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Thüringer LSG zum Wegeunfallschutz: Arbeit­neh­mer auf Abwegen nicht ver­si­chert

29.01.2018

Eine Frau verpasste den Ausstieg aus der Bahn und kam beim Versuch, den nächsten Zug in Gegenrichtung zu erreichen, ums Leben. Weil sie sich nicht mehr auf dem direkten Arbeitsweg befand, bestand kein Versicherungsschutz, so das LSG. 

Die gesetzliche Wegeunfallversicherung erfasst nur den direkten Weg der Arbeitnehmer von der Arbeitsstätte zur Wohnung. Auf Um- beziehungsweise Abwegen besteht kein Versicherungsschutz. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Entscheidung des Thüringer Landessozialgerichts (LSG) hervor (Urt. v. 08.01.2018, Az. L 1 U 900/17).

Hintergrund ist der vom Gericht entschiedene Rechtsstreit zwischen Hinterbliebenen einer 2014 auf dem Heimweg tödlich verunglückten Verkäuferin und der Berufsgenossenschaft. Die Frau hatte den Ausstieg aus der Regionalbahn verpasst. An der nächsten Haltestelle wollte sie zum haltenden Gegenzug über die Gleise laufen. Dabei wurde sie von einer Rangierlok erfasst und tödlich verletzt.

Die Berufsgenossenschaft hatte das Unglück nicht als Arbeitsunfall anerkannt, wogegen die Hinterbliebenen vor Gericht zogen. Sie verloren in erster Instanz. Das LSG wies nun auch ihre Berufung dagegen zurück.

Von der gesetzlichen Unfallversicherung sei grundsätzlich nur der direkte Weg von der Arbeitsstätte zur Wohnung erfasst, erklärten die Thüringer Richter. Bewege sich ein Versicherter in entgegengesetzter Richtung von diesem Ziel fort, befinde er sich auf einem nicht versicherten Abweg. Ein Arbeitnehmer sei in so einem Fall erst dann wieder versichert, wenn er sich zurück auf dem ursprünglich direkten Wege befinde. Dann lebe der Versicherungsschutz wieder auf, heißt es in der Mitteilung des Gerichts.  

Dabei gebe es bei der Wegeunfallversicherung zwar Ausnahmen für Beschäftigte, wenn sie vom direkten Weg zwischen Arbeits- und Wohnort abwichen. So etwa, wenn der Umweg verkehrsbedingt zum Beispiel wegen Ausfalls eines Bahnhalts erforderlich sei. Anhaltspunkte für eine solche Ausnahme ließen sich im konkreten Fall aber nicht erkennen, so die Thüringer.

mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Thüringer LSG zum Wegeunfallschutz: Arbeitnehmer auf Abwegen nicht versichert . In: Legal Tribune Online, 29.01.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26745/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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Kommentare
  • 29.01.2018 23:41, tüdelütütü

    Ein abweichender Weg soll ausnahmsweise Arbeitsweg sein können, etwa wenn eine Pflicht dazu bestand. Es kann für eine Krankenversicherung eine Pflicht bestanden haben, eine Einschlägigkeit eines Krankenversicherungsschutzes zu begrenzen. Dies kann schnelle Rückkehr zum Arbeitsweg verlangen. Insofern kann hierzu eine Pflicht bestehen. Rückkehr zum Arbeitsweg kann insoweit Arbeitsweg sein.

    • 30.01.2018 08:50, So mal+unter+uns

      Schön. Das haben Sie ja auch schon so unter den letzten Artikel mit der Glatteis-Prüfung gepostet. Zu diesem Fall besteht jedoch ein eklatanter Unterschied. Vor allem klingt das hier so, als hätte die Frau nicht den richtigen Weg genommen. Ob dafür ein Pflicht bestand, naja...

  • 08.02.2018 17:06, Meinung

    Das Sozialrecht in D zeigt hier mal wieder seine Lächerlichkeit.

    Arbeitnehmerin verpasst Zughalt möglicherweise wegen Müdigkeit nach Arbeit = Kein Schutz.

    Arbeitnehmerin verpasst Zughalt wegen Gründen auf Seiten der DBAG = Schutz.

    Dieses Scheißsystem dass den Menschen nur als Verfügungsmasse der Arbeitgeber und des Staates sieht, gehört dringend ersetzt, denn es ist ja letztlich dasselbe wie der Unterschied zwischen GKV und Unfallversicherung. Zwei haben den gleichen Unfall, der eine wird priviligiert weil es über die Unfallversicherung läuft, der andere hat Pech und vll. eine lebenslange Behinderung weil er nicht den selben Standard der Unfallversicherung sondern nur den der GKV erhält.

    Gleichheit vor dem Gesetz, Nicht Benachteiligung aufgrund der Behinderung (weil Behinderte meist keine Unfallversicherung haben), Unverfügbarkeit der Menschenwürde? Am Arsch!