OLG bestätigt Testament mit linker Hand: Mit links gemacht

20.09.2017

Ein Verstorbener hatte sein Testament aufgrund einer Lähmung mit der linken Hand verfasst. Das Schriftstück sei nicht echt, wandten die Geschwister des Mannes ein - es sei zu gut geschrieben. Sie selbst kamen darin nicht vor.

 

Kann man ein Testament als Rechtshänder auch mit links schreiben? Zunächst einmal sagt das Gesetz nichts darüber aus. Dennoch beschäftigte ein solcher Fall kürzlich das Oberlandesgericht (OLG) Köln, das schließlich ein mit der linken Hand verfasstes Testament für gültig befand (Beschl. v. 03.08.2017, Az. 2 Wx 149/17). Im Prozess hatten die Geschwister des Erblassers die Echtheit des Testaments angezweifelt. Gefälscht war aber nach Ansicht des Gerichts ein zweites Schriftstück.

Ein eigenhändiges Testament ist im Grunde schnell verfasst. Es bedarf zu seiner Gültigkeit nur simpler Formalia wie wie Ort, Datum und einer Unterschrift, die den Verfasser erkennbar macht. So weit die gesetzlichen Vorgaben. Kompliziert kann es aber werden, wenn ein Testament mit der anderen - im Gerichtsjargon: schreibungewohnten - Hand geschrieben wird.

So geschehen im Fall eines im Alter von 62 Jahren an Krebs verstorbenen Euskircheners. Etwa ein halbes Jahr vor seinem Tod hatten die Ärzte bei dem Mann Lungenkrebs diagnostiziert, der wenig später Lähmungen im rechten Arm verursachte. Nach seinem Tod wurden dem Nachlassgericht zwei als Testament überschriebene und mit dem Namen des Erblassers unterzeichnete Schriftstücke vorgelegt, von denen eines die Nachbarn des Verstorbenen und das andere einen Verwandten* als Erben bezeichnete. Die Nachbarn beantragten daraufhin die Erteilung eines Erbscheins auf der Grundlage des ersten Testaments.

Zweites Testament gefälscht

Wie schon das erstinstanzlich befasste Amtsgericht bestätigte auch das im Beschwerdeverfahren zuständige OLG schließlich die Gültigkeit des die Nachbarn begünstigenden Testaments, das der Mann aufgrund der Lähmung mit seiner linken Hand hatte schreiben müssen. Die Geschwister hatten dessen Echtheit angezweifelt, da ein mit einer schreibungewohnten Hand geschriebenes Testament wesentlich unregelmäßiger aussehen müsste.

Dieses Argument überzeugte das OLG allerdings nicht. Vielmehr gebe es auch Menschen, die mit ihrer schreibungewohnten Hand ein durchaus regelmäßiges Schriftbild erzeugen könnten. Nach der Vernehmung von Zeugen, der Einholung eines graphologischen Gutachtens und durch schriftliche Stellungnahmen der behandelnden Ärzte kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass das die Nachbarn begünstigende Testament den gültigen letzten Willen des Erblassers beinhalte.

Die gerichtlich bestellte Schriftsachverständige konnte zwar nicht mit Sicherheit bestätigen, dass das Testament vom Erblasser stammte, weil es kein geeignetes Vergleichsmaterial von mit der linken Hand geschriebenen Schriftstücken des Verstorbenen gab. Entscheidend war schließlich, dass ein Zeuge glaubhaft bestätigte, bei der Abfassung des mit der linken Hand geschriebenen Testaments dabei gewesen zu sein. Und auch ein mit der linken Hand geschriebenes Testament sei gültig, stellte das Gericht klar.

Das zweite Testament, welches den Verwandten des Erblassers begünstigte*, stamme dagegen nicht vom ihm. Es war ohne Absender beim Nachlassgericht eingegangen und ausweislich seines Datums später erstellt worden. Es konnte schon aufgrund des Schriftbildes nicht vom Erblasser stammen, weil dieser zu diesem späteren Zeitpunkt mit der linken Hand nur noch krakelig schrieb. Wer dieses Testament gefälscht hatte, konnte im Nachlassverfahren nicht geklärt werden.

mam/LTO-Redaktion

*Änderung vom 11.10.2017, 12:41 Uhr: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das zweite, gefälschte Testament habe die Geschwister des Verstorbenen begünstigt und diese hätten daraufhin einen Erbschein beantragt. Tatsächlich sah es aber einen anderen Verwandten als Erben vor. Die Darstellung beruhte auf einer Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Köln, die dieses inzwischen korrigiert hat.

Zitiervorschlag

OLG bestätigt Testament mit linker Hand: Mit links gemacht. In: Legal Tribune Online, 20.09.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24607/ (abgerufen am: 18.12.2017)

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Kommentare
  • 20.09.2017 16:18, DarkMaster

    Und was ist mit den Geschwistern?
    Ist doch klar, dass sie das Testament gefälscht haben. Wieso wurden sie nicht wegen Urkundenfälschung verurteilt?

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    • 20.09.2017 19:34, .

      Klar, wir brauchen unbedingt wieder die Sippenhaft! Wenn zumindest ein Geschwisterteil eine Straftat begangen haben könnte, die allen Geschwistern zugute kommt, dann müssen auch ohne Nachweis der Tat bzw. der Beteiligung an einer Tat sämtliche Geschwister verurteilt werden!

  • 20.09.2017 18:16, @Topic

    Die buckligen Verwandtschaft. Gierig bis aufs Blut. Die typischen Leichenfleddereien. Da kann es gar nicht schnell genug gehen, Bis die Alten endlich ins Gras beißen. Widerlich.

    Aber das ist eben die Folge einer Gesellschaft, die im Lichte von Pegida und AfD immer mehr verroht und jeglichen moralischen Anspruch über Bord wirft.

    Immer nur "ich, ich, ich, ich, ich!"... Ekelhaft

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    • 21.09.2017 13:53, Brunzel

      Nicht dass ich Ihrem Kommentar widersprechen möchte, aber das "Ich! Ich! Ich!" sehe ich doch am stärksten durch eine andere, "liberale" Partei vertreten.

    • 23.09.2017 19:58, @Brunzel

      Ja FDP ist AfD mit weniger Nazis, zugegeben.

    • 07.11.2017 17:01, P-W Bürkle

      die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft hat nicht erst mit der AfD und Pegida angefangen. Wenn eine Mörderbande über 10 Jahre durch den Staat geistern konnte, ohne dass seine Organe erkannten und erkennen wollten, was hier gespielt wird, das ist mehr als ein Zeichen....

  • 20.09.2017 19:17, stud. iur. Aurelius Ansgar von Armsberg

    Kann ein Armloser sein Testament auch mit seinen Füßen verfassen, oder indem er den Stift zwischen seine Zähne klammert, wenn es ansonsten keine Schriftstücke gibt, die er so verfasst hat?

    Neben dem Übereilungsschutz dient die Schriftform doch gerade dem Beweis der Identität des Ausstellers. Die Beweisfunktion ist weder bei einem Rechtshänder, der mit der linken Hand schreibt, noch bei einem Armlosen erfüllt, wenn es keine Referenz gibt.

    Für Schreibunfähige ist der Gang zum Notar und die Erstellung eines öffentlichen Testaments wohl kaum unzumutbar, wenn der Tod nicht unmittelbar bevorsteht.

    Es ist Aufgabe der Rechtsprechung, gerechte Entscheidungen zu fällen. Die zuständigen Richter sind nah am Fall und kompetenter als ich, sie treffen ihre Entscheidungen nicht ohne Grund. Vielmehr scheint es offensichtlich, dass das Testament hier echt ist, weshalb ein Bedürfnis besteht es anzuerkennen. Dennoch ist das Urteil m.E. dogmatisch nicht haltbar und von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus falsch.

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    • 22.09.2017 17:12, Ikke

      Gibt noch mehr Möglichkeiten ein Testament zu errichten. Einfach mal ins Gesetz gucken.

  • 21.09.2017 17:11, Horst Bestelmeyer

    Auch wer als Rechtshänder links schreibt, schreibt eingehändig, und wenn jemand bei der Testamentserrichtung zugegen war, der den Errichtungsvorgang als Zeuge bestätigt, ist auch die Identitätsfrage kein Problem. Mit zutreffender oder verfehler Dogmatik oder (fehlender) Wissenschaftlichkeit hat das Ganze also nichts zu tun.

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