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Fall Gina-Lisa Lohfink: Sprun­g­re­vi­sion zum KG Berlin

09.12.2016

Die Anwälte des Models Gina-Lisa Lohfink haben die Berufung gegen das Urteil des AG Tiergarten in eine Sprungrevision umgewandelt. Damit geht der Fall direkt zum KG Berlin - ohne, dass es zu einer erneuten Hauptverhandlung kommt.

Dreieinhalb Monate nach der Verurteilung wegen falscher Verdächtigung haben die Verteidiger von Model Gina-Lisa Lohfink ihre Berufung in eine Sprungrevision umgewandelt. Wie der Tagesspiegel am Freitag berichtete, soll in dem Fall nun das Berliner Kammergericht allein anhand der Aktenlage entscheiden. Da

Eine Gerichtssprecherin bestätigte gegenüber der dpa die Umwandlung der Berufung in eine Sprungrevision. Damit beschäftige sich direkt die höchstmögliche Instanz mit dem Fall. Eine erneute Hauptverhandlung am Landgericht werde so übersprungen. Wann sich das Kammergericht mit dem Fall befassen werde, sei noch unklar.

Das Amtsgericht Tiergarten hatte Lohfink im August wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Die 29-Jährige hatte behauptet, im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein. Dafür sah das Gericht keine Anhaltspunkte. Die Männer waren von den Vorwürfen schon früher freigesprochen worden. Ihr Anwalt hatte erklärt, die Verhandlung sei für Lohfink eine enorme psychische Belastung gewesen. Durch die Umwandlung des Rechtsmittels wird eine neuerliche Vernehmung vor Gericht nicht nötig werden.

dpa/ms/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Fall Gina-Lisa Lohfink: Sprungrevision zum KG Berlin . In: Legal Tribune Online, 09.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21423/ (abgerufen am: 15.09.2019 )

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Kommentare
  • 09.12.2016 19:45, VRiLG

    Eine neue Tatsachenverhandlung bleibt aber nur erspart, wenn das Rechtsmittel keinen Erfolg hat. Im Erfolgsfall ist eine Zurückverweisung an die erste Instanz programmiert.

    • 10.12.2016 12:48, Bubi

      Nicht zwangsläufig. Nur wenn Tatsachen (erneut) festgestellt werden müssen, dann ist eine Zurückweisung notwendig. Anscheinend sind die Tatsachen aus Sicht der Angeklagten nicht streitig - wobei sich das in der Berichterstattung damals anders gelesen hat. Denn wie das "Nein" zu verstehen ist, ist keine Frage des anwendbaren Rechts, sondern eine Tatsachenfeststellung. Evtl. wird auch die Verletzung des Prozessrechts gerügt (was aber im Erfolgsfall dann zwangsläufig zu einer Zurückverweisung führen würde).

      Im Endeffekt heißt es: Abwarten, was für Revisionsgründe angeführt werden.

  • 10.12.2016 09:03, Spiegelwärevonvorteil

    Model????

    • 10.12.2016 12:52, Bubi

      Wieso nicht? In welchem Bereich oder ob die das gut oder schlecht macht, spielt ja erstmal keine Rolle.

      Andere nennen sich Berater oder Unternehmer. Was die machen, wie oft die das machen und wie gut, ist ja erstmal uninteressant.

  • 10.12.2016 09:58, Gast

    "Wie der Tagesspiegel am Freitag berichtete, soll in dem Fall nun das Berliner Kammergericht allein anhand der Aktenlage entscheiden."
    Das hat ja hohes juristisches Niveau hier.

  • 10.12.2016 12:59, Magi

    In einem juristischen Portal könnte ich wenigstens erwarten, dass nicht nur die Gesamtsumme der Geldstrafe angegeben wird, sondern auch die Tagessätze. Damit wissen Juristen mehr anzufangen.

    Aber für alle die es interessiert: Die 20.000 EUR ergeben sich aus 80 Tagessätze à 250 EUR (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-urteil-ein-hohn-fuer-echte-vergewaltigungsopfer-a-1108961.html)

    • 10.12.2016 16:46, Ernestine

      Also ein monatliches Netto von 7.500 EUR. Irgendwas mache ich trotz Studium falsch....

    • 13.12.2016 11:20, Maggi

      Von einem qualifizierten Kritiker könnte man wenigstens erwarten, dass er erst den verlinkten Artikel liest, der die Verurteilung selbst zum Thema hat und in welchem die Tagessatzhöhe auch erwähnt wird, und erst dann seinen Senf dazu gibt.

  • 12.12.2016 12:57, Oh man

    Hat denn den Berliner Staatsanwälten noch niemand erklärt, wie eine Sperrberufung funktioniert?!

    • 12.12.2016 15:49, Wolf-Dieter

      Nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sperrberufung">Wikipedia</a> ist Sperrberufung nach Verwaltungsvorschrift RiStBV durch Staatsanwalt verboten.

    • 12.12.2016 15:50, Wolf-Dieter

      https://de.wikipedia.org/wiki/Sperrberufung

    • 13.12.2016 07:54, Oh man

      Und wer genau hält sich an die RiStBV? *totlach*

    • 13.12.2016 09:36, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      Ah! Jemand kam auf die Idee, einen Link auf einen juristischen Wikipedia-Artikel zu legen. Sehr gut! Inzwischen sind nämlich gerade die juristischen Wikipedia-Artikel erstaunlich gut geworden. Die sollte man nicht unterschätzen.

    • 13.12.2016 18:11, @RA W.

      Musste schmunzeln. +1

    • 14.12.2016 07:38, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      Wollen Sie mir verraten, mit wem ich das Vergnügen habe?

    • 14.12.2016 08:11, @RA W:

      Ich glaube nicht, dass das ein "Vergnügen" ist, von daher - nein. Lassen wir das.
      Aber mein Kommentar war tatsächlich ernst gemeint. Ich spürte, einen Hauch von Ironie in dem Lob von Wikipedia-Seiten zu juristischen Themen.

      Wenn das Ihrerseits natürlich ernst gemeint war, dann muss ich meinen Kommentar redigieren. Irgend etwas sarkastisches wird mir schon einfallen.

    • 14.12.2016 09:22, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      Es ist immer schwierig, mit einem anonymen Gegenüber zu kommunizieren. Das ist so, wie wenn Sie einem Menschen mit einer verspiegelten Sonnenbrille, bei der man die Augen nicht sieht, gegenübersitzen. Aber ganz, wie Sie meinen ...

    • 14.12.2016 16:55, Oh man

      Als passionierter Pokerspieler muss ich gestehen, dass es die Spannung ungemein erhöht, wenn das Gegenüber nicht mit all zu offenen Karten spielt ;-)