Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung verurteilt: Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wurf "in Gänze wider­legt"

von Pia Lorenz

22.08.2016

Der Sex zwischen Gina-Lisa Lohfink und zwei Männern im Jahr 2012 war einvernehmlich, ihre Behauptung einer Vergewaltigung eine falsche Verdächtigung, entschied das AG Tiergarten. Kein-Blümchen-Sex sei noch keine Vergewaltigung.

Gina-Lisa Lohfink muss wegen falscher Verdächtigung eine Geldstrafe von 20.000 Euro zahlen. Die 29-Jährige hatte behauptet, im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein. Dafür sah das Amtsgericht (AG) Tiergarten am Montag keine Anhaltspunkte. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gegen die Männer war schon früher eingestellt worden.

Der Vorwurf der falschen Verdächtigung gegen Lohfink habe sich bestätigt, so das Gericht. Ihre Behauptungen seien "in Gänze widerlegt", sagte Richterin Antje Ebner bei der Urteilsbegründung. Der Sex mit den beiden Männern sei einvernehmlich gewesen, Lohfink habe allerdings signalisiert, dass sie das Filmen nicht wollte.

Ihr Verteidiger Burkhard Benecken kündigte noch am Montag im Berliner Amtsgericht Tiergarten an, voraussichtlich in Berufung gehen zu wollen. "Das Urteil ist ein Skandal", sagte Benecken. Er werde mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Die 29-Jährige hatte das Gerichtsgebäude zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Mit den Worten "Das muss ich mir nicht antun" war sie noch vor Verkündung der Entscheidungsgründe aus dem Saal gestürmt.

Bewusst gelogen: 80 Tagessätze, Nettoeinkommen niedriger geschätzt

Das Gericht blieb mit seinem Urteilsspruch von 80 Tagessätzen zu je 250 Euro unterhalb der Forderung der Staatsanwaltschaft, die am Montagmorgen eine Geldstrafe von 24.000 Euro gefordert hatte. Das lag nach Angaben einer Sprecherin daran, dass das AG bei der Ermittlung des Tagessatzes das Nettoeinkommen des Models geschätzt hat, weil Lohfink nur ihre Einnahmen aus den Jahren 2014 und 2015 offen gelegt habe. Maßgeblich sind jedoch die Einkünfte zum Zeitpunkt der Hauptverhandlung. Das AG ging von einem geringeren Nettoeinkommen der ehemaligen Germanys-Next-Topmodel-Teilnehmerin aus als die Ankläger, welche 10.000 Euro monatlich zugrunde gelegt hatten, so Lisa Jani, Presssprecherin der Berliner Strafgerichte.

Die Verurteilung zu 80 Tagessätzen aber entspricht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Lohfink steht damit schlechter als mit den im ursprünglichen Strafbefehl gegen sie verhängten 60 Tagessätzen. Die mit der Akzeptanz eines Strafbefehls verbundene Geständnisfiktion falle mit dem Einspruch gegen diesen weg, so die Gerichtssprecherin gegenüber LTO. Das AG geht davon aus, dass es zwischen Lohfink und einem Fußballer sowie einem ehemaligen VIP-Manager in der angeblichen Tatnacht im Juni 2012 zu einvernehmlichem Sex kam, nicht zu einer Vergewaltigung. Sie habe bewusst gelogen, sagte Richterin Antje Ebner.

Das schloss das Gericht vor allem aus der Einlassung der Angeklagten über ihre Verteidiger am ersten Verhandlungstag. Weil sie mit der Verlesung der Schutzschrift von ihrem Recht, im Strafverfahren keine Aussage zu machen, nicht umfassend Gebrauch machte, sondern sich teilweise zur Sache einließ, habe man aus ihrer Einlassung Schlüsse ziehen dürfen.

Die Videos der Nacht: zwölf Sequenzen, nur eine davon im Netz

Auch die Analyse der Videos aus der angeblichen Tatnacht, welche das Gericht während der Hauptverhandlung zu sehen bekam, hätten zu der Überzeugung geführt, dass es sich um einvernehmlichen Sex zwischen den dreien gehandelt habe.  "Wir haben hier keinen Blümchen-Sex zu sehen bekommen", stellte Eber bei der Urteilsbegründung klar. "Aber es gibt einen Unterschied zwischen Kein-Blümchen-Sex und einer Vergewaltigung."

Auch nicht kuscheliger Sex kann nämlich einvernehmlich sein. Und das war er, davon zeigte sich das Gericht nicht zuletzt wegen der Videos von der angeblichen Tatnacht überzeugt.

Es war eine öffentlich bekannt gewordene Videosequenz, die den "Fall Gina-Lisa" zum Bestandteil einer fast hysterischen öffentlichen Debatte  machte. In dem Video hört man deutlich, wie die 29-Jährige "Hör auf" sagt. Unter dem Hashtag #teamginalisa sammelten sich daraufhin nicht nur Fans von Lohfink, sondern auch Befürworter eines strengeren Sexualstrafrechts, das der Bundestag unter dem Schlagwort "Nein heißt Nein"  im Juli schließlich auch beschloss. Selbst Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte mit indirektem Bezug gesagt: "'Nein heißt Nein' muss gelten. Ein 'Hör auf' ist deutlich."

Zitiervorschlag

Pia Lorenz, Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung verurteilt: Vergewaltigungsvorwurf "in Gänze widerlegt" . In: Legal Tribune Online, 22.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20354/ (abgerufen am: 15.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 22.08.2016 18:54, GrafLukas

    Es wäre schön, wenn das mit der Höhe der Geldstrafe und den Tagessätzen nicht durcheinander gehen würde.

    Ich weiß zu schätzen, dass hier immerhin überhaupt von Tagessätzen die Rede ist und die Information steht, dass die Anzahl der Tagessätze dem Antrag der StA entspricht und sogar höher ist als nach dem Strafbefehl. Es wurde aber immer noch (aus der dpa-Meldung ?) übernommen, die Geldstrafe betrage 20.000 € und nicht 24.000 €.

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    • 22.08.2016 20:05, BaronHenning

      Ist doch alles richtig. Die StA hat 24.000€ ausgerechnet und das Gericht 20.000€. Beide Male entspricht das 80 Tagessätzen, weil die StA ein zu hohes Einkommen berechnet hat.

  • 23.08.2016 09:09, Herbert

    Nein, heißt nein, auch bei GEZ: Wenn ich keine staatliche Gehirnwäsche (angebliche Terroranschläge zur Einschüchterung und Überwachung der Bevölkerung) will, dann muß gelten: Nein zu GEZ; nein zu CSU-Videoüberwachung, nein zur Vorratsdatenspeicherung, nein zur Fluggastdatenweitergabe, nein zum gläsernen Bankkonto, nein zur Computer-Onlinedurchsuchung, nein zum Abhören von meinem Telefon, nein zum Verbot, sich mit Verschlüsselung gegen diesen Staat zu wehren, nein zu Krankenkassen Zwang, nein zum Polizeistaat Bayern, nein zu dieser sog. Regierung.

    Ach ja, und wieder eine Frau, die gelogen hat und Männer wegen angeblicher Vergewaltigung in den Knast bringt. Das Gericht hat es jetzt auch bestätigt.

    Und da wollt ihr dem katholischen Staat noch mehr Eingriffsbefugnisse und Überwachungserlaubnisse geben??? Geht's noch?

    Wählt Piraten

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    • 23.08.2016 11:17, Christoph

      Wer hat Dich denn einer Gehirnwäsche unterzogen?

      Allein "Nein zu GEZ" bezeugt schon, welche Unkenntnis hier vorherrscht.

      Bitte mache Deine Wahlpropaganda auf einer anderen Plattform.

      Und es gilt auch immer wieder das gute alte Sprichwort: Wenn man nix zu sagen hat, einfach mal die Klappe halten!

    • 23.08.2016 11:56, Hubert

      Na super, wie der Fall "Christoph" zeigt, hat die Gehirnwäsche für CSUCDUSPDGRÜN bislang Erfolg. Aber wie lange schaut die Bevölkerung in Deutschland dieser Regierung noch zu, die bei einer Wahlbeteiligung von 50 % von nur 25 % gewählt wurden, da kleinere Parteien alle bisher dank der verfassungswidrigen % % Klauseln rausfallen? Jedes Bundesverfassungsgericht wird einem bestätigen, daß der sog. Bundestag verfassungswidrig gewählt wurde und dank Wählertäuscher keine Befugnisse mehr hat.

    • 23.08.2016 12:09, haha

      Hu- und Herbert: Jetzt aber schnell wieder den Aluhut aufsetzen! Hoppigaloppi!

    • 23.08.2016 12:12, Hubert

      Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25. Juli 2012
      2 BvE 9/11, 2 BvF 3/11, 2 BvR 2670/11


      Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts hat mit seinem heute verkündeten Urteil entschieden, daß das mit der Änderung des Bundeswahlgesetzes (BWG) neu gestaltete Verfahren der Zuteilung der Abgeordnetensitze des Deutschen Bundestages gegen die Grundsätze der Gleichheit und Unmittelbarkeit der Wahl sowie der Chancengleichheit der Parteien verstößt.

      Der Senat hat die Vorschriften des § 6 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2a BWG für nichtig und die Regelung über die ausgleichslose Zuteilung von Überhangmandaten (§ 6 Abs. 5 BWG) für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt. Es fehlt somit an einer wirksamen Regelung des Sitzzuteilungsverfahrens für die Wahlen zum Deutschen Bundestag.

      Die zuvor geltenden Bestimmungen leben nicht wieder auf, weil das Bundesverfassungsgericht sie mit Urteil vom 3. Juli 2008 (BVerf¬GE 121, 266) ebenfalls für verfassungswidrig und nur für eine - zwischenzeitlich verstrichene - Übergangsfrist weiter anwendbar erklärt hat.

    • 23.08.2016 13:07, Christoph

      Oh mein lieber Herr Gesangverein, jetzt tummeln sich die Reichsbürger auch schon hier auf LTO.de.

      Wie der Fall Hubert/Herbert zeigt, ist die Volksverdummung leider weiterhin fortschreitend. Er weiß nicht einmal genau, wie er heißt und maßt sich an, Urteile des Bundesverfassungsgerichts zu interpretieren.
      Du, Dein Telefon klingelt... Rüdiger Klaasen mit ein paar Weisheiten für Dich am Apparat!

      Grüße an den Aluhut!

    • 23.08.2016 14:09, Herbert

      Das ganze (verschärfte) Sexualstrafrecht ist verfassungswidrig, da nach dem Konnexitätsprinzip es nicht angeht, daß die Strafen für angebliche Vergewaltigung durch Männer erhöht wird, während der Strafrahmen für falsche Aussagen der Frauen gleich bleibt. Außerdem, wie oft wurde ich als gutaussehender attraktiver reicher Anwalt schon von Frauen (Mandantinnen) belästigt? Jeden Abend, wenn ich mit meinem großen Sportwagen die lange Kiesauffahrt zu meiner Villa rauffahre, und durch die leeren Zimmer gehe, und einsam am Kamin sitze, denke ich, warum bin ich Steuer-Anwalt geworden. Ich hätte besser Bundesverfassungsrichter werden sollen.

      Ich freue mich auf den ersten Fall nach dem neuen Sexualstrafrecht. Der Mann sollte sofort beim Bundesverfassungsgericht klagen. Und er wird Recht bekommen.

    • 23.08.2016 19:40, Strandräuber

      Aber aber Hu & He ist doch kein Reichsbürger, sondern Freibeuter mit Frühform auf Wahlkampftour für die bayrische Landtagswahl 2018.

      Ich sag ja immer: Zuviel Weißbier verursacht Hirnschäden
      Und bitte nicht den Buccanier füttern.

    • 08.11.2016 23:14, xylo

      Ob der Bundestag verfassungswidrig zu Stande gekommen ist, wird momentan tatsächlich vom Bundesverfassungsgericht überprüft.

  • 23.08.2016 15:58, Kleiner Student

    Etwas, was ich mich als kleiner Student frage: Warum wurde nicht auch versuchte schwere Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft bzgl. der zu erwartenden U-Haft angeklagt? Wenn man mit der StA und dem Gericht davon ausgeht, dass Lohfink gelogen hat, ist es doch recht naheliegend, dass sie eine U-Haftnahme der beiden vermeintlichen Täter zumindest billigend in Kauf genommen hat. Und unmittelbares Ansetzen ist durch den Abschluss der Aussage (und spätestens durch die ständige Wiederholung) gegeben, weil sie die Schwelle zum Jetzt-Gehts-Los überschritten hat und keine weiteren Zwischenschritte ihrerseits mehr erforderlich sind (im Gegensatz zur tatsächlichen Haftstrafe - dafür müsste sie ja noch vor Gericht entsprechend aussagen).
    Vielleicht kann mir einer der erfahreneren Juristen meinen Denkfehler aufzeigen? :-)

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.08.2016 16:45, Fragender

      Zur Anklageerhebung brauchen Sie einen hinreichenden Tatverdacht. Den können Sie bezüglich der Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft schwerlich nachweisen, wenn es keine entsprechenden Aussagen oder sonstige Beweismittel gibt.

      Außerdem: Weswegen soll denn die Untersuchungshaft zu erwarten gewesen sein? Soweit mir der Sachverhalt bekannt ist, dürfte kein Haftgrund in Betracht kommen. Bei Bürgern mit bekanntem Wohnsitz, die einer Beschäftigung nachgehen, ist eine Fluchtgefahr schwer zu begründen. Die Beweismittel waren mit der Aussage der Frau Lohfink und der Sicherstellung der Videos vorhanden, sodass auch kaum Verdunkelungsgefahr bestand. Anhaltspunkte für eine Wiederholungsgefahr gab es auch eher nicht.

    • 23.08.2016 18:17, Julia

      Es kann dahinstehen, ob Frau Lohfinks Opfer in U-Haft genommen worden wären. Zumindest hat Frau Lohfink in Kauf genommen, dass diese in normale Strafhaft genommen werden, das war auch Frau Lohfinks Ziel. Dass die Strafgesetze hier nicht vollständig ausgeschöpft werden, dafür gibt es keine Rechtfertigung.

    • 23.08.2016 21:04, Wiss. Mit.

      @ Fragender:
      Das mit dem hinreichenden Tatverdacht sehe ich anders. Wenn Frau Lohfink ihre beiden Ex-Bekanntschaften bewusst wahrheitswidrig mit solch schweren Vorwürfen bei den Strafvervolgungsbehörden überzieht, nimmt sie mindestens billigend in Kauf, dass ihnen die Freiheit entzogen werden soll - sei es aufgrund der Anordnung von Untersuchungshaft oder eines strafgerichtlichen Urteils. Dass hier möglicherweise Haftgründe nicht vorlagen, ändert daran nichts, nach meinem Wissen ist auch ein untauglicher Versuch strafbar. Entscheidend ist daher hinsichtlich des Tatentschluss allein, ob sich Froh Lohfink vorstellen konnte und gar beabsichtigte, aufgrund ihrer Anzeige und wiederholten Anschuldigungen in der Öffentlichkeit ein Strafverfahren gegen ihre beiden Ex-Bekannten loszutreten, dass für diese zu einem Entzug der Freiheit führt oder führen kann. So wie Frau Lohfink in der Öffentlichkeit herumredet über die Beiden, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es ihr lediglich darum ging, sie zu allgemein diskreditieren.

      Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der BGH die Verurteilung der Falschbeschuldigerin von Horst Arnold wegen schwerer Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft bestätigt hat (BGH 2 StR 62/14; LG Darmstadt 15 KLs 331 Js 7379/08). Die Figur der Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft durch bewusst wahrheitswidrige Verdächtigung ist damit bei solchen Falschbeschuldigungen von einigem Gewicht regelmäßig zu prüfen. Warum dies nicht geschehen ist, erschließt sich mir nicht.

    • 24.08.2016 09:43, Fragender

      @Julia, @Wiss.Mit.:

      Kleiner Student bezog sich auf die Untersuchungs-, nicht die Strafhaft. Den Nachweis, dass Frau Lohfink die beiden in Untersuchungshaft bringen wollte sehe ich nach wie vor als schwer führbar an. Ein Normalbürger wie sie wird meiner Ansicht nach bei der Aussage kaum daran denken, jemanden in Untersuchungshaft zu bringen. Der Tatentschluss wird sich auf das "endgültige Wegsperren", also die Strafhaft beziehen. Daher auch kein untauglicher Versuch.

      Dass die Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft durch das Einschalten staatlicher Organe möglich ist, bestreite ich überhaupt nicht. Warum dies hinsichtlich der möglichen Strafhaft nicht angeklagt wurde, kann ich auch nicht nachvollziehen. Ohne Kenntnis der Akten kann man da aber nur spekulieren.

  • 23.08.2016 17:10, Bernd

    Worin bestand jetzt ihre Falschaussage eigentlich genau? "Die haben mich vergewaltigt" wird ja wohl kaum ausreichend gewesen sein, weil das lediglich eine unbeachtliche rechtliche Wertung des Sachverhalts darstellt (Strafbarkeit wegen übler Nachrede o.Ä. mal außen vor). Was hat sie konkret zum Tatgeschehen ausgesagt, was ihr jetzt zur Last gelegt wurde? Die Nummer mit der Ärztin kann es ja mangels Bezug zur Tat auch nicht gewesen sein, das hat auch das Gericht zurecht nur in der Strafzumessung berücksichtigt. Weiss da jemand Genaueres? Die Presseberichte (auch dieser hier) sind dazu leider ziemlich inhaltsleer.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.08.2016 19:46, Reibert

      Die falsche Verdächtigung gem. § 164 II StGB läge darin, dass die Besch. öffentlich behauptet hatte, ihr seien die freie Willensbetätigung ausschließende Mittel verabreicht und sodann gegen bzw. ohne ihren Willen der Geschlechtsverkehr mit ihr ausgeführt worden.

      Dieses Vorgegen erfüllt -wenn es wirklich vorliegt- den Tatbestand der Vergewaltigung und ist, da Offizialdelikt, geeignet ein Strafverfahren gegen die beiden Männer auszulösen. Was die Besch. zumindest billigend in Kauf nahm.

    • 24.08.2016 08:35, Bernd

      @Reibert:

      Der Artikel sagt aber, dass die Angeklagte das laut Gericht nicht behauptet sondern bloß vermutet habe. Und dass diese Vermutung wider besseres Wissen geäußert wurde, halte ich schon allein aufgrund der Tatsache ausgeschlossen, dass gar nicht geklärt werden konnte, welchen Drogencocktail sie zum fraglichen Zeitpunkt überhaupt intus hatte.

    • 24.08.2016 09:42, Reibert

      Ja gut, sie wollen jetzt auf den Unterschied zwischen Behaupten und Vermuten raus, auf dem bereits einige Zeitungen rumhacken. Gut dann hat sie es nicht behauptet, sondern vermutet. Asche auf mein Haupt...

    • 24.08.2016 10:15, Jemand_NRW

      Die Falschaussage bezieht sich auf das Merkmal "gegen ihren Willen", sprich die fehlende Einvernehmlichkeit war der Kern der falschen Aussage.

      Allerdings dürfte es dazu völlig ausreichen, wenn jemand "die haben mich vergewaltigt" gesagt - das ist keine unbeachtliche Subsumtion eines Rechtslaien, denn vielmehr ist das Wort "Vergewaltigung" auch in der Laiensphäre bekannt als nicht-einvernehmlicher (!) Akt.

    • 24.08.2016 10:15, Jemand_NRW

      Die Falschaussage bezieht sich auf das Merkmal "gegen ihren Willen", sprich die fehlende Einvernehmlichkeit war der Kern der falschen Aussage.

      Allerdings dürfte es dazu völlig ausreichen, wenn jemand "die haben mich vergewaltigt" sagt - das ist keine unbeachtliche Subsumtion eines Rechtslaien, denn vielmehr ist das Wort "Vergewaltigung" auch in der Laiensphäre bekannt als nicht-einvernehmlicher (!) Akt.

    • 24.08.2016 10:23, Bernd

      Nein, ich will darauf hinaus, dass es zumindest der Berichterstattung nach keinen Hinweis gibt, dass diese Behauptung oder Vermutung wider besseres Wissen geäußert wurde, was bekanntlich Tatbestandsmerkmal für die falsche Verdächtigung ist. Deswegen wäre es ja so interessant, den genauen Tatvorwurf zu kennen.

    • 31.08.2016 14:41, Xaerdys

      "Wer einen anderen bei einer Behörde oder einem zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Amtsträger oder militärischen Vorgesetzten oder öffentlich wider besseres Wissen einer rechtswidrigen Tat oder der Verletzung einer Dienstpflicht in der Absicht verdächtigt, ein behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft"

      "Ebenso wird bestraft, wer in gleicher Absicht bei einer der in Absatz 1 bezeichneten Stellen oder öffentlich über einen anderen wider besseres Wissen eine sonstige Behauptung tatsächlicher Art aufstellt, die geeignet ist, ein behördliches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen ihn herbeizuführen oder fortdauern zu lassen."

      Was sie mit Falschaussage meinen ist wohl die Passage "Wider besseren Wissens". In der Tat hätte sie hier Absicht haben müssen. Davon geht das Gericht aber offenbar auch aus. Nur hinsichtlich der KO-Tropfen wird immer mal wieder erwähnt, sie hätte das nur vermutet. Wobei der Begriff Vermutung hier durchaus problematisch sein kann, weil man auch behaupten kann, obwohl man äußert nur zu vermuten. Je nach Kontext.

  • 24.08.2016 10:44, Bernd

    @Jemand_NRW:
    Soweit ich den Sachverhalt durchschaue, bezieht sich aber die fehlende Einvernehmlichkeit vor allem auf die Frage, ob die an ihr durchgeführten sexuellen Handlungen nur unter dem Einfluss von entsprechenden Betäubungsmitteln durchgeführt werden konnten. Und hier ist letztlich entscheidend, ob die Angeklagte zum Zeitpunkt ihrer Aussage hätte wissen müssen, dass ihr keine K.o.-Tropfen verabreicht wurden. Welche Feststellungen das Gericht hierzu getroffen hat, wäre spannend zu erfahren.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 01.09.2016 14:39, Xaerdys

      Aber es geht doch gar nicht um Falschaussagen, sondern um falsche Verdächtigung...

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