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Ranking in der Suchmaschine: Alles SEO oder so

von Tanja Podolski

07.10.2017

Wenn Ihnen eine SEO-Agentur sagt, Sie sollen die Dichte der Begriffe erhöhen, könnten Sie das Geld für diesen Dienstleister lieber für karitative Zwecke spenden. Suchmaschinenoptimierung funktioniert anders - und hier erfahren Sie, wie.

Search Engine Optimization, kurz SEO, ist noch nicht Legal-Tech. Sie ist trotzdem wichtig, wenn eine Kanzlei mit ihrem im Internet präsentierten Angebot auch tatsächlich aufgefunden werden möchte. Beschäftigen möchten sich die Partner der Sozietät jedoch in aller Regel nicht, die Website soll einfach gut performen, wie man so neudeutsch sagt. Das Thema soll also entweder der IT-ler übernehmen, der - das sei nur angemerkt – das nicht kann. Oder ein anderer Fee-Burner, in der Regel eine Agentur.

Davon gibt es viele – und leider ebenso viele, die SEO nicht so gut können, wie sie versprechen. Ein Indiz für mangelnde Aktualität bei diesem Thema ist, dass der Agentur-Profi der Kanzlei erklärt, bestimmte Schlüsselwörter müssten möglichst häufig in den Texten auf der Website vorkommen. Das ist der Moment, in dem sich jeder für Marketing zuständige Partner nach einer anderen Agentur umschauen sollte.

Ziel ist eine informative Website

Die Gründe dafür sind leicht nachzuvollziehen, wenn man verstanden hat, was SEO eigentlich ist. Es geht darum, die Inhalte auf einer Website für den User, also den Leser oder potenziellen Mandanten, zu optimieren. Das erreicht man jedoch nicht, indem man möglichst häufig und in allen möglichen männlichen und weiblichen Formen den Begriff "Anwalt" verwendet. Ziel muss vielmehr sein, dem Leser die Informationen zu liefern, die er im Internet sucht. Dafür müssten der Agentur tatsächlich auch Begriffe genannt werden, unter denen man im Internet gefunden werden will.

Die Zielgruppe der Anwälte sind die Mandanten. Die Familienrechtler unter ihnen sollten daher möglichst viele Informationen zu Ehe, Trennung, Scheidung, Unterhalt, elterliche Sorge, Umgangsrecht etc. mitteilen. Die Immobilienanwälte die Unterschiede zwischen Asset- und Share-Deal, Bau- und Bauplanungsrecht, vielleicht noch Projektentwicklung u.ä. aus ihrem Fachbereich darstellen. Und die Gesellschaftsrechler die diversen Gesellschaftsformen sowie aktuelle Rechtsprechung etwa zur Unternehmensmitbestimmung auf europäischer Ebene erklären.

Die Frage zur Überprüfung der eigenen Inhalte muss dabei stets sein: Liefert der Inhalt meines Textes genug Informationen, damit der Leser auf meiner Seite alle Informationen findet und nicht nach wenigen Sekunden diese wieder verlässt?

Google kann messen - und tut es auch

Diese Notwendigkeit besteht, weil Google das Verhalten der User misst – so erschreckend, wie das klingen mag. Die Suchmaschine stellt automatisch fest, wie lange der Nutzer auf einer Website verbleibt und auch die Mausbewegungen werden erfasst.

Trifft die Website die Suchintention des Users, so steigt die Seite im Ranking bei Google weiter nach oben – bis sie es, wenn sie richtig gut gemacht ist, bis fast ganz oben in die Trefferliste bei Google geschafft hat. Aber auch nur fast - denn ganz oben stehen die Google-Werbeanzeigen, diese sind ein anderes Thema und in der Regel teuer erkauft.

Top-Ranking ohne Treffer beim Suchbegriff

Dementsprechend können die relevanten Begriffe eines Rechtsgebietes natürlich regelmäßig auf den Website-Texten vorkommen. Allerdings geht es dabei nicht um die Häufigkeit der Nennung, sondern ausschließlich um die Qualität der Inhalte. Tatsächlich kann ein Text sogar dann gut im Google-Ranking abscheiden, wenn der eingegebene Suchbegriff selbst überhaupt nicht vorkommt.

Das gilt allerdings nicht für stark umkämpfte Suchbegriffe oder Wortkombinationen wie etwa "Anwalt in Köln". Da sollten die Schlüsselwörter schon fallen. Doch das eigentliche Ziel muss immer sein, dass der Leser in dem Beitrag alle relevanten Informationen auf der Website findet und die Seite nicht wechseln muss, um sich weitergehend zu informieren. Da fallen die Wörter "Anwalt" und "Köln" wohl von allein.

Fazit: Die Geschichte mit der Häufigkeit der Schlagworte stimmt nicht mehr, sie hat keine positive Auswirkung auf das Ranking der Seite. Von dieser Fehlinformation bleibt daher nur die Essenz: Je besser der Artikel der Suchintention des Lesers gerecht wird, desto besser ist die Sichtbarkeit, also die Auffindbarkeit, im Internet. Wer gut abschneiden will bei Google, der sollte gute Texte schreiben. Wenn der Mandant in dem Artikel alles findet, was er sucht, steigt das Ranking von ganz alleine.

Für alle Interessierten: Derzeit findet zum Beispiel ein experimenteller SEO-Contest statt. Suchmaschinenoptimierer müssen versuchen, das Keyword "Siebtlingsgeburt " innerhalb von 14 Tagen bei Google auf Platz 1 zu ranken.

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Ranking in der Suchmaschine: Alles SEO oder so . In: Legal Tribune Online, 07.10.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/24885/ (abgerufen am: 19.04.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 07.10.2017 11:00, McMac

    Das ist richtig, aber längst nicht alles. ZB müssen die Texte auch gramattikalisch korrekt sein - auch das ein Google-Kriterium; sie müssen gut lesbar sein, also keine verklausulierten Schachtelsätze; auch das interne und externe Linkbuilding stärkt das Ranking. Ebenso das Tagging von Bildern und die Art von deren Einbindung; die Seitenstruktur und Häufigkeit der Aktualisierung; die Einzigartigkeit von Content (wer Texte kopiert oder sonstwie doppelt, schadet seiner Seite). Die Liste ließe sich noch ewig fortsetzen. Für all das braucht man Agenturen, die sich auskennen. Ob diese gut arbeiten, sieht man an ihren Referenzprojekten. Richtig ist, dass Keywordbombing kontraproduktiv und ein Anzeichen für jemanden ist, der keine Ahnung hat. Ohne externe Hilfe wird aber keine Kanzlei auskommen, die es richtig machen will. Und eine gute Agentur ist gut investiertes Geld, das sich rasch amortisiert.

    • 07.10.2017 13:56, xy

      "gramattikalisch korrekt"
      Orthografisch korrekt wäre wohl auch nicht schlecht.

  • 07.10.2017 13:41, M.D.

    Gut, wenn man vor dem Jurastudium Informatik studiert hat. Dann macht man das nämlich alles selbst. Im Übrigen gibt es dafür bei Wordpress auch nette Plugins :)

    • 08.10.2017 21:59, Dirk

      Etliche "nämlich alles selbst" Macher, haben noch nicht einmal die Chance EINEN Fehler aus dem Artikel zu finden und denen(!) bleibt nur "im Übrigen" zu nennen, was für solche Selbstmacher die lediglich von einem man schreiben dürfen, der "alles" 'selbst' machen kann, während die selbst nur rein zufällig von Wordpress berichten können, natürlich verborgen bleibt.

      Die Gefahr wenn junge Menschen nicht mehr selber einzelne Punkte notieren dürfen und nur abstrakt von "man"/"alles" ohne eigene(!) Aussage schreiben können und dann auch noch mit Übrigen ergänzen müssen, ist dass diejenigen nicht mehr unterscheiden können ob sie selbst etwas verstanden haben oder nur man gebraucht haben um das zu vertuschen.

  • 08.10.2017 05:35, Dirk

    AUWEIA, wenn so viele Fake-Stories nicht an einem ersten UND nicht kurz nach März kommen, dann:
    - wurden alle Webseitenbetreiber gezwungen auf deren Seite ein Google-Script einzubetten, um die Zeit und gar Mausbewegungen zu erfassen, was allerdings bisher noch nicht mal im Ansatz von Google bereitgestellt wird
    - kann Google "die"(undefinierte)"Qualität der Inhalte" von Texten messen, selbst wenn kein Qualitätsmerkmal außer Häufigkeit der Suchbegriffe und Nähe zueinander, aus dem Text ablesbar ist
    - wird die Suchintention (Fall,Anwalt,Politik oder Allgemein) mit dem 'gutem' Text aus dem Artikel verglichen und das "Ranking" aus der Intention des Artikeltexters steigt von ganz alleine
    Da wären ein paar altdeusche Worte zur Einleitung mit ein paar Hinweisen auf Suchwortdichte und andere Faktoren, anstelle der Fake-Geschichten nicht nur kürzer, sondern auch informativer, im Sinne eines anderen Datums.

  • 08.10.2017 07:14, Joana

    Der Artikel sagt überhaupt nichts über SEO aus. Das findet auf so vielen Ebenen statt - von der Ladezeit, über eine vernünftige Keywordrecherche, bis hin zu den Backlinks. Ohne letztere wird man es nie auf die erste Seite schaffen.

    • 08.10.2017 08:28, Robert

      Backlinks sind ja sowas von 2012...

    • 08.10.2017 10:51, Joana

      Nch wie vor am wichtigsten, nur eben Klasse vor Masse.

  • 12.10.2017 16:48, Johanna

    Also der Begriff steht auf Platz 1, allein weil er hier erwähnt wird und viele Zugriff stattgefunden haben ....

    Von wegen Google misst sowas bei allen !!! - Nur bei denen die keine Ahnung haben kann Google irgend was messen und verfolgen , schalten Sie einfach Java Script ab und der Fall mit messen und Mausbewegung ist Geschichte... Dumm wenn man die Gefahr von Google noch nicht erkannt hat und auch bei seinen Kunden / Clienten nicht Suchmaschinen der anderen Anbieter benutzt. Zudem sollten alle Anwälte über Proxy ( und wenn es nur ein PHP Proxy auf dem eigenen Webserver ist) surfen, sie sind dann einfach weniger angreifbar - Machen Sie das einmal und Sie werden sehen wier sauere Google beim Besuch darüber wird :) Viel Spass dabei - nichtmal bei meinem Android kann Google mehr Daten absaugen - Optimierer für Google erzählen eh nur Müll - das war aber seit 15 Jahren so !!! Suchen Sie sich wirklich gute EDV'ler die sie unabhängig von Google und Fitt für Ihre Sicherheit machen ....

    Grüße

  • 13.10.2017 16:25, Dirk

    Dumm, im Sinne der klassischen Definition, ist derjenige der beim "Also der Begriff steht auf Platz 1" nicht einmal den Begriff selbst nennen kann.
    Dumm, im Sinne der klassischen Definition, ist derjenige der von "der" Gefahr schreibt, aber nicht einmal bemerkt, dass selbst der Artikel, der selbst schon praktisch rein esoterische Grundlagen hat, nicht so weit geht eine Webpräsenz mit dem eigenen Besuch von Webpräsenzen zu verwechseln.
    Die kindliche Vorstellungen "wier sauere Google beim Besuch darüber wird", sind dann das Ergebnis solcher Spezialisten.

    • 16.10.2017 13:08, Ergänzung

      Na, na, der Begriff steht ganz oben siehe "Siebtlingsgeburt ", mit Verlaub, wer Tippfehler findet darf sie gerne behalten :)

    • 18.10.2017 11:38, Dirk

      Kindliche "Ergänzung", die keinen ganzen Satz mehr lesen darf und dafür noch Tippfehler ergänzen muss, ist dann die typische Folge der Unbestimmtheit.
      'Der' Begriff "Siebtlingsgeburt" steht [ohne Ortsangabe] nicht(!) "ganz oben" wie das Siehe-
      Ergänzungsprogramm gesehen hat, was wohl nicht selber schreiben darf Das ist wohl ein reines Verlaub Programm und beherrscht allenfalls die Setzung von einem Ausrufezeichen.

  • 13.10.2017 18:47, Rumpf

    Als Inhaber einer Kanzlei mit in der Summe vier Anwälten, einer kleinen Unternehmensberatungsfirma in der Türkei habe ich seit jeher meine Seiten selbst gemacht, nach anfänglicher Unterstützung beim Design. Eingabe "türkisches Recht" (oder ähnliche Begriffe) fördern in der Regel als erstes meine Seiten zutage. Grund (vermutlich): Ordentliche und einschlägige, meist auch funktionierende Verlinkungen in größerer Zahl, eine größere Anzahl informativer Texte aus Wissenschaft und Praxis meiner Tätigkeit. Eine gewisse Ästhetik, ohne den Mainstream von "chic" zu reflektieren. Regelmäßige Aktualisierung. Tatsächlich kommen die meisten unserer Mandanten über das Internet ...

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