Löschung aus Vereinsregister?: Wie mächtig der FC Bayern sein darf

von Dr. Dirk-Ulrich Otto

12.09.2016

Zwingt ein Zivilrechtsprofessor aus Osnabrück den FC Bayern in die Knie? Der publikumswirksame Vorstoß von Lars Leuschner wird nicht zur Löschung des FCB führen. Und ist doch ebenso richtig wie wichtig, findet Dirk-Ulrich Otto

Woche für Woche fiebern Millionen Deutsche mit "ihrem Verein". Soweit es dabei um den Profifußball geht, stimmt dieser Satz juristisch in den meisten Fällen längst nicht mehr. Fast alle in der ersten bis dritten Liga vertretenen Vereine haben mindestens ihre Lizenzspielerabteilung in eine GmbH oder Aktiengesellschaft ausgelagert. Anhänger von Borussia Dortmund, 1860 München oder von Greuther Fürth müssten genaugenommen ihre Kommanditgesellschaft auf Aktien bejubeln.

Als Fangesang klingt das nicht so toll. Der Deutsche Fußballbund (DFB) findet das auch. Mit der "50+1 Regel" sieht der Dachverband des deutschen Fußballs deshalb vor, dass der Mutterverein immer das überwiegende Stimmrecht in der Kapitalgesellschaft behalten muss. Bei Verstoß dagegen gibt es keine Lizenz, sogar Rasenballsport Leipzig hat sich dieser Vorgabe am Ende irgendwie gefügt. Dann passt es wieder halbwegs mit der großen ideellen Tradition der deutschen Fußballvereine.

Renditegetriebene Investoren sollen keinen beherrschenden Einfluss nehmen können. Weil er eben daran zweifelt, hat aber nun Lars Leuschner, Professor für bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Universität Osnabrück, in der vergangenen Woche beim Amtsgericht (AG) München angeregt, den FC Bayern München (FCB) e. V. aus dem Vereinsregister zu löschen.

Für die Kita recht, für die Bayern unbillig?

Ein eingetragener Verein, der über einen Nebenzweck hinaus wirtschaftlich aktiv sein will oder dies objektiv besehen ist, muss sich dafür eine andere Rechtsform suchen. Deshalb verweigert vor allem das Berliner Kammergericht derzeit reihenweise den Trägervereinen von Kitas die Eintragung und bestätigt die Löschung schon vorhandener Einträge.

Die Konsequenzen sind immens: Der Verein ist aufgelöst. Wollen seine Mitglieder ohne Umwandlung in eine andere Gesellschaftsform weitermachen, haften sie alle unbeschränkt für jede weitere Aktivität persönlich. Für einen Verein der Größenordnung des FCB wäre das undenkbar. Die Rechtsgrundlagen sind aber für den erfolgreichsten Fußballverein Deutschlands dieselben wie für die Kita in Neukölln. Hinzu kommt nur, dass der Fußballverein seine wirtschaftlichen Aktivitäten in eine Tochtergesellschaft verlagert hat.

Lars Leuschners "Antrag" bei dem AG München, den FCB zu löschen, ist nur eine Anregung. Ein Antragsrecht hat der einzelne Bürger nicht. Leuschner, der das Vereinsrecht zu einem seiner Forschungsschwerpunkte gemacht hat, musste auch gar nicht behaupten, dass er die Löschung wirklich für geboten hält. Das AG scheint das Thema dennoch sehr ernst zu nehmen, immerhin wurde der Club förmlich zu einer Stellungnahme aufgefordert. Vielleicht sollte der FCB einfach in das Land Brandenburg umziehen, das dortige OLG bewertet den Bestandschutz einmal eingetragener Vereine ziemlich hoch.

Warum die ADAC-Lösung dem FCB sogar schaden könnte

Das Ganze erinnert an die Ereignisse um einen anderen Großverein, dem genauso wie dem Profifußball eine gewisse volkswirtschaftliche Bedeutung beim besten Willen nicht abgesprochen werden kann. Auch für den ADAC ist das Münchner AG zuständig. Der Automobilclub hat nach einigem internen Streit im Mai 2016 in Lübeck eine umfassende Strukturreform beschlossen.

Der ADAC wird in drei Teile geteilt, Verein und wirtschaftliche Aktivitäten sollen getrennt werden. Die neue Struktur läuft unter anderem darauf hinaus, dass der Verein seinen beherrschenden Einfluss auf seine wirtschaftlich aktiven Ableger verliert.

Seither ist von dem Löschungsverfahren beim AG nichts mehr zu hören. Wenn es nun aber richtig ist – und so hat nach Informationen des Branchen-Magazins Juve vor allem Freshfields den ADAC beraten –, dass nur die freiwillige Aufgabe seines beherrschenden Einflusses auf die Wirtschaftsunternehmen den ADAC als eingetragenen Verein retten wird, dann bricht genau diese Überlegung der "50+1-Regel" des Bundesligasports das Genick. Der Widerspruch wäre nicht auflösbar: Die Ligazulassung würde genau die beherrschende Einflussnahme verlangen, die das Vereinsrecht verbietet.

Zitiervorschlag

Dirk-Ulrich Otto, Löschung aus Vereinsregister?: Wie mächtig der FC Bayern sein darf . In: Legal Tribune Online, 12.09.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20553/ (abgerufen am: 24.03.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.09.2016 20:51, Klaus

    Na also:
    Hoeneß = erwischter Millionenschwerer Steuerhinterzieher
    Rib??? = mutmaßlicher Kinderficker (unter 18) und schlimmeres
    Rummenigge???: Schmuggel am Zoll vorbei, erwischt
    Breno??? überführter Brandstifter
    Beckenbauer? ??? Was jetzt?
    Dieser sog. Verein scheint ein Sammelbecken krimineller Elemente zu sein, da ist es nur konsequent, wenn man diese kriminelle Vereinigung schnell auflöst und im Polizeistaat Bayern hart und entschlossen das Verbrechen und die CSU bekämpft.

    • 13.09.2016 14:35, MJH

      Oh Gott... Ich hoffe, mein Gehirn hat hitzebedingt die Ironie hinter ihren Eintrag nicht gleich entdeckt. Ich dachte, solche Kommentare finden sich nur auf facebook - und da sind sie schon schlimm genug..

    • 13.09.2016 18:47, Hans

      Ist keine Ironie. In München gibt es einen anderen Fußballverein, der besser ist: TSV 1860. Kein echter Münchner geht zum FCayern.

  • 13.09.2016 00:48, bergischer Löwe

    "Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit rege ich an, den im Vereinsregister des Amtsgerichts München unter VR 2463 geführten FC Bayern Mün­chen e.V. wegen Rechtsformverfehlung zu löschen (§§ 395 Abs. 1, 24 Abs. 1 FamFG).“

    http://notizen.duslaw.de/rechtsformverfehlung-des-fc-bayern-muenchen-e-v-erlischt-der-stern-des-suedens/

    Nun, banale Sätze können weitreichende Folgen haben.

  • 13.09.2016 01:07, Dimitria

    Jawohl, weg mit diesem Show-Betrieb.
    Oder gilt auch hier das Wort, von den Großen, die man laufen lässt, während man die Kleinen hängt?

  • 13.09.2016 13:22, Victory

    Was soll das insgesamt. Herr Prof. Dr. jur. Leuschner hat mahr im Sinn, als was hier vorgetragen werde. Den FC Bayern als schlimmsten Kapitalisten als Fussballclub zu demontieren. Das steckt viel Neid dahinter,was in Deutschland tagtäglich praktiziert werde. Ich hoffe, dass das Amtsgericht München dem nicht Folge leisten werde, weil wieder einer versucht die Naturgesetze ausser Kraft zu setzen. Wie immer die Nordlichter, weil bei Bremen und Hamburg nicht alles funktioniert, ihren Ego raushängen wollen. Was sie damit anrichten, müsste einem Prof. Dr. jur. Leuschner bekannt sein, bei aller Abwägung der Tatsachen.
    Servus nach Oldenburg an die Fakultät für Bürgeliches Recht, etc.

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