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SG Dortmund zur Entschädigung wegen Tinnitus': Kin­der­sch­reie sind kein Arbeit­s­un­fall

19.02.2018

Eine Erzieherin, die aufgrund von Kindergeschrei einen Tinnitus erlitten haben will - das glaubt das SG Dortmund nicht. Denn selbst bei menschlichen Schreien mit Spitzenschallpegeln seien keine bleibenden Hörschäden zu erwarten.

Auch noch so lautes Kindergeschrei kann bei einer Erzieherin nicht als Arbeitsunfall gewertet werden, meint das Sozialgericht (SG) Dortmund und verweigert einer unter einem Tinnitus leidenden Frau Entschädigungsleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Das gab das Gericht am Montag bekannt (Urt. v. 22.01.2018, Az. S 17 U 1041/16).

Eine Erzieherin aus Hamm wollte von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen einen sogenannten Tinnitus-Masker bezahlt haben. Ein solcher Masker wird ähnlich wie ein Hörgerät am Ohr getragen und erzeugt ein gleichmäßiges Rauschen, das den störenden Tinnitus-Ton überdecken soll.

In dem heilpädagogischen Kinderheim, in dem die Erzieherin beschäftigt ist, habe ihr ein Kind so laut ins Ohr gebrüllt, dass sie eine bleibende Hörstörung erlitten habe, argumentierte sie.

Den Antrag auf Kostenübernahme lehnte die Behörde ab. Selbst Schreie aus unmittelbarer Nähe des Ohres seien nicht geeignet dauerhafte Hörstörungen oder ein bleibendes Ohrgeräusch zu verursachen, hieß es in der Begründung.

Die Klage der Erzieherin gegen den Bescheid wiesen die Dortmunder Sozialrichter nun ab. Es könne nämlich nicht festgestellt werden, dass die Frau aufgrund des Kinderschreis einen Tinnitus-Masker benötige. In der medizinischen Wissenschaft sei anerkannt, dass durch menschliche Schreie selbst bei Spitzenschallpegeln von mehr als 130 Dezibel keine bleibenden Hörschäden zu erwarten seien – und erst recht kein Tinnitus, so das SG.

mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

SG Dortmund zur Entschädigung wegen Tinnitus': Kinderschreie sind kein Arbeitsunfall . In: Legal Tribune Online, 19.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27101/ (abgerufen am: 21.07.2019 )

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Kommentare
  • 19.02.2018 20:52, AFD WÄHLER

    Die Presse lügt. Leute wacht aueff. Die Medien wollen uns deutsche für dumm verkaufen. Das ist alles eine große Verschwörung von die Medien und die Politiker. Der deutsche Michel muss aufwachen und die volksverräter aus dem Land jagen

    • 19.02.2018 21:02, Erzherzog GÜNTHER

      Tun wir uns zusammen um deutsche Musik zu schützen!

      Und bekräften wir unsere Zusammenarbeit mit traditioneller thüringischer Volksmusik:

      Oh...you touch my tra la la
      Mmm...my ding ding dong
      (Mmm!)
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      Oh...you touch my tra la la
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La (Mmm...my ding ding dong)
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      Deep in the night
      I'm looking for some fun
      Deep in the night
      I'm looking for some love
      Deep in the night
      I'm looking for some fun
      Deep in the night
      I'm looking for some...
      You tease me
      Oh, please me
      I want you to be my love toy
      Come near me
      Don't fear me
      I just can't get enough of you, boy
      Oh...you touch my tra la la
      La
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La (Mmm...my ding ding dong)
      La la la
      La la la
      La la la la la la
      La (Oh...you…

  • 20.02.2018 07:45, M.D.

    Dieser Fall hätte eine wundervolle Möglichkeit zur "Augenscheinnahme" geboten. Einfach mal das Lauschorgan an eine Druckluftfanfare halten und auf das kleine Knöpfen drücken. Wenn es danach nicht dezent in den Öhrchen klingelt, kann man die Klage abweisen.

    • 20.02.2018 09:30, B.

      Einfach mal einen Tag in dem "heilpädagogischen Kinderheim" hospitieren, wäre hilfreich gewesen.

    • 21.02.2018 11:47, McMac

      Daher: Augen auf bei der Berufswahl!

  • 20.02.2018 10:25, esfehltdiegründlicheReform

    Ein typischer Fall von allgemeine Lebensrisiken auf die Allgemeinheit abwälzen wollen. Nicht wenige Leute leiden irgendwann unter Tinnitus (mir fallen direkt zwei aus dem näheren Bekanntenkreis ein). Das kommt und ghet (hoffentlich) auch irgendwann wieder.
    Man muss dem SG dankbar sein, hier Nein gesagt zu haben.

  • 21.02.2018 16:07, Erwin

    "[...] Spitzenschallpegeln von mehr als 130 Dezibel [...]".
    Das ist nun wirklich dümmlich.
    Die Dezibelskala ist nämlich logarithmisch, d.h. plus 10 = doppelte Wahrnehmung.
    Und das ab 140 db ein Lärmtrauma mit nicht unerheblichen Folgen durchaus passieren kann, ist nach meiner Kenntnis in der Wissenschaft anerkannt.