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LAG München bestätigt Kündigung: Kirche durfte Pornodarstellerin entlassen

22.04.2015

Eine Erzieherin, die neben ihrer Arbeit bei einer mittelfränkischen Diakonie in Pornos mitspielte und diese im Internet veröffentlichte, ist mit ihrer Klage gegen ihre Kündigung auch in zweiter Instanz gescheitert. Die Diakonie habe ihr wegen "schwerwiegender sittlicher Verfehlung" ordentlich kündigen dürfen, urteilte das LAG München am Dienstag.

Die sechste Kammer des Landesarbeitsgerichtes (LAG) München sah in dem privaten Verhalten der Klägerin eine "schwerwiegende sittliche Verfehlung", die den Wertvorstellungen der evangelischen Kirche und der Diakonie "im Rahmen ihrer Sozialethik widerspricht". Die Diakonie sei daher zur ordentlichen Kündigung berechtigt gewesen. Das LAG München bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil des Arbeitsgerichts (ArbG) Augsburg. Eine Revision* wurde vom Gericht nicht zugelassen (Urt. v. 21.04.2015, Az. 6 Sa 944/14).

Die 38-Jährige hatte in einer Wohngruppe für Behinderte unter evangelischer Trägerschaft gearbeitet. Nebenbei veröffentlicht die Frau im Internet Pornofilme und -fotos von sich. Auf ihrer Modellseite im Netz bezeichnet sich die Hardcore-Darstellerin dabei als "sehr zeigefreudig". Damit habe sich die Frau "in Widerspruch zur kirchlichen Sexualethik gestellt und damit eine Loyalitätspflichtverletzung begangen, die eine Kündigung rechtfertigen kann", hatte bereits das ArbG entschieden.

mbr/LTO-Redaktion

*Anm. d. Red.: Nachträgliche Korrektur, dass eine Revision nicht zugelassen wurden (nicht: eine Berufung), am Tag der Veröffentlichung um 16:04 Uhr (pl)

Zitiervorschlag

LAG München bestätigt Kündigung: Kirche durfte Pornodarstellerin entlassen . In: Legal Tribune Online, 22.04.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15322/ (abgerufen am: 19.04.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 22.04.2015 15:54, Kritiker

    Das LAG hätte auch keine Berufung zulassen können, wenn es gewollt hätte. Denn es gibt als Rechtsmittel gegen Berufungsurteile nur das Rechtsmittel der Revision und das LAG kann nur ein Berufungsurteil erlassen haben.

  • 23.04.2015 14:32, zweifler

    Wenn das eine "schwerwiegende sittliche Verfehlung" ist, was sind dann die ständigen Fälle von Kindesmissbrauch in der Kirche? Die führen ja eher selten zum Rauswurf. Eher mal zur Strafversetzung. Hach, diese widerliche Doppelmoral.

  • 23.04.2015 17:26, Der Praese

    Jetzt wissen wir alle, in wlechem Staat wir leben. Für die Ausübung der "Kunst" bleibt kein Raum.

    Stattdessen wird einer Klägerin, die ihren Job verloren hat auch noch reingedrückt, dass ihr Verhalten sittlich auf niedrigster Ebene steht.

    Da bleibt zu hoffen, dass die bayerischen Richter keine Pornos anschauen, denn dann wäre der Doppelmoral-Skandal wirklich perfekt.

  • 24.04.2015 09:21, WB

    Meines Erachtens ist der Schritt der Diakonie nur die logische Konsequenz aus der bislang schon praktizierten Auslese von Bewerbern durch Ansehen der bestehenden social media - Seiten. Wenn schon bei der Einstellung der Arbeitnehmer darauf geachtet wird, wen man sich da ins Team holt, dann doch erst recht, wenn das Arbeitsverhältnis schon besteht und wenn die betreffende Person das Unternehmen repräsentiert. Selbstverständlich heißt dies nicht, dass aus jedem kleinen "sozialen" Fehltritt eine Kündigung resultieren darf, jedoch kann auch nicht verkannt werden, dass es hier um eine gesellschaftlich derart umstrittene Tätigkeit geht (die Meinungen könnten nicht weiter auseinander gehen), dass gerade in einem kirchlich eingekleideten Unternehmen die Angst vor einer spöttischen oder gar verurteilenden Reaktion der Bürger groß ist. Zwar muss auch die evangelische Kirche jedes Individuum schätzen und "leben lassen", das bedeutet jedoch meines Erachtens noch lange nicht, dass sie sich jedes Verhalten gefallen lassen muss - insbesondere, wenn es den kirchlichen, sittlichen Empfindungen widerspricht. Daraus folgt auch zukünftig nicht, dass jeder sittliche Verstoß oder jede gesellschaftlich umstrittene Sexualpraktik zu einer Kündigung führen wird - so sind doch in einigen (evangelischen) Kirchen und Diakonien (Gott sei Dank) auch Homosexuelle beschäftigt, ganz offen als Repräsentanten der Kirche und des kirchlichen Unternehmens. Deshalb besteht meines Erachtens kein "anderer" Skandal als bei einem weltlichen Unternehmen, beispielsweise einer Bank, die ebenfalls nicht begeistert wäre, eine Pornodarstellerin als Aushängeschild zu haben. Wer eine solche Tätigkeit derart offen praktiziert, darf sich über solche Reaktionen nicht wundern.

    • 28.04.2015 19:41, A.W

      völlig klar und auh nachvollziehbar, was ich aber zu bedenken geben möchte... von welcher kirchlich sittlichen Empfindung sprechen Sie oder auch das Gericht??? Von der Predigt Wasser zu trinken und selbst Wein zu trinken? ... oder von den seit dem Bestehen der christlichen Kirche bis heute dauernden begangenen Verfehlungen, begonnen bei den agressiven Christianisierungen Europas, Vorderasien, Nord- und Südamerika, über daherhurende Päpste bis zu den Kinderschändern in unserer Zeit. Aber Geld und Macht korrumpiert und eine kleine Angestellte betreut doch nur Behinderte und hat von beiden zu wenig...
      und prostituiert sich hier wie jeder andere, halt auf diese Weise, um sich ein angenehmeres Leben zu leisten. An Ihrer Stelle würde ich mich recht herzlich bedanken, bei dieser ach so aufgeklärten Welt. :-I

    • 04.05.2015 16:25, zweifler

      @WB - "dass es hier um eine gesellschaftlich derart umstrittene Tätigkeit geht (die Meinungen könnten nicht weiter auseinander gehen"
      Das stimmt nicht. Pornografie ist nicht umstritten und war es auch nie. Nahezu jede(r) konsumiert im Laufe seines Lebens Pornographie, manche selten, andere öfter. Und daran ist auch gar nichts auszusetzen. Das Problem bilden ausschließlich die Doppelmoralhanseln, die das nicht zuzugeben trauen, was in der heutigen Zeit einfach nur noch lachhaft ist.

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