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Nach Anschuss durch Polizisten: Räuber bekommt 2.500 Euro für ver­lo­renen Hoden

14.12.2016

Beim Versuch, dieselbe Tankstelle ein zweites Mal zu überfallen, wird ein Mann von einem Polizisten angeschossen, eine Kugel trifft ihn am Genitalbereich. Für den nachfolgenden Verlust des Hodens erhält er nun ein Schmerzensgeld vom Land.

Seinen zweiten Überfall auf ein und dieselbe Tankstelle musste ein 25-Jähriger teuer bezahlen. Weil ihn der Schuss eines Polizisten so unglücklich traf, verlor er letztlich einen Hoden. Dafür forderte er vor Gericht Schmerzensgeld und bekam dieses nun vom Land Nordrhein-Westfalen.

Am Mittwoch einigte man sich vor dem Landgericht (LG) Mönchengladbach auf eine Summe von 2.500 Euro, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Zunächst hatte der Mann 10.000 Euro gefordert, dies aber später um die Hälfte reduziert. Vor Gericht machte er nun ein weiteres Zugeständnis.

Im Juli 2012 hatte er dieselbe Tankstelle zweimal überfallen. Als er aber für den zweiten Überfall die Tankstelle erneut ausspähte, schöpften die Mitarbeiter Verdacht und alarmierten die Polizei. Die Beamten legten sich daraufhin in einem Nebenraum auf die Lauer und warteten auf den Täter.

Hodenamputation nach Anschuss

Dieser setzte schließlich auch zum Raub an, als er mit einem Messer auf die Kassierin zuging. In diesem Moment sprang ein Polizist aus dem Nebenraum und verlangte von ihm, stehen zu bleiben. Unter nicht näher geklärten Umständen schoss der Beamte sodann zweimal auf den Räuber. 

Eine der Kugeln traf ihn von hinten ins Gesäß und verletzte einen Hoden, der schließlich operativ entfernt werden musste.

Nach den Angaben des Anwalts des Klägers habe er das Messer nach dem Ausruf durch den Polizisten fallen lassen. Der Beamte hätte demnach nicht schießen dürfen, argumentierte er. Das Land hatte dagegen erklärt, der Polizeibeamte habe sich in einer Notwehrsituation befunden.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Nach Anschuss durch Polizisten: Räuber bekommt 2.500 Euro für verlorenen Hoden . In: Legal Tribune Online, 14.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21465/ (abgerufen am: 15.09.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 14.12.2016 18:22, Das ist ja wohl...

    ...eine hodenlose Frechheit!

  • 14.12.2016 18:57, esfehltdiegründlicheReform

    Eine Riesenunverschämtheit seitens des bewaffenten Räubers, aber auch der beteiligten Justiz. Muss einem das seinen Freunden und Nachbarn gegenüber nicht peinlich sein?!
    Ich denke so als Vergleich an einen Arzt, der hemmungslos die Patienten und Kassen ausnimmt, für gerade noch eben legale Sinnlos-Medizin. Gibt es auch.

  • 15.12.2016 02:49, EisEokalt

    Kastrieren diesen Verbrecher. Feindstrafrecht!

  • 15.12.2016 08:16, Haha

    Sofern der Herr durch den Schuss unfruchtbar geworden sein sollte und uns damit möglicherweise Nachwuchs (im wahrsten Sinne des Wortes:) "erspart", sind die 2.500 € gut angelegtes Geld. :-)

    • 15.12.2016 09:42, Nun mal langsam

      Sie haben Ihre Kriminologie bestenfalls bei Dr. Mengele gelernt, oder? Es gibt keinen erwiesenen genetischen Zusammenhang bei Raub(!)-kriminalität.

      Und seit wann ist man(n) mit einem Hoden unfruchtbar? In Bio nicht aufgepasst? Dafür gibt es ja paarweise angelegte Organe. Falls mal eins ausfällt...

      Man man man.

      Mitdenken!

  • 15.12.2016 10:20, Haha

    Sie Meister-Biologe! Die Bedeutung eines Konditionalsatzes ist Ihnen nicht bekannt? In Deutsch nicht aufgepasst?

    Und einen genetischen Zusammenhang hat hier niemand behauptet!

  • 15.12.2016 11:27, patrick

    Auf welcher Grundlage wurde das Schmerzensgeld zugesprochen? Enteignender Eingriff?

    • 15.12.2016 12:26, Magi

      Laut Artikel wohl ein Vergleich, obwohl es nicht eindeutig drin steht. Anspruchsgrundlage dürfte die klassiche Amtshaftung nach § 839 BGB i.V.m. Art. 34 1 GG sein.

    • 15.12.2016 15:30, Peter

      Enteignender Eingriff setzt einen rechtmäßigen Eingriff in eine durch Art. 14 geschützte Rechtsposition voraus, scheidet also aus. Enteignungsgleicher Eingriff dürfte durch § 67 PolG NRW iVm § 39 I OBG NRW als lex specialis verdrängt sein (Polizeirechtlicher Entschädigungsanspruch). Daneben steht der Amtshaftungsanspruch.

  • 20.12.2016 00:32, Cage_and_Fish

    Seltsam humorlos, die Kommentare hier. Dabei lädt der Sachverhalt nun wirklich zu Satire ein, woran sich die jeweiligen Erstschreiber ja auch trefflich versuchen.

    Vielleicht sollte die LTO doch Emojis und die Markierung "Satire" für die Kommentare einführen. Ohne diese können einige Zeitgenossen den Sinngehalt der Texte (evtl wg zu viel Schaum vor dem Mund?) wohl nicht mehr ausreichend erfassen...

    • 22.12.2016 13:53, Jemand_NRW

      Jetzt wird schon zu wenig Unsachlichkeit beanstandet?!?

  • 23.12.2016 08:27, Viktor Mojse

    Bei solchen Fällen muß man immer (auch als Gericht) aufpassen, dass man die Sorgfaltsanforderungen an einen Polizisten nicht (besserwisserisch) überstrapaziert . Einen- einigermaßen großzügigen- Ermessensspielraum muß man dem Polizisten schon lassen !
    Ob im konkreten Fall wirklich ein NOTHILFEEXZESS (?) des Polizisten vorlag, kann ich nicht sagen, da ich natürlich die genauen Tatumstände nicht kenne.

  • 03.01.2017 09:27, Toubib

    Nicht zu vergessen, dass man mit einem Hoden durchaus, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, Karriere machen kann. Sogar wenn man Österreicher ist.

    • 04.01.2017 11:09, Super

      YMMD!

      lol

  • 05.01.2017 21:15, Jawohl!

    Der größte Amtshaftungsanspruch aller Zeiten.. "GröAaZ"

  • 15.12.2017 14:42, Florian

    Das werden langsam amerikanische Verhältnisse hier. Dieb verletzt sich bei Ausübung seiner Tätigkeit und das Opfer wird erfolgreich verklagt. Fehlt nur noch dass der Tankstellenbesitzer wegen aggressiver Anstiftung zum Raub verklagt wird.