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Reichsbürger wegen Untreue verurteilt: "König von Deut­sch­land" hinter Git­tern

15.03.2017

Weil er mit unerlaubten Bankgeschäften rund 1,5 Millionen Euro veruntreute, muss der selbsternannte "König von Deutschland" nun hinter Gitter. Für das erkennende Gericht hatte der Reichsbürger erwartungsgemäß wenig übrig.

Drei Jahre und acht Monate lautet das Urteil des Landgerichts (LG) Halle zum Fall des selbsternannten "Königs von Deutschland" Peter Fitzek. Der 51-Jährige, der seit Sommer 2016 in Untersuchungshaft sitzt, hat nach Auffassung des Gerichts Gelder mit unerlaubten Bankgeschäften veruntreut, wie aus der am Mittwoch verkündeten Entscheidung hervorgeht (Urt. v. 15.03.2017, Az. 13 KLs 20/16). 

Rund 550 Anleger soll der Wittenberger nach den Erkenntnissen des Gerichts zwischen Juli 2009 und August 2013 "beraten", dabei im Einzelfall Geldbeträge bis zu 300.000 Euro angenommen und versprochen haben, diese sicher anzulegen. So hat Fitzek demnach insgesamt 1,3 Millionen Euro veruntreut.

Mit seiner Tätigkeit habe er den Tatbestand der schweren Untreue erfüllt sowie gegen das Kreditwesengesetz verstoßen. "Über Jahre hinweg haben Sie vor sich hingewurschtelt. Es hätte dokumentiert werden müssen, wo die Gelder geblieben sind", sagte die Vorsitzende Richterin der Wirtschaftsstrafkammer Ursula Mertens.

Er habe die Leute bewusst getäuscht und deren Ängste vor Banken und Finanzmarkt ausgenutzt, befand die Kammer. Mit seinen Hirngespinsten von einem Königreich habe er sie für seine Zwecke manipuliert. Die Anleger seien davon ausgegangen, dass sie ihr Geld jederzeit zurückbekommen könnten. Fitzek hatte mit Laien eine eigene "Bank" betrieben und sich dort das alleinige Verfügungsrecht über die angelegten Gelder gesichert.

Entgegen seinen eigenen Beteuerungen wird er vom Verfassungsschutz der Reichsbürgerbewegung zugerechnet. Diese Personengruppe leugnet die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und wähnt sich in einem besetzten Gebiet. Oft terrorisieren sie Behörden mit kryptischen Schriftsätzen und weigern sich, Steuern zu zahlen.

Eine eigene Bank fürs Königreich

Auf dem Gelände eines früheren Krankenhauses in Wittenberg hat Fitzek sein eigenes "Königreich" ausgerufen, das er auch auf einer Internetseite bewirbt. In der Vergangenheit trat er bereits strafrechtlich in Erscheinung, unter anderem weil er sich selbst einen Führerschein ausgestellt hatte und damit gefahren war.

Der gelernte Koch und Karate-Lehrer, der sich zu Prozessbeginn als "Diener Gottes" bezeichnet hatte, bestritt weiterhin alle Vorwürfe und gab an, stets dem Gemeinwohl gedient zu haben. Dementsprechend hatte die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Die Forderung der Staatsanwaltschaft hatte auf vier Jahre Haft gelautet.

Fitzek und seine Anhänger im Saal reagierten mit Beschimpfungen auf die Urteilsverkündung, ein Mann in einem "Free Peter"-Shirt musste von Justizbediensteten aus dem Saal gebracht werden. "Verbrecher", "Frechheit" und "Ich kann es nicht mehr ertragen, so einen Quatsch zu hören" rief Fitzek selbst und handelte sich ein ums andere Mal einen Rüffel von Richterin Mertens ein.

"Sie leben in der Bundesrepublik und müssen sich an die Gesetze der Bundesrepublik halten" gab sie dem Verurteilten mit auf den Weg. Ob Fitzek noch den Weg zum BGH beschreiten wird, ist offen.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Reichsbürger wegen Untreue verurteilt: "König von Deutschland" hinter Gittern . In: Legal Tribune Online, 15.03.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22384/ (abgerufen am: 24.08.2019 )

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Kommentare
  • 16.03.2017 07:18, Nafri-Cola

    Aberaber, alles Schnickschnack!
    "Die Bevölkerung" sehnt sich nach Widerstand und Revolution und "wacht langsam auf"

    • 16.03.2017 17:04, Peter

      Ja, so ist es. Gut, daß immer mehr Leute aufwachen. Die sog. "Regierung" die uns Bürger überwacht, verarscht und uns das Geld aus der Tasche zieht (Milliarden-Überschuß dank der Steuerzahler, die sich fühlen wie Zitronen, ausquetschen bis nichts mehr da ist) hat kein Recht mehr, uns Vorschriften zu machen.
      Es gilt Art. 20 Abs. 4 GG: Widerstandsrecht.
      Wer heute schläft und nicht FDP oder Piraten oder Grundrechtepartei wählt, wacht bald in der CSU-Diktatur auf.

    • 17.03.2017 07:29, Nafri-Cola

      Ironie war nie so dein Fall, nech?

    • 22.03.2017 14:51, Bena

      Nein, das Volk steckt solche gemeingefährlichen Spinner in den Knast, wo sie hingehören, um Schaden von sich und anderen abzuwenden und sie Zeit haben, über ihren Schwachsinn und ihre verbrecherischen Handlungen nachzudenken.

  • 16.03.2017 17:00, Peter

    König von Deutschland hinter Gitter?
    Haben sie nun endlich den Bundeskanzler geschnappt?
    Die Berliner Gang, die Überwachungsgesetze fabriziert, gehört schon längst hinter Gitter, nicht harmlose Bürger, die diese Regierung (zu Recht) ablehnen.

  • 16.03.2017 18:53, shania

    Wer Gutes tut, wer die Wahrheit spricht, wer für wahrhaftige Menschlichkeit sorgen will, wird eingesperrt, mundtot und handlungsunfähig gemacht, damit die wirklichen Verbrecherbanden fröhlich weitermachen und die reale Werte schaffenden Menschen weiter auspressen können.

  • 17.03.2017 00:36, Jenny

    Gute Kommentare!!! Das Urteil ist ein Witz. Ein Herr Hoeness geht wegen Steuerhinterziehung für ein paar Monate ins Gefängnis, Milliarden werden in den Berliner Flughafen verschleudert (Mal abgesehen von vielen anderen Steuerverschwendungen), da wird seltsamer Weise niemand zur Rechenschaft gezogen. Bewährungsstrafe für den Todesfahrer einer 18-jährigen in Osterholz. Das ist unsere deutsche Justiz, die Macht der Stärkeren...Krrrr.
    Herr Fitzek ist, entgegen den Behauptungen, kein Reichsbürger!!!!
    Wenn sie alle verurteilen wollen, die das dt. System sch...e finden, hätten die Gerichte viel zu tun.

    • 22.03.2017 14:53, Bena

      Ein Herr Hoeneß ist auch kein Staatsfeind wie der Scharlatan Fitzek. Das sollte bei aller Liebe nicht vergessen werden!

  • 31.03.2017 16:48, Reiner

    Ha ha....die Bundesrepublik lehnt er ab - aber die Euros nimmt gern. ;-)