Warnt vor sich selbst: Ein nasser Becken­rand braucht kein Hin­weis­schild

01.03.2018

Eine Frau, die am Beckenrand ausrutschte und sich den Zeh brach, bekommt kein Schmerzensgeld vom Schwimmbadbetreiber. Dass der Nassbereich eines Schwimmbeckens rutschig ist, leuchtet auch ohne Hinweisschilder ein, entschied das OLG Nürnberg.

Das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg hat klargestellt, dass im Nassbereich eines Schwimmbades weder eine Gummimatte ausgelegt werden muss noch spezielle Hinweise auf die Rutschgefahr erforderlich sind (Hinweisbeschl. v. 28.08.2017, Az. 4 U 1176/17). Eine Frau hatte einen Schwimmbadbetreiber in der Oberpfalz verklagt, weil sie beim Verlassen eines Beckens auf den Holzbrettern im Ein- /Ausstiegsbereich nach hinten wegrutschte und sich dabei einen Zehenbruch und eine Steißbeinprellung zuzog. Dafür verlangte sie Schmerzensgeld sowie Ersatz der Behandlungskosten.

Bereits das Landgericht (LG) Regensburg wies ihre Klage ab. In Schwimmbädern und Saunen gebe es viele Gefahren, denen man nicht durch eine allgegenwärtige Aufsicht begegnen könne, so das LG. Es sei nicht nötig, im unmittelbar an ein Schwimmbecken angrenzenden Bereich Schilder aufzustellen, die vor möglicher Rutschgefahr durch Nässe warnen. Die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen im Schwimmbad seien ausreichend gewesen. 

Das OLG hat die Berufung der Frau zurückgewiesen, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Im Rahmen einer Verkehrssicherungspflicht müssten nur diejenigen Gefahren ausgeräumt werden, welche für den Benutzer, der die erforderliche Sorgfalt walten lasse, nicht oder nicht ohne weiteres erkennbar seien. Eine vollständige Gefahrlosigkeit könne hingegen nicht verlangt werden, entschied das Gericht.

Sicherheitsmaßnahmen seien insbesondere dann entbehrlich, wenn die Gefahrenquelle sozusagen "vor sich selbst warne". Im Nassbereich eines Schwimmbeckens müsse nach Auffassung des Senats immer damit gerechnet werden, dass der Boden aufgrund der Nässe rutschig sei. Der Betreiber der Badeanlage habe durch den gewählten Bodenbelag aus geriffeltem Holz sowie einem angebrachten massiven Handlauf ausreichende Maßnahmen zur Vorbeugung gegen mögliches Ausrutschen getroffen.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Warnt vor sich selbst: Ein nasser Beckenrand braucht kein Hinweisschild . In: Legal Tribune Online, 01.03.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27295/ (abgerufen am: 22.03.2019 )

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Kommentare
  • 01.03.2018 15:41, McMac

    Wieder so ein Fall, bei dem versucht wird, die Folgen individueller Dummheit auf andere bzw. die Allgemeinheit abzuwälzen.

    • 01.03.2018 15:46, Hein Klug

      Eine weise Entscheidung. Die Richter haben ihren gesunden Menschenverstand benutzt.

  • 01.03.2018 15:46, Mutig

    "Dass der Nassbereich eines Schwimmbeckens rutschig ist, leuchtet auch ohne Hinweisschilder ein, entschied das OLG Nürnberg."

    Nanana liebes OLG, da trauen sie den Menschen aber ziemlich viel zu. Da sind die Gerichte in den US und A aber deutlich fortschrittlicher. Da muss explizit erwähnt werden, dass der Kaffee aus dem Coffee-to-go Becher heiß ist und Red Bull eben doch keine Flügel verleiht.

    • 01.03.2018 15:49, Hein Klug

      Das ist doch hoffentlich Ironie. Ich musste über den Vergleich mit Redbull schmunzeln. Super!!

  • 02.03.2018 16:32, Rotkreiz

    So ein Unsinn!
    Es wird so getan, als ob Rutschgefahr am Pool gottgegeben sei. Wir haben mittlerweile auch Chlor im Schwimmbad gegen Infektionen, genauso verhält es sich mir einer Rutschhemmung (die den Namen auch verdient).
    Und der Vergleich mit dem Kaffee ist total daneben. Frischer Kaffee will ich und ist heiß, dass Schwimmbad braucht nur eine ordentliche Rutschbeschichtung!

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