Bundesweite Amnestie bis Sommer 2018: Ille­gale Waffen können straf­frei abge­geben werden

10.07.2017

Waffen sollen nicht in die falschen Hände geraten - deswegen haben illegale Waffenbesitzer nun ein Jahr Zeit, diese bei den Polizeirevieren straffrei abzugeben. Ein Anreiz für Bürger, die etwa durch eine Erbschaft ungewollt in Besitz kamen.

Besitzer illegaler Waffen können solche seit vergangenem Donnerstag straffrei abgeben. Die Regelung ist Teil des Zweiten Gesetzes zur Änderung des Waffengesetzes. Nun können auch verbotene Geschosse, die einen Leuchtspur-, Brand- oder Sprengsatz enthalten, abgegeben werden. Die neue Amnestie gilt bundesweit für ein Jahr und läuft am 6. Juli 2018 aus. Zuständig für die Rückgabe sind die Polizeibehörden.

Mit dieser Regelung solle die Zahl illegaler Waffen reduziert werden, teilte das Brandenburgische Innenministerium am Sonntag mit. Die Amnestie richtet sich an Bürger, die etwa durch eine Erbschaft ungewollt zu illegalen Waffenbesitzern wurden. "Ich hoffe, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger so vernünftig sind, diese Möglichkeit zu nutzen", sagte der neue NRW-Innenminister Herbert Reul auf Anfrage.

200.000 gesammelte Schusswaffen bei Amnestie 2009

Bereits 2009 hatte es eine solche Amnestie gegeben. Damals waren bundesweit rund 200.000 Schusswaffen abgegeben worden. In Brandenburg brachten die Bürger damals 212 scharfe Schusswaffen, 251 Schreckschuss- und mehrere Luftdruckwaffen sowie mehr als 20.500 Schuss Munition auf die Polizeireviere. Darunter waren etwa 29 illegale Waffen. Alle wurden im Anschluss vernichtet. "Das zeigt, dass die Regelung ein wichtiger Beitrag für die Sicherheit ist", betonte Reul. "Sie hilft dabei zu verhindern, dass Waffen in die falschen Hände geraten."

Die Gesetzesänderung sieht außerdem strengere Aufbewahrungsvorschriften für Neubesitzer vor. Scharfe Waffen und Munition müssen künftig noch besser gesichert aufbewahrt werden. Das soll es Kriminellen erschweren, Waffentresore aufzubrechen oder sie fortzuschaffen. Wer seine Waffe bislang gesetzeskonform verwahrte, für den ändert sich indes nichts: Für Altbesitzer gilt Bestandsschutz. 

dpa/mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Bundesweite Amnestie bis Sommer 2018: Illegale Waffen können straffrei abgegeben werden . In: Legal Tribune Online, 10.07.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23408/ (abgerufen am: 22.09.2018 )

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Kommentare
  • 11.07.2017 14:49, Martin G.

    Sehr geehrte LTO-Redaktion,

    ein kleiner Hinweis: Gemäß § 58 Abs. 8 WaffG n.F., wird nicht bestraft wer eine unerlaubt besessene Waffe oder Munition bis zum 01.07.2018 - nicht 06.07.2018 - übergibt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    M.G.

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    • 12.07.2017 14:26, Alfred Königstein

      Hallo, habe meine Waffen am 27.06.2017 bei der Polizei abgeben, jetzt gibt es eine Vorlage zur Polizei wegen § 52 (§) Nr. 2a WaffG
      Muß ich einiges Befürchten, da ich 8 Tage zu Früh war. Mein Rea. hat den Gesetzes-Beschluss seit April 2017 als Beschluss gesagt.
      LG
      Alfred

    • 19.07.2017 11:56, @Alfred

      Nun ... wenn man gemein wäre, könnte man ja jetzt sagen, das Problem hätten Sie nicht gehabt, wenn Sie einfach keine illegalen Waffen gehabt hätten, oder?

    • 20.07.2017 17:52, Thomas Hofmann

      Oh Alfred.... bist du doof.... sorry...

  • 20.07.2017 11:22, Jürgen

    Wenn man eine illegale Stichwaffe abgibt, kann es zur Folge haben, dass die Tauglichkeit zum führen des kleinen Waffenscheins nicht mehr geboten ist und dieser entzogen wird?

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  • 08.06.2018 19:52, rp

    Ich glaube, dass dies wieder nur eine Aktion ist, um möglichst viele sogenannte und evtl. auch reale Waffen abzusaugen. Die meisten Menschen in Dtl. kennen das Waffengesetz nicht und wollen sich auch nicht damit auseinander setzen. Das ist absolut nachvollziehbar und für mich auch Ok. Wenn jemand eine Waffe aus einem Erbe an den Hals geworfen bekommt oder sonstwie eine hat - das ist die Chance, das Problem vom Hacken zu treten. Aber es gibt viele Menschen, die Scheckschuss und sonstige erlaubte Waffen als Last (wg. Unkenntnis) empfinden und diese abgeben. Man, da könnte einem glatt das Messer in der Hose aufgehen. Diese Menschen geben die Waffen ab und wissen nicht einmal, dass die evtl. echte Raritäten sind und Geld einbringen könnten. Die Polizei wird die Waffen einfach entsorgen. Das machen die mit aller Sorgfalt, und ich denke, das ist auch gut so (für illegale oder ungebrauchte Waffen). Aber es gibt ja doch einige freie Waffen, wo ich sage, dass die nicht einfach so zerstört gehören. Eben weil diese Waffen Seltenheitswert besitzen... Oder sonstwie in einer Sammlung besser aufgehoben wären. Aber nein, jede potentielle Waffe wird vom Gesetzgeber als gefährlich eingestuft - ohne auch nur eine kleinste abgestufte Bewertung - und damit muss sie zerstört werden. Welche Angst müssen wohl die Verantwortlichen haben - oder wie unwissend sind die denn?

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  • 17.09.2018 16:56, rp

    @astm: Über die Vorgänge in Bosnien, Kroatien usw. kann ich mir kein Urteil erlauben.

    Aber der Gedanke mit dem Wehrlos-Machen hat schon etwas. Ich denke, dass die Umerziehung zu Menschen, die sich mit Waffen - egal welcher Art - nicht auskennen bzw. auch nicht einsehen, wozu sie sowas mal irgendwann brauchen könnten, ist ein seit langer Zeit (im Sinne von Generationen) laufender Prozess. Inwiefern gesteuert - da lehn ich mich nicht so weit aus dem Fenster...

    Man möchte meinen, dass in einer friedfertigen Gesellschaft ein waffenloser (und diesbzgl. ahnungsloser) Alltag auch langfristig kein Problem sein sollte. Nur leider ist das Utopie - die menschliche Gesellschaft ist nicht friedfertig. Jeden Abend wird einem Krieg in anderen Gegenden der Welt aufgetischt und auch bei uns ist man nicht wirklich sicher... Meine Meinung: nur Spinner glauben an das total friedfertige Raubtier Mensch!

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