muss auch mal Glueck haben. Warum werden bei durchreisenden Taetern nicht Schnellverfahren angesetzt und auch kurzfristige Haftstrafen angesetzt_ Weil das kriminologische Institut in Niedersachsen in den 1990er Jahren mal festgestellt hat, dass kurzfristige Haftstrafen nichts nutzen_

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    • 02.05.2015 08:24, Rohanseat

      Liebe frau Schultz, daß ist leider die tatsache die sie schildern.-gleich aus welchem lande die täter kommen, sie nutzen die hilflosigkeit der justiz und gutmütigkeit von richtern aus.--
      Die armen leute.Fahren in Rumänien aber mit dicken SUV´s durch die gegend.

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