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VG Ansbach zu Totenruhe: Urne bleibt beim Umzug zurück

25.08.2016

Die Urne eines Familienmitglieds darf nicht einfach auf einen anderen Friedhof umgebettet werden. Das VG Ansbach gab einer Kirchenstiftung Recht, die einer Frau untersagt hatte, eine Urne von Ansbach nach Thüringen zu überführen.

Eine Urne darf aufgrund eines Umzugs nicht auf einen anderen Friedhof überführt werden. Der Schutz der Totenruhe gegenüber dem Recht der Angehörigen auf Totenfürsorge wiege grundsätzlich höher, entschied das Bayerische Verwaltungsgericht (VG) Ansbach und wies die Klage ab, wie eine Justizsprecherin am Donnerstag in Ansbach mitteilte (Urt. v. 03.08.2016, Az. AN 4 K 16.00882).

Die aus Thüringen stammende Klägerin wollte die Urne mit der Asche ihrer Mutter auf einen Friedhof in ihrem neuen Wohnort umbetten, um sich dort besser um das Grab kümmern zu können. Es sei zudem der Wunsch der Verstorbenen gewesen, dass die Asche im Falle eines Rückzugs in ihre Heimat mitgenommen werde, gab die klagende Tochter an. Sie und ihre Mutter waren noch vor der Wende aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik umgesiedelt, mittlerweile lebt die Tochter wieder in ihrer Heimat.

Die Kirchenstiftung hatte die Umbettung vor Ablauf der auf dem Friedhof geltenden Ruhezeit von zehn Jahren mit der Begründung abgelehnt, dass nach der religiösen und sittlichen Anschauung und dem allgemeinen Pietätsempfinden ein Toter in seiner Ruhe nicht mehr gestört werden dürfe.

Eine Ausnahme sei nur anzunehmen, wenn ganz besondere Gründe vorlägen, hinter denen selbst die Achtung der Totenruhe zurückzutreten habe. Das Gericht folgte der Auffassung der Kirchenstiftung und verneinte das Vorliegen wichtiger Gründe. Auch das Vorbringen der Tochter, ihr Recht auf Totenfürsorge sei durch den Umzug in eine etwa 270 Kilometer entfernte Stadt in Thüringen erheblich eingeschränkt, stellte für das VG keinen wichtigen Grund dar.

dpa/nas/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VG Ansbach zu Totenruhe: Urne bleibt beim Umzug zurück . In: Legal Tribune Online, 25.08.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20389/ (abgerufen am: 21.09.2019 )

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Kommentare
  • 25.08.2016 19:32, bergischer Löwe

    ... und wo endet das dann alles: in anonymen Grabfeldern ohne Stein, Kreuz oder Platte oder man lässt sich direkt im Ausland einäschern . Ob das dann im Sinn des Friedhofsrecht ist ?

  • 25.08.2016 19:51, Lawfirm

    In den Wind streuen und damit immer vor Ort sein ....

  • 27.08.2016 18:31, H. P. Löffler

    Seltsam, das wenn die Angehörigen sich die Verlängerung der Mietgebühr für eine Grabstelle nicht mehr leisten können, das dann wiederum die finanziellen Interessen der Stadt höher wiegen als die Totenruhe, denn DANN werden sie ausgebuddelt und irgendwo vernichtet. Schöne Scheinheiligkeit.

  • 07.09.2016 11:11, Peter Fejfar

    Ich verstehe dieses Urteil nicht. Auch ich habe bereits bei meiner Gemeinde nachgefragt, was mit der Urne bei Grabauflassung oder Umzug passiert. Da hieß es ganz lapidar, die Urne wird entsorgt. Das ist für mich insofern unverständlich, denn ich habe ja die Urne bezahlt. Ist das nicht mit einer Enteignung zu vergleichen? Außerdem sehe ich hier keine Störung der Totenruhe, denn in der Urne ist ja nur noch Asche. Außerdem werden Tote nicht mit Post verschickt, wie es bei der Urne der Fall ist. Sie wird behandelt wie eine ganz normale Postsendung. Falls die Totenruhe sich darauf bezieht, dass die Urne bei Mitnahme ausgegraben werden müsste, so ist das doch das Gleiche, als wenn sie entsorgt wird. Hier muss sie ja auch ausgegraben werden. Warum darf eigentlich in anderen Ländern die Urne mit Nach Hause genommen werden und bei uns nicht?

  • 16.09.2018 00:12, Robi Biswas

    ZITAT:
    "Der Schutz der Totenruhe gegenüber dem Recht der Angehörigen auf Totenfürsorge wiege grundsätzlich höher..."

    Die Richter, die diese Willkür produzieren, wissen ja selbst nicht, was "Totenruhe" eigentlich für ein Rechtsgut ist.

    Einige sagen, dieses sei das Pietätsgefühl der Angehörigen. Das ist schonmal nicht schlecht. Dann darf man aber nicht gegen die Angehörige entscheiden.

    Einige sagen, es sei das Pietäts- und Sittlichkeitsgefühl der Gesellschaft.
    Natürlich: Mit so einem Schmarrn kann man alles und jedes begründen, es bleibt schlichte Willkür! Denn sind wir doch mal ehrlich: Welchen Mitbürger hätte es gejuckt, ob die Urne von Frau X nach Thüringen umgebettet würde oder nicht?
    Ganz ehrlich?? Und wenn, was geht das den an?

    Es geht hier um die "Totenwürde", die seine Angehörigen am besten wahren und bewahren können. Sie haben gemeinsam zu entscheiden, was mit der Asche passiert. "Totenruhe" ist eine Erfindung des Klerus, der seine Macht auf andere ausüben will. Gerichte nehmen diese Willkür dankbar auf, und geben sie an uns weiter.

    Wir haben im Familienkreis Bäume damit gepflanzt, Teile der Asche in Flüssen und im Meer verstreut. Das ist eine sehr schöne Form der Bestattung, die ich jedem (über Reimport der Asche z.B.) ans Herz legen kann!