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SG Koblenz zu Patientin mit totalem Haarausfall: Kran­ken­kasse muss jähr­lich Pe­rücke bezahlen

16.12.2016

Eine unter totalem Haarausfall leidende Frau hat jährlich Anspruch auf eine neue Echthaarperücke durch ihre Krankenkasse. Das entschied das Sozialgericht Koblenz.

Die Klägerin hatte vor dem Sozialgericht (SG) Koblenz angegeben, dass ihre Perücke nach jeweils einjähriger Tragedauer aufgetragen sei, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Deshalb habe sie sich in entsprechendem Abstand jeweils eine neue besorgt.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und die Krankenkasse seien der Auffassung gewesen, dass auch eine Echthaarperücke über mehrere Jahre genutzt werden könne. Das SG nahm etwa ein Jahr getragene Perücken in Augenschein und entschied nach Vernehmung einer sachverständigen Zeugin, dass die Beschaffung der neuen Perücken gerechtfertigt gewesen sei.

Selbst nach einer Reparatur, die überdies acht bis zwölf Wochen gedauert hätte, seien die Perücken nur noch eingeschränkt, etwa beim Sport, benutzbar, um die neue Perücke zu schonen. Als Dauerversorgung seien die ein Jahr getragenen Perücken trotz sorgfältiger Pflege nicht mehr geeignet gewesen (Urt. v. 30.11.2016, Az. S 9 KR 756/15 und S 9 KR 920/16).

Bereits im vergangenen Jahr war die Krankenkasse vom Sozialgericht Koblenz verpflichtet worden, der Klägerin die Kosten für eine 2014 beschaffte Echthaarperücke zu erstatten. Dies hatte die Krankenkasse mit der Begründung abgelehnt, eine Kunsthaarperücke sei ausreichend.

cvl/dpa/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

SG Koblenz zu Patientin mit totalem Haarausfall: Krankenkasse muss jährlich Perücke bezahlen . In: Legal Tribune Online, 16.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21480/ (abgerufen am: 23.09.2020 )

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Kommentare
  • 14.02.2017 15:40, Sigrid Schröter

    Das Urteil war überfällig. Seit 27 Jahren habe ich Alopecia totalis und bin seit dem auf eine Perücke angewiesen. Was aus dem Urteil nicht richtig hervor geht ist: Müssen die kompletten Kosten übernommen werden oder nur der Anteil der Krankenkasse?

  • 20.07.2017 13:46, S.Münchow

    Hat die Klägerin eine Kunsthaarallergie?
    Oder wurden die gesamten Kosten auch ohne einen Allergienachweis übernommen?
    Ich bin auch vor 2 Jahren bis vor das Sozialgericht gegangen und habe verloren.
    Das Urteil interessiert mich auch sehr.
    Und wer war der Anwalt?

  • 06.10.2017 17:13, L.G.

    Vielen vielen dank. Leide seit 40 jahren an Alopecia totolis. Laut meine krankenkasse, AOK, bekomme ich nur jede 3 jahren einen Zuschuss für eine neue Perrücke, mir wird die Perrücke nicht komplett bezahlt bekomme ca.die hälfte. Ich hatte geantwortet: ziehen Sie 3 jahren lang immer die selbe Unterhosen und lassen die nicht einmal waschen weil die sonst am nächsten Morgen noch nass ist und kann nicht angezogen werden???? Habe leider trotzdem nichts erreicht. Und trage seit 3 Jahren eine perrücke die selbst zum Hautarzt muss wegen Haarausfall.