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Bundesrat billigt Bundestagsbeschluss: Cannabis für Schwer­kranke kann kommen

13.02.2017

Schwerkranke Patienten erhalten künftig auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung Arzneimittel, die aus Cannabis-Blüten und –Extrakten hergestellt sind. Der Bundesrat billigte einen entsprechenden Bundestagsbeschluss.

In Deutschland wird künftig die Cannabis-Therapie von schwerkranken Patienten auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung möglich. Einen entsprechenden Beschluss des Bundestags billigten die Länder.

Nach der neuen Regelung dürfen die behandelnden Ärzte eigenverantwortlich entscheiden, ob eine Cannabis-Therapie sinnvoll ist, auch wenn im Einzelfall noch andere Behandlungspositionen bestehen. Die Betroffenen müssen demnach keine beendete Therapie nachweisen, bevor sie einen Anspruch auf ein Cannabis-Rezept haben. Krankenkassen dürfen die Genehmigung einer Therapie nur in begründeteten Ausnahmefällen verweigern.

Bisher durfte Cannabis nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte eingesetzt werden. Die Kosten mussten allerdings die Schmerzpatienten in der Regel selbst tragen.

Der Vertrieb der Arzneimittel erfolgt durch Apotheken. Allerdings soll eine staatliche Cannabis-Agentur Anbau und Vertrieb koordinieren und kontrollieren. Um die genaue medizinische Wirkung der Cannabis-Arzneimittel zu erforschen, ist eine wissenschaftliche Begleiterhebung vorgesehen. Sie darf Patientendaten aber nur anonymisiert erheben und analysieren.

nas/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Bundesrat billigt Bundestagsbeschluss: Cannabis für Schwerkranke kann kommen . In: Legal Tribune Online, 13.02.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22080/ (abgerufen am: 25.09.2020 )

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Kommentare
  • 14.02.2017 09:44, Michelle Schwarz

    Der Artikel verkürzt den Kerngedanken der neuen Regelungen stark und ist zumindest ansatzweise irreführend (Zitat: "Cannabis für Schwer­kranke kann kommen ... In Deutschland wird künftig die Cannabis-Therapie von schwerkranken Patienten auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung möglich.").

    Grundsätzlich kann Cannabis für jede Krankheit auf Privatrezept verschrieben werden. Es gibt keine gesetzlichen Einschränkungen diesbezüglich, eventuell werden im Rahmen von ärztlichen Leitlinien noch gewisse Vorgaben erarbeitet, die aber für Ärzte nicht verpflichtend sind.

    Die Kosten für Cannabis sollen nicht mehr nur bei schwerwiegenden, chronischen Krankheiten übernommen werden können, sondern generell bei schwerwiegenden Krankheiten. Auch Menschen, die weniger als ein Jahr in medizinischer Behandlung sind, qualifizieren sich also dafür. Die Krankenkassen sollen die Kostenübernahme bei Fällen von schwerwiegenden Krankheiten nur noch in Ausnahmefällen ablehnen und Ärzte können Cannabis auch verschreiben, ohne dass die Betroffenen vorher alle denkbaren Medikamente ausprobieren, wenn dies aus ärztlicher Sicht nicht angebracht ist.

  • 14.02.2017 16:33, Axel Junker

    Das >>Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin<< kostatiert bislang noch großteils vehemente ärztliche Ablehnung hinsichtlich der Möglichkeit künftiger Verschreibung von Cannabis oder Cannabisprodukte, obgleich der Kampf um Anerkennung der medizinischen Wirkungen und um Verschreibung hierzulande bereits ins zwanzigste Jahr geht (siehe dazu auch Arbeitdgemeinschaft Cannabis als Medizin.)

    Es wird viele weitere Jahre brauchen, bis Cannabis in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist und Ärzte ihre Vorbehalte verlieren. Und das, obgleich wir wissen, dass es in Deutschland bereits viele Kinder(patienten) gibt, die von diesem Mittel enorm profitieren.

  • 14.02.2017 18:20, Weedman

    Solange die Verschreibung über das Praxisbuget läuft, ist das Gesetz überflüssig. Ich glaube, es gibt nur sehr wenige Ärzte, die Platz in ihrem Buget haben. Mein Arzt gehört auch denen, die es deswegen nicht verschreiben werden. Unter diesem Vorraussetzungen ein Cannabis Agentur zu gründen ist überflüssig. Die paar Kilos kann man besser importieren....ist billiger.
    Ich bin mächtig enttäuscht.

    • 15.02.2017 21:27, Mogter

      Enttäuscht.?? Alter was läuft bei dir schief diese Gesetz ist der hammer und ein großer Schritt für uns Kranke nur weil es für dich hobby konsument nichts bringt brauchst es nicht schlecht reden. Mein arzt hat damit garkein problem und unterstützt mich da ohne überhaupt diskutieren zu müssen. Also such dir einarzt dem sein job Spaß macht oder du bist nicht krank genug das er es für nötig hält keine ahnung ich kenn dich und dein arzt nicht wirklich. Aber dieses gesetzt ist der hammer, klar gibt es die ein oder andere sache die nich perfekt ist aber das wird mit der zeit bestimmt auch angepasst dafür die begldit studie.

  • 16.02.2017 07:40, Weedman

    Und Du bist sicher das Du noch alles merkst Mogter?
    Ich hab 60% + G, bin Chroniker und Rentner. Mein Doc hat kein Platzt im Buget für meine Medizin. Privatrezept könnte ich kriegen, allerdings zahl ich keine 17 Ocken pro Gramm. Von wegen "Hammer". So ist das Gesetzt überflüssig und die Agentur ebenfalls.

  • 17.02.2017 08:10, Michelle Schwarz

    @Weedman:

    Falls du es noch nicht getan hast, solltest du dich am Besten an einen Facharzt für dein chronisches Leiden wenden. Fachärzte haben generell höhere krankheitsspezifische Budgets.