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Entscheidung des Präsidialamtes: Kein Bundesverdienstkreuz für Tugce

17.06.2015

Die nach einem verhängnisvollen Schlag ins Gesicht verstorbene Studentin Tugce wird nicht posthum mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Diese Entscheidung teilte das Bundespräsidialamt am Mittwoch in Berlin mit.

Der Tod der 22-Jährigen habe Bundespräsident Joachim Gauck sehr berührt, doch eine ausführliche Prüfung und die Würdigung aller Umstände habe ergeben, "dass die sehr engen Voraussetzungen für eine posthume Verleihung nicht im erforderlichen Maße erfüllt sind", so die Mitteilung des Amtes.

Mehr als 300.000 Menschen unterzeichneten eine entsprechende Internet-Petition. Auch die Bundesregierung hatte Sympathie für den Vorschlag geäußert. Eine posthume Verleihungen des Bundesverdienstordens gibt es allerdings nur in seltenen Sonderfällen. Zu den wenigen Ausnahmen zählen der Flugkapitän Jürgen Schumann, der 1977 bei der Entführung der "Landshut" erschossen wurde, und der Geschäftsmann Dominik Brunner, der seinen Einsatz als Streitschlichter in München vor einigen Jahren mit dem Leben bezahlte.

"Komm doch her, du kleiner Hurensohn"

Die türkischstämmige Lehramtsstudentin, die für zwei drangsalierte junge Mädchen Partei ergriffen hatte, war in der öffentlichen Berichterstattung insbesondere in den Wochen nach der Tat vielfach als Heldin und Inbegriff von Zivilcourage gezeichnet worden. Dieses Bild relativierte sich jedoch mit weiterer Aufklärung des Tathergangs. So soll die Bedrohung für die beiden Mädchen vergleichsweise harmlos gewesen sein, auch soll Tugce den Täter Sanel M. provoziert und unter anderem mit den Worten "Komm doch her, du kleiner Hurensohn" beleidigt haben.

Oberstaatsanwalt Alexander Homm hatte in seinem Plädoyer erklärt, dass es in dem Fall "nicht nur Schwarz-Weiß, sondern viele Grautöne" gebe. Weder sei Sanel M. ausschließlich ein aggressiver "Koma-Schläger" noch Tugce eine "nationale Heldin" für Zivilcourage.

Die starke Emotionalisierung des Themas zeigte sich auch bei der gestrigen Verurteilung von Sanel M. zu drei Jahren Haft, bei der es zu lautstarken Protesten und Ausschreitungen kam.

dpa/ms/cvl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Entscheidung des Präsidialamtes: Kein Bundesverdienstkreuz für Tugce . In: Legal Tribune Online, 17.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15896/ (abgerufen am: 28.03.2020 )

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Kommentare
  • 17.06.2015 13:26, Werner

    Da bekommt der Begriff "Ehrenmord" eine ganz neue Bedeutung!

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    • 17.06.2015 15:36, NC

      Was hast du denn geraucht?

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    • 17.06.2015 17:12, Zig

      Was sich hier für gestörte Seelen rumtreiben... beängstigend!

  • 19.06.2015 00:47, Dummscheißer

    Jo! Hauptsache mal irgendwelchen Scheiß in die Kommentarspalte rotzen.

  • 19.06.2015 02:07, Ernst Albus

    Vorweg gesagt, ich habe viele Freunde und Bekannte in Ausländerkreisen oder jenen, deren Eltern noch eine andere Nationalität haben.

    Auch habe ich mit gleicher Betroffenheit zu Beginn dem Medienwahn nachempfunden, was wiederum deutlich macht, daß eine solche Macht in den Händen Weniger an sich viel mehr öffentliche Zurückhaltung erfordert, die aber schon länger keine Grenzen an Neugier und Geschmacklosigkeit mehr zu kennen scheint.

    Sicher ist es ein Schmerz für die Betroffenen, die ihr geliebtes Kind verloren haben, den kein Umstand der Welt mildern kann.

    Ich selbst hatte damals noch unter dem einseitigen Blick des Medienrummels Tugce als die tragische Heldin betrachtet und mit einer Verwandten im Facebook einmal korrespondiert und mein Beileid ausgedrückt, aber schon da darauf hingewiesen, daß selbst ein solches Ereignis nicht zum globalen Hass führen sollte.

    Nun haben sich im Nachhinein Aspekte ergeben, die das Verhalten von allen Beteiligten in einer tragischen Form relativiert hat, weil dies tagtäglich seit Jahrzehnten überall passiert - nicht nur in Deutschland - und in diesem Fall zu einem nicht gewollten Tod der jungen Frau geführt hat.

    Für die Familie, die sich unter dem Facebook- und dem Medienrummel damals so sehr bestätigt und unterstützt gefühlt hat, muss sich das furchtbar anfühlen, ist aber im Grunde von Anbeginn als inhaltlich subjektive Eskalation zu betrachten, die unter sehr verschiedenen Aspekten derart Raum gewinnen konnte, weil wir wieder einmal in Deutschland ein ganz schiefes Toleranzbild entwickelt haben.

    Ich möchte betonen, daß ich mich sehr viel mit rechtlichen und sozialen Aspekten unseres Landes permanent beschäftige und auch aktiv auseinandersetze.

    Und bin sicher nicht ein sehr begeisterter Anhänger unseres Rechtssystems, das mal ehedem noch einigermaßen handhabbar war und heute nur noch Kraut und Rüben ist.

    Daß unter diesen Bedingungen mal ausnahmsweise mit Augenmaß geurteilt worden ist, stellt eine ziemliche Ausnahme dar, im Sinne von Gerechtigkeit, die an sich über allem stehen sollte.

    Das klingt für die Familie selbst sicher grausam, nach so viel "Vorschusslorbeeren", aber real betrachtet war es ein typischer Aggressionsakt junger Menschen, zu denen auch Frauen gehören, seit sie ihre Selbstverwirklichung weitgehend umsetzen konnten und weder Tugce noch der junge Mann haben sicher darüber nachgedacht wie das ausgehen könnte - man ist einfach nur wütend, empört, beleidigt und es war bei den vielen Leuten leider keiner dabei, der genug Mut und innere Stärke hatte, dem die Spitze zu nehmen und Tugce ist quasi für nichts wahrhaft Besonderes gestorben - und das ist die eigentliche Tragik, die wir alle in Erinnerung behalten sollten....

    Trotzdem wird sie auf ihre Weise mir und sicher Millionen anderen unvergessen bleiben und dem jungen Mann, der wohl zur "Problemkaste" bisher gezählt worden worden ist, kann ich nur wünschen, daß er sich besinnt und seinem Leben künftig mehr Sinn geben kann, als nur zu provozieren oder sich immer provoziert zu fühlen.

    Dazu wird er allerdings auch einen gesellschaftlichen Rückhalt brauchen, den es allzuoft nur auf dem Papier gibt.

  • 22.06.2015 13:02, Justizopfer

    "So soll die Bedrohung für die beiden Mädchen vergleichsweise harmlos gewesen sein ..."

    Es ist abartig, wie hier steuerfinanzierte Richter u Staatsanwälte das Ansehen einer Toten in den Dreck ziehen.

    Tugce Albayrak verdient höchsten Respekt für ihre Zivilcourage, für die sie letztendlich mit ihrem Leben bezahlte.

    Der Umstand, dass die deutsche Justiz und Polizei für ihr Versagen immer wieder die Opfer von Straftaten verantwortlich macht, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass nur noch wenige Opfer Justiz/Polizei trauen. Zu Recht!

    Wer gebietet diesem arroganten Volk in Roben Einhalt? Warum musste durch dieses Urteil aus dem "Opfer Tugce" posthum auch noch das "Justizopfer Tugce" werden?