Hoeneß-Effekt?: Steuerselbstanzeige boomt

18.07.2013

Von Januar bis Juni 2013 haben sich in Deutschlands Finanzämtern 9.185 mutmaßliche Steuerbetrüger gemeldet - so viele wie nie zuvor. Das ist, wie eine Umfrage der dpa bei den Finanzministerien aller 16 Bundesländer ergab, schon recht nah an der Zahl für das gesamte Jahr 2012 (11.824).

Zwischen den 16 Ländern tun sich dabei erhebliche Unterschiede auf. An der Spitze liegt Baden-Württemberg, wo etwa 2.360 mutmaßliche Betrüger den Versuch zur Rückkehr in die Ehrlichkeit unternahmen. Auf den nächsten Plätzen folgen Nordrhein-Westfalen (1.528) und Bayern (1.179).

Im Osten sieht es anders aus. In Sachsen-Anhalt etwa gab es ganze drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben, was auch an der ungleichen Bevölkerungs- und Vermögensverteilung liegen mag.

Einig sind sich die Experten, dass der Fall Hoeneß beim bundesweiten Rekord eine Rolle spielt. Seit die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten am 20. April bekannt wurde, ging die Zahl in die Höhe. "Mag sein, dass das der Auslöser war", sagt auch der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken. "Aber der eigentliche Grund ist, dass Ende vergangenen Jahres das Steuerabkommen mit der Schweiz nicht zustande gekommen ist."

Experten sagen weitere Selbstanzeigen voraus

Als weiterer Grund wird der umstrittene Ankauf sogenannter Steuer-CDs genannt. Solange viele Staaten für Steuerbetrüger weiter die Türen offenhielten, sei der Erwerb von Daten "ganz offenbar ein probates Mittel" um Steuerhinterzieher zu verunsichern, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) der Nachrichtenagentur dpa in Düsseldorf.

Experten erwarten, dass es in den nächsten Monaten viele weitere Selbstanzeigen geben wird. In den Finanzämtern hat man die Erfahrung gemacht, dass sich mit jedem neuen Dreh des Falls Hoeneß wieder neue Sünder offenbaren.

dpa/age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Hoeneß-Effekt?: Steuerselbstanzeige boomt . In: Legal Tribune Online, 18.07.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/9174/ (abgerufen am: 01.07.2022 )

Infos zum Zitiervorschlag