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Wegen Fahrens ohne Führerschein: Marco Reus muss 540.000 Euro Strafe zahlen

18.12.2014

Ohne Führerschein gefahren und dann auch noch viel zu schnell: Fußballer Marco Reus muß für sein Fehlverhalten nun teuer bezahlen. Von der Dortmunder Staatsanwaltschaft wurde ihm ein Strafbefehl in Höhe von über einer halben Million Euro zugestellt. Dies berichtet die Bild-Zeitung.

Reus wurde laut einem Bericht der BILD bereits seit 2011 mehrmals geblitzt und habe dafür auch Strafzettel bekommen. Doch zunächst sei nicht aufgefallen, dass er überhaupt nicht im Besitz eines Führerscheins war. Weniger Glück hatte Reus dann am 18. März 2014, als die Polizei ihn anhielt. Warum, sei unklar - vermutlich sei die Polizei wegen seines auffälligen Sportwagens - eines Aston Martin - neugierig gewesen. Anstatt eines Führerscheins habe Reus bei der Verkehrskontrolle nur seinen Personalausweis vorzeigen können.

Diese Neugier kommt Reus nun teuer zu stehen: 90 Tagessätze à 6.000 Euro, insgesamt also 540.000 Euro soll der Verkehrssünder nun zahlen, wie der Dortmunder Staatsanwalt Henner Kruse auf LTO-Anfrage bestätigte. Durch die Strafzettel sei bewiesen, dass Reus bereits mehrfach ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen ist.

Gegenüber der Bild-Zeitung bezeichnet Reus sein Verhalten als "Dummheit". Er sei bereit, seine Strafe zu zahlen. Dabei hat Reus sogar noch Glück im Unglück: Mit einer Strafe von 90 Tagessätzen ist er haarscharf an einem Eintrag in seinem Führungszeugnis vorbeigeschrammt. Dies geschieht erst bei einer Strafe von 91 Tagessätzen. Der Fußballstar darf sich daher nach § 53 Abs. 1 Nr. 1 Bundeszentralregistergesetz (BZRG) als nicht vorbestraft bezeichnen.*

age/LTO-Redaktion

*hier war zunächst die missverständliche Formulierung zu lesen, nach der Reus aufgrund der Strafe von 90 Tagessätzen nicht vorbestraft sei. Eine Strafe liegt liegt selbstverständlich vor, auch wenn diese nicht in das Führungszeugnis eingetragen wird.

Zitiervorschlag

Wegen Fahrens ohne Führerschein: Marco Reus muss 540.000 Euro Strafe zahlen . In: Legal Tribune Online, 18.12.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14157/ (abgerufen am: 24.08.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 18.12.2014 16:53, Ozelot

    Es liegt nahe ein Ermittlungsverfahren gegen Behördenangehörige wegen Strafvereitelung einzuleiten. Über Jahre hinweg wurden nachweislich offenkundige Straftaten nach § 21 StVG des Marco Reus nicht verfolgt. Ein solches Ausmaß an übersehenen Straftaten kann mit bloßer Fahrlässigkeit der Behörden nicht mehr erklärt werden. Dem mündigen Leser drängt sich sogleich die Frage auf, wie es Flensburg geschafft haben mag, Punkte für Marco Reus zu verwalten, wenn dieser nicht von der Fahrerlaubnisbehörde zuvor gemeldet wurde. Hier offenbart sich abermals ein sehr weites Verständnis des Legalitätsgrundsatzes der deutschen Behörden, soweit es Straftaten von Prominenten betrifft. Applaus.

    • 18.12.2014 17:45, Schinge

      Vielleicht war er bei den bisherigen Geschwindigkeitsuebertretungen nicht in dem Bereich, ab dem es Pkte in Flensburg gibt...

    • 19.12.2014 10:02, Ozelot

      Es ist wohl so, dass Punkte vergeben wurden, aber eine Detailprüfung nicht stattfand:

      Spiegel.de: "Flensburg prüft erst ab vier Punkten"

      "Reus hatte seine Bußgeldbescheide offenbar immer brav beglichen. Außerdem waren seine Temposünden nicht so gravierend, dass er in Flensburg viele Punkte sammelte. Denn in der Verkehrssünderdatei werden Bußgelder wegen Geschwindigkeitsübertretungen zunächst "nur zur Kenntnis genommen", so Fachanwalt Hillmann - erst ab vier Punkten gebe es eine sogenannte Ermahnung, bei der eine fehlende Fahrerlaubnis auffallen könne."

      Da ein "Konto" in Flensburg aber erst mit Erteilung der Fahrerlaubnis eröffnet werden dürfte, darf man sich schon die Frage stellen, wo Flensburg die Punkte überhaupt aufgeschrieben haben soll, wenn es de facto noch gar keine "Akte Reus" geben konnte. Ich meine, es ist in der Tat geboten, seitens der Staatsanwaltschaft nochmals genauer hinzusehen und zu ermitteln, warum nicht schon früher eingeschritten wurde. Reus ist jahrelang ohne Fahrerlaubnis gefahren. Und da soll dann ein Strafbefehl á günstigen 90 Tagessätzen alles im Sinne der Gerechtigkeit regeln? Was ist mit 69a Absatz 1 Satz 3 StGB? So ist das alles wenig plausibel und nicht glaubhaft. Reus muss umfassend gedeckt worden sein.

  • 18.12.2014 18:39, Lto_leser

    "Mit einer Strafe von 90 Tagessätzen ist er haarscharf daran vorbeigeschrammt, als vorbestraft zu gelten - als vorbestraft gilt eine Person ab einer Strafe von 91 Tagessätzen.
    age/LTO-Redaktion"

    Ähmm... Nicht vorbestraft?
    Ich habe mir sehr darüber gewundert, dies überall in der Presse zu lesen. Aber bei LTO?

    Selbstverständlich ist Herr Reus hiermit vorbestraft. Ein Strafbefehl steht einer Verteilung in einer Hauptverhandlung gleich. Die Anzahl der Tagessätze spielt dafür keine Rolle.

    Gemeint ist vielleicht §32 Abs. 2 BZRG, wonach dies nicht uns Führungszeugnis aufgenommen wird. Dies hat mit einer 'Vorstrafe' nichts zu tun!

    Wäre schön, wenn wenigstens eine 'Fachpublikation' wie LTO dies erkannte.

    • 18.12.2014 20:53, MS

      Wie kommst Du darauf LTO-Leser?

      Gemäß § 53 BZRG darf er sich als unbestraft bezeichnen, wenn diese nicht im Führungszeugnis steht. Nach § 32 Abs. 2 Nr. 5 BZRG werden in das Führungszeugnis Verurteilungen nicht aufgenommen, die auf Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessätzen lauten und keine weiteren Strafen im Register aufgeführt sind. Hat Reus also keine weiteren Vorstrafen im BZR darf er sich sehr wohl als nicht vorbestraft bezeichnen.

      Oder habe ich da etwas übersehen?

    • 18.12.2014 23:08, Lto_leser

      Ich störe mich an der gedankenlosen Vermischung der Begriffe 'vorbestraft' und 'als unbestraft bezeichnen dürfen'. In seiner Tiefe sicher ein akademischer Streit.
      Mir geht es um die Außenwirkung. Die Foren sind voll von Kommentaren ala 'Promibonus', 'schwache Justiz lässt Verbrecher unbestraft '....

      Frage: Ist Marco Reus ein verurteilter Straftäter oder nicht?

      Ich denke ja.

      Wird durch diese Artikel wie oben dieses klar?

    • 19.12.2014 07:40, MS

      Ja, das stimmt wohl. Wenn ich mich Recht entsinne ist § 53 BZRG einer der gesetzlich normierten Fälle des "Rechts zur Lüge". Von daher ist die von Dir getroffene Unterscheidung natürlich völlig richtig: Er ist vorbestraft (und die Verurteilung ist ja auch im Bundeszentralregister gespeichert), aber er braucht diese Tatsache nicht zu offenbaren und darf hierüber auch die Unwahrheit sagen (was ihm aufgrund der Berichterstattung wohl herzlich wenig hilft).

    • 19.12.2014 09:26, LTO-Redaktion

      Lieber Leser,

      Sie liegen natürlich richtig, die Formulierung war jedenfalls missverständlich. Natürlich ist Marco Reus nun vorbestraft. Gemeint war allerdings, dass die Strafe nicht im Führungszeugnis aufgenommen wird. Wir haben die Passage nun entsprechend angepasst und bedanken uns für den freundlichen Hinweis.

  • 19.12.2014 11:08, flozzyG

    hab gehört, dass der WDR herausgefunden haben sollte dass Marco Reus mit einem gefälschten holländischen Führerschein bei der fahrzeugkontrolle in März erwischt worden sein. Ist das nicht schon Urkundenfälschung 267 stgb?

    • 19.12.2014 12:28, staranwalt

      das hat mich allerdings auch am meisten gewundert.