Der Ehrendoktortitel: Für Könner und Gönner

von Hermann Horstkotte

19.12.2017

So facettenreich wie der Dr. h.c. ist kein anderer akademischer Grad im wirklichen Leben. Hermann Horstkotte zu einem Urteil des OLG Hamm, das jedenfalls die Import-Titel aus Osteuropa besiegelt – auch ohne Leistung, stattdessen für viel Geld.

"Für den Erwerb der Bezeichnung Dr. h.c.", den Doktor honoris causa (Ehrendoktor), stellt beispielsweise eine Kölner Beratungsfirma 20.000 Euro in Rechnung. Das ist doppelt so viel wie für einen Fachabschluss, etwa einen solchen zum Dr. jur. Die höheren Kosten machen es dem Bewerber aber auch viel leichter. Der Vermittler erläutert auf seiner Webseite: "Für die Verleihung der Ehrendoktorwürde ist keine Prüfung vorgesehen", nicht einmal Abitur nötig. Und weiter: "Wir suchen eine Universität, die Sie ernennt, einschließlich förmlichem Verleihungsakt in Ihrer persönlichen Anwesenheit."

Das ist kein Schwindel, sondern ein umsatzsteuerpflichtiges Serviceangebot, wie es so oder so ähnlich heute zahlreiche Lobbyagenturen machen. Passend dazu das nun rechtskräftige Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm, das kürzlich bekannt geworden ist - und solche Geschäfte besiegelt.

Im konkreten Fall hatte jemand den Ehrendoktor von der staatlichen Uni in Jassy (Rumänien) bekommen. Im Nachhinein hielt er die Vermittlungsgebühr – es ging in dem Fall um genau 17.850 Euro – für sittenwidrig, weil für den Titel keinerlei wissenschaftliche Leistung nötig gewesen sei. Im Gegensatz dazu schloss das Gericht aber nicht aus, dass es bei der Verleihung doch "jedenfalls auch" um Wissenschaft gegangen sei. Dafür bürgt die älteste Universität in Rumänien immerhin mit ihrem Namen. Wie die Richter ferner befanden, habe der frischgebackene Ehrendoktor nicht bewiesen, dass die Vermittlungsgebühr zum Teil wirklich an die Uni oder deren Bedienstete geflossen sei.

Im Ergebnis bleibe er dem Mittelsmann daher das vereinbarte Honorar schuldig. Vielleicht kann das den jungen Dr. h.c. aber jetzt trösten: Mit seinem Fall hat er der Allgemeinheit einen Weg aufgezeigt, wie wir alle nach Recht und Gesetz Ehrendoktor werden können - jedenfalls im Osten des gemeinsamen europäischen Hochschulraums.

Was ist der Ehrendoktortitel noch wert?

"In den Augen anständiger Menschen" beruhten öffentliche Titel "auf Mühen und Verdiensten" - das hat der Bundesgerichtshof (BGH) vor gut zwanzig Jahren entschieden. Das dürfte in unserem "Wertgefüge" heutzutage auch immer noch gelten. Deshalb hat der Dr. h.c. in der modernen Leistungsgesellschaft etwas Irritierendes. Denn darauf kann sich niemand selbst bewerben, vielmehr ist es immer ein einseitiger Gunsterweis, den eine Universität oder hierzulande auch eine Landesregierung nach eigenem Belieben vergibt.

Das hat oft einen schalen Beigeschmack, wie ein besonders krasses Beispiel illustriert: Wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens verlor die frühere Bildungsministerin Annette Schavan 2014 ihren Düsseldorfer Doktorhut – und wurde trotzdem noch im selben Jahr Ehrendoktorin der Uni Lübeck, weil sie das finanzielle Überleben der dortigen Medizinischen Fakultät ermöglicht habe. Als Patin, als amiga?

Zitiervorschlag

Hermann Horstkotte, Der Ehrendoktortitel: Für Könner und Gönner . In: Legal Tribune Online, 19.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26091/ (abgerufen am: 17.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 19.12.2017 13:04, header

    Holen sich dann alle, die sich vorher den JUDr. geholt haben (in der Hoffnung ihn hier in D als Dr. nutzen zu können) einen Dr. h. c. in Rumänien?

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    • 21.12.2017 14:47, Josef von+Arimathäja

      Wer´s braucht und sonst nichts kann, bitte.

  • 19.12.2017 16:26, Hermann Horstkotte

    Die Frage von header stellte ich mir auch. Die Antwort der Kultusministerkonferenz/ZAB:
    "Rumänische Ehrendoktorate können in der verliehenen Originalform mit Herkunftsbezeichnung geführt werden. Da die rumänischen Ehrenbezeichnungen in Rumänien selbst auf nationaler Ebene nicht rechtlich geregelt sind, sondern lediglich in Statuten einzelner Hochschulen (wie in den Promotionsordnungen deutscher Unis, H.H.), empfiehlt die ZAB eine Prüfung im Einzelfall."
    Für eine gerichtliche Klärung wären unsere Verwaltungsgerichte zuständig, nicht das OLG. Grundsätzlich führt jeder rumänische Ehrendoktor hierzulande den Titel (in nostrifizierter Form) auf eigenes Risiko.

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    • 19.12.2017 18:39, Dr. h.c.

      Interessanter Gedanke, das mit den Verwaltungsgerichten. Wer wäre denn in einem solchen Fall klagebefugt?

  • 19.12.2017 19:36, Hermann Horstkotte

    Klagen kann immer eine Behörde, z.B. der Staatsanwalt wg. Titelmissbrauch nach 132a StGB. Bekannt sind auch Fälle, in denen z.B. ein Anwalt einen anderen unter Wettbewerbsgesichtspunkten wg. unberechtigter Führung des "kleinen osteurop. Doktors" hierzulande als Dr. verklagte. In derartigen Fällen gibt das Zivilgericht die Titelfrage zur Klärung an das Veraltungsgericht ab.

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  • 20.12.2017 09:13, Hermann Horstkotte

    "Akademischer Karnevalsorden" nennt ein LTO-Leser und sehr ernstzunehmender Rechtsprofessor den Ehrendoktortitel. Den Terminus könnte man sich merken.

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  • 20.12.2017 18:19, Wissenschaftsschande

    Wer glaubt, so etwas gibt es nur im Ausland (Osteuropa & Co.). der irrt gewaltig:

    Ehrendoktor:
    am zwielichtigsten war in jüngster Zeit wohl die Titelvergabe an den hessischen Ex-Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) seitens der EBS Law School in Wiesbaden. Minister Hahn förderte den Aufbau der Law School in Wiesbaden massiv, klar: mit Steuergeld. Wiesbaden sollte ja unbedingt Unistadt werden. Das Ganze ging wirtschaftlich voll in die Hose (die SRH Holding musste als Retter einspringen). Und nach einer Schamfrist (Ende der Amtszeit als Justizminister - JUH ist heute nur noch MdL) gabs den Ehrendoktor. Toll! Ich habe noch nie etwas wissenschaftliches von JUH gelesen. Und mit der finanziellen Förderung des Fachbereichs hat JUH doch nur seinen Job gemacht. Und den ja auch nicht toll wie die beinahe Insolvenz der EBS Law School zeigt. Steuermittel verbrannt, Ehrendoktor abgegriffen.

    Honorarprofessor:
    Klar, es gibt auch verdiente Honorarprofessoren. Aber: einfach mal an den Fachbereichen schauen, wer es wird. Oftmals nicht die verdienten Lehrbeauftragten, die 20 Jahre eine gute Lehre abliefern und jede Woche Vorlesung abhalten. Sondern oft BGH-Richter, Großkanzlei-Partner und Leiter von Rechtsabteilungen wichtiger Konzerne. Zumindest in Variante 2 und 3 fließt oftmals Förderungsgeld und seien es auch nur Buchspenden, Ausrichtung von Kongressen u.ä. In Variante 1 geht's nur um den Schmückungseffekt. In allen drei Varianten ist die "Ehre" (Honorar, honoris) sehr überschaubar. Die geleisteten Lehrveranstaltungen sind oft übersichtlich (Länge, Qualität, Quantität). Oft gibt's den Honorarprofessor dann schon nach drei Jahren für drei Blockveranstaltungen im Semester oder im Doppelsemester und es wird halt die eigene Arbeit nochmals reproduziert (mal schön die greatest Hits des eigenen Senats wiederholen; ein M&A-Handbuch aus der eigenen Kanzlei vorlesen, das Associates zusammengestoppelt haben u.ä.). Teilweise echt traurig und wissenschaftsunwürdig!

    Fazit:
    Da braucht man nicht mit dem Zeigefinger gen Rumänien schauen wie hier im Beitrag! Man muss vielmehr oft nur vor der eigenen Türe mal genau hinschauen!

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    • 21.12.2017 14:24, GUNTHER MARKO

      Stimmt.

  • 21.12.2017 09:20, Hermann Horstkotte

    Sonderweg Osteuropa
    Der Art. zeigt keineswegs "nur" gen Rumänien - mit dem Beispiel des VW-Betriebsratschef Volkert auch auf Deutschland. Ein weiteres Beispiel aus Niedersachsen ist der Unternehmer Carsten Maschmeyer, Dr. h.c. der Uni seiner Heimatstadt Hildesheim wg. Verdiensten "um die Wissenschaften"; Maschmeyer hatte eine halbe Million für eine Professur springen lassen. Laudator war der seinerzeitige Ministerpräsident Chr. Wulff (https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13932431/Wie-Carsten-Maschmeyer-zum-Doktortitel-kam.html).
    ABER: Im Unterschied zu Rumänien ist nicht bekannt, dass Ehrendoktoren dt. Unis den Titel über bezahlte Mittelsmänner verliehen bekommen.

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  • 21.12.2017 09:34, Hermann Horstkotte

    Honprof. = Dr. h.c. plus
    Unter der Überschrift "Wissenschaftsschande" weist der LTO-Leser hier mit dem "Honorarprofessor" einen weiteren, vielleicht noch prestigeträchtigeren Karnevalsorden hin (http://www.zeit.de/studium/hochschule/2012-10/honorarprofessur-schavan-promis/seite-2). Den vergeben insbesondere auch Fachhochschulen, weil sie anders als Unis generell kein Promotionsrecht haben.

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  • 21.12.2017 15:53, Edlub

    Den bezahlten "h.c." kann man schwer mit dem leicht erwbenen ohne Attribut vergleichen.
    Beide werden, so sie aus EU-Staaten stammen, problemlos in Ausweisdokumente eingetragen. Dies gilt, wie ich mich erst vor einigen Tagen überzeugen konnte, auch für den "Professor" an einer Krämer-Akademie oder den Honoar-Professor einer Universität mit "Befreiung vom Lesen".

    Hübsch - und gefährlich finde ich auch den an russische Einwanderer in Bayern zur Begrüßung taxfrei verliehehen "Dr.med.", den sie im Herkunftsland nie erreichten. Da heißt es nur, bei solchen Praxisnachfolgern die Beine in die Hand nehmen und das Weite suchen...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 22.12.2017 09:58, Hermann Horstkotte

    Dr. med.
    Zu Edlub-Komm.: Da muss man unterscheiden. Der russ. "Kandidat" entspricht dem dt. Dr.
    Der Dr.med. berechtigt aber nicht zur Berufsausübung als Arzt und zur Praxisübernahme. Die hängt vielmehr ja von der Approbation ab, mit ohne ohne den Vornamen Dr.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 22.12.2017 10:32, Josef von+Arimathäja

    Ich verstehe den ganzen Aufruhr nicht. Da gab es vor einem halben Jahrhundert den Titel "Konsul" gegen Bares, vor einigen Jahren den Doktortitel aus Pollen und der Schweiz und anderen Ländern und nun eben aus Rumänien. Nach meinen Erfahrungen sind es nicht die Titel sondern die Fachkenntnis und deren Umsetzung welche eine Persönlichkeit ausmachen. Ich habe den Verdacht und meine Erfahrungen bestätigen dies: Es gibt noch zu viele copy&past Experten. Kürzlich hat ein Richter wegen Überlastung geklagt und nun will man wegen rumänischer Doktortitel noch einen Streit vom Zaun brechen? Wie verträgt sich das mit der Überlastung der Justiz.

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  • 23.12.2017 13:17, Hermann Horstkotte

    Nein, nein, werter Kommentator Josef v. A.: Der Dr.h.c aus Rum. ist keine Frage der Justiz, nach geltendem Recht ist damit ja alles in Ordnung - genau das ist das Problem:)

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 25.12.2017 11:45, Josef von+Arimathäja

      Sehr geehrter Herr Horstkotter.
      Ich gab Leute die auf Ihrem Posten ihr Bestes geben. Ich denke da auch an Leute von der Straßenreinigung, die leider wenig Beachtung finden. Die halten im Sommer Straßen, Plätze und Straßenränder in Schuss und im Winter stehen sie wenn es sein muss in Wechselschichten 24 Stunden am Tag zur Verfügung um Straßen zu räumen und Salz zu streuen, ohne jede Aussicht einmal einen Dr. h. c. verliehen zu bekommen und darunter gibt es sehr patente und zufriedene Leute mit ihrem Dienst am Menschen. Wer also ohne den Protz nicht leben kann, soll sich in Gottes Namen einen Titel kaufen, der erhöht weder den Intellekt noch die Produktivität ob geistig oder körperlich. Wer etwas kann, wird auch solchen Menschen her ausleuchten.

  • 24.12.2017 22:28, @topic

    Es soll auch Leute geben die sind Dr. ja sogar Prof. ganz ohne h.c. und haben dennoch nicht ansatzweise alle Latten am Zaun. Rauscher, Schäuble, die Liste ist lang...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.12.2017 13:37, Josef von+Arimathäja

      Sehr geehrte(r) @topic,
      Ich kenne das. Ich habe Jahrelang mit einem Prof. über eine leicht nachweisbare Sache gestritten welche in jedem Jahr Tausende male auftritt und leicht zu überprüfen ist. Doch da war der Prof. anderer Ansicht und ich musste etwas dazu schreiben. Nun konnten das Hunderte Leute überprüfen und das mit dem von mir publizierten Ergebnis. Ergo: Auch ein Professor lernt nichts wenn er nicht will.

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