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ArbG Augsburg zu Kündigung: Kirche darf Pornodarstellerin entlassen

23.10.2014

Einer Erzieherin in einer Wohngruppe für Behinderte ist rechtmäßig von ihrem Arbeitgeber, einer Diakonie, gekündigt worden. Mit ihrer Nebenaktivität als Erotikdarstellerin verhalte sie sich widersprüchlich zur kirchlichen Sexualethik, hieß es am Mittwoch.

Die Kündigung einer Pornodarstellerin durch die Diakonie ist rechtens. Das Arbeitsgericht (ArbG) Augsburg entschied am Mittwoch, dass der kirchliche Arbeitgeber die Erzieherin wegen ihrer Mitwirkung an Erotikfilmen nicht weiter beschäftigen muss. "Die Klägerin hat sich mit ihren pornografischen Aktivitäten in Widerspruch zur kirchlichen Sexualethik gestellt und damit eine Loyalitätspflichtverletzung begangen, die eine Kündigung rechtfertigen kann", befand das Gericht (Urt. v. 23.10.2014, Az. 10 Ca 1518-14).

Die 38-Jährige arbeitete in einer Wohngruppe für Behinderte des evangelischen Trägers. Nebenbei veröffentlicht die Frau im Internet Pornofilme und -fotos von sich. Auf ihrer Modellseite im Netz bezeichnet sich die Hardcore-Darstellerin dabei als "sehr zeigefreudig". Die Diakonie forderte die langjährige Mitarbeiterin auf, die öffentlichen Erotik-Aktivitäten einzustellen. Doch die Erzieherin weigerte sich und zog schließlich nach einer Kündigung vor das Arbeitsgericht.

Die Richter betonten, dass das von der Verfassung garantierte Selbstbestimmungsrecht den Kirchen erlaubt, die Verpflichtungen von Arbeitnehmern selbst zu bestimmen. "Diese Grundverpflichtungen können auch das außerdienstliche Verhalten betreffen." Eine ordentliche Kündigung sei verhältnismäßig, da das Interesse des Arbeitgebers "ein stärkeres Gewicht hat als das Recht der Klägerin auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit in ihrer Freizeit".

dpa/una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

ArbG Augsburg zu Kündigung: Kirche darf Pornodarstellerin entlassen . In: Legal Tribune Online, 23.10.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/13564/ (abgerufen am: 19.04.2019 )

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Kommentare
  • 23.10.2014 20:14, Frank aus Freiburg

    Der Begriff "Ethik" steht manmal für Positives, manchmal aber auch für Negatives.
    Nächstenliebe, und die Botschaften der Bergpredigt, welche zur Mitmenschlichkeit anregen, und zu weniger egoistischen, sondern mehr rücksichtsvollem Verhalten anregen, und welche zu Gewaltlosigkeit und zum Frieden mahnen, sind sicherlich positive Werte, und eine begrüßenswerte Ethik.
    Wenn allerdings irgendeine angemaßte und fragwürdige Autorität den Menschen unnötige Vorschriften machen will, und in deren freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit eingreifen will, womöglich sogar mittels quasi-obrigkeitlicher Androhungen oder Sanktionen, und ihnenvorschreiben will, welche intimen sexuelle Verhaltensweisen sie praktizieren sollen oder nicht praktizieren sollen, dann wird der Begriff "Ethik" zu einer anmaßenden Bevormundung erwachsener und nach dem Grundgesetz freier Bürger mißbraucht.
    Ob ein Mensch monogam lebt, oder polygam, oder promiskuitiv, und ob er in Bordelle geht, oder dort arbeitet, und ob er sich Pornofilme anschaut, oder an deren Produktion mitwirkt, oder ob er Aktien von einem Unternehmen erwirbt, daß unter anderem auch Pornomagazine verlegt oder Pornofilme produziert, das sollte einem erwachsenen freien Bürger selber überlassen sein, für sich zu entscheiden.
    Wenn die Kirche als Arbeitgeber so etwas sanktionieren will, dann sollte sie dies zumindest vor Abschluss des Arbeitsvertrages ausdrücklich in den (Entwurf des) Arbeitsvertrag aufnehmen.
    Anderenfalls, also ohne entsprechende arbeitsvertragliche Vereinbarung, erschiene mir eine Kündigung wohl eher nicht gerechtfertigt.
    Denn schießlich war das Verhalten der Mitarbeiterin ja pffenbar wohl nicht irgendwie strafbar, sondern doch wohl völlig legal.

    • 24.10.2014 08:35, Aras Abbasi

      Oder man labert nicht so viel und sieht es so wie es ist als eine durch den Arbeitgeber genehmigungspflichtige Nebentätigkeit.

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